Liturgie und Stundengebet

Leben aus der Liturgie

Es war sicher eine der kritischsten Stunden im Leben der hl. Hildegard und ein Augenblick tiefsten Schmerzes: 1178, dem letzten Lebensjahr Hildegards in dieser Zeitlichkeit, verhängte das Mainzer Domkapitel über ihr Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen das Interdikt. Wie kam es zu einer so harten Maßnahme?

Das Kloster hatte, wie es in damaliger Zeit üblich war, die Erlaubnis, verstorbene Freunde und Wohltäter auf dem Klosterfriedhof beizusetzen. Hildegard ließ einen ehemals exkommunizierten Edelmann, der sich mit der Kirche ausgesöhnt hatte, auf ihrem Friedhof bestatten. Da die Aussöhnung mit der Kirche aber nicht in der Öffentlichkeit stattgefunden hatte, forderten die Mainzer Prälaten die Exhumierung und Umbettung des Leichnams. Im Weigerungsfall werde das Kloster mit dem Interdikt belegt.

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Das Stundengebet in der Abtei St. Hildegard

„Siebenmal am Tag singe ich dein Lob.“ (Psalm 119, 164) 

Vesper in der Abtei (Stundengebet anhören)

Seit Jahrtausenden sind Juden und Christen im Innersten ihres Glaubens miteinander verbunden: im Gotteslob. Nach der Heimkehr des Volkes Israel aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft wurden die Synagogen aufgebaut. Hier versammelte sich das Volk Gottes, um im Gebet Gott zu loben und ihm für sein Heilswirken zu danken.

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Der Gregorianische Choral als Mittel der Verkündigung

„Euch ist aufgetragen, die Würde, Schönheit und Erhabenheit des Choralgebetes sowohl in der Sprache als auch im Gesang zu bewahren. Es handelt sich nicht nur darum, beim Chorgebet die lateinische Sprache beizubehalten und zu würdigen – das wäre zu wenig -, sondern, dass sie eifrig gepflegt wird, da in der lateinischen Kirche der christliche Kult eine überreiche Quelle und ein gesegneter Reichtum der Gottesverehrung ist, dessen Glanz, Schönheit, natürliche Frische solcher Gebete und Gesänge es zu bewahren gilt.
Es handelt sich ausdrücklich um den Choralgesang – „angenehm durch die Stimme der lobpreisenden Kirche“ (Hl. Augustinus) -, den eure Gründer euch überliefert haben. Diese Art des Choraloffiziums war besonders auch ein Grund dafür, dass eure Klosterfamilien fest standen und sich durch frohen Zuwachs mehrten.“ (Aus einem Brief von Papst Paul VI.: „Sacrificium Laudis“ an die monastischen Klöster über die Pflege des Choralgesangs und der lateinischen Kultsprache)

Gregorianischen Choral anhören >> 

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Das Mysterium des Gebets

„Wenn ich rufe, erhöre mich, Gott, du mein Retter!
Du hast mir Raum geschaffen als mir Angst war.
Sei mir gnädig und erhöre mein Flehen.“ Ps 4, 2

Der menschliche Akt, den wir „Gebet“ nennen, das Sprechen des Menschen zu Gott und die empfängliche und manchmal wortlose Offenheit für Gottes Wort an uns, hat viele Aspekte:
Menschliche Aspekte, die sich nach Gesetzmäßigkeiten des Menschseins vollziehen, und die man mittels der Humanwissenschaften wie der Anthropologie und Psychologie betrachten kann, aber auch Aspekte, die den Menschen übersteigen. Sie haben mit dem Gesprächspartner Gott zu tun und sind ein Mysterium, dem wir uns nur in ehrfürchtiger Scheu nähern können. Immer aber werden wir vor einem Geheimnis stehen, das größer ist als wir.

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