LIEBE MITBRÜDER UND MITSCHWESTERN, LIEBE VERWANDTE UND FREUNDE DER ABTEI ST. HILDEGARD!

„Cum bono animo“ – in guter Gesinnung – oder in anderer Übersetzung: frohen Herzens und guten Mutes. Dieses Wort aus dem fünften Kapitel der Benediktsregel stellte Mutter Clementia zu Beginn des neuen Kirchenjahres als Leitwort über das Jahr. In gewisser Weise war dies eine Antwort auf die auch für uns so bedrängende Vertrauens,- und Glaubwürdigkeitskrise der Kirche und der Orden, die uns – wie viele andere Gläubige – im vergangenen Jahr so bewegt und umgetrieben hat. In Zeiten der Krise gilt es, sich auf das Wesentliche zu besinnen, der eigenen Berufung konsequent zu folgen und aus der Hoffnung zu leben, so wie sie uns in unserem Professgesang, dem „Suscipe“, ins Herz geschrieben wird.

Eine solche Hoffnung war für uns unter anderem der Besuch des Heiligen Vaters in Deutschland. Wir waren bewegt und beeindruckt von den Ansprachen und Predigten des Papstes und ließen uns aufrütteln von seinen Worten der Mahnung und Wegweisung. Gleichwohl wurde uns bei dieser Pastoralvisite aber auch einmal mehr schmerzlich bewusst, wie wenig präsent unsere Orden im öffentlichen Bewusstsein der Kirche heute noch sind. Haben wir uns vielleicht von der so oft und immer neu beschworenen Krise der Orden und von den vielerorts sichtbaren Verlusten zu sehr ängstigen und in die Defensive drängen lassen? Oder haben uns die eben auch spürbaren geistlichen Krisenerscheinungen dazu verführt, uns auf das Negative zu fixieren anstatt unseren Visionen zu folgen und aus der Mitte unserer Berufung heraus den Aufbruch in die Zukunft zu wagen?

Zwei Dinge, man könnte auch sagen, zwei prophetische Zeichen wären vielleicht notwendend: zum einen die Rückbesinnung auf die zeichenhaft eschatologische Dimension unseres Ordenslebens, denn nur diese öffnet den Blick über die Welt und alle innerweltlichen Glücksverheißungen hinaus und hält den suchenden Menschen den Himmel wirklich offen; zum anderen das nie erlahmende Bemühen um ein wahrhaft „gemeinsames Leben als Gleichnis“, wie Enzo Bianchi es in seinem neuesten, sehr lesenswerten Buch formuliert hat. Das gemeinsame Leben bedarf stets der Erneuerung und Neuaus- richtung aus dem Wort der Heiligen Schrift. Es ist Geschenk, Arbeit und Aufgabe zugleich. Es ist ein Feuer, das wir immer neu entfachen und hüten müssen. Möge diese Chronik ein wenig davon widerspiegeln, wie wir im vergangenen Jahr versucht haben, dieses Feuer am Brennen zu halten und weiterzugeben.

UNSERE MÜTTER UND „VÄTER

Mutter Clementia

Mutter Clementia nahm ihre vielen Verpflichtungen im Orden, im Konvent, im Freundeskreis und in unserer Stiftung auch in diesem Jahr mit nie ermüdendem Eifer und hoffentlich auch mit ebensolcher Freude wahr. Am Hildegardisfest hielt sie in Eibingen erstmals die Festansprache zur Reliquienprozession und erreichte mit ihrem Thema „Hildegard von Bingen – Hoffnungsgestalt der Kirche“ die Herzen der Pilger und auch die des zahlreich gekommenen Klerus. Hoffnung wider alle Hoffnung – Mut, Vertrauen und Glaubensfreude, das ist es, was unsere Zeit und unsere Kirche, wie es scheint, vor allem braucht. Wie kaum eine andere kann die hl. Hildegard hier Wegweiserin und Lehrmeisterin sein. „Schau auf zum Herrn und die Welt wird neu, weil du sie mit neuen Augen siehst“ – dieses Wort Hildegards war und ist ein Schlüssel zur Hoffnung. Dass die Menschen diese Worte verstanden haben und von ihnen berührt wurden, spürten und hörten wir an zahlreichen Reaktionen auf die Festansprache.

Zu Beginn der Fastenzeit hielt Mutter Clementia einen Einkehrtag für die Mitglieder des Freundeskreises zum Thema „Öffnen wir unsere Augen dem göttlichen Licht“ (Benediktsregel Prolog 9). Die Teilnehmer und Teilnehmer- innen waren sehr offen und nahmen die Impulse in lebendigem Austausch gerne auf. Im Juni fuhr Mutter Clementia zur jährlichen Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) nachVallendar und zu den Sitzungen des Regimen (Rat des Abtpräses), das sich mehrmals im Jahr trifft. Zur kollegialen Beratung traf sie sich einige Male mit anderen Äbten und Äbtissinnen in Neuburg. Dieser Austausch wird von allen als besonders hilfreich und fruchtbar für den Alltag erfahren.

Vom 22.-29. Oktober nahmen Mutter Clementia und Sr. Katharina am 25. Generalkapitel der Beuroner Kongregation teil, das in diesem Jahr in Nütschau stattfand. Die herzliche und großzügige Gastfreundschaft der Mitbrüder und die Möglichkeit, am Stundengebet der Gemeinschaft teilzu- nehmen, trugen zu einem guten Gelingen dieses Generalkapitels bei. In einem intensiven Austausch konnten wichtige Fragen und Anliegen der Kongregation besprochen werden. Ein Schwerpunkt der Gespräche war die Beschäftigung mit der Situation der jüngeren Mitschwestern und Mitbrüder sowie das Miteinander in unseren Gemeinschaften und zwischen den Klöstern der Beuroner Kongregation. Diese Themen werden unseren Konvent auch in der kommenden Zeit sicher noch weiter beschäftigen und Grundlage für verschiedene Konventgespräche sein.

Der Kontakt mit den anderen Klöstern unserer Kongregation ist traditionsgemäß ebenso eng wie vielfältig. Neben den notwendigen Arbeitstreffen gibt es deshalb – Gott Dank – auch immer wieder gute Gründe zu feiern. So nahm Mutter Clementia zusammen mit Sr. Scholastica und Sr. Gisela gern an der Feier des Goldenen Priesterjubiläums von Abt Norbert Stoffels OSB in Neresheim teil. Abt Norbert, der zum Urgestein der Beuroner Kongregation zählt, deren Geschichte er wie kaum ein zweiter jederzeit präsent hat und zum Besten geben kann, ist uns seit Jahrzehnten eng verbunden und hat uns auch oftmals mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Unvergessen sind für uns bis heute die Konventexerzitien, die er uns im Jahr 2007 gehalten hat. Am 12. November nahm Mutter Clementia auch an der Weihe des neuen Erzabtes von Beuron, P. Tutilo Burger OSB, teil. Sr. Beatrix und Sr. Katharina begleiteten sie und überbrachten die Glück- und Segenswünsche des Konventes.

Am 03. Oktober, dem elften Jahrestag von Mutter Clementias Äbtissinnenweihe, dankten wir Gott für ihr Sein und Wirken in unserer Gemeinschaft. Zur Feier des Tages trafen wir uns nach der Vesper zu einem gemeinsamen Abendessen im Konventzimmer. An festlich gedeckten Tischen, begleitet von erlesener Tafelmusik am Klavier, nahmen wir das Festtags- menü ein. Die einzelnen Gänge wurden umrahmt von gemein- sam gesungenen Liedern und geistlichen Texten, die das Thema Mahlgemeinschaft umkreisten.

Mutter Edeltraud

Unsere Altäbtissin Mutter Edeltraud vollendete in diesem Jahr ihr 89. Lebensjahr und schaut schon von Ferne aus nach dem großen Fest im nächsten Jahr. Sie ist nach wie vor sehr rüstig und nimmt wach und interessiert Anteil an allem, was im Konvent und in unserer Kongregation passiert. Sie begleitet mit nie erlahmendem Interesse Menschen auf ihrem Weg und ist stets bereit zu Exerzitienbegleitungen und Einzelge- sprächen mit Suchenden und Fragenden, die an unsere Klosterpforte klopfen. Am 28. April eröffnete Mutter Edeltraud den Reigen der Jubiläen mit ihrem Diamantenen Professaniversarium Wir begingen diesen Tag – ganz zu Mutter Edeltrauds Vorlieben passend – mit Mozart-Musik und Rilke-Texten. Es gab außerdem eine erlesene Tischlesung zum Thema „Schönheit und Wahrheit“, das Mutter Edeltraud besonders liebt. Wir gedachten an diesem Tag aber auch unserer im Vormonat heimgegangenen Sr. Lioba, die ihr Goldenes Professjubiläum nun in der Ewigkeit feierte.

