ChronikLiebe Mitbrüder und Mitschwestern,
liebe Verwandte und Freunde der Abtei St. Hildegard!

„Wer als Mensch die kleine Zeit an das Herz der Ewigkeit nimmt, die er selbst in sich trägt, der merkt plötzlich, dass auch die kleinen Dinge unsagbare Tiefen haben, Boten der Ewigkeit sind,immer auch mehr sind als sie selbst. Denn das Kleine ist die Verheißung des Großen, und die Zeit ist das Werden der Ewigkeit.“ 

Mit diesen Worten des unvergessenen Karl Rahner möchten wir Sie einladen, gemeinsam mit uns das Jahr 2013 Revue passieren zu lassen. Nach dem für unsere Abtei so bedeutsamen Jahr 2012 – in dem unsere Klosterpatronin von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben wurde – war das nun zu Ende gehende Jahr eher ein Jahr der kleinen Dinge, ein Jahr des Alltags, von dem wir aber zuversichtlich glauben, dass auch dieses die Verheißung des Großen und der Ewigkeit in sich trägt.

Es war ein Zwei-Päpste-Jahr, ein Jahr der Krisen und zugleich des Neuaufbruchs in der Kirche. Für uns war und ist die Wahl von Papst Franziskus ein Zeichen der Hoffnung und ein Fingerzeig Gottes, der uns zu Kontinuität und Wandel gleichermaßen aufruft. Dennoch traf auch uns der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. wie ein „Paukenschlag“. Doch wurde uns damit auch mit einem Mal klar, warum dieser die Arbeiten an der „Positio“ zur Heiligsprechung und Kirchenlehrererhebung der heiligen Hildegard im Jahr zuvor mit solchem Zeitdruck vorangetrieben hatte. Es war wahrlich ein kleines Zeitfenster, in dem da 900 Jahre Kirchen- und Hagiographiegeschichte zu einem Höhepunkt geführt wurden. Und so wird das Pontifikat Papst Benedikts XVI. nicht nur in die Geschichte der ganzen Kirche, sondern auch in die kleine Geschichte unserer Abtei eingehen.

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Ein Hauch des Glanzes aus dem Jahr 2012 durchwehte auch noch das Jahr 2013. Im März fand ein internationaler und interdiziplinärer Hildegard-Kongress in Mainz statt, von dem wir in dieser Chronik noch ausführlich berichten. Er steht für einen neuen Aufbruch in der Hildegard-Forschung und hatte seine Initialzündung in der Kirchenlehrererhebung unserer Klosterpatronin.

Prägend für unseren Alltag in der Gemeinschaft und für viele Begegnungen mit Menschen wurde im Laufe des Jahres dann aber etwas anderes: die Konflikte und Auseinandersetzungen in unserem Bistum Limburg. Wir fühlen uns seit der Gründung unserer Abtei, die seinerzeit maßgeblich auch vom damaligen Limburger Bischof Peter Joseph Blum (1808–1884) gefördert wurde, unserem Bistum und den Bischöfen von Limburg eng verbunden. Wir haben jedem einzelnen von ihnen sehr viel zu verdanken und fühlten uns in unserer Berufung und in unserem Auftrag durch sie stets anerkannt und mit großem Wohlwollen respektiert. Umso mehr aber schmerzten und schmerzen uns die Ereignisse selbst, die Form der medialen Aufarbeitung und die Unversöhnlichkeit vieler Beteiligter. Wohl selten haben wir so viel und so intensiv für unser Bistum und unseren Bischof gebetet wie in diesem Jahr. Wir vertrauen darauf – um den Wahlspruch unserer Mutter Clementia aufzugreifen – dass der Herr selbst es fügen wird, und dass Papst Franziskus im neuen Jahr eine gute und weise Entscheidung für unser Bistum treffen wird.

Aus dem Gemeinschaftsleben

Zu Beginn eines neuen Kirchenjahres ist es in unseren Klöstern ein guter Brauch, dass die Äbtissin dem Konvent ein Jahresmotto mit auf den Weg gibt. In diesem Jahr wählte sie das Wort „Stärke unseren Glauben“, in dem sie das noch von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Jahr des Glaubens für uns thematisierte. Wie aktuell diese Aufforderung, die einst die Apostel an den Herrn richteten, für uns im Laufe des Jahres werden würde, wusste Mutter Clementia freilich am 1. Adventssonntag des letzten Jahres noch nicht. Sich gegenseitig im Glauben zu stärken – gerade in Zeiten der äußeren und inneren Anfechtung – ist ein wesentlicher Auftrag des Abtsdienstes, aber auch der gesamten Gemeinschaft im täglichen Miteinander in Gebet und Lebensvollzug. Im Laufe des Jahres kam Mutter Clementia in ihren geistlichen Konferenzen immer wieder auf das Jahresmotto zurück, so z.B. in einer Konferenzreihe über die Räume eines Klosters und ihre geistliche Bedeutung für uns, wie etwa der Chor, das Refektorium oder die Zelle.

Auch die einwöchigen Konventexerzitien zu Beginn eines jeden Jahres bieten uns traditionsgemäß Zeit und Raum zur persönlichen und zur gemeinsamen Besinnung auf das Wesentliche unseres Lebens. Im gemeinsamen Hören auf das Wort des Exerzitienbegleiters richten wir uns neu aus und schöpfen zusammen Kraft aus den Quellen der biblischen und monastischen Tradition. In diesem Jahr hielt uns Abt Peter von Sury OSB aus der Abtei Mariastein/CH die Jahresexerzitien in Form einer großen, einwöchigen Lectio divina (geistlichen Schriftlesung). Anhand ausgesuchter Perikopen aus dem 8. und 9. Kapitel des Matthäusevangeliums öffnete er uns den Blick für ganz neue, z.T. überraschende Perspektiven auf die altvertrauten Bibeltexte und ließ uns auch Anteil nehmen an seinen eigenen Unsicherheiten und Zweifeln. Gerade durch diese eher ungewohnte, aber sehr authentische Sichtweise gelang es ihm, unseren Glauben zu stärken und die Freude an der eigenen monastischen Berufung wieder neu zu entfachen.

Beuroner Kongregation

Die Kontakte zu den anderen Klöstern und Gemeinschaften unserer Kongregation sind für uns ein wichtiger Bestandteil des Gemeinschaftslebens. Mutter Clementia fuhr in diesem Jahr mehrmals in die Abtei Neuburg. Dort trifft sich seit einigen Jahren regelmäßig ein Kreis von Oberinnen und Oberen unserer Kongregation zur kollegialen Beratung. Sie nahm auch regelmäßig an den Sitzungen des Regimen (Rat des Abtpräses) teil und besuchte wie immer die Tagung der VBD (Vereinigung der Benediktinerinnen im deutschsprachigen Raum) in Maria Laach.

Am 04. Mai fuhren Mutter Clementia, Mutter Edeltraud und einige Mitschwestern zum 25-jährigen Gründungsjubiläum nach Marienrode, das am 05. Mai mit einem Pontifikalamt eröffnet wurde. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle erinnerte in seiner Ansprache an die großen Verdienste des verstorbenen Bischofs Josef Homeyer um die Gründung in Marienrode. Es war für uns alle, aber auch für viele Menschen eine besondere Freude, dass Mutter Edeltraud als Gründeräbtissin trotz ihres fortgeschrittenen Alters an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte. Das Fest wurde von unseren Mitschwestern und vielen ehrenamtlichen Helfern mit großem Engagement vorbereitet. Wieder einmal wurde so deutlich, wie verwurzelt die Gemeinschaft von Marienrode in der Pfarr- und Ortsgemeinde ist. Vor unserer Abreise am 06. Mai trafen wir uns mit den Mitschwestern noch einmal zu einem gemeinsamen Mittagessen im Exerzitienhaus. Bei dieser Gelegenheit erinnerten wir uns voll Freude an die Jahre des Aufbaus und an den Aufbruch der Gründungsgruppe vor 25 Jahren.

Am 26. April musste die Beuroner Kongregation von einem ihrer großen Äbte Abschied nehmen. Nach langem schweren Leiden starb Altabt Norbert Stoffels OSB, der seiner Gemeinschaft von Neresheim 35 Jahre lang als Abt und Cellerar vorstand. Abt Norbert war viele Jahre Vorsitzender des Wirtschaftsrates der Beuroner Kongregation und erwarb sich große Verdienste um die Restaurierung der Abtei Neresheim, besonders der großen Barockkirche. Er stand auch uns bei der Gründung von Marienrode sowie bei unseren verschiedenen Baumaßnahmen in Eibingen stets mit Rat und Tat zur Seite. Gott möge ihm nun alles im himmlischen Jerusalem reich lohnen. Drei Wochen nach dem Heimgang von Abt Norbert erhielten wir die Nachricht, dass Vater Archimandrit Irenäus Totzke OSB, Niederaltaich, plötzlich und unerwartet von Gott in die Ewigkeit gerufen wurde. Vater Irenäus feierte viele Male mit uns die Göttliche Chrysostomus- Liturgie. Auch sonst zeigte er uns bei mancher Gelegenheit sein musikalisches Können. Unvergessen bleibt sein Charme, wenn er mit dem Ausspruch „Frau Äbtissin: A-Dur“ für Mutter Edeltraud und den Konvent die entsprechende Mozart-Sonate zu Gehör brachte. Möge der Herr, dessen Göttliche Liturgie er immer so intensiv und musikalisch anspruchsvoll mit uns gefeiert hat, ihn nun teilhaben lassen an der himmlischen Liturgie.

Am 28. Mai besuchten uns die Mitbrüder der Abtei Neuburg. Nach einer gemeinsamen Eucharistiefeier und dem Mittagessen im Refektorium folgten ein Spaziergang durch den Garten und ein Friedhofsbesuch. Nach dem Kaffee gab es einen langen und intensiven Austausch über das Thema: „Wie haben sich unser Selbstverständnis und unser Auftrag in den letzten Jahren gewandelt? Und wie gehen wir auf die Herausforderungen unserer Zeit ein?“ Am 28. August feierte Abt Franziskus sein 25-jähriges Abtsjubiläum. Mutter Clementia und einige Mitschwestern fuhren nach Neuburg, um mit den Mitbrüdern Abt Franziskus zu danken, der sich in den vergangenen 25 Jahren nicht nur für seinen eigenen Konvent, sondern darüber hinaus in der Beuroner Kongregation große Verdienste erworben hat. Die herzliche Gastfreundschaft und die große Dankbarkeit des Konventes haben uns angesteckt.

Die Beuroner Äbtekonferenz fand in diesem Jahr in der Erzabtei Beuron statt. Die „Arbeitsgruppe Zukunft“ hatte wieder einen Studientag vorbereitet, der von Pater Bertram Dickerhof SJ und Sr. Maria-Magdalena Hörter OSB aus der Abtei Kloster Engelthal moderiert wurde. Grundlage des Studientages war der Artikel von Prof. Michael Hochschild “Elastische Tradition“ in der Zeitschrift „Erbe und Auftrag“. In Kleingruppen versuchten die Oberinnen und Oberen, die Sachverhalte der einzelnen Thesen dieser Studie an ihrem eigenen Klosteralltag zu überprüfen. Ein Wort hat Mutter Clementia dabei besonders angesprochen: „An der Wand beginnt Wandlung – Krise als Chance!“.

