Viele von uns sehnen sich in diesen Wochen nach ihrem wohlverdienten Urlaub, nach Erholung und vor allem nach Ruhe. Ruhe klingt in unseren Ohren fast schon wie ein Zauberwort, so stark ist unsere Zeit von Unruhe bestimmt. Das liegt nicht nur an der gestiegenen Mobilität. Es muss auch unabhängig davon immer etwas los sein. Wenn es nicht Arbeit ist, dann Unterhaltung, Erlebnisse, Events. Wie unruhig wir leben, zeigt sich bei vielen gerade in den Ferien. Sie empfinden es als beunruhigend, wenn sie auf einmal ruhen sollen. Sie flüchten sich in neue Betätigungen und selbst produzierten Urlaubsstress. An Hektik und Aktionismus gewöhnt, fürchten viele zugleich die Ruhe, die sie sich wünschen. Dabei bedeutet Ruhe eigentlich viel mehr als nur Nichtstun. Wenn von Gott gesagt wird, dass er am siebten Tag ruhte, dann heißt das nicht, dass er sich gelangweilt hätte. Er schaute vielmehr mit bejahendem Wohlgefallen auf sein Werk und umgab es mit der Zusage, dass es sein soll und dass es gut ist. Menschliches Ruhen ist Teilnahme an dieser Ruhe Gottes. Wirklich zur Ruhe kommen wir deshalb nur im Vertrauen darauf, dass das Geheimnis auf dem Grund unseres Lebens voll Licht ist, und dass Gott zu Ende führen wird, was in unserem Leben unfertig und unerfüllt bleibt. Zur Ruhe gehört die Gewissheit, dass ein unumstößliches Jawort über unserer Welt und über meinem ganz persönlichen Leben steht. Eine solche Gewissheit aber können wir Menschen uns nicht selbst geben, wir können sie nicht machen, auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen. Wir dürfen uns also getrost von Gott die Last abnehmen lassen, unser Leben selbst vollenden zu müssen. Dazu braucht es nicht viel – nur den kleinen, aber entscheidenden Schritt des Loslassens unseres eigenen Ego, an das wir uns so verbissen klammern. Gottes Ja ist immer größer als unsere Vorstellungen. Nur wer sich hinauswagt in seine Unendlichkeit, wird Ruhe finden für seine aufgescheuchte Seele.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Urlaub!

Von Sr. Philippa Rath OSB