Nur vier Tage nach ihrem Jubiläum wurde Mutter Edeltraud eine besondere Ehre zuteil: unser Bischof Franz-Peter Tebartz- van Elst verlieh ihr in Limburg die Georgs-Plakette des Bistums, die alle zwei Jahren an Persönlichkeiten vergeben wird, die sich für das Bistum besonders verdient gemacht haben. Mutter Clementia, Sr. Ancilla und Sr. Thekla begleite- ten die Geehrte zu dem Festakt, der in der Michaelskapelle, dem offiziellen Kapitelsaal des Domkapitels von Limburg, stattfand. Die Laudatio hielt der Domdekan und frühere Generalvikar Dr. Günther Geis. Acht junge Sänger der Dom-Kantorei rahmten die Feier mit Gesängen ein. Nach der Ehrung wurde im Dom ein Pontifikalamt aus Anlass des Patroziniums der Diözese zu Ehren des hl. Georg gefeiert. Unsere beiden Äbtissinnen wurden dabei zur Teilnahme an der Hl. Messe ins Chorgestühl des Hohen Doms eingeladen.

Neben Lichtvollem gab es für Mutter Edeltraud in diesem Jahr aber auch schmerzliche Verluste zu beklagen: so starb am 12. November in Freiburg der Verleger Dr. Hermann Herder, mit dem und dessen Frau Mechtild sie seit drei Jahrzehnten freundschaftlich verbunden ist. Unsere Abtei hat dem Verlag Herder und dem Verleger persönlich viel zu danken, wurde doch dort in den Jahren 1988/89 unser Psalterium gedruckt, aus dem wir bis heute unser Stundengebet beten. Zur Beisetzung fuhr Mutter Edeltraud gemeinsam mit Sr. Philippa, die auf diese Weise ihrem hochgeschätzten früheren Chef die letzte Ehre erweisen konnte.

Unsere Geistlichen

Am 11. Mai erreichte uns aus Maria Laach die Nachricht, dass P. Radbert Kohlhaas OSB, unser Spiritual über 29 Jahre hinweg, von Gott heimgerufen worden war in die Ewigkeit. Er wurde 88 Jahre alt. Wir haben P. Radbert sehr viel zu verdanken. Er war ein vorbildlicher Mönch und weiser Ratgeber für unsere Äbtissinnen. Er lebte ganz für die Liturgie und aus der Hl. Schrift; seine besondere Vorliebe gehörte den liturgischen Orationen, die er uns je neu übersetzte und interpretierte. Eines seiner für uns unvergesslichen Schlüssel- worte, das er uns immer wieder zu Beginn der Hl. Messe zusprach, war: „Gott ist in unserer Mitte!“. Damit war und ist alles wie in einem Brennglas zusammengefasst – das ganze Geheimnis der unaussprechlichen Liebe und Nähe Gottes zu uns Menschen – in der Liturgie wie im Alltag.

In den langen Jahren seines Hierseins war P. Radbert auch fest im Rheingau verwurzelt und vielen Menschen im Umkreis bekannt und vertraut. Jahrelang gehörte er der Rhabanus- Maurus-Gilde an. Von seiner hohen Musikalität – er spielte ausgezeichnet Flöte und Spinett – gab er uns leider nur selten Kostproben. Dafür aber sang er täglich das Hochamt. Er übersetzte viele Bücher für den Herder-Verlag – „seine“ Autoren waren vor allem Carlo Maria Kardinal Martini und Henri Nouwen. Deren Texte und Gedanken stellte er uns dann oft in Konferenzen vor. Da P. Radbert ein reiches und sehr interessantes Leben hatte, besonders auch vor seinem Klostereintritt, ließ er sich im hohen Alter noch überzeugen, seine Memoiren zu schreiben, von denen er uns oftmals mit großem Vergnügen Kostproben zum Besten gab. Leider konnte er seine Erinnerungen nicht mehr vollenden. In den letzten Jahren lebte P. Radbert zurückgezogen in der Infirmerie von Maria Laach, von wo aus er uns aber immer wieder einmal besuchte. St. Hildegard war für ihn, wie er nie müde wurde zu betonen, sein eigentliches Zuhause. Mutter Clementia und fünf Mitschwestern gaben P. Radbert das letzte Geleit. Möge er Aufnahme finden in die himmlischen Wohnungen und ruhen in Gottes ewigem Frieden. Als bleibende Erinnerung an den Verstorbenen schenkte Abt Benedikt unserer Mutter Clementia nach der Beerdigung P. Radberts kostbare Altblockflöre. Wir werden sie dankbar in Ehren halten!

Zu Gott heimgerufen wurde in diesem Jahr auch Prälat Dr. Walter Seidel, der frühere Leiter des Erbacher Hofes in Mainz, der uns seit vielen Jahren in besonderer Weise verbunden war. Er hatte maßgeblichen Anteil an der großen Hildegard- Ausstellung anlässlich des Jubiläumsjahres 1998 und stand uns auch sonst in vieler Hinsicht mit Rat und Tat zur Seite. Unvergessen bleiben uns seine Vorträge und geistlichen Impulse, in denen er uns nicht nur Kostproben seines weiten geistigen und geistlichen Horizonts gab, sondern auch auf unnachahmliche Weise den verstorbenen Mainzer Bischof, Hermann Kardinal Volk, imitieren konnte. Am feierlichen Pontifikalrequiem im Hohen Dom zu Mainz nahmen Sr. Scholastica und Sr. Philippa teil, die in diesem Jahr – sozusagen in den Fußstapfen von Prälat Seidel wandelnd – auch regelmäßig zu den Treffen der Mainzer Komturei der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem eingeladen waren. Wir freuen uns, dass die gute Tradition und Verbindung zwischen unserer Abtei und dem Ritterorden vom Heiligen Grab damit weiter Bestand hat.

Unser derzeitiger Hausgeistlicher, Pfarrer Tumaini Ngonyani aus dem Bistum Songea/ Tanzania, schreibt derweil weiter an seiner liturgiewissenschaftlichen Dissertation und hat zum Wintersemester an der Universität Münster noch zusätzlich das Fach Kirchenrecht belegt. Während seiner Abwesenheiten helfen uns nach wie vor regelmäßig Pfarrer Didinger, Pfarrer Schickel, Pfarrer Hufsky und die Franziskaner–Mitbrüder aus Marienthal aus. Angesichts des heutigen Priestermangels sind wir sehr dankbar, dass wir an jedem Tag des Jahres eine Eucharistiefeier haben. Herr Diakon Weser schenkte uns an jedem zweiten Sonntag sein Predigtwort. Für ihre priester- lichen Dienste im Laufe des Jahres danken wir auch P. Max Rademacher OFM/Fulda, Herrn Pfarrer Werner Bardenhewer und Abt Benedikt Müntnich/Maria Laach, der uns auch wieder mit geistlichen Vorträgen zur Benediktsregel beschenkte.

Wie in jedem Jahr vertraten im Sommer Altabt Pius Engelbert OSB und P. Elmar Salman OSB, Rom/Gerleve, sowie P. Cyprian Krause OSB und P. Viktor Esch OSB aus der Abtei Maria Laach unseren Hausgeistlichen und bereicherten den Konvent und den Freundeskreis in diesen Wochen mit ihren ebenso inhalts- wie geistreichen Konferenzen und Vorträgen. Altabt Pius sprach zu uns über „Lectio divina“, P. Elmar zum Thema „Mönchtum in Literatur und Kunst von Caspar David Friedrich bis Hermann Hesse“ und noch ein weiteres Mal zur Frage „Warum wir römisch-katholisch sind – das Römische als Denk- und Lebensform“ und P. Cyprian erfreute uns mit einer Konferenz über die moderne Jean Anouilh-Fassung der Tragödie des Sophokles „Antigone“, die nicht wenige jüngere Mitschwestern noch aus der Schullektüre kannten.

AUS DEM GEMEINSCHAFTSLEBEN

Die einwöchigen Konventexerzitien zu Beginn eines jeden Jahres bieten uns traditionsgemäß Zeit und Raum zur individuellen und zur gemeinsamen Besinnung auf das Wesentliche unseres Lebens. Im gemeinsamen Hören auf das Wort des Exerzitienbegleiters richten wir uns neu aus und schöpfen zusammen Kraft aus den Quellen der biblischen und monastischen Tradition. In diesem Jahr hielt uns Spiritual Dr. Paul Deselaers aus Münster die Jahresexerzitien. Sein Thema war:„Von der Partitur der Hoffnung“ (Arnold Stadler). Im „Reisegepäck“ führte er dabei folgende Gaben des Heiligen Geistes mit sich: „Meine Anfänge – Die Geistesgabe der Gottesfurcht“, „Vom Wachsen – Die Geistesgabe der Frömmigkeit“, „Weg-Erfahrung der Bekehrung – Die Geistesgabe der Wissenschaft“, „Vom Loslassen – Die Geistesgaber des Starkmutes“ und „Von der Weggemeinschaft – Die Geistesgabe der Weisheit“.