Den Höhepunkt der Äbtekonferenz bildete der benediktinische Tag aus Anlass des Jubiläumsjahres „150 Jahre Erzabtei Beuron“. Der Tag begann mit einem Festhochamt mit Nuntius Erzbischof Jean-Claude Perisset. Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Mönchsrefektorium gab es verschiedene Führungen durch das Haus, eine Ausstellung, ein Orgelkonzert mit Improvisationen von Pater Landelin Fuß OSB und einen Stummfilm über das Leben und Wirken von Pater Desiderius Lenz OSB, der von Improvisationen von Pater Stephan Petzolt OSB begleitet wurde. Die Gastfreundschaft der Beuroner Mitbrüder während der Äbtekonferenz und an diesem Festtag bleiben unvergessen.

Unsere Geistlichen

Seit 01. Januar 2013 hat Pater Dr. Anselm Rosenthal OSB aus Maria Laach die Aufgabe des Hausgeistlichen in unserer Abtei übernommen. Wir danken Abt Benedikt und dem Laacher Konvent, dass sie uns wieder einen Mitbruder für den priesterlichen Dienst zur Verfügung stellen. Pater Anselm hat sich inzwischen bestens eingelebt und entdeckt nebenbei die kulturellen Schönheiten des Rheingaus. Seine kurzen Impulse vor der Eucharistiefeier und die Predigten am Sonntag bieten immer wieder neue Anregungen, die aus dem Reichtum der Heiligen Schrift, der Benediktsregel und der Liturgie erwachsen. Außerdem hält Pater Anselm monatlich eine Konferenz und hat in diesem Zusammenhang die heilige Hildegard als Quelle der Inspiration entdeckt.

An dieser Stelle möchten wir aber auch Herrn Pfarrer Ralf Hufsky, Herrn Pfarrer Winfried Didinger, Herrn Pfarrer Wilhelm Schickel sowie den Franziskanern von Marienthal danken, die immer zu Vertretungen bereit sind. Unser Dank für wertvolle priesterliche Dienste gilt auch Pater Max Rademacher OFM, Fulda, Herrn Pfarrer Werner Bardenhewer, Wiesbaden, und Abt Benedikt Müntnich OSB, Maria Laach, der uns wie immer mit Konferenzen zur Regel des heilige Benedikt und zu Festen des Kirchenjahres reicht beschenkte. Ein besonderer Dank gilt auch Herrn Josef Weser, Hallgarten, der in großer Treue fast jeden Sonntag im Konventhochamt das Amt des Diakons versieht.

Auch in diesem Jahr war Pater Elmar Salmann OSB aus der Abtei Gerleve wieder mehrmals bei uns. Er hielt Kurse für unsere Gäste und bereicherte den Konvent mit seinen Konferenzen. Im Sommer besuchte uns auch Altabt Pius Engelbert OSB, Gerleve, und hielt dem Konvent einen Vortrag über den benediktinischen Professgesang des „Suscipe me, Domine“. Am Ende des Kirchenjahres schließlich fanden für den Konvent wieder Studientage zur Regel des heiligen Benedikt statt. Altabt Christian Schütz OSB, Schweiklberg, stellte sie dieses Mal unter die Themen „Christus, der Weg“, „Der Weg zum Vater“ und „Seid vollkommen“.

Noviziat

Im Februar beendete Sr. Raphaela das Aufbaustudium „Pastoralpsychologie“ an der Jesuitenhochschule Frankfurt/ Sankt Georgen, da die Inhalte nicht den Erwartungen und Vorstellungen entsprachen, die wir zuvor damit verbunden hatten. Sr. Raphaela ist inzwischen eine große Stütze in unserem Klosterladen und hält Kurse im Gästehaus. Sr. Mirjam setzte ihr Studium „Business & Law“ an der Hochschule RheinMain fort. Da die „Wiesbaden Business School“ in erreichbarer Nähe liegt, kann sie den täglichen Weg gut per Zug bewältigen und dadurch auch am Konventleben teilnehmen.

Zusammen mit den Triennalprofessen aus Fulda und Varensell reiste Sr. Raphaela vom 09.–23. April zu einer Werkwoche der Beuroner Kongregation zu den Mitschwestern im Heliga Hjärtas Kloster auf dem Omberg in Schweden. Die Mitschwestern in Schweden haben eine ganz eigene und sehr bewegende Geschichte: ursprünglich evangelische Marientöchter, 1988 Konversion, 1989 Aufnahme in den Benediktinerorden, 1997 Bau eines eigenen Klosters auf dem Omberg am Vätternsee. In diesem Prozess des „Mönch-Werdens“ waren die Frauenklöster der Beuroner Kongregation, besonders die Abtei Varensell, für die Schwestern vom Omberg eine wichtige Hilfe. Heute leben 19 Schwestern auf dem Omberg, davon drei Novizinnen. Die Werkwoche stand unter dem Thema: „Professansprachen – von Cassian bis heute“. Sr. Johanna Buschmann OSB aus der Abtei Varensell hatte die Konferenzen vorbereitet und u.a. Texte von Johannes Cassian, Hildegard von Bingen, Ludwig Blosius, Dom Prosper Guerangér, Karl Rahner und Roger Schutz ausgewählt. Nach der persönlichen Lectio kam man über die Inhalte ins Gespräch, die mal kreativ, mal meditativ vertieft wurden. Zwar variierten Stil und Sprache der Professreden, jedoch waren die inhaltlichen Schwerpunkte in allen Jahrhunderten nahezu identisch: Gott beharrlich suchen, täglich neu anfangen, mit ganzem Herzen lieben. Neben dem Unterricht und der Mitarbeit im klösterlichen Alltag blieb noch genügend Zeit, um die faszinierende Landschaft zu bestaunen und selbst einige Etappen auf dem Pilgerweg der heiligen Birgitta zu erwandern. Dankbar und frohen Herzens kehrte Sr. Raphaela aus Schweden zurück und teilte uns ihre Eindrücke und Erlebnisse in einem kleinen Bildervortrag mit.

Der August brachte dem Noviziat die zweijährlich stattfindende Junioratswerkwoche, die in diesem Jahr in Maria Laach unter dem Thema „Arbeit“ stand und vom Abtpräses der Kongregation von der Verkündigung BMV, Ansgar Schmidt OSB, Trier, begleitet wurde. Die Tage machten wieder einmal die Zusammengehörigkeit innerhalb der Beuroner Kongregation bewusst und boten eine willkommene Gelegenheit, sich wiederzusehen, Erfahrungen der letzten Jahre auszutauschen und gemeinsam um die grundlegenden Säulen des monastischen Lebens zu ringen. Gefreut haben wir uns über den schon traditionellen Besuch unseres Abtpräses Albert Schmidt OSB und die Gespräche mit ihm. Da dies für Sr. Raphaela und Sr. Mirjam die letzte Junioratswerkwoche war, lag auch ein wenig Wehmut über dem Abschied, der jedoch gemildert wurde durch die Zuversicht, dass der hier erfahrene Zusammenhalt auch im Alltag der kommenden Jahre nicht schwinden wird.

Runde Geburtstage und Jubiläen

In diesem Jahr war es vor allem die mittlere Generation, die mit runden Geburtstagen und Jubiläen an der Reihe war. Es begann mit Sr. Maria-Regina, die am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens ihre Silberprofess feierte. Die zahlreich erschienenen Verwandten und Freunde nahmen bereits am Festhochamt teil und auch an der Feierstunde im Konvent, in dem ein von Sr. Petra verfasstes und von Sr. Christophora illuminiertes Märchen aufgeführt wurde. Am 19. Februar vollendete Sr. Agatha ihr 50. Lebensjahr. Da der Geburtstag in die Exerzitien fiel, beging Sr. Agatha den Tag in aller Stille und wurde dann später in einer Festrekreation nachgefeiert. Am 21. März stand die Silberprofess von Sr. Christophora an. Diese hatte selbst für den Konvent, für Familie und Freunde ein Festopus vorbereitet, und zwar eine Powerpoint-Präsentation zum Thema „10 Jahre Keramikwerkstatt“, in der die von ihr im Laufe dieser Jahre geschaffenen Kunstwerke vorgestellt wurden.

Am 30. April wurde Sr. Ursula 50 Jahre alt. Leider war sie gezwungen, ihren Geburtstag im Krankenhaus zu begehen; nur einen Tag später musste sie sich einer schweren Operation unterziehen. Ihre Aufgabe als Krankenhausseelsorgerin im Rüdesheimer Scivias-Krankenhaus St. Joseph musste Sr. Ursula zur Jahresmitte abgeben. Wir bedauern es sehr, dass wir zur Zeit nun keine andere Mitschwester für diesen so wichtigen und erfüllenden Dienst freistellen können. Die letzte in der Riege der 50-Jährigen war dann Sr. Jutta, die am 15. Juli ihren runden Geburtstag beging. Unsere Katze Lisa, die von Sr. Jutta liebevoll betreut wird, gab ein dankbares Motiv zum Schmücken der Zellentür und der Treppenstufen ab – viele kleine leise Katzenpfötchen auf jeder Stufe …

Wieder ernsthafter wurde es dann zum 60. Geburtstag von Sr. Marion am 31. Oktober. Texte aus dem Buch „Gott einen Ort sichern“ von Madeleine Delbrêl, der Mystikerin des Alltags, und Querflötenmusik von Sr. Lydia waren genau das Richtige, um Sr. Marion zu erfreuen. „Unser ganzes Leben“, so hieß es dort u.a. „ist dazu bestimmt zu lodern und zu wärmen. Überall, wo die Liebe Eingang findet, verwandelt sie unser Leben in Brennstoff.“

Den Reigen der Silberprofessen schloss schließlich am 03. November unsere Sr. Katharina. Für eine abendliche Festrekreation hatte Sr. Francesca zusammen mit unseren Triennalprofessen das Märchen „Sterntaler“ in Text und Bild an die Wand projiziert. Danach fielen Sterntaler in Form von guten Wünschen und selbstgebastelten Sternen zwar nicht direkt vom Himmel, so aber doch von einem himmelblau verhängten Podest.

Zum Ende des Kirchenjahres, am Christkönigssonntag, feierte unsere Sr. Candida in großer Dankbarkeit ihr 65. Professjubiläum. Zu ihrer besonderen Freude war auch ihre Schwester, Sr. Maria Tooten OSU, zum Festtag gekommen. In der Abendrekreation gratulierten wir Sr. Candida mit einem kleinen Flötenkonzert und mit Texten von Altbischof Franz Kamphaus zum Thema „Freiheit“ und „Bindung“.

Unsere alten und kranken Mitschwestern

In unserer Krankenabteilung, der Infirmerie, wohnen nun schon seit einigen Jahren unsere Altäbtissin Mutter Edeltraud, Sr. Susanna, Sr. Angela und Sr. Martina. Im zurückliegenden Jahr sind auch Sr. Maria Hildegard und Sr. Walburga dorthin umgezogen.

