Was ist ein Kirchenlehrer bzw. eine Kirchenlehrerin?

Kirchenlehrer (doctor Ecclesiae) ist ein Titel, den der Papst für herausragende Leistungen in der Theologie und in der Glaubensweitergabe vergibt. In der Regel wurden mit diesem Titel bestimmte ausgewählte Heilige der Kirche geehrt; in seltenen Ausnahmen, wie z.B. bei Albertus Magnus, erfolgte die Heiligsprechung zugleich mit der Erhebung zum Kirchenlehrer. Der Titel Kirchenlehrer entwickelte sich ab dem 13. Jahrhundert aus dem Titel Kirchenvater. Im Gegensatz zu diesem ist der Titel Kirchenlehrer nicht auf das christliche Altertum beschränkt. Die Kirchenlehrer bringen den Menschen ihrer Zeit und oftmals auch späterer Zeiten die Lehre des eigentlichen Kirchenlehrers Jesus Christus auf besondere Weise nahe und sind damit Zeugen der Glaubenslehre der Kirche.

Gemäß der Festlegung durch Papst Benedikt XIV. (De servorum Dei beatificatione et beatorum canonizatione, lib. IV, p.2, cap. 11, aus dem Jahr 1741) sind vier Merkmale erforderlich, damit jemand als Kirchenlehrer bzw. Kirchenlehrerin (doctor Ecclesiae) geehrt werden kann:
• Rechtgläubigkeit der Lehre (“doctrina orthodoxa”): verstanden als Lehrgemeinschaft mit der Kirche, nicht als Irrtumslosigkeit in einzelnen theologischen Lehrmeinungen
• Heiligkeit des Lebens (“sanctitas vitae”): Anerkennung des vorbildlichen Lebens durch die Verehrung bzw. ausdrückliche Anerkennung der Kirche
• herausragende Lehre (“doctrina eminens”): nicht nur die streng wissenschaftliche Theologie ist hier gemeint, sondern auch der Aspekt der mystisch-spirituellen Erfahrung und Wegweisung
• Anerkennung bzw. offizielle Ernennung durch die Kirche (Papst oder zuständige Vatikanische Kongregation für die Heiligsprechungen; “expressa ecclesiae declaratio”)

Liste der 33 bisherigen Kirchenlehrer und Kirchenlehrerinnen

• Albertus Magnus (um 1200–1280), deutscher Universalgelehrter
• Alfons Maria di Liguori (1696–1787), italienischer Jurist, Bischof und Ordensgründer
• Ambrosius von Mailand (um 340–397), Bischof von Mailand
• Anselm von Canterbury (um 1033–1109), Erzbischof von Canterbury, Begründer der Scholastik
• Antonius von Padua (1195–1231), portugiesischer Franziskaner, Prediger
• Athanasius der Große (um 298–373), Bischof von Alexandria
• Augustinus von Hippo (354–430), Bischof von Hippo
• Basilius von Caesarea (um 330–379), Bischof von Cäsarea
• Beda Venerabilis (um 673–735), englischer Benediktiner, Geschichtsschreiber
• Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153), französischer Zisterzienser, Mystiker
• Ephraem der Syrer (um 306–373), Einsiedler
• Franz von Sales (1567–1622), französischer Ordensgründer, Mystiker
• Gregor der Große (um 540–604), Papst
• Gregor von Nazianz (um 329–390), Patriarch von Konstantinopel
• Hieronymus (347–420), Bibelübersetzer
• Hilarius von Poitiers (um 315–367), Bischof von Poitiers
• Isidor von Sevilla (um 560–636), Bischof von Sevilla
• Johannes Bonaventura (1221–1274), Franziskaner, Bischof von Albano
• Johannes Chrysostomos (344/349–407), Erzbischof von Konstantinopel
• Johannes vom Kreuz (1542–1591), spanischer Karmelit und Mystiker, Ordensgründer
• Johannes von Damaskus (um 650–749), orthodoxer Mönch, Dogmatiker
• Katharina von Siena (1347–1380), italienische Mystikerin
• Kyrill von Alexandria (um 375/380–444), Patriarch von Alexandria
• Kyrill von Jerusalem (um 315–386), Bischof von Jerusalem
• Laurentius von Brindisi (1559–1619), italienischer Kapuziner
• Leo der Große (um 400–461), Papst
• Petrus Canisius (1521–1597), erster deutscher Jesuit
• Petrus Chrysologus (um 380–451), Bischof von Ravenna
• Petrus Damiani (um 1006–1072), italienischer Bischof
• Robert Bellarmin (1542–1621), italienischer Jesuit
• Teresa von Ávila (1515–1582), spanische Karmelitin, Mystikerin, Ordensgründerin
• Thérèse von Lisieux (1873–1897), französische Karmelitin
• Thomas von Aquin (um 1225–1274), italienischer Dominikaner, Hauptvertreter der Scholastik