Wichtige Eckpunkte für das geistliche Leben der Gemeinschaft sind neben den Exerzitien die regelmäßigen Konferenzen der Äbtissin. Mutter Clementia legte den Schwerpunkt ihrer Ansprachen in diesem Jahr auf die Auslegung und Deutung einzelner Kapitel der Benediktsregel. Zu Beginn der Fastenzeit gab sie uns als gemeinsame Fastenlektüre die Kapitel 3 und 72 zur Betrachtung. In ihnen geht es um das Miteinander und um die Entscheidungsfindung in der Gemeinschaft. Die intensive Auseinandersetzung mit den beiden Regelkapiteln war für uns eine gute geistliche Grundlage für verschiedene in diesem Jahr anstehende Entscheidungsprozesse im Konvent.

Die Kontakte zu den anderen Klöstern und Gemeinschaften unserer Kongregation sind für uns ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Gemeinschaftslebens. Im Mai besuchte uns erneut der Neuburger Konvent aus Heidelberg. Am späten Vormittag feierten wir gemeinsam das Hochamt. Bei schönstem Frühlingswetter gingen wir dann durch den Garten und zum Friedhof und aßen danach gemeinsam im Refektorium zu Mittag. Am Nachmittag zeigte Abt Franziskus eine Powerpoint-Präsentation über die Renovierung der Neuburger Klosterkirche. Der sich daran anschließende Gedankenaustausch war sehr offen und bereichernd und hätte noch länger fortgesetzt werden können. Wir freuen uns also schon auf den nächsten Besuch der Mitbrüder. Besonders schön war auch der Besuch von Sr. Maria-Elisabeth mit fünf Angestellten des Exerzitienhauses von Marienrode. Eine Hausbesichtigung und ein nachmittäglicher Besuch auf dem Schafshof (unserem Ferienhaus ganz in der Nähe oberhalb von Aulhausen) hat uns viel Freude gemacht.

Runde Geburtstage und Jubiläen

Für Sr. Angela standen in diesem Jahr gleich zwei große Jubiläen an: im Sommer feierte sie voller Energie und Lebensfreude ihren 90. Geburtstag mit einem von Sr. Christo- phora zusammengestellten Opus, das die vielen Facetten, die Sr. Angelas Leben ausmachen, auf wunderbare Weise widerspiegelte. Im Oktober dann beging sie ihr Eisernes Professjubiläum. Sr. Angela ist nach wie vor eine gefragte Hildegardforscherin und steht vielen Mitschwestern und Menschen von außen mit ihrem Rat zur Seite.

Am 17. Mai beging Sr. Agnes ihren 80. Geburtstag. Zunächst fuhr sie heim ins Saarland, um im Kreis ihrer großen Familie zu feiern. Nach ihrer Rückkehr begingen wir den eigentlichen Festtag im Konvent. In einer eigenen Festrekreation wurden Texte und Musikstücke zum Besten gegeben, die zu den vielen verschiedenen Wirkungsbereichen und besonderen Vorlieben von Sr. Agnes passen: zur Küche, zu den Blumen, zur Bibliothek, zum Reisen und zum Leben ihres Lieblings- heiligen, des sel. P. Rupert Mayer SJ. Danach erzählte uns Sr. Agnes in alter und immer neuer Frische aus ihrem ereignis- reichen und spannenden Leben.

Auch Sr. Simone vollendete in diesem Jahr ihr 80. Lebensjahr. Zwar ist sie körperlich zunehmend eingeschränkt und braucht für manche Wege inzwischen den Rollstuhl, doch geistig ist sie unverändert jung und aktiv und nimmt an allem, was im Haus und in der Welt geschieht, äußerst regen Anteil. Sie hilft Sr. Philippa nach wie vor bei der Betreuung von Sr. Christiane und kümmert sich mit großer Freude um unsere Tischlektüre. Da sie jedes Buch in der Bibliothek in- und auswendig kennt und auch „gute Kundin“ in unserer Buchhandlung ist, sind wir lektüremäßig bei ihr in allerbesten Händen. Zu ihrem 80. Geburtstag stellten die Mitschwestern für ihre ehemalige Magistra ein kleines „monastisches“ Opus aus Altvätertexten zusammen, die jeweils umrahmt wurden mit musikalischen Einlagen am Psalter und an der Querflöte

Sr. Hiltruds 70.Geburtstag am 21. August wurde – wie könnte es anders sein – ganz „hildegardisch“ gefeiert. Texte aus dem Briefwechsel unserer Klosterpatronin mit den Großen und Kleinen ihrer Zeit und Musik des Ensembles für mittel- alterliche Musik „Ranunculus“ waren der passende Rahmen für unsere Sr. Hiltrud. Diese ist nach wie vor mit ganzem Herzen Wallfahrts- und Pilgerseelsorgerin am Schrein der hl. Hildegard und gab uns an ihrem Festtag auch regen Anteil an ihrem Dienst.

Gleich zwei Mitschwestern feierten in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Den Anfang machte im Sommer Sr. Christiane. Sie beging den Tag in aller Stille. Ihre Geschwister waren extra für drei Tage gekommen, um sie jeweils einzeln für eine kurze Zeit besuchen zu können. Durch ihre Krankheit bedingt, kann Sr. Christiane Besuch nur noch in sehr „kleinen Dosen“ verkraften. Auch wenn sie es nicht mehr äußern konnte, so hatten wir doch den Eindruck, dass sie ihre Geschwister sehr wohl erkannt und sie als sehr vertraut wahrgenommen hat.

Drei Monate später, am 15. November, wurde Sr. Gisela 60 Jahre alt. Sie beging ihren Festtag in Paris. Von uns aus ging ein großes Paket mit vielen guten Wünschen und kleinen Geschenken auf die Reise. Im Geiste verbanden wir uns an ihrem Festtag mit Sr. Gisela dadurch, dass wir gemeinsam einen Film über die Arbeit der AIM anschauten, der den Reichtum der benediktinischen Klöster in aller Welt und die segensreiche Arbeit der AIM auf bewegende Weise anschau- lich machte.

Ihr 50. Lebensjahr vollendete in diesem Jahr Sr. Katharina. In der Abendrekreation wurde sie mit einem Opus zum Thema „Bilder einer Ausstellung“, gefeiert, das unser Noviziat vorbereitet hatte. Fünf verschiedene für Sr. Katharinas Leben charakteristische Bilder wurden eines nach dem anderen feierlich enthüllt. Dazu gab es Texte von Rose Ausländer u.a. und passende Musik.

Gegen Ende des Jahres, am Fest Allerheiligen, begingen wir dann noch das Goldene Professjubiläum unserer Sr. Martina. Dazu wurde ein neuer einfacherer Ritus für die Professerneuerung innerhalb des Konventamtes erstellt. Da Sr. Martina Rosen sehr liebt, waren Altar und auch Sr. Martinas Zellentür mit wunderschönen Rosengestecken geschmückt. Am Nachmittag führte der Konvent dann für unsere Mitschwester und ihre Festbesucher ein von Sr. Simone vorbereitetes Opus auf: „Ein kleines Marienlob“, das mit dem Akathisthos-Hymnus begann, mit Texten zu den fünf Gesätzen des Freudenreichen Rosenkranzes weiterführte und beendet wurde mit den Anrufungen des Grüssauer Wallfahrtsliedes. Die Texte und die Liedrufe wurden begleitet von Sr. Klara am Psalter und Sr. Mirjam am Glockenspiel, was dem Ganzen einen feierlichen und meditativen Rahmen gab.

Nur drei Wochen nach Sr. Martina feierte Sr. Emmanuela ihr Goldenes Professjubiläum. Sie beging den Tag ganz bewusst in aller Stille und in kleinem Rahmen und hatte sich für die Festrekreation nur ein Musikstück gewünscht: den Radetzky- Marsch von Johann Strauß. Sr. Lydia am Flügel und Sr. Ursula am Schlagzeug erfüllten ihr diesen Wunsch nur zu gern.