Mutter Edeltraud freut sich über jede Begegnung und nimmt immer noch gerne an verschiedenen Veranstaltungen der Gemeinschaft teil. Für sie war das 25-jährige Jubiläum von Marienrode das wichtigste Ereignis dieses Jahres. Mutter Edeltraud und wir alle mit ihr mussten in diesem Jahr schmerzlich Abschied nehmen von den Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus in Bingen. Jahrzehntelang haben sie das dortige Heilig-Geist-Hospital geprägt und uns in dieser Zeit unendlich viel Gutes getan. Nun kehren sie in ihr Mutterhaus in Trier zurück. Wir werden den Mitschwestern allzeit in Dankbarkeit und im Gebet verbunden bleiben.

Sr. Susanna, unsere älteste Mitschwester, ist nach wie vor sehr am Geschehen innerhalb und außerhalb der Klostermauern interessiert und trägt mit Eifer alle Gebetsanliegen mit vor Gott. Auch Sr. Angela nimmt aufmerksam am Tagesgeschehen des Klosters und in der Welt teil. Ihre Anteilnahme für alle, die in Not geraten sind, ist sehr groß.

Sr. Martina ist weiterhin nach Maßgabe ihrer Kräfte in der Schneiderei beschäftigt. In ihr haben wir eine feinfühlige und achtsame Mitschwester, die für jeden stets ein gutes Wort hat. Am 16. April vollendete sie ihren 80. Geburtstag. Sr. Maria-Regina, mit der man sie oft zusammen im Garten sieht, hatte für sie ein schönes kleines Opus vorbereitet, in dem Bilder aus Eltville, dem Heimatort Sr. Martinas, gezeigt und mit passenden Bibelstellen unterlegt wurden.

Sr. Maria Hildegard lebt seit einem halben Jahr in der Infirmerie und unterstützt unsere Krankenpflegerinnen Sr. Agatha und Sr. Barbara tatkräftig durch die Übernahme einzelner Dienste. Ihre Heiterkeit und ihr Mitgefühl schenken ihrer Umgebung viel Wärme. Sr. Walburga, die Anfang November umgezogen ist, freut sich an vielen kleinen Dingen. Nach wie vor ist ihr die Liturgie ein großes Anliegen.

Die große Dankbarkeit jeder Mitschwester für die ihr erwiesene Hilfe und ihre Freude über ein wenig geschenkte Zeit, Blumen, kleine Spaziergänge und vieles mehr, machen uns selbst reich. Durch gemeinsame Veranstaltungen wie Kaffeetrinken und Spielnachmittage ist im vergangenen Jahr wirklich, wie Sr. Susanna sagte, „eine größere Verbundenheit zwischen den alten Mitschwestern gewachsen.“

Sr. Christianes Zustand hat sich in diesem Jahr deutlich verschlechtert – die schwere Alzheimer-Erkrankung fordert mehr und mehr ihren Tribut. Inzwischen lebt sie schon seit acht Jahren in unserer zweiten Infirmerie im Ostflügel der Abtei. Aus den einst langen Spaziergängen mit ihr sind inzwischen sehr kleine Wege geworden. Meistens wird sie nun im Rollstuhl durch den Garten gefahren. Besonders liebt sie es nach wie vor, morgens zusammen mit Sr. Simone und Sr. Philippa dem Konventamt per Übertragungsanlage zu folgen. Wenn dann die Heilige Kommunion gebracht wird, empfängt sie diese – so erscheint es uns jedenfalls – trotz ihrer Demenz wachen Sinnes und bereiten Herzens. Ein Mysterium, vor dem man sich nur verneigen kann.

 

Aus den Arbeitsbereichen

Ämter und Dienste

Schon lange könnten wir die anfallenden Arbeiten in unserem großen Haus und in den Wirtschaftsbetrieben nicht mehr ohne die Hilfe unserer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter bewältigen. Viele von ihnen sind schon seit langen Jahren bei uns tätig, neue stießen in diesem Jahr dazu.

Am 01. Februar beging unser Hausmeister und Schreiner, Herr Peter Moussong, sein silbernes Dienstjubiläum. Wir dankten ihm für seinen treuen und unermüdlichen Einsatz mit einem großen Konventbrief, in dem jede Mitschwester ihr ganz persönliches Vergelt‘s Gott formulierte und der mit vielen Bildern seines Wirkens und Erinnerungsfotos an Sr. Caecilia, die ihn durch viele Jahre begleitet hat, verziert war. Ebenfalls am 01. Februar nahm unser langersehntes neues Küchenteam seine Arbeit auf. Herr Paul Korn aus Aulhausen und Frau Ursula Reinisch aus Geisenheim – er Koch, sie Hauswirtschafterin – sorgen sich nun gemeinsam mit Herrn Kohli und unseren drei „Perlen“ aus dem St. Vinzenzstift um das leibliche Wohl unserer Gäste und des Konvents. Auch im Klosterladen sind seit diesem Jahr zwei neue Gesichter zu sehen. Seit 01. April arbeitet Frau Petra Hunfeld, die in unserer Nachbarschaft wohnt, stundenweise mit. Im September stieß dann noch Frau Sabine Notheisen dazu.

AIM / Sr. Gisela

Für Sr. Gisela war das Jahr 2013 ein in jeder Hinsicht wechselvolles Jahr. Ganz aktuell nahm sie im November vor allem Anteil an dem Leiden ihrer philippinischen Mitschwester, S. Placid, die aus der Ferne mit ansehen musste, wie vier Millionen Menschen in ihrer Heimat durch einen Taifun all ihr Hab und Gut verloren. Noch im Mai war Sr. Gisela zusammen mit S. Placid zum 25-jährigen Jubiläum unseres Priorates nach Marienrode gefahren und hatte ihr dort alles gezeigt, was vor einem Vierteljahrhundert entstanden und aufgebaut wurde. Voller Stolz und auch mit ein bisschen Wehmut schaut sie zurück auf diese glücklichen Jahre des Aufbruchs und des Neuanfangs. Eine besondere Freude war für Sr. Gisela in diesem Jahr das Wiedersehen mit Abt Franziskus und den Brüdern von Neuburg. Ein Vortrag hatte sie nach Wimpfen geführt, und da ließ sie es sich nicht nehmen, einen kurzen Abstecher nach Heidelberg zu machen.

Sr. Giselas Arbeit bei der AIM (Alliance Inter Monastères) war in diesem Jahr vor allem geprägt durch den neuen Präsidenten der AIM, Dom Jean-Pierre Longeat – mit 60 Jahren Altabt von Ligugé und Vorsitzender der französischen Ordensoberenkonferenz. Dom Jean-Pierre hat seine neue Aufgabe mit Elan und Kreativität begonnen. Im September reiste Sr. Gisela nach Brasilien – nein, nicht zum Weltjugendtag, sondern zum CIB (Communis Internationalis Benedictinarum) -Jahrestreffen, das für sie ein ungewöhnlich beeindruckendes Erlebnis war. Bis heute ist sie begeistert von Land und Leuten und berichtet, dass sie nie eine schönere Stadt gesehen habe als Rio de Janeiro. Gleich nach der Rückkehr aus Brasilien ging es dann nach Rom, wo Sr. Gisela in Sant‘ Anselmo an dem Kurs „Leadership and Rule of Sankt Benedict“ teilnahm, den unsere Ordenshochschule in Zusammenarbeit mit der Universität von Sankt Gallen veranstaltete. Schwer trägt Sr. Gisela an dem Schicksal ihres Bruders Klaus-Peter, der parkinsonkrank ist und im Juni einen schweren Unfall hatte. Einige Male konnte sie ihn besuchen; ansonsten steht sie ihm in seinem Leiden aus der Ferne im Gebet bei.

Baumaßnahmen

Auch in diesem Jahr wurden wir unserem Ordenskürzel OSB in seiner übertragenen Fassung (oh, sie bauen…) wieder gerecht. Fast ein Jahr lang waren zunächst unsere Kirchtürme und dann die Südfassade unserer Abtei eingerüstet. Sowohl die 48 m hohen Türme als auch die beiden Süddächer der Kirche wurden mit Naturschiefer neu eingedeckt. Zusätzlich wurden die Bruchsteinfassaden restauriert und die Sandsteinfassungen gesäubert. Inzwischen erstrahlt alles in neuem Glanz. Unser ganz besonderer Dank gilt dem Bund, vertreten durch unseren Bundestagsabgeordneten, Herrn Klaus-Peter Willsch, und dem Land Hessen, vertreten durch den Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege, Herrn Professor Gerd Weiß, die es uns in einer konzertierten Aktion ermöglicht haben, dieses große Projekt zu finanzieren. Die kompetente und engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hessischen Denkmalpflege wird uns in ebenfalls bester Erinnerung bleiben.

Bedingt durch den langen Winter konnten wir mit den langersehnten Arbeiten am vierten Flügel unseres Gästehauses erst Ende April beginnen. Inzwischen ist der Rohbau fertig. Kurz vor dem Winter konnten Fenster und Türen eingebaut werden, so dass nun mit dem Innenausbau begonnen werden kann. Dieser vierte Gebäudeabschnitt wird künftig den Klosterladen beherbergen. Auf dem Dach des Flachbaus wird ein Stahl-Glas-Übergang den Gästetrakt mit dem Hauptgebäude unserer Abtei verbinden, so dass die Gäste künftig barrierefrei und trockenen Fußes von ihren Zimmern aus an die Klosterpforte, in die Kirche und ins Gästerefektorium gelangen können. Im Kellergeschoss des neuen Gebäudetraktes, das direkt an den Weinkeller andockt, entsteht ein neuer Kelterbereich, der die Arbeit bei der Weinlese deutlich vereinfachen wird und auf den sich Sr. Thekla und Herr Steinheimer schon sehr freuen. Am 20. September feierten wir zusammen mit allen Arbeitern am Bau das Richtfest. Ein schöner Blumenkranz mit vielen bunten Bändern wurde an einer Holzlatte befestigt. Danach folgte nach alter Tradition die Zimmermanns-Zeremonie: Feststellung des Bauabschlusses, Toast des Bauleiters mit anschließendem Zerschmettern des Glases, Einschlagen des letzten Nagels durch den Bauherrn und anschließendem Umtrunk und fröhlichen Grillfest.

Unser geliebter Schafshof oberhalb von Aulhausen, in dem wir vor 15 Jahren zwei Ferienwohnungen eingerichtet haben, die sowohl von Mitschwestern als auch von Gästen gerne genutzt werden, bedurfte in diesem Jahr einiger Instandsetzungsarbeiten an den Fenstern und am Balkon. Sr. Andrea, unsere Hausmeisterin, nahm sich der Sache fachgerecht an und betreute auch gleich noch eine Reihe kleinerer Baustellen im Haus: Im Dormitorium wurden zwei behindertengerechte Nasszellen eingerichtet; das Oratorium in der Krankenabteilung wurde renoviert; eine Gastzelle für Klausurgäste neu eingerichtet und schließlich eine Sportzelle etabliert, in der Jung und Alt gleichermaßen Fitnesstraining betreiben können.

Gästehaus und Gruppen

Trotz der Bauarbeiten am vierten Flügel des Gästehauses und der damit verbundenen Belastungen haben auch in diesem Jahr wieder viele Menschen die Gelegenheit genutzt, in Stille und bei Gesprächen ihre eigene „Baustelle Leben“ in den Blick zu nehmen. Auch unser Kursangebot im Gästehaus wurde gerne angenommen. Durch verschiedene Impulse und Angebote zum Thema „heilige Hildegard“ haben wir versucht, unseren Beitrag zum Jahr des Glaubens zu leisten. Außer von den theologischen und spirituellen Besinnungstagen fühlen sich die Menschen auch immer wieder von unserer Liturgie und dem gregorianischen Choral besonders angezogen.

Insgesamt konnten wir im vergangenen Jahr ca. 1.200 Übernachtungsgäste begrüßen. Unser Team von Schwestern, die sich im Pforten- und Gastbereich gut ergänzen, konnte auf die verschiedenen Bedürfnisse der Gäste eingehen, die, wie der heilige Benedikt es in unserer Ordensregel so treffend bemerkt, „dem Kloster nie fehlen.“

Die Zahl der angemeldeten Gruppen, die bei uns mit einem Vortrag über unser benediktinisches Leben oder über die heilige Hildegard angesprochen wurden, hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Die Heiligsprechung und Kirchenlehrererhebung unserer Klosterpatronin hat bei sehr vielen Menschen ein starkes Echo ausgelöst und offenbar ihren Entschluss gefördert, unsere Abtei zu besuchen. Auch aus vielen europäischen Nachbarländern kamen Gruppen zu uns. Besonders den Dänen hat es unsere Abtei angetan. Manchmal sind wir allerdings nicht ganz sicher, ob die Wallfahrt der heiligen Hildegard gilt oder nicht vielleicht eher unserer Sr. Veronica, die ein außergewöhnliches Gruppen- Charisma hat und die Menschen wahrhaft begeistern kann.

Es kommt zwar häufig vor, dass Gruppen, die bei uns angesprochen  wurden, die Bitte äußern, in der Kirche eine Andacht halten zu dürfen, aber am 03.Oktober, dem Weihetag von Mutter Clementia,  kamen bereits früh zahlreiche evangelische Christen des Dekanats Schwalbach, um einen Pilgertag zum Thema „Auch die evangelische Kirche braucht Heilige“ bei uns zu beginnen. Mutter Clementia, die Herrn Dekan Schmidt, der früher in Rüdesheim evangelischer Pfarrer war, und seine Gruppe begrüßte, freute sich sehr über die Darbietung des Posaunenchores und fasste sie als Gratulation zu ihrem Weihetag auf. Die Andacht bestand dann aus Liedern, Gebeten und einer  beeindruckenden Predigt von Dekan Schmidt über die heilige Hildegard und das, was sie uns heute zu sagen hat. Unsere Mitchristen bedankten sich anschließend sehr herzlich, dass wir unsere Kirche für ihre Wallfahrt zur Verfügung gestellt hatten. Für uns war dieser evangelische Pilgertag eine echte und frohmachende ökumenische Begegnung.

Die Zahl der Kirchenführungen, in denen Frau Annemarie van Assendelft, eine langjährige Freundin unseres Hauses, nicht nur den Kirchenraum selbst sowie die Beuroner Kunstschule erklärt, sondern auch die Geschichte der Abtei, fanden in diesem Jahr ebenfalls wieder enormen Zuspruch. Ihre Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt, so dass wir Frau van Assendelft an dieser Stelle einen ganz besonderen Dank schuldig sind. Damit auch Einzelbesucher unserer Abteikirche und spontan Interessierte jederzeit eine Kirchenführung hören können, bieten wir seit November auch Audio-Führungen in deutscher, englischer und französischer Sprache an, die mittels QR-Code auf das Handy geladen werden können. Sie bieten ebenfalls Informationen über unser Kloster und die Beuroner Kunstschule und führen in einem Rundgang durch die Kirche.

Garten

Die Gartensaison war in diesem Jahr infolge des langen Winters und dem damit verspätet einsetzenden Frühjahr eher durchwachsen. Die Obsternte fiel kleiner aus als in sonstigen Jahren; dafür hatten wir aber dank des grünen Daumens von Sr. Beatrix bis in den November hinein köstliche Tomaten in Hülle und Fülle. Auch die Blumen blühten reichlich, so dass wir den Blumenschmuck in Kirche und Haus den ganzen Sommer hindurch aus dem eigenen Garten bestreiten konnten.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle unserem Freund, Herrn Wolfgang Lamberti, der uns ehrenamtlich im Garten und auf dem Friedhof hilft. Trotz eines schweren Fahrradunfalls, der Gott sei Dank keine nachhaltigen Verletzungen hinterlassen hat, ließ er es sich nicht nehmen, die Rasenflächen auf dem Kirchplatz, im Kreuzgarten und auf dem Friedhof zu pflegen. Für Sr. Candida ist er ein lieber und unentbehrlicher Helfer geworden und tritt damit immer deutlicher in die Fußstapfen unseres heimgegangenen Freundes Helmut Kranz, dessen wir an anderer Stelle in dieser Chronik noch eigens gedenken werden.

Seit Anfang des Jahres ist unser Garten auch wieder von einem Klosterhund und einer Klosterkatze bevölkert. Durch die Vermittlung von Nachbarn und Beratung der Hilfsorganisation „canifair“ ist „Levi“ mit acht Monaten aus einem Tierheim in Ungarn (wo er mit vier Monaten von der Straße aufgelesen wurde) bei uns gelandet. Er ist eine reinrassige Mischung aus altdeutschem Hütehund, einem Reh oder vielleicht auch einem ungarischem Windhund. Levis Zuhause ist die Werkstatt von Sr. Christophora, von wo aus er nachts den Hof bewacht und tagsüber direkt in den Garten kann. Am liebsten aber liegt er gegenüber der Keramikwerkstatt auf der Mauer und kontrolliert die Bauarbeiten, die vorbeifahrenden Lieferanten, die Angestellten und die Gäste. Neben Sr. Christophora kümmert sich Sr. Andrea um ihn und geht auch mit ihm in die Hundeschule. Die Äbtissin führt er abends und morgens aus. Seine Freundin ist auch unsere alte, erblindete Sr. Angela, die täglich eine halbe Stunde mit ihm verbringt. Wir sind sehr froh, ihn zu haben, er ist eine Freude und nebenbei auch ein fast perfekter Therapiehund.

Zu einem Hund gehört natürlich eine Katze. So dauerte es auch nicht lange, bis nach dem Einzug von Levi auch eine kleine Katzendame ihr Domizil bei uns aufschlug. „Lisa“ stammt aus Österreich und kam über Sr. Juttas Bruder zu uns. Sie passt in ihrem Aussehen perfekt ins Kloster, ist pechschwarz mit weißer Brust und weißen Pfoten. Sie hält Sr. Maria-Agnes und Sr. Jutta bisweilen ganz schön in Atem – bereits einige Wochen nach ihrem Erscheinen hatte sie einen Unfall und brach sich den Oberschenkelhals. Katze und Hund gehen bisher noch meist getrennte Wege, nähern sich aber langsam, Schritt für Schritt, einander an. Es ist schön, wieder Tiere auf dem Gelände zu haben – viele von uns hatten diese nach dem Tod unseres letzten Hundes Till doch sehr vermisst.

Keramikwerkstatt

Das vergangene Jahr begann für Sr. Christophora mit der Planung der Ausstellung „Zwischen Erde und Himmel“ in Fritzlar. Von Juni bis Oktober standen elf Großskulpturen, Arbeiten der letzten zehn Jahre, im Kreuzgang des gerade renovierten gotischen Domes in Fritzlar. Im Kontrast dazu zehn abstrakte Gemälde der italienischen Künstlerin Rossella Vasta (einer Bekannten von Sr. Christophora) aus Perugia. Begleitet wurde die Ausstellung von Gesprächsveranstaltungen, Meditationen, Konzerten und Führungen durch die Mitglieder der Dompfarrei. In einem Buch konnten die Besucher ihre Eindrücke formulieren. Für die Pfarrgemeinde wie auch für Sr. Christophora war die Ausstellung und Zusammenarbeit ein wirklich geistliches Erlebnis.

Ein besonderer Dank geht an unsere Oblatin, Frau Petra Fölsch, ohne deren Engagement ganz sicher nicht alles so glatt gelaufen wäre. Eine Engelskulptur wird nun auf Dauer am Eingang des Domes stehen, um die Kirchenbesucher zu Schweigen und Aufmerksamkeit zu mahnen.

Die ersten Monate des Jahres waren für Sr. Christophora weithin geprägt von vielen schönen kleinen Aufträgen für Privatpersonen: z. B. einem Engelrelief als Geschenk zu einem Geburtstag, einem Hildegardrelief für die Schwägerin von Sr. Jutta, einem Tobiasrelief für einen Pfarrer etc. Überraschend kam die Anfrage aus dem Bistum Essen, für eine katholische Grundschule ein großes „Cosmas und Damian-Relief“ zu gestalten. Zweimal war Sr. Christophora aus diesem Grund in ihrer alten Heimat und konnte sich über die gute Zusammenarbeit mit Lehrern und Schülern freuen. Nun hängt ein 120 x 80 cm großes Relief der heiligen Ärzte im Treppenhaus der Schule und inspiriert hoffentlich auch die vielen Schülerinnen und Schüler, die nicht vom christlichen Glauben geprägt sind.

Zweimal durfte Sr. Christophora ein Hildegardrelief für unser Bistum gestalten. Geschenke, die an die Partnerbistümer im Kongo und nach Sarajevo gingen. Für ein neues Kindergräberfeld auf dem Friedhof der Stadt Eltville hat Sr. Christophora einen großen Engel gearbeitet. Das Thema „ungeborene Kinder“ scheint heute wichtiger denn je, denn auch eine Frauengruppe um das Kloster Marienthal bat Sr. Christophora, auf dem Gelände des Klosters eine Gedenkstele nach ihren Vorstellungen zu fertigen.

Zurzeit arbeitet unsere Künstlerin an sieben großen Säulen für eine Ausstellung (gemeinsam mit der Malerin Susanne Janssen) in der romanischen Kirche von Lautenbach im Elsass. Das Bistum Straßburg organisiert seit 16 Jahren während der Sommerzeit einen „chemin d‘ arte sacré“ in den romanischen Kirchen des Elsass. Es geht darum, kunstinteressierten Besuchern und Touristen auf diese Weise einen geistlichen Zugang zu den Kirchenräumen zu ermöglichen. Die Ausstellungseröffnung wird am 20. Juni 2014 um 20 Uhr in der Kirche von Lautenbach sein. Die erste Säule für diese Ausstellung thematisiert „Adam und Eva“ und ist bereits fertiggestellt. Sie hat Besuchern so gut gefallen, dass sie gebeten haben, diese Säule, jedoch etwas kleiner, für den Bibelgarten der Gemeinde St. Remigius in Ingelheim zu fertigen. An dieser Stelle sei noch Bruder Joseph Belling OSB aus Maria Laach ganz herzlich gedankt. Ohne seine vielfältige und kompetente Hilfe, gerade bei den technischen Arbeiten, könnte Sr. Christophora manche Aufträge gar nicht annehmen.