Noviziat

Die diesjährigen Werkwochen führten das Noviziat auf zweifache Weise zu den Ursprüngen unserer Abtei: die kleine Werkwoche der Frauennoviziate im Mai – die letzte für diese Noviziatsgeneration – fand bei uns statt und beschäftigte sich mit unserer Gründerin Hildegard von Bingen. Mit Sr. Maura konnten die drei Novizinnen von Eibingen und Fulda die Faszination und den Reichtum der Visionen Hildegards und ihre Rezeption der Regula Benedicti entdecken. Die große Junioratswerkwoche für die Frauen- und Männerklöster der Kongregation führte das Noviziat im August dann in die Erzabtei Beuron. Dieser Ursprungsort des Beuroner Mönchtums mit seiner liturgischen Kunst lud schon von sich aus zu dem Thema der Woche ein: die Geschichte der Kongregation, gestaltet von Sr. Johanna Buschmann, Varensell. Die gemeinsame Geschichte wie die Gastfreundschaft der Erzabtei Beuron ließen die Woche fast zu schnell vergehen und die Teilnehmer schon auf die nächste schauen.

Last but not least ist zu berichten, dass unsere beiden Novizinnen in diesem Jahr ihre Triennalprofess ablegen durften. Sr. Raphaela machte den Anfang und sang am Fest des hl. Benedikt, dem 11. Juli, ihr „Suscipe“; Sr. Mirjam folgte ihr wenige Wochen später am Erzengelfest, dem 29. September. Für unseren Konvent waren beide zeitlichen Professen eine große Freude und ein besonderer Grund zur Dankbarkeit.

In diesem Zusammenhang möchten wir hier auch berichten, dass Sr. Klara Antons am Ende ihrer zweijährigen Probezeit am Herz Jesu-Fest, dem 1. Juli, vor dem Hochamt in einem feierlichen Kapitelakt ihre Stabilität von Köln-Raderberg auf unsere Abtei übertragen hat.

Unsere alten und kranken Mitschwestern

In unserer Infirmerie ist es seit dem Tod von Sr. Lioba und Sr. Christina still geworden. Sr. Susanna, die im September ihren 96. Geburtstag feierte, und nach wie vor nur ein wenig Betreuung braucht, führt immer noch eine rege seelsorgliche Korrespondenz und weiß sich vielen Menschen im Gebet verbunden. Mit Eifer und Hingabe beschäftigt sie sich mit den heiligen Engeln, die ihr in den vielen kleinen Sorgen des Alltags Trost und Hilfe sind.

Sr. Caecilia durfte am Christ-königsfest in aller Stille und Dankbarkeit den 60. Jahrestag ihrer feierlichen Profess begehen. Auch wenn die Kräfte langsam nachlassen, so nimmt sie doch unermüdlich Anteil an allem, was sich rund um die hl. Hildegard entwickelt und macht auch ihren täglichen Spaziergang durchs Dormitorium, liebevoll begleitet von Sr. Maria-Hildegard. Gerne verweilt Sr. Caecilia bei der Gottesmutter im Infirmerie-Oratorium und betrachtet in Liebe und Treue die Geheimnisse des Rosenkranzes. Mit ihrer heiteren und schelmischen Art ist sie ein Segen für unsere Gemeinschaft.

Das gleiche gilt für Sr. Christiane, die inzwischen seit sechs Jahren in unserer „zweiten Infirmerie“ im Ostflügel des Hauses lebt. Trotz ihrer schweren Demenzerkrankung zeigt sie noch viel Freude am Leben, auch wenn sie diese verbal nicht mehr äußern kann. In Begleitung macht sie noch täglich zwei Spaziergänge im Garten, genießt die Natur und besucht regelmäßig verschiedene Mitschwestern in deren Arbeitsbereichen. Niemanden lässt sie dabei ohne eine liebevolle Geste oder ein kleines Zeichen der Zuwendung. Nicht selten haben wir den Eindruck, dass sie – um es mit einem Wort aus Arno Geigers bewegendem Roman „ Der alte König in seinem Exil“ zu sagen, „zwar nichts mehr weiß, aber alles versteht“.

Weiterbildung

Sowohl der ganze Konvent als auch einzelne Mitschwestern haben in diesem Jahr wieder an weiterführenden und vertiefenden Aus- und Fortbildungen teilgenommen. In der Fastenzeit hielt uns ein lieber Freund, Herr Pfarrer Dr. Robert Nandkisore/Eltville, eine dreiteilige Vortragsreihe zum Thema „Geistliche Freundschaft“. Es ging dabei um die Freundschaft mit Gott und mit Christus, sodann folgten Gedanken über die göttliche Freundschaft in der Heiligen Schrift sowie Ausführungen über den Freundschaftsbegriff bei Aristoteles im Vergleich zu Cicero.

Am 25. Mai berichtete uns Soeur Thérèse aus Saarlouis, eine Weiße Schwester, die jahrzehntelang in Algerien unter den Berbern lebte und wirkte, über die ermordeten Trappisten von Tibhirine, die sie persönlich gut gekannt hat. Sie öffnete uns mit ihren Ausführungen einen weiten Horizont und erklärte uns viele Hintergründe des Films „Von Göttern und Menschen“, den wir zuvor gemeinsam im Geisenheimer Kino angeschaut hatten.

Im Juni kam Altabt Christian Schütz OSB/Schweiklberg wieder für fünf Tage zu uns. Thema der Studienwoche war diesmal die Verbindung der Regula Benedicti mit dem alttestamentlichen „Hohen Lied der Liebe“, das der hl. Benedikt zwar nirgends wörtlich zitiert, wohl aber auf vielfältige Weise indirekt rezipiert hat. Abt Christian ermutigte uns, persönlich auf dieser Spur weiterzuarbeiten, und sprach – eingebettet in den Gedankenkreis des Hohenliedes – auch über die Heilige Eucharistie. Fragmentarisch sei ein Gedanken- splitter hier besonders erwähnt: „Der Mensch ist ein Empfangener und ein Empfangender. Das ist der Kern seines Daseins, die Grund- und Schöpfungswahrheit seiner Existenz und seines Wesens. Wir ahnen, wie tief die Eucharistie mit dem Geheimnis der Schöpfung verbunden ist.“

Auch Sr. Michaela Puzicha OSB, Varensell/Salzburg war in diesem Jahr erneut ein gern gesehener Gast in unserem Konvent. Diesmal hielt sie uns einen viertägigen, gleichermaßen interessanten wie lebenspraktischen Vortrags- Zyklus zum Thema: „Gesprächsprozesse in der Benedikts- regel“. Wichtige Aspekte dabei waren: der Prozess des Hinhörens, Entscheidungskriterien und Zielformulierung sowie die Mühe, die aufgewandt werden muss, um dialogfähig zu bleiben und den Frieden immer neu herzustellen. Sr. Michaelas profunde, souveräne und zum Weiterarbeiten motivierende Regelkenntnis war wie immer ein Genuss und lieferte uns viel Stoff zum Nachdenken und zum Gespräch.

Sr. Francesca, Sr. Andrea und Sr. Barbara haben in diesem Jahr ihre berufsbegleitende Ausbildung in der Hauswirtschaft erfolgreich abgeschlossen und können nun ihre Kenntnisse auf vielfache Weise in Küche, Waschküche, Hausmeisterei und im Gästebereich anwenden. Sr.Mirjam hat unterdessen unmittel- bar nach ihrer Triennalprofess eine Ausbildung in Finanz- buchhaltung begonnen; Sr. Scholastica hat die ihrige im selben Fach unterdessen erfolgreich beendet.

Gesprächsprozess „Ort unseres Gebetes“

Im letzten Jahresrundbrief berichteten wir bereits davon, dass unser Konvent sich auf den Weg eines längeren Gesprächsprozesses zum Thema „Ort unseres Gebetes“ begeben hat. Dahinter verbarg sich die Frage, wie wir die Besucher unserer Kirche und unsere Hausgäste besser in unser Gebet einbeziehen könnten und sollten. Unter Begleitung von P. Bertram Dickerhof SJ und Sr. Petra Maria Nothum SND begannen wir einen gut einjährigen Prozess des gemeinsamen Nachdenkens und der praktischen Erprobung. Wir wägten in mehreren Gemeinschafts- und Gruppengesprächen die Pro- und Contra-Argumente ab und absolvierten danach drei Probephasen der möglichen Orte unseres Gebetes: in einer neuen Sitzordnung im Chor, sodann im Presbyterium und zuletzt in der Kirche. Wir versuchten, auf die Stimme des Geistes zu hören – in uns selbst und wie sie durch zahlreiche Reaktionen von Besuchern und Gästen auf uns zukam.

Interessant war, dass gerade die Menschen, die uns sehr verbunden sind und regelmäßig kommen, meist nichts vermissen, wenn wir nur zu hören, aber nicht zu sehen sind, ja dass die Verborgenheit des Konventes im Chorgestühl für sie sogar die Atmosphäre des Gebetes und die Erfahrung der Transzendenz verdichten kann. Nach den Probephasen im Presbyterium und in der Kirche, die eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Reaktionen hervorriefen, stimmten wir ab und entschieden uns mehrheitlich für den Chor als unseren bleibenden „Ort des Gebetes“. Ausnahmen von dieser Grundsatzregelung sind ausdrücklich vorgesehen, z.B. am Hildegardisfest oder bei Jubiläen, an denen wir mit unseren Gästen einzelne Gebetszeiten in der Kirche feiern.

Wenn es äußerlich auch so aussehen mag, als wäre nach dem Gesprächsprozess nun alles beim alten geblieben, so waren wir uns doch einig, dass wir unser Chorgestühl durch die Probe- phasen an anderen Orten unserer Kirche nun wieder ganz neu schätzen und lieben gelernt haben. Wir haben zudem lange und intensiv aufeinander gehört und uns vertieft über Grundsatzfragen unseres Lebens ausgetauscht. Zudem haben wir eine Methode gelernt, wie wir Entscheidungsprozesse sorgfältig vorbereiten und durchführen können. Wir danken P Dickerhof und Sr. Petra Maria sehr für die Begleitung des Prozesses und vor allem auch für die Ausbildung von fünf „Moderatorinnen“ aus unseren Reihen, die sich in den Plenumssitzungen und bei der Leitung der Kleingruppen bereits bestens bewährt haben. Die Erfahrungen werden uns auch bei künftigen Entscheidungsprozessen helfen können.

UNSERE KLOSTERPATRONIN

Hildegard-Wallfahrtsseelsorge

Die Wallfahrtsseelsorge am Schrein der hl. Hildegard, die unsere Sr. Hiltrud betreut, wurde auch in diesem Jahr wieder von vielen Menschen in Anspruch genommen. Neben vielen Wallfahrern und Einzeltouristen, die sich von Hildegard angezogen fühlen und sich am Ort der Reliquien Stärkung und Weisung für ihr Leben erhoffen, kamen 83 Gruppen – Kommunionkinder, Firmlinge, Schülerklassen, Pfarrgemein- schaften, Frauengruppen, Familientreffs, Wander- und Seniorengruppen – , um von Sr. Hiltrud einen Vortrag oder einen geistlichen Impuls zu hören. Auch Bildungsein- richtungen, Volkshochschulen, Krankenpflegeschulen, Geschichts- und Gartenbauvereine, Kirchenchöre und evangelische Pfarrer, Lehrer und Schwesterngemeinschaften waren darunter. Sehr viele Besucher kamen in diesem Jahr auch aus dem Ausland nach Eibingen: aus Dänemark und Belgien, den Niederlanden und Frankreich, aus der Schweiz, aus Österreich und Polen, ja selbst aus Australien und Indien kamen Hildegard-Interessierte und – verehrer. Sie alle wollen mehr und Authentisches erfahren über unsere große Klosterpatronin, möchten die Visionen und das Gottes- und Menschenbild Hildegards erklärt und gedeutet bekommen und fruchtbar werden lassen für ihr persönliches Leben und ihren Glauben. Nicht nur Sr. Hiltrud, sondern wir alle spüren, dass Hildegard den Menschen von heute viel zu sagen hat und dass wir mit ihrer Hilfe gerade diejenigen ansprechen können, die der Kirche fernstehen, aber dennoch Suchende und Fragende sind. Dieser Zielgruppe dienen auch die Hildegard-Seminare und Veranstaltungen, die wir im Gästehaus anbieten. Sr. Hiltrud ist hier in besonderer Weise engagiert und wird nie müde, das Erbe Hildegards unserer Zeit gemäß weiterzugeben.

Hildegard-Werke

Dem Ziel, die hl. Hildegard breiten Kreisen zugänglich zu machen, dient auch die bereits im letzten Jahr begonnene Neuausgabe aller Werke Hildegards von Bingen. Inzwischen sind der SCIVIAS in einer Neuübersetzung unserer in diesem Jahr verstorbenen Oblatin, Frau Mechthild Heieck, und die Naturheilkunde CAUSAE ET CURAE in einer Neuübersetzung von Frau Professor Ortrun Riha, Medizinhistorikerin in Leipzig, erschienen. Im Frühjahr werden die SYMPHONIAE – neuübersetzt von Frau Dr. Barbara Stühlmeyer, ebenfalls Oblatin unserer Abtei, und der LIBER DIVINORUM OPERUM erscheinen, an dem Frau Heieck noch bis unmittelbar vor ihrem Tod gearbeitet hat. Wir danken vor allem dem Beuroner Kunstverlag für seine Bereitschaft, die Reihe zu edieren und Sr. Philippa, die die mühevolle Arbeit der Lektorierung über- nommen hat. Als besonders schöne Zugabe zur neuen Reihe erschien pünktlich zur Frankfurter Buchmesse ein Bildband mit den berühmten 35 Miniaturen des SCIVIAS. Dieser Prachtband ist eine wahre Gemeinschaftsarbeit: Sr. Hiltrud und Sr. Maura haben die erklärenden Texte zu den einzelnen Miniaturen verfasst und Sr. Philippa hat aus den Bildern und Texten eine Gesamtkomposition erstellt. Eine Gemeinschafts- arbeit ganz anderer Art entstand zwischen Sr. Hiltrud und unserem inzwischen pensionierten Küchenchef, Herrn Pasquale Piccinno: die beiden haben in kongenialer Ergänzung ein Hildegard-Kochbuch mit Weisheiten und Rezepten aus der Klosterküche herausgegeben. Am Sonntag nach dem Hildegardisfest fanden sich die beiden Autoren zur Signierstunde im Laden ein – Sr. Hiltrud in Tunika und Herr Piccinno in weißer Küchenmeisterkleidung – ein wahrhaft würdiger und pittoresker Rahmen!

Hildegard-Forschung

In diesem Jahr hat Sr. Maura ihr Promotionsstudium, das sie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz 2007 begonnen hatte, erfolgreich abgeschlossen. Die Advents- und Weihnachtszeit 2010 waren noch von intensiven Korrektur- arbeiten geprägt. Dabei stand Sr. Raphaela mit kompetenter Hilfe und großer Sorgfalt Sr. Maura zur Seite. Am 2. Februar 2011 reichte Sr. Maura ihre Dissertation, die den Titel „Vidi et intellexi. Die Schrifthermeneutik in der Visionstrilogie Hildegards von Bingen“ trägt, ein. Als die Gutachten von Frau Professor Dr. Mechthild Dreyer, Frau Professor Dr. Karen Joisten und Herrn Professor Dr. Ruben Zimmermann vorlagen, konnte der Termin für die Disputation am 22. Juli 2011 festgelegt werden. Zu diesem Anlass fuhr Mutter Clementia mit Sr. Maura nach Mainz, um an der letzten mündlichen Prüfung teilzunehmen. Auch Herr Dr. Dr. Stefan Seit, der mit seinen Anregungen und wiederholten Ratschlägen zum Gelingen der Dissertation beigetragen hatte, konnte dabei zugegen sein. Die Mitglieder der Prüfungskommission, Frau Professor Dreyer, Frau Professor Joisten und Herr Professor Dr. Klaus-Dieter Eichler, würdigten Sr. Mauras Leistung mit „summa cum laude“. Besonderer Dank gilt Frau Professor Dreyer, die Sr. Maura als Doktorandin angenommen und sie durch die Jahre hindurch gefördert und betreut hat. Auf ihre Empfehlung hin schickte Sr. Maura ihre Dissertation nach der mündlichen Prüfung an den Aschendorff Verlag, Münster, wo sie 2012 in der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters“ erscheinen wird.

Am 22. September war es dann soweit: der Dekan der Mainzer philosophischen Fakultät, Herr Professor Dr. Stephan Jolie, überreichte Sr. Maura die Urkunde und verlieh ihr damit den Titel eines Doktors der Philosophie. Die Freude über den Abschluss verbindet sich für Sr. Maura mit einem großen Dank, besonders an ihre Mitschwestern, die ihrerseits natürlich stolz sind, nun wieder eine junge Hildegardforscherin in ihren Reihen zu haben. Noch vor Drucklegung ihrer Arbeit hat Sr. Maura ein Angebot zu einem Lehrauftrag an der Philo- sophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frank- furt am Main bekommen. Zusammen mit Pater Prof. Dr. Rainer Berndt SJ hält sie im Wintersemester 2011/2012 ein Seminar mit dem Thema „Sehen und gesehen werden. Studien zur Anthropologie und Erkenntnislehre von Philosophinnen des Mittelalters“. Wir freuen uns, dass auf diese Weise der Kontakt nach St. Georgen wieder neu intensiviert wird und P. Berndt nach der guten Kooperation im Hildegard- Jubiläumsjahr 1998 nun einmal mehr intensiv mit unserer Abtei zusammenarbeitet.