Klosterweingut

Das Weinjahr 2013 stellte Sr. Thekla und unseren Winzermeister, Herrn Arnulf Steinheimer, vor einige Herausforderungen: Zwar begann das Jahr zunächst mit milder Witterung, doch herrschte dann im Januar zwei Wochen Dauerfrost. Erst im April erwachten die Reben aus ihrem Winterschlaf; es folgte ein nasser Mai (90 Liter Regen pro Quadratmeter). Die Rebblüte zog sich über zwei Wochen hin und führte zu Verrieselungsschäden. Im Juni regnete es 23 Tage lang nicht, was dank des ausreichenden Wasservorrates im Boden den Reben jedoch nicht schadete. War der August anfangs zu heiß, so verlief das Wetter im September weitgehend normal. Der Oktober war dann wieder zu feucht und zu nass. Dank guter Bodenbearbeitung und lockerer Laubwände blieben unsere Trauben trotz dieses wechselhaften Wetters lange gesund, wogegen andere Winzer sich mit der Lese beeilen mussten, damit ihnen die Trauben nicht am Stock wegfaulten. Die Qualität des 2013er Jahrganges ist für uns sehr gut ausgefallen. Besonders die Spätburgundertrauben waren in diesem Jahr herrlich: kleine Beeren und intensive Farbe. Und erst das Aroma! Nur die geerntete Menge von 47 Hektoliter pro Hektar war doch unterdurchschnittlich. Das „unberechenbare“ Wetter bekamen wir auch bei der Abfüllung des Weines im März hautnah zu spüren. Wir mussten den 2012er Jahrgang nicht nur „mitten“ auf einer Baustelle in Flaschen abfüllen, sondern auch im dichten Schneetreiben. Schneeschieben wurde so zu einer eigenen Arbeitsaufgabe, bei der uns die Mutter von Sr. Thekla, Frau Rita Baumgart, mit Hingabe zu Hilfe kam. Mit großer Geduld und tatkräftigem Einsatz aller beteiligten Helfer haben wir jedoch auch diese schwierige Füllung gemeistert.

Unser 2012er Spätburgunder Rotwein reifte erstmalig ein Jahr lang im Holzfass und wurde erst am 12. Dezember diesen Jahres auf die Flasche gefüllt. Es ist ein ganz außergewöhnlicher Rotwein entstanden, der sich auf der Flasche noch weiter entfalten wird. Ein guter Tropfen braucht einfach Zeit, um sich entwickeln zu können. Unsere Weine stellten wir bei verschiedenen Weinwettbewerben an, und sie konnten auch wieder einige Medaillen gewinnen: Allein bei der Hessischen Landesweinprämierung gewannen sie 9 x Gold, 2 x Silber und 2 x Bronze. Beim 14. Deutschen Riesling-Spätlese-Wettbewerb um den Spätlese-Reiter-Pokal in Fulda belegten wir mit unserem 2012er „Domus Domini“, Riesling Spätlese trocken den 3. Platz (zusammen mit zwei anderen Weingütern). Die Zeitschrift selection bewertete unseren Klostersecco und Rieslingsekt jeweils mit einer Silbermedaille. Bei dem diesjährigen Wettbewerb Riesling Spezial 2013 haben drei unserer Weine mit einer Silbermedaille (jeweils 86 Punkte und drei Sternen) abgeschlossen. Bei dem internationalen Wettbewerb mundus vini 2013 erhielten zwei Weine die Silbermedaille. Und im Gault Millau wird unser Weingut mit einer Traube geehrt und als „einer der symphatischsten Betriebe im Rheingau“ beschrieben. So haben wir allen Grund, im Rückblick auf das Jahr dem Herrn der Ernte für die durch die Kräfte der Natur und die Mühen des Menschen gewachsenen guten Tropfen zu danken und hoffen auch im nächsten Weinjahr, das schon jetzt wieder mit dem Rebschnitt beginnt, auf seinen Beistand.

 Militärseelsorge

Vom 07.–10. Oktober nahm Sr. Scholastica in Vertretung von Sr. Lydia an der alljährlich stattfindenden Gesamtkonferenz des Militärbischofsamtes in Berlin teil. Thema war „Militärseelsorge zukunftsfähig gestalten“. Neben der inhaltlichen Arbeit war die Verabschiedung des scheidenden und die Einsetzung des neuen Militärgeneralvikars ein wichtiges Ereignis. Nach Jahrzehnten in der Militärseelsorge, davon 13 Jahre als Generalvikar, wurde Prälat Walter Wakenhut (71) verabschiedet. Nachfolger wurde Monsignore Reinhold Bartmann, der seit ca. 20 Jahren im Dienst der Militärseelsorge steht. Im November gestaltete Sr. Lydia dann in unserem Gästehaus zwei religiöse Einkehrtage für Angehörige von Soldaten. Ihre Themen waren „Erntedank – Jahresrückblick“ und „Gottesbilder“.

Restaurierungswerkstatt

Der Arbeitsalltag in unserer Restaurierungswerkstatt, der geprägt ist durch zeitaufwendige und Geduld erfordernde Arbeitsgänge, verlief auch in diesem Jahr im gewohnten Rhythmus. Vor allem möchten wir Herrn Archivdirektor Dr. Braun, Mainz, danken, der die Aufträge der deutschen Bistümer an uns vermittelt und so unserem siebenköpfigen Team immer ausreichend Arbeit verschafft. Dank auch unserer Sr. Dorothea, der Werkstattleiterin. Sie versteht es, die Arbeitsgänge in unserem so unterschiedlichen Team, zu dem Frau Linda Elmersson, Frau Anna Weinberger, Sr. Maria Hildegard, Sr. Jutta, Sr. Placida und Sr. Marion gehören, bestens zu organisieren.

Ebenfalls möchten wir unseren bewährten Mitarbeiterinnen, Frau Linda Elmersson und Frau Anna Weinberger, herzlich danken. Die unkomplizierte Zusammenarbeit im oft unruhigen Alltag ist uns ebenso wichtig wie ihre Fachkompetenz und selbstverständliche Einsatzbereitschaft. Besonders zu erwähnen gibt es nur weniges: Im April konnten Sr. Dorothea und Sr. Marion an dem Treffen der Papierrestauratoren in Bonn-Bad Godesberg teilnehmen. Vom 03.–08. Juni hat Herr Dag Ernst Petersen, ehemals Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, in unserer Werkstatt einen Intensivkurs zur Anfertigung eines Holzdeckelbandes mit Schließen für unser Team gehalten. Es waren intensive Schulungstage, für die wir ihm auch an dieser Stelle noch einmal herzlich danken. Wir hoffen auf eine Fortführung im kommenden Jahr. Nur kurze Zeit später, vom 21.– 22. Juni, trafen wir uns mit Frau Kerstin Forstmeier, Stuttgart, zum Thema Pergamentanfaserung. Neben Frau Corinna Herrmann, unserer früheren Mitarbeiterin, nahmen auch noch weitere Restauratorinnen teil, mit denen wir uns auf der Fachtagung über diese Probleme ausgetauscht hatten. Wir danken ihnen allen herzlich für Ihr Kommen, für die fachkompetente Anleitung und für den wertvollen Austausch. Als Praktikantin hat in diesem Jahr Frau Anne Manthey aus Hildesheim einige Wochen mit uns gearbeitet und unsere Weg- und Arbeitsgemeinschaft bereichert.

Unsere Klosterpatronin

Hildegard-Forschung

Im Anschluss an die Heiligsprechung und Erhebung der heiligen Hildegard zur Kirchenlehrerin im vergangenen Jahr konnten wir in diesem Jahr einen wichtigen Meilenstein in der Hildegard-Forschung realisieren. Schon während der Arbeiten an der „Positio“, dem theologischen Gutachten im Prozess der Heiligsprechung Hildegards und ihrer Erhebung zur Kirchenlehrerin, – von der wir in der Chronik 2012 ausführlich berichtet haben –, reifte die Idee eines wissenschaftlichen Kongresses. Da die letzten beiden internationalen und interdisziplinären Tagungen im Jubiläumsjahr 1998 stattfanden, erschien es zum einen dringend notwendig, dass die Hildegard-Forschung nach 15 Jahren durch neue Fragestellungen und wissenschaftlichen Austausch, wie ein Kongress ihn ermöglicht, weitere Anregungen bekommt. Zum anderen gab die Erhebung Hildegards zur Kirchenlehrerin einen einmaligen Anlass, über die Lehre der neuen Kirchenlehrerin von Gott, Kirche, Glaube und in diesem Lichte von Welt und Mensch in der heutigen Situation zu reflektieren und dazu Forscher aus den verschiedenen Disziplinen und aus aller Welt einzuladen.

Mutter Clementia hatte bereits im Oktober 2011 Professor Pater Dr. Rainer Berndt SJ, der an der „Positio“ wesentlich mitgewirkt hatte, gebeten, einen Hildegard-Kongress zu konzipieren und zu organisieren. Bei dieser Aufgabe stand ihm Sr. Philippa bezüglich der organisatorischen Fragen zur Seite, während Sr. Maura ihm bei der inhaltlichen Planung half. Unser Dank gilt Pater Berndt, dass er der Bitte entsprochen und sich mit seiner vielfältigen Kompetenz engagiert hat, so dass ein hochrangiger Kongress zustande kam. Der Erbacher Hof nahm, wie schon im Jahre 1998, den Kongress gastfreundlich auf: Herrn Professor Dr. Peter Reifenberg sei gedankt, dass dadurch die unerlässlichen Rahmenbedingungen geschaffen wurden, was für eine gute Atmosphäre während des ganzen Kongresses sorgte.

Das Thema des Kongresses „Unversehrt und unverletzt. Hildegards von Bingen Menschenbild und Kirchenverständnis heute“ ergab sich im Zuge der „causa Hildegardis“ aus der Auseinandersetzung mit der Theologie der angehenden Kirchenlehrerin. Es gelang Pater Berndt, prominente Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern – USA, Australien, Chile, Argentinien, Japan, Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und natürlich Deutschland – für die Sache Hildegards zu gewinnen und zum Kongress mit jeweils spannenden Referatsthemen einzuladen. Bei der Konzeption des Kongresses war ein wichtiges Anliegen, dass neben der historischen und geistesgeschichtlichen Kontextualisierung Hildegards sowie der Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte ihres Werkes die theologischen Themen einen bedeutenden Akzent erhielten. Denn erst wenn die Disziplinen miteinander ins Gespräch kommen und dabei die Theologie als zentrale Annäherung an Hildegards Lehre anerkannt wird, ist die Forschung in der Lage, Hildegards spezifische Lehre und ihren intellektuellen Gesamtentwurf angemessen zu erfassen.

Den Auftakt zum Kongress bildete die Pontifikalvesper am 27. Februar unter Leitung von Karl Kardinal Lehmann im Mainzer Dom. Anschließend wurde der Kongress im Erbacher Hof eröffnet. Pater Berndt hielt den Eröffnungsvortrag „Unversehrt und unverletzt. Die Weisung Hildegards von Bingen als Modell christlicher Anthropozentrik“. Er legte die Unversehrtheit des Menschen und seines Glaubens sowie die Unversehrtheit der Kirche ausgehend von den Orten des Glaubens – Schöpfung und Kirche – und von den Teilnehmern des Glaubens – Mensch und Gott – dar und entwarf die Perspektiven des Christentums als geschenktes Leben aufgrund ganzheitlichen Glaubens. Dabei wies er auf eine präsentiale Hermeneutik hin, die sich als leitender Grundsatz des Kongresses erwies.

Die folgenden dreieinhalb Tage vom 28. Februar bis 03. März waren mit zahlreichen wertvollen Referaten gefüllt. Es wurde deutlich, wie viel die Hildegard-Forschung durch die neuen Ergebnisse und Methoden der Mediävistik gewinnen kann: Indem man neue Personen und neue Entwicklungslinien erschließt, ergibt sich eine breite Vergleichsbasis, in deren Zusammenhang Hildegard neu verortet und profiliert werden kann (z.B. im Vergleich mit dem Ethikkonzept des Radulfus Ardens, mit der Musikauffassung und -praxis des Hermannus Contractus, mit der Apokalypse-Vorstellung des Joachim von Fiore usw.). Außerdem gab es weitere Vorträge, die einen neuen Blick in die Hildegard-Forschung brachten: theologische Deutung der kunsthistorischen Ergebnisse, christologische, fundamental-theologische, patristische und liturgiewissenschaftliche Aufarbeitung der Werke Hildegards. In seinem öffentlichen Abendvortrag befasste sich Kardinal Lehmann mit dem Thema „Größe und Elend des Menschen in der Schöpfung nach der Heiligen Hildegard von Bingen“. Alle Beiträge des Kongresses und auch weitere Aufsätze von den Moderatoren werden in einem Band der Reihe „Erudiri Sapientia“ veröffentlicht werden.

Viele Teilnehmer erlebten den Ausflug am Samstag, dem 02. März, als einen Höhepunkt des Kongresses. Nach einem Besuch in der Pfarrkirche in Eibingen, wo Pfarrer Holger Daniel den Hildegardis-Schrein vorstellte, feierten die Kongressteilnehmer zusammen mit unserem Konvent das Pontifikalamt in unserer Abteikirche unter Leitung von Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Mittagessen nahmen die Gäste zusammen mit unserer Gemeinschaft im Gästerefektorium bzw. in unserem Refektorium ein, wobei sich angeregte Gespräche ergaben. Danach gab es die Möglichkeit, unsere Bibliothek, das Skriptorium und den Kapitelsaal zu besichtigen. Am Nachmittag standen zwei Referate auf dem Programm, die auf das klösterlichen Umfeld abgestimmt waren: „Religiöse Lebensentwürfe geistlicher Frauen in der Umbruchszeit des 12. und des 13. Jahrhunderts“ von Frau Prof. Dr. Eva Schlotheuber/ Düsseldorf und „Zur ekklesialen Grundlegung des Liturgieverständnisses bei Hildegard von Bingen“ von Dr. Hanns Peter Neuheuser/Köln.

Der gemeinsame Tag fand mit der Vesper seinen Abschluss. Viele Mitschwestern haben zum Gelingen des Besuchs der Kongressteilnehmer in unserer Abtei beigetragen: Wieder einmal hat Sr. Thekla ihr Organisationstalent bewiesen und die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf getragen. Pater Berndt hat vor allem Sr. Philippa gedankt, die sich für die Organisation dieses Tages eingesetzt hatte.

Dieser internationale und interdisziplinäre Hildegard-Kongress hat die historischen Ereignisse des Jahres 2012 nicht nur auf eine würdige Weise abgeschlossen, sondern wirkt wegweisend auch für die Zukunft, weil er neue Aspekte zur Erschließung von Hildegards Person, Leben und Werk lieferte und auf die Notwendigkeit einer Vermittlung in Kirche und Gesellschaft hinwies.

Hildegard-Publikationen

In diesem Jahr erschien das Buch „Glaubensheil. Wegweisung ins Christentum gemäß der Lehre Hildegards von Bingen“ in der Reihe „Erudiri Sapientia“ im Aschendorff-Verlag, Münster. Die Autoren, Pater Berndt und Sr. Maura veröffentlichen in diesem Band die theologischen Studien aus der „Positio“, die im Jahre 2012 die Grundlage für die Heiligsprechung Hildegards und ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin bildeten. Die drei Kapitel sind so angeordnet, wie eine Annäherung an Hildegard heute realisierbar ist. Zunächst beschreibt der erste Teil die Werke Hildegards und ihre Chronologie, ihre innere Ordnung und Originalität. Im zweiten Teil wird die genuine Lehre Hildegards dargestellt: Ihre Verwurzelung im Denken der Kirchenväter wird nachvollziehbar, wobei die besondere Akzentsetzung Hildegards im zeitgenössischen Kontext hervortritt. Der dritte Teil fragt nach der Person, die dieses Schrifttum schuf und diese kohärente Lehre entfaltete. Im Spiegel der mittelalterlichen Zeugnisse zeichnet sich Hildegards Profil als das einer Heiligen ab, was nicht zu einer historisch-kritischen Biographie führt, vielmehr zur theologischen Deutung ihrer Person. Diese Zusammenstellung von Werk, Lehre und Person ergibt damit ein vollständiges Gesamtbild der neuen Kirchenlehrerin und zugleich eine Einführung in das Christentum gemäß ihrer Weisung.

Unter dem Titel „Die Gabe tiefsinnender Schriftauslegung. Schriftverständnis durch Bildhermeneutik: Der Beitrag Hildegards von Bingen zu neuen Deutungsmustern der Bibel“ verfasste Sr. Maura einen Beitrag für die Zeitschrift Theologie und Glaube (103, 2013, 280–294). Angeregt durch die Frage nach aktuellen Formen der kirchlichen Verkündigung, stellt der Beitrag – ausgehend von der Relevanz des Schriftverständnisses für die menschliche Daseinsbewältigung – mittelalterliche Positionen der biblischen Hermeneutik dar. Die Untersuchung konzentriert sich auf die hermeneutische Leistung der bildhaften Sprache Hildegards, die im Lichte der Metaphernforschung ausgewertet wird. Die visionäre Ausdrucksform Hildegards erweist sich als innovativer hermeneutischer Umgang mit der biblischen Botschaft.

Die von unserer Abtei in Zusammenarbeit mit dem Beuroner Kunstverlag herausgegebene Werkausgabe der heiligen Hildegard in deutscher Sprache ist inzwischen auf stattliche sieben Bände angewachsen und erfreut sich bei allen Hildegard-Interessierten und vor allem auch bei Studenten großer Beliebtheit. In diesem Jahr erschien die zeitgenössische Vita der heiligen Hildegard in einer Übersetzung von Frau Dr. Monika Klaes-Hachmöller, Duisburg, mit einer Einleitung von Herrn Prof. Michael Embach, Trier. Eine besondere Freude war uns, dass der Beuroner Kunstverlag das kleine, inzwischen lange vergriffene Buch unserer verstorbenen Sr. Caecilia „Im Herzen der Schöpfung“ in einer wunderschönen Ausgabe noch einmal neu herausgegeben hat. Es enthält Meditationen zu ausgewählten Miniaturen aus Hildegards Werken „Scivias“ und „Liber divinorum operum“. Sr. Caecilia hat die Verlagsankündigung im vorigen Jahr noch frohen Herzens und wachen Geistes aufnehmen können. Dass die Neuausgabe aber so schön werden würde, hätte sie selbst wohl nicht gedacht. Unser besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang Pater Mauritius Sauerzapf OSB, dem Leiter des Beuroner Kunstverlags, sowie dem so überaus engagierten Lektor, Herrn Klemens Weiß.

Hildegard-Vorträge

Sr. Maura, die nach dem Abschluss ihrer philosophischen Promotion derzeit in Frankfurt St. Georgen noch ein Theologiestudium absolviert, hat in diesem Jahr neben ihrer Arbeit in der Hildegard-Forschung eine Vielzahl von Vorträgen und anderen Verpflichtungen wahrnehmen können. Am 02. Januar hielt sie im Kloster Eberbach im Rahmen der „Erbacher Impulse“ der Academie Kloster Eberbach den Vortrag „Das Geheimnis des Anfangs und der Ordnung. Aufbruch zum erfüllten Leben mit der Wegweisung Hildegards von Bingen“. Entsprechend dem aktuellen Zeitpunkt am Anfang des Jahres zeigte der Vortrag einen Weg auf, der Hildegards Lehre gemäß von einem guten Anfang zu einem glücklichen Ende führt: „Der Mensch soll zu Beginn eines guten Werkes behutsam sein, in seiner Mitte stark und beständig und am Ende demütig“ (Hildegard, Scivias).

Sr. Mauras Beitrag zum Hildegard-Kongress „Das Verhältnis des Menschen zur Zeit. Benediktinische Entwürfe im 12. Jahrhundert“ thematisierte zunächst das verletzte Zeitverhältnis des Menschen, wie es bei Hildegard und anderen benediktinischen Autoren des 12. Jahrhunderts dargestellt wird. Anschließend stellte sich die Frage, wie diese Autoren ein geheiltes Verhältnis zur Zeit konzipierten. Die Gemeinsamkeiten dieser Entwürfe wurden auf die Rezeption der Benediktusregel zurückgeführt, so dass sich schließlich ein benediktinisches Zeitverständnis der „praesentia“ („Gegenwärtigkeit“) rekonstruieren ließ, dem auch ein benediktinisch geprägtes Bild vom Menschen als homo praesens (der gegenwärtige Mensch) entspricht.

Am 13. April lud die Katholische Akademie Rabanus Maurus in Kooperation mit den Katholischen Bildungswerken Hoch- und Main-Taunus zu einem Thementag „Ein maßvoller, gut geordneter Weg des Lebens. Die benediktinischen Wurzeln Hildegards von Bingen – Ausgewählte theologisch-spirituelle Themen“, geleitet von Sr. Maura, ins Haus am Dom in Frankfurt ein. Eine Einführung zeigte, wie Hildegards Lehre im Spiegel der Benediktusregel zu lesen und zu verstehen ist. Bei der Auseinandersetzung mit Hildegard-Texten und parallel dazu mit Ausschnitten aus der Benediktusregel konnten die Teilnehmer die benediktinische Lebensweisheit als Hilfe zur persönlichen Lebensgestaltung entdecken und sie mit dem eigenen Glaubensweg in Zusammenhang bringen.

Den Alumni der Studienstiftung des Deutschen Volkes hielt Sr. Maura am 25. Mai einen Vortrag zum Thema „Hildegard von Bingen. Hinführung zu den Wissenschaften von Gott und Welt“.

Der Vortrag „Liebe als Mitte von Schöpfung und Geschichte. Gottes Wege zu uns und unsere Wege zu Gott in der Lehre Hildegards von Bingen“, den Sr. Maura am Hildegardisfest, dem 17. September, vor den Pilgern in unserer Abteikirche hielt, würdigte zunächst die Tatsache, dass Hildegard zur Eröffnung des Jahres des Glaubens und zum 50. Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Kirchenlehrerin erhoben wurde. Sowohl die Gründe als auch die Konsequenzen dieses Aktes wurden durchbuchstabiert und die Lehre Hildegards in einer vierfachen Ausprägung der Liebe auf den Punkt gebracht.