AUS DEN ARBEITSBEREICHEN OSB – Oh, sie bauen…

Im Mai wurde ein für viele Mitschwestern lange gehegter Wunschtraum Wirklichkeit: Mit der finanziellen Hilfe unseres Freundeskreises und zweier Stifterinnen konnte der Umbau unserer Küche vollendet werden. Der Konvent ertrug die oft mühsame und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Mitschwestern in der Küche viel abverlangende Bausituation in großer Geduld. In der neuen Küche, die wir mithilfe unserer hauswirtschaftlichen Beraterin Frau Brigitte Hackler und Herrn Bohnert von der Offenbacher Küchen- baufirma „Edgar Fuchs“ mehrere Monate lang durchdacht und geplant hatten, befinden sich nun alle Geräte und Gebrauchsgegenstände in einem Raum, einschließlich der Kühlzelle, die vorher verteilt auf zwei Stockwerke und mehrere Räume untergebracht waren. Wir erhielten einige neue Geräte, die uns nun in die Lage versetzen, auf technisch neuestem Stand energiesparend und rationell zu arbeiten. Wir danken allen an der Planung und Durchführung des Umbaus Beteiligten für die große Sorgfalt und den Einsatz bei der Maßnahme.

Im Zuge des Küchenumbaus, bei dem die alten Dampfheizungsrohre abgebaut und durch Warmwasser- leitungen ersetzt wurden, haben wir Ende Oktober auch das Konventzimmer im Nordwesten und mehrere sanitäre Anlagen im Westen des Hauses von den alten Dampfheizungsleitungen „befreit“ und durch neue Leitungen der Warmwasserheizung ersetzt. Dies war dringend notwendig, da an einigen Stellen die Dampfleitungen undicht waren und zunehmend Schäden im Gemäuer verursachten und verursachen. Dies wollen wir in der kommenden Zeit auch nach und nach weiter vorantreiben, um so Heiz- bzw. Energiekosten zu sparen.

Der Zugang zur Kirche wird für Rollstuhlfahrer in Zukunft einfacher, da an der Treppe vom Pfortengang in die Kirche ein Treppenlift montiert werden soll. Sobald der vierte Bauabschnitt unseres Gästehauses fertiggestellt sein wird, können gehbehinderte Gäste dann ohne Schwierigkeiten vom Gästehaus in das Haupthaus und von dort in die Kirche gelangen.

Unser Gästehaus

Dass viele unserer Gäste immer wieder gerne zu uns kommen, sich bei uns wohlfühlen und Kraft und Mut für ihren Alltag schöpfen, erfüllt uns mit dankbarer Freude. Möge das auch in Zukunft so bleiben. Im zurückliegenden Jahr haben wir zum ersten Mal ein eigenes Jahresprogramm mit verschiedenen Angeboten zusammengestellt, die gern angenommen wurden. Es fanden unter anderem statt: „Ora et labora –Tage“, Buchbinderkurse, Gregorianikwochenenden und natürlich Angebote, die sich unter verschiedenen Aspekten mit der hl. Hildegard beschäftigten. Im kommenden Jahr wird unsere Patronin noch stärker im Mittelpunkt unseres Kursangebotes stehen. Neben diesen Angeboten, durch die wir unseren Gästen etwas von dem, was unser eigenes Leben bereichert, weitergeben möchten, besteht auch weiterhin die Möglichkeit zu Tagen der Stille oder Einzelexerzitien.

Im Gästehaus selbst haben wir nun auch die letzten fünf Gastzimmer mit unseren Zellenmöbeln ausgestattet. In mühsamer Arbeit hat Sr. Anna zusammen mit unserem Hausmeister, Herrn Peter Moussong, und Herrn Günter Franko, der nach seiner Pensionierung als Möbelschreiner bei uns noch ein ehrenamtliches Betätigungsfeld gefunden hat, die Pitchpinemöbel aufgearbeitet, so dass sie nun wieder in voller Schönheit erstrahlen. Unsere Gäste schätzen die Zellen- ausstattung der Gästezimmer sehr, vermittelt diese ihnen doch noch mehr das Gefühl, in die klösterliche Atmosphäre eintauchen zu können.

In diesem Jahr, vor allem in den Monaten Mai bis Oktober, besuchten auch wieder sehr viele Gruppen unsere Abtei. Die meisten von ihnen kamen, um mehr zu erfahren über unser klösterliches Leben und über Hildegard von Bingen. Nach wie vor sprechen wir alle diese Gruppen noch persönlich an, da wir auf diese Weise unser Leben und unseren Glauben bezeugen und das Erbe unserer großen Klosterpatronin authentisch weitergeben können.

Kirchenkonzerte

Die Reihe unserer Abteikonzerte begann in diesem Jahr mit einem Chor- und Orchesterkonzert von ChorART Rheingau unter der Leitung von Jochen Doufrain am 10. April. Mit dem Werk „Membra Nostri Jesu Christi“ von Dietrich Buxtehude – ein Werk für Solisten, Chor und Orchester – wurden die Zuhörer auf die Karwoche eingestimmt. In sieben Kantaten werden Füße, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz und Gesicht Christi hier allegorisch gedeutet. Die Musiker trugen mit ihrem intensiven musikalischen Vortrag dazu bei, dass dieses Werk nicht nur Erbauungsmusik war, sondern auch die persönliche Betrachtung der Leiden Christi vertiefen konnte. Am 3. Mai war des Ensemble BONnACCORD unter der Leitung von Herrn Dieter Simonsen wieder einmal bei uns zu Gast. Mit Musik des 18. Jahrhunderts von Pepusch, Corelli, Schickhardt und Baston faszinierten die Künstler die Zuhörer mit Blockflöten, Violinen, Cello und Cembalo. Am 19. Juni konzertierte erstmals das Ensemble „Camerata Rheingau“ in unserer Kirche. Dieses Orchester besteht aus Profimusikern und jungen Musikern, die noch am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit heraus gab es für die zahlreichen Zuhörer ein Konzert mit Werken von Mozart, Vivaldi, Mendelssohn Bartoldy u.a., das durch die Musikalität der Ausführenden und auch durch das Dirigat von Ulrich Kern faszinierte. Am 4. September hatten wir das „Hansori Quartett“ zu Gast. Die vier Cellisten (der Leiter des Ensembles, Herr Tobias Fischer, ist der Cellolehrer unserer Sr. Agatha) spielten Stücke von Corette, Bach, Haydn, u.a. Es war eine Freude, den Musikern zuzuhören und zuzuschauen. Das letzte Konzert am 16. Oktober war eine besinnliche, meditative Stunde mit mittelalterlicher Musik zu Ehren der Mutter Gottes: Ave maris stella – Antiphonen und Hymnen z.B. aus Montserrat oder einem Kölner Antiphonar, gesungen von Frau Sabine Reinhardt. Mit Harfe, Laute, Portativ und gotischem Hackbrett begleitete sich die Solistin selbst und stimmte die Zuhörer schon auf den kommenden Advent ein.

Keramikwerkstatt

In diesem Jahr erfüllte sich der von Sr. Christophora lang gehegte Wunsch, ihre Großskulpturen einmal in einer romanischen Kirche zeigen zu können, durch eine Anfrage der kurhessisch- evangelischen Kirche und der evangelischen Kommunität Koinonia. In der ehemaligen Klosterkirche von Germerode bei Eschwege wurden zehn Skulpturen von April bis Oktober unter dem Thema: „Zwischen Sehnsucht und Erfüllung“ gezeigt. Die vielen Besucher wurden dabei von Frau Traudl Priller aus der Kommunität Koinonia mit großem Engagement betreut. Auf Anfrage von Altabt Christian Schütz zeigte Sr. Christophora von März bis September in der Abtei Schweiklberg in einer weiteren Ausstellung unterschiedlichste Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Parallel dazu konnte unsere Künstlerin zwei Arbeiten für den neugestalteten Meditationsgarten des Klosters Neustift verwirklichen: eine große Engelskulptur und eine 230 cm hohe dreiseitige Säule zu den Themen: Schöpfung, Emmaus und Benedikt.