Die Evangelische Studierendengemeinde Gießen, die Justus-Liebig-Universität Gießen und das Evangelische Dekanat Gießen veranstalteten am 27.–28. September eine „Mystische Nacht mit Hildegard von Bingen“. Zur Eröffnung legte Sr. Maura in ihrem Vortrag „Der Mensch in der Mitte der Schöpfung. Christozentrische Dimensionen in der Anthropologie und der Kosmologie Hildegards von Bingen“ das Welt- und Menschenbild Hildegards dar, das in ihrer Christozentrik verwurzelt ist.

Zum ersten Jahrestag der Erhebung Hildegards zur Kirchenlehrerin hat die Akademische Druck- und Verlagsanstalt in Graz (ADEVA) eine Faksimile-Edition des Illuminierten Kodex herausgegeben, der das Erstlingswerk Hildegards von Bingen, Scivias, enthält und mit den berühmt gewordenen Miniaturen ausgestattet ist. Diese neue Faksimile-Edition, der eine handgefertigte Kopie des Originalkodex zugrunde liegt, spiegelt nicht nur die Geschichte der Klöster Hildegards vom 12. Jahrhundert bis heute wider, sondern gab unserer Gemeinschaft auch Anlass, über das geistige Erbe der neuen Kirchenlehrerin als Auftrag nachzudenken und die Bedeutung dieses Erbes zu würdigen. In ihrem Vortrag zur Buchpräsentation „Kirchbauten, Buchstaben, Theologie. Die dreifache Rezeption des Rupertsberger SCIVIAS-Kodex“ machte Sr. Maura manche kulturelle, geistesgeschichtliche und theologische Zusammenhänge klar, die zeigen, dass eine lebendige Tradition aus einer engagierten und vielschichtigen Rezeption hervorgeht.

Am 05. November schließlich kam eine Gruppe von Frauen des kfd Diözesanverbandes Mainz zu uns, um sich der Theologie und der Spiritualität Hildegards unter dem Thema „Gestaltende Kräfte. Das Tugendkonzept Hildegards von Bingen im Hinblick auf die Vollendung menschlichen Daseins“ zu nähern. Nach einem einführenden Vortrag, während dessen schon ein lebhafter Austausch über die Bedeutung des Begriffs „Tugend“ entstand, widmeten sich die Teilnehmerinnen mit großem Interesse der Gestalt der Gottesfurcht aus der ersten Vision in Scivias. Dieser Nachmittag bereicherte nicht nur unsere Gäste, auch Sr. Maura war von der Wirkung und der Aktualität Hildegards, die Frauen für sich entdeckt haben, beeindruckt.

Auch Sr. Philippa hat in diesem Jahr wieder eine Reihe von auswärtigen Verpflichtungen wahrgenommen, um das Gedankengut der heiligen Hildegard breiteren Kreisen zu erschließen. Im Januar war sie zu dem alljährlich stattfindenden Brüderkurs nach Beuron eingeladen und hielt dort Mitbrüdern aus den Beuroner Männerabteien Vorträge zur Geschichte unserer Abtei St. Hildegard sowie zu Leben und Werk der neuen Kirchenlehrerin. Am Abend hielt sie noch einen Diavortrag, in dem die Feierlichkeiten zur Kirchenlehrererhebung im Mittelpunkt standen.

Am 03. März war Sr. Philippa eingeladen, im Trierer Dom eine Fastenpredigt zu halten. Ihr Thema war: „Schau‘ auf zum Herrn und die Welt wird neu – Umkehrwege zum Leben mit der heiligen Hildegard von Bingen“. Eine Woche später hielt Sr. Hiltrud an gleicher Stelle die Fastenpredigt. Sie sprach über „Das Kirchenbild der heiligen Hildegard“. Für beide Mitschwestern war es eine große Ehre und ein besonderes Erlebnis, in dieser altehrwürdigen Bischofskirche das Wort an die Gläubigen richten zu dürfen. Denn hier las einst im Jahr 1148 Papst Eugen III. aus Hildegards Erstlingswerk Scivias vor und beglaubigte die „prophetissa teutonica“ damit vor der ganzen Kirche.

Im Mai reiste Sr. Philippa für drei Tage nach Burgund. Mehr als 800 Hildegard-Freunde aus ganz Frankreich und aus Belgien kamen dort in Paray-le-Monial zu einem ersten Hildegard-Kongress auf französischem Boden zusammen. Sr. Philippa war sehr beeindruckt von dem großen Engagement und dem tiefen geistlichen Interesse der Teilnehmer. Ihr Thema lautete: „Hildegard von Bingen – eine wahrhaft benediktinische Heilige und Kirchenlehrerin“. Dass gerade dieses Thema in Paray-le-Monial, einer einstigen Gründung der Abtei Cluny, besonders dem genius loci entsprach, braucht hier nicht eigens erwähnt zu werden. Zwei Abstecher nach Cluny und Vézelay waren für Sr. Philippa dann auch ganz besondere Höhepunkte dieser Hildegard-Reise.

Nur wenige Wochen später führte Sr. Philippas Weg nach Brüssel, wo sie auf Einladung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (COMECE) im Rahmen einer „Woche der Hoffnung“ einen Vortrag zum Thema „Recordatio – Honor – Discretio – Misericordia: Bausteine eines menschenwürdigen Lebens nach Hildegard von Bingen“ hielt. Das in der Mehrheit jüngere Publikum – zumeist EU-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – war sehr offen und hatte viele Fragen zu den Themen Lebensstil, Lebensordnung und Lebenssinn.

Im November schließlich folgte Sr. Philippa einer Einladung nach Bernburg an der Saale, mitten ins Kernland der Reformation, um dort im Rahmen des Ökumenischen Bildungswerkes über die heilige Hildegard zu sprechen. Einmal mehr erfuhr sie hierbei, wie sehr unsere Klosterpatronin in beiden Konfessionen gleichermaßen geschätzt und verehrt wird, wie groß aber auch das Interesse nichtgläubiger Menschen an dieser großen Frau des deutschen Mittelalters ist.

Hildegard-Wallfahrtsseelsorge

Unsere Sr. Hiltrud hat in diesem Jahr einen wahrhaftigen Hildegard-“Marathon“ hinter sich gebracht. Der Pilgerstrom zur Wallfahrtskirche in Eibingen war bedeutend größer als in den Vorjahren: 140 deutsche und 27 ausländische Gruppen aus 15 Ländern wurden von Sr. Hiltrud angesprochen. Sie hielt Vorträge, Andachten, Besinnungstage und Meditationen. Wohl keine von uns ist für unsere Klosterpatronin und neue Kirchenlehrerin innerlich so entflammt und äußerlich so engagiert wie Sr. Hil-trud. Zusätzlich zu den vielen Gruppen nahm sie auch eine Reihe von Auswärtsverpflichtungen wahr. Sie gestaltete Einkehrtage für Lehrerkollegien, Impulstage für Frauengruppen, einen Kurs in Münsterschwarzach, Fastenkurse und Hildegard-Wochen sowie einen „Kräutertag“ in Bad Schwalbach. Sie hielt eine Lesung mit Texten der heiligen Hildegard im Rahmen der Hessischen Literaturtage und sprach bei einer Therapeutentagung in Hersberg zum Thema „Heilmittel der Kirche“. Am 07. Juni fuhr sie nach Köln, um beim Eucharistischen Kongress eine Referat zum Thema „Eucharistie im Leben und Denken der heiligen Hildegard“ zu halten. Die Kraft für ihren einfordernden Dienst schöpft Sr. Hiltrud aus dem Gebet und aus der Liturgie – so wie einst auch ihr großes Vorbild, die heilige Hildegard selbst.

Aus unserem Nahen Umfeld

 Oblatengemeinschaft

Der Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt, dass in unserer Oblatengemeinschaft sowohl regionale als auch überregionale Ereignisse von Bedeutung waren. Der Schluss des 7. Kapitels der Benediktsregel sowie der Prolog waren die Themen der drei diesjährigen Treffen. Zwei Kandidatinnen konnten ihre Oblation ablegen: Frau Barbara Schindler aus Frankfurt und Frau Petra Fölsch aus Fritzlar. Frau Christine Krempel aus Hattersheim und Frau Ellen Wehrheim aus Bad Homburg wurden in die Probezeit aufgenommen, so dass sich zur Zeit vier Kandidatinnen auf die Oblation vorbereiten. Zusammen mit Herrn Martin Grüger und Herrn Alfred Kahlfeldt nahm Sr. Lydia an der Tagung der ARGE (Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Benediktiner-oblaten) in St. Ottilien teil. Drei Schwerpunkte kennzeichneten dieses Treffen. Zunächst stand thematische Arbeit zum Thema „Psalmen“ an. Prof. em. Dr. Otto Seidl, München, war ein hervorragender Referent, der es verstand, seine Begeisterung für die Psalmen auf die Zuhörer zu übertragen. Ein weiterer Punkt der Tagung war die Neuwahl des Vorsitzenden und des Vorstandes. Zur neuen Vorsitzenden wurde Sr. Lydia gewählt. In den Vorstand, zu dem drei Oblatenrektoren und drei Oblaten gehören, wurden gewählt: P. Oliver Kaftan/Kornelimünster (Stellvertretender Vorsitzender), Sr. Johanna Domek/Köln-Raderberg, Sr. Ruth Lazar/Alexanderdorf, Frau Elke Wittemann/ Köln Raderberg, Frau Ingeborg Krümpelbeck/Osnabrück sowie Herr Stefan Blanz/Beuron. Der Ausflug führte die Teilnehmer dieses Mal in die Abtei St. Bonifaz in München. Zunächst zeigte und erklärte Altabt Odilo Lechner OSB die Klosteranlage. Anschließend informierte Prior P. Emmanuel über das Haneberghaus, in dem Obdachlose mit Essen versorgt und medizinisch betreut werden.

Vom 4.–10. Oktober nahm Sr. Lydia als Leiterin der deutschsprachigen Gruppe am III. Weltkongress der Benediktineroblaten in Rom teil. Vertreter unserer Oblatengemeinschaft war Herr Martin Grüger. Thema des Kongresses, der von Abtprimas Notker Wolf OSB initiiert wurde, war: „Asculta – the listening oblate in the world / Höre – der lauschende Oblate in der Welt“. 156 Teilnehmer aus aller Welt waren im Kongresszentrum „Salesianum“ zusammengekommen. Sr. Mary John Mananzan (Tutzinger Missionsbenediktinerin/Philippinen) und P. Michael Casey (Trappist/Australien) hielten je einen Vortrag zum Thema „Höre – Lectio divina und ihr Einfluss auf das Leben“. In mehreren Workshops wurde das Thema dann noch weiter vertieft. Höhepunkte der gemeinsamen Tage waren die Teilnahme am Angelus-Gebet mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz sowie die Fahrten nach Subiaco und Montecassino. Erfüllt von vielen Eindrücken und Begegnungen, die noch lange nachwirken werden, kehrten Sr. Lydia und Herr Grüger nach Hause zurück.