Überraschend kam im März die Anfrage von Stadtpfarrer Monsignore Schuhmacher, für das Bonner Münster zum Gedenken an die Seligsprechung Papst Johannes Pauls II. ein Porträtrelief zu gestalten, das die Verbundenheit der Bonner Katholiken mit dem verstorbenen seligen Papst zum Ausdruck bringen sollte. Die Arbeit bedeutete eine intensive Auseinan- dersetzung mit Leben und Werk des Seligen und führte Sr. Christophora auch zu einem inneren geistlichen Dialog mit dieser so vielschichtigen Persönlichkeit. Das 105 cm hohe Relief wurde in der Krypta des Bonner Münsters angebracht und am 1. Mai in einem feierlichen Gottesdienst vom Päpstlichen Nuntius in Deutschland Kardinal Jean-Claude Périsset eingeweiht.

Für einen“ Meditationsweg mit europäischen Heiligen“ neben der neuen Wallfahrtskirche „Maria, Königin Europas“ auf dem Gnadenweiler bei Beuron wurde mit Sr. Christophoras lebensgroßer Figur der hl. Edith Stein ein erster Anfang gesetzt. Auf Anfrage des Osnabrücker Generalvikars Theo Paul gestaltete Sr. Christophora ein 260 cm x 270 cm großes Relief für das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Twistringen. Das Relief zeigt Hildegard mit ihrer Vertrauten Richardis, umgeben von den kartographisch angeordneten Wirkungsstätten ihres Lebens. Diese werden in Medaillons jeweils mit Miniaturen aus den Visionen interpretiert.

Es ist bezeichnend, dass bei Anfragen für kleine wie größere Aufträge der Wunsch, dass eine religiöse Arbeit aus einem religiösen Hintergrund heraus gestaltet wird, für die jeweiligen Auftraggeber an Bedeutung gewinnt. Ebenso ist es mittler- weile fast unabdingbar, dass Sr. Christophora bei Eröffnungen, Einführungen oder Einweihungen der von ihr gestalteten Arbeiten alleine oder zusammen mit Mitschwestern präsent ist. Der früheren Anonymität des Klosterkünstlerdaseins entspricht heute die geforderte Präsenz, die der Sehnsucht der Menschen nach authentischem Zeugnis entspringt.

Neben diesen großen Aufträgen gab es auch einige Anfragen für kleinere Arbeiten, wie z.B. die Bemalung eines kleinen Marienaltars, neue Krippenfiguren für die Pfortenkrippe oder ein Antoniusrelief. Insgesamt war es ein Jahr, in dem sich Sr. Christophora verstärkt mit den unterschiedlichsten Auffas- sungen zur modernen Gestaltung von religiösen Werken beschäftigte. Ein klarer Standpunkt und eine eigene künstlerische Sprache sind Sr. Christophora für ihre Weiterentwicklung besonders wichtig und gewinnen als geistliches Bekenntnis für sie zunehmend an Bedeutung.

Restaurierungswerkstatt

Der Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt, was im Alltag auch nicht zu kurz kommen möchte: wir haben viel zu danken! Wir wurden vor Schaden bewahrt und auch Arbeit und Aufträge hatten wir ausreichend. So möchten wir stellver- tretend für unsere Auftraggeber an erster Stelle unserem Koordinator, Herrn Archivdirektor Dr. Braun, Mainz, dafür danken, dass uns durch seine Vermittlung auch in dieser wirtschaftlich und finanziell so schwierigen Zeit ausreichend Aufträge der Archive der deutschen Bistümer zur Restaurierung anvertraut wurden.

Von unseren Gästen möchten wir besonders Frau Hannah Groß und Frau Catrin Schuster erwähnen. Im Rahmen unseres Werkstattalltags haben sie jeweils ein mehrwöchiges Praktikum absolviert. Frau Hannah Groß beginnt in diesem Winter den Studiengang Restaurierung in München; Frau Catrin Schuster studiert Restaurierung an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Für ihren weiteren beruflichen Weg wünschen wir ihnen Erfolg, bei aller Mühe auch Freude – und danken für das gute Miteinander. Auch Frau Linda Elmersson, Studentin der Universität Göteborg, hat in diesem Jahr noch einmal für einige Wochen bei uns gearbeitet. In der Zeit vom 7. März – 6. Mai hat sie, begleitet von unserer Werkstattleiterin Sr. Dorothea, ihre Bachelor-Arbeit bei uns erfolgreich beendet. Wir gratulieren ihr herzlich.

Personell hat sich in unserem Team in diesem Jahr nichts verändert. Unter Sr. Dorotheas Leitung arbeiten Frau Corinna Herrmann, Sr. Maria Hildegard, Sr. Marion, Sr. Jutta und Sr. Placida. Integriert in unserer Werkstatt befindet sich die Hausbuchbinderei, in der Sr. Fides mit langjähriger Erfahrung die reparaturbedürftigen Bücher des Hauses aufarbeitet. Frau Herrmann arbeitet nun schon drei Jahre mit uns und wir möchten ihr auch an dieser Stelle herzlich für ihren fach- kompetenten Einsatz voller Schwung und Begeisterung für das Restaurieren danken.

Unser Arbeitsalltag wurde mehrfach von der Teilnahme an auswärtigen Tagungen unterbrochen. Im April nahmen wir am Fachgespräch der nordrhein-westfälischen Papierrestauratoren in Bielefeld teil. Auf der Tagung der AGOA (Arbeits- gemeinschaft der Ordensarchive), die sich im Mai im Kloster Hegne traf, stellte Sr. Dorothea unsere Werkstatt vor. Im August fuhren Sr. Dorothea und Frau Herrmann nach Bern und nahmen an dem Treffen der IADA (Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv – Bibliotheks- und Graphikrestauratoren) teil. Nach dem Auftakt im Jahr 2009 konnten wir auch in diesem Jahr wieder Kurse in unserer eigenen Werkstatt anbieten. Im April gab es eine Einführung zur Bestandserhaltung im Archivwesen unter der Leitung von Sr. Dorothea und Frau Herrmann, und im November waren es zwei Kurse zur Einführung in das Buchbinden bzw. die Buchreparatur.

Klosterweingut

Als zu Beginn des Jahres Schwester Lioba heimging – sie war jahrzehntelang für unser Weingut verantwortlich –, sagte eine Mitschwester: „Der Jahrgang 2011 wird sicher ein ganz außer- gewöhnlicher Jahrgang werden!“ Und damit hatte sie Recht.

Mit der Weinlese begannen wir in diesem Jahr so früh wie noch nie, und diese wurde auch so früh wie noch nie beendet. Am 14. September fingen wir mit der Lese der Spätbur- gundertrauben an, am 30. September (in unseren Weinkeller- aufzeichnungen haben wir bisher noch nie einen früheren Termin gefunden) hatten wir alle Weinberge gelesen und schlossen die Lese in guter Tradition mit dem Herbstschluss ab. Unter Glockengeläut wurden die letzten Trauben heimgebracht, und wir brachten unseren Dank für die gute Ernte des Jahres mit dem „Großer Gott, wir loben Dich“ zum Ausdruck. Bei einem Glas Wein wurde dann auf die gemeinsamen Mühen des Jahres angestoßen. Da dieser Tag ein außergewöhnlich warmer und schöner Herbsttag war, verlegten wir das gemeinsame Mittagessen kurzerhand in den Hof. Zusammen mit unseren Mitarbeitern und allen Lesehelfern fand so ein zünftiger Abschluss der Weinlese statt.

Der Jahrgang 2011 kann in der Tat bezüglich der Vegetation im Weinberg mit einigen Ausnahmen aufwarten: Der Austrieb begann – bedingt durch die warme Witterung zu Beginn des Jahres – schon am 14. April, zwei bis drei Wochen früher als im Jahresdurchschnitt. Eine lange Trockenheit prägte dann das Frühjahr. Erst im Juni setzte der erste spärliche Regen ein. Die Rebblüte begann ebenfalls knapp drei Wochen früher als normal. Der August wurde dann feuchtwarm und brachte häufige Niederschläge. Für die Trauben kam dies zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn mit beginnender Reife reagieren sie empfindlich auf zu viel Feuchtigkeit. Es bilden sich schnell Fäulnisnester, die die Qualität der Weine verderben können. So war eine zügige und schnelle Weinlese wichtig, damit die Trauben möglichst gesund in den Keller kamen. Dabei haben wir in diesem Jahr vermehrt den Traubenvollernter zum Einsatz gebracht, da wir von Hand nicht schnell genug reagieren konnten. Unabdingbar war jedoch, dass wir zuerst eine „Negativ-Lese“ von Hand hielten, d.h. eine kleine Mannschaft schnitt zunächst die faulen Trauben heraus. Erst danach konnte die eigentliche Lese, ob nun von Hand oder durch den Vollernter, beginnen. Dass sich diese Mühe gelohnt hat, zeigen uns die Moste, die langsam im Keller gären und ihr Potential entfalten. Bei der Hessischen Landesweinprämierung konnten wir in diesem Jahr eine Goldmedaille, sechs Silbermedaillen und eine Bronzemedaille verzeichnen.