Freundeskreis

Unser Freundeskreis hat auch im vergangenen Jahr wieder zu einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm eingeladen. So gab es ca. alle sechs Wochen eine willkommene Gelegenheit sich zu sehen, alte und neue Kontakte zu pflegen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Palette der Vorträge reichte in diesem Jahr von Psychologie und Gesundheit über Hildegard von Bingen bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Wir danken Herrn Prof. Heribert Wahl, Frau Dr. Irmgard Luthe, Herrn Pfarrer Dr. Wolfgang Schumacher und Herrn Prof. Wendelin Knoch herzlich für ihre anregenden Ausführungen. Immer schloss sich den Vorträgen eine lebhafte und intensive, auch mit persönlichen Erfahrungen gesättigte Diskussion an.

Kulturelle Höhepunkte dieses Jahres waren wieder mehrere Konzerte in der Abteikirche, über die wir weiter unten eigens berichten. Dabei fand das Konzert im Rahmen des Rheingau Musik Festivals wie immer besonders großes Interesse. Unser Chorgestühl, in das wir die Mitglieder unseres Freundeskreises in diesen Fällen traditionsgemäß einladen, war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Wir freuen uns über die guten Kontakte zu unseren Freunden und sehen in ihnen eine große Bereicherung, Stärkung und Ermutigung. Dankbar sind wir natürlich auch für die guten Gaben, die uns für bestimmte Projekte aus den Mitgliederbeiträgen und aus Spenden zufließen. In diesem Jahr förderte der Verein großzügig den im Bau befindlichen Glas-Stahl-Übergang, der unser Gästehaus mit dem Hauptgebäude der Abtei verbindet und den Gästen ihren Aufenthalt spürbar erleichtern wird. Allen Verantwortlichen und allen Mitgliedern des Vereins sagen wir hierfür ein herzliches Vergelt‘s Gott.

Klosterkonzerte

Seit vielen Jahren finden inzwischen jährlich vier Konzerte in unserer Abteikirche statt, die die Freunde unseres Hauses und interessierte Musikliebhaber gleichermaßen anziehen. Da die Konzerte in der Regel Sonntags nachmittags stattfinden, sind oft auch spontane Besucher da, die eine Stunde mit guter Musik an diesem schönen Ort miterleben möchten. Im März begann die Reihe der Konzerte mit dem „Stabat Mater“ von Domenico Scarlatti, das von chorART Rheingau mit Solisten und einem kleinen Orchester dargeboten wurde. Werke von Antonio Vivaldi, Nicolaus Bruhns, Franz Tunder und Antonin Dvorak standen im Juni bei Camerata Rheingau auf dem Programm. In diesem Ensemble finden sich professionelle Musiker und solche, die es werden wollen, zusammen. Einige der bei uns vorgestellten Künstler haben inzwischen zu unserer Freude den Sprung in eine große Karriere geschafft.

In diesem Jahr war unsere Abteikirche auch die erste Station einer „Orgelwanderung“, die von Bezirkskantor Florian Brachtendorf (Geisenheim) organisiert wurde. An unserer Seifert-Orgel war Tassilo Schlenther mit zeitgenössischen Werken, z.B. von Michael Schütz und Zsolt Gardonyi, zu hören. Das Celloquartett „Hansori Celli“ war, wie schon vor zwei Jahren, im September bei uns zu Gast. Die Cellisten faszinierten die Zuhörer mit Werken aus vier Jahrhunderten. „Das Paradies der untergehenden Sonne“ nannte Sabine Reinhardt ihre Stunde mit mittelalterlicher Musik (Gesang und Instrumente), die sie Ende Oktober gestaltete. Es war eine musikalische Zeitreise durch Irland und die Bretagne.

Wie in jedem Jahr war das Konzert des „Männergesangvereins Cäcilia Eibingen“ der Schluss- und Höhepunkt der Konzertsaison. Nicht nur der Verein selbst, sondern auch sein alljährliches Konzert in unserer Abtei hat inzwischen eine lange Tradition. In diesem Jahr kamen die Sänger zum 80. Mal auf den Klosterberg, um „ihre“ Schwestern zu erfreuen. Wie immer gab es ein anspruchsvolles gemischtes Programm aus geistlichen Chorälen und Volksliedern. Ein vom neuen Dirigenten, Herrn Carsten Diener, selbstkomponiertes musikalisches Zwischenspiel unter dem Titel „Gestern – Heute – Morgen“ gab dem Chorvorsitzenden, Herrn Achim Muth, die Gelegenheit, heiter-besinnlich auf 80 Jahre Abteikonzerte zurückzuschauen. Da das Konzert in diesem Jahr in der Kirche stattfand, konnten viele Musikbegeisterte aus Nah und Fern den Darbietungen lauschen – und so ganz nebenbei auch den schönen Blumenschmuck bewundern, den der Gesangverein aus Anlass des Jubiläumskonzertes gespendet hatte. Wir danken allen Künstlerinnen und Künstlern, die uns in diesem Jahr wieder Freude gemacht haben. Unser besonderer Dank gilt Herrn Paul Gerhard Kappus, der den Männergesangverein 35 Jahre lang mit großem Engagement und mit viel Liebe zur Musik als Chorleiter begleitet und geformt hat.

Klosterstiftung Sankt Hildegard

Auch im fünften Jahr ihres Bestehens hat sich unsere Stiftung erfreulich positiv entwickelt, obwohl die Spenden- und Zustiftungsbereitschaft in der zweiten Jahreshälfte – wie in allen kirchennahen Stiftungen und caritativen Institutionen – deutlich gesunken ist. Die Arbeit von Sr. Philippa als Stiftungsvorstand bestand deshalb vor allem darin, den Kontakt mit den bisherigen Stifterinnen und Stiftern zu pflegen und die Stiftung und ihre Ziele durch gezielte Medienarbeit bekannt zu machen.

Stiftungsarbeit – das hat sich auch in diesem Jahr wieder deutlich gezeigt – ist mühsame Kleinarbeit und lebt von persönlichen Beziehungen.

Auf Wunsch mehrerer Stifterinnen und Stifter, die in unmittelbarer Nähe zu „ihrer“ Abtei bestattet werden möchten, haben wir in diesem Jahr auf dem Rüdesheimer Friedhof ein Gräberfeld erworben, das später einmal die Ruhestätte von vier Stifterpersönlichkeiten sein wird. Wir folgen damit einer alten Tradition, denn das Gedenken an und die Fürbitte für verstorbene Wohltäter gehörte von jeher zu den vornehmsten Aufgaben der Klöster. In diesem Sinne gedenken wir auch in Dankbarkeit Frau Gerhilde Feußner, einer unserer ersten Stifterinnen, die am 19. September im Alter von 90 Jahren in die Ewigkeit abberufen wurde. Möge der Herr ihr ihren Großmut in reichem Maße vergelten. An dieser Stelle sei auch dem Kuratoriumsvorsitzenden der Klosterstiftung, Dr. Karl Graf zu Eltz und seiner Frau Sophie ganz herzlich gedankt. Wieder einmal scheuten sie keine Mühe, uns mit innovativen Ideen und tatkräftigem Einsatz zu unterstützen.

Unsere Verstorbenen

Auch in diesem Jahr hat Gott in unseren Familien und im Kreis unserer Freunde und Wohltäter reichlich Ernte gehalten. Am 15. Februar erreichte uns die Nachricht, dass Sr. Michaelas Mutter, Frau Sigrid Loch, überraschend heimgegangen war. Gott Dank war Sr. Michaela in den letzten Jahren regelmäßig bei ihr und konnte ihr so im Alter eine wichtige Stütze sein.

Unsere Sr. Walburga verlor in halbjährigem Abstand ihren Schwager, Herrn Theodor Meilinger, und ihre Schwester Doris Meilinger. Familie Meilinger gehörte zu den großen Wohltätern unseres Hauses, wir werden ihrer stets in Dankbarkeit gedenken. Besonders verbunden waren wir über viele Jahrzehnte auch mit Frau Marianne Diehl, die am 02. März nach einem erfüllten Leben in die Ewigkeit abberufen wurde. Frau Diehl vermittelte uns seinerzeit den Kontakt zu Herrn Prof. Eugen Biser. Viele Jahre lang kamen sie gemeinsam zu uns: er, um dem Konvent theologische Vorträge zu halten; sie, um Mutter Edeltraud und Sr. Teresa zu besuchen.

Sehr nahe ging uns der Tod unseres Freundes Helmut Kranz am 29. August. Jahrzehntelang hat er uns in allen Garten- und Friedhofsfragen beraten und kräftig mitgeholfen, neue Pläne zu verwirklichen. Sr. Candida, Sr. Simone und Sr. Beatrix schätzten Herrn Kranz über alle Maßen. Seine Fachkenntnis, sein Taktgefühl und seine Fähigkeit, schwierige Situationen mit Humor zu entschärfen, bleiben unvergesslich. Wie sehr Herr Kranz im Rheingau geachtet war, das zeigte sich im Requiem in unserer Abteikirche, dem Altbischof Franz Kamp-haus sichtlich bewegt vorstand. Die Kirche war bis zum letzten Platz besetzt.

Am 03. Oktober, dem Weihetag unserer Mutter Clementia, starb Herr Dr. Werner Lauter, der unserer Abtei ebenfalls seit Jahrzehnten eng verbunden war. Herr Dr. Lauter war ein großer Kenner der heiligen Hildegard und verfasste die erste, umfangreiche Hildegard-Bibliographie. Seine große Bildersammlung war eine Fundgrube für alle Hildegard-Interessierten; viele seiner Abbildungen fanden im letzten Jahr noch Eingang in die Ikonographie der „Positio“ zur Heiligsprechung und Kirchenlehrererhebung unserer Klosterpatronin. Das Requiem fand in der Wallfahrtskirche am Schrein der heiligen Hildegard statt. Möge sie unseren guten Freund nun vor das Angesicht Gottes begleiten.

Am 18. November erreichte Sr. Innocens die Nachricht vom Heimgang ihrer seit Jahren schwerkranken Schwester, Frau Josefine Nolte. Sr. Innocens hatte sie noch zwei Tage zuvor besucht. Umso größer war dann der Schock über den schnellen Tod. Alle unsere Verstorbenen empfehlen wir dem lebendigen Gott. Unsere Liebe und unsere Treue zu ihnen sei der Beweis unseres Glaubens an ihn, den Gott des ewigen Lebens.

Zum guten Schluss

Am Ende unserer Jahreschronik stehen wir nun wieder am Anfang eines neuen Jahres – ein weiterer Jahreskreis hat sich geschlossen. Manches hat sich in diesem Jahr vollendet, anderes ist bruchstückhaft geblieben und harrt darauf, dass Gott selbst es zu einem guten Ende führen wird.

Ihnen allen, die Sie uns mit Ihrem Wohlwollen und Ihrer Freundschaft nahe waren, empfehlen wir uns ins Gebet und versprechen auch unsererseits, Ihrer vor Gott zu gedenken.

Wir erwarten mit Ihnen voll Sehnsucht und Hoffnung das Kommen des Erlösers in unsere Welt und erbitten Ihnen für das neue Jahr 2014 Gottes reichen Segen.

Äbtissin und Konvent der Abtei St. Hildegard