Erstmalig haben wir in diesem Jahr im Benno Verlag einen Klosterweinkalender herausgebracht. Darin finden sich schöne Bilder von unserem Kloster und aus den Weinbergen sowie zu jedem Monat ein kurzer Bericht über die im Weinberg und – keller anfallenden Arbeiten aus der Feder von Sr. Thekla.

Unser Garten

Unserem Garten erging es in diesem Jahr ähnlich wie den Weinbergen. Da das Frühjahr sehr trocken war, begann die Obsternte drei Wochen früher als üblich. Die Früchte waren schön und gesund, vor allem die Quittenernte war außer- gewöhnlich ertragreich. Auch in diesem Jahr hatten wir dank des grünen Daumens von Sr. Beatrix wieder köstliche Tomaten in Hülle und Fülle. Aber auch die Blumen blühten in voller Pracht und reichlich, sodass wir bis spät in den Herbst hinein den Blumenschmuck in Kirche und Haus aus dem eigenen Garten bestreiten konnten.

Ein besonderer Dank gilt unserem Freund, Herrn Wolfgang Lamberti, der uns nach seiner Pensionierung ehrenamtlich im Garten und auf dem Friedhof hilft. Der Rasen auf dem Kirchplatz, im Kreuzgarten und auf dem Friedhof gleicht durch seine liebevolle Pflege fast schon einem englischen Rasen. Sr. Candida, die am Christkönigsfest voller Dankbarkeit ihr Diamantenes Konsekrationsjubiläum begehen durfte, betreut immer noch engagiert und liebevoll unseren Friedhof. Dieser ist ein stilles Refugium, das vor allem sonntags immer wieder von Mitschwestern aufgesucht und als Ort der Ruhe und des Friedens genossen wird. An Allerheiligen und Allerseelen brannte auch traditionsgemäß wieder auf jedem Grabstein ein Licht – ein schöner Brauch, der auch von Besuchern, die die Gräber ihrer verwandten Klosterschwestern besuchen, dankbar gewürdigt wird.

AIM/Sr. Gisela

Für Sr. Gisela stand dieses Jahr ganz im Zeichen des 50- jährigen Bestehens der AIM. Die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeiern kosteten ihr und ihrem kleinen Team viel Kraft und Zeit, gleichwohl aber brachten sie auch viel Freude und Genugtuung über 50 Jahre erfolgreiche Arbeit im Dienst an den jungen benediktinischen Klöstern in aller Welt. Das Fest fand in der Abtei Ligugé statt, dem Ort, wo einst die AIM gegründet worden war. Dass der Tag zugleich der 1650. Gründungstag der Abtei war, verlieh dem Ganzen noch einmal einen besonderen Glanz. Rund 100 Gäste aus aller Welt nahmen am Jubiläum der AIM teil. Die Referenten kamen aus drei Kontinenten, ein Film – zum Jubiläum erstellt und dann auch im Fernsehen gezeigt – ließ die Arbeit der AIM in beeindruckender Weise Revue passieren.

Sr. Gisela selbst ist jetzt bereits zehn der gefeierten 50 Jahre mit dabei, organisiert die AIM mit großem Engagement und versucht unermüdlich in den deutschen Sprachraum zu vermitteln, dass dieser „Bund zwischen den Klöstern“ kein „französischer Verein“ ist, sondern ein „Netzwerk für verlässliche Partner“. In der Zeit der so viel besprochenen Finanzkrise ist dieses Netzwerk, diese Allianz, im tiefsten Sinne besonders wichtig. Zuhause in St. Hildegard war Sr. Gisela auch wieder einige Male; zudem nahm sie an Abt Norberts Goldenem Priesterjubiläum in Neresheim und an der Altarweihe der neugestalteten Kirche der Abtei Neuburg teil.

Militärseelsorge

„Den Wandel gestalten! Kirche unter Soldaten: Mit Profil in die Zukunft“ war das Thema der diesjährigen Gesamtkonferenz des Militärbischofsamtes in Berlin, an der Sr. Lydia im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Militärseelsorge teilnahm. Referenten waren Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dr. Marc Calmbach von der Sinus Markt- und Sozialforschung GmbH sowie Dr. h.c. Klaus Naumann, General a.D. Mit großer Spannung wurde der Vortrag des neuen Militärbischofs Franz-Josef Overbeck zur „Zukunft der Militärseelsorge“ erwartet. Ausgehend von der Lage der Kirche in Deutschland und anhand der Heiligen Schrift als Hintergrund für die Perspektive der Seelsorge entfaltete Bischof Overbeck seine Gedanken über die Haltung des Seelsorgers und die Schwerpunkte der Pastoral sowie über die Rolle des Militärbischofs und aller Militärgeistlichen. Auf die anstehende Umstrukturierung der Bundeswehr und deren Konsequenzen für die Militärseelsorge, konnte er noch nicht eingehen, da diese erst eine Woche später vorgestellt wurde. Vom 4.-7. April hielt Sr. Lydia im Bildungshaus Benedikts- höhe in Retzbach die Exerzitien für die Pfarrhelfer aus Bayern und Baden Württemberg. Als Thema hatte sie in diesem Jahr gewählt: „Hören auf Gott – unser Leben“.

AUS UNSEREM VERTRAUTEN UMFELD Unser Bistum

Mit unserem Bistum Limburg verbindet uns auf vielen Ebenen vieles: wir fühlen uns den Menschen unserer Ortsgemeinde nahe und nehmen regen Anteil an ihren Freuden und Sorgen. Sr. Ursula ist Mitglied im Ordensrat des Bistums und nimmt jeweils zusammen mit mehreren Mitschwestern an den Treffen der Ordensgemeinschaften im Bistum teil. Mit dem St. Vincenzstift in Aulhausen pflegen wir gute Kontakte, und wir sind dankbar, dass in unserem Stiftungskuratorium sowohl der Generalvikar von Limburg, Herr Apostolischer Protonotar Prof. Dr. Franz Kaspar, als auch der Generalvikar des Bistums Mainz, Herr Prälat Dietmar Giebelmann, Mitglied sind.

Besonders gefreut hat uns am 03. Januar der Besuch unseres Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Er nahm sich viel Zeit, um unsere Anliegen anzuhören, ebenso aber, um uns Anteil zu geben an seinen Wünschen und Hoffnungen, Sorgen und Nöten. Als gemeinsames Anliegen sahen und sehen wir derzeit die Kirchenfernstehenden-Pastoral. So ermutigte uns der Bischof, uns den vielen Menschen, die zunehmend „einfach so“ zu unserem Kloster kommen oder an unserer Tür vorbei- wandern, künftig intensiver zu widmen und ihnen „Vorräume des Ankommens und Austauschs“ zu gewähren. Missio- narische Kirche vor Ort könnte dann ganz konkret Gestalt gewinnen, wenn es uns gelingt, den Menschen mit ihren Gedanken, Erwartungen und Sehnsüchten in aller Offenheit zu begegnen und sie auf Tieferes zu verweisen. Mögen der hl. Benedikt und die hl. Hildegard uns auf diesem Weg begleiten.

Oblatengemeinschaft

Im vergangenen Jahr spiegelte sich die ganze Bandbreite des Lebens in unserer Oblatengemeinschaft wieder. Wir durften zusammen Freude erfahren und gemeinsam trauern. Wir feierten zusammen und bauten weiter an unserer Gemein- schaft. Am 03. September durfte Herr Alfred Kahlfeldt innerhalb unseres Konventamtes seine Oblation ablegen. Etwa einen Monat später, am 8. Oktober, konnte Frau Marianne Schäfer in großer Freude und Dankbarkeit auf 50 Jahre Oblation zurückblicken. Am Tag ihres Goldenen Jubiläums, zu dem viele Mitglieder der Oblatengemeinschaft gekommen waren, erreichte uns die Nachricht, dass Frau Ursula Winter am 03. Oktober im Alter von erst 60 Jahren plötzlich und unerwartet heimgegangen war. Und nur vier Wochen später verstarb am Morgen des 05. November Frau Mechthild Heieck nach längerem Leiden im Bruder Konrad Stift in Mainz. Wir gedenken unserer Verstorbenen in Liebe und Dankbarkeit.

An den Oblatenwochenenden beschäftigten wir uns mit dem 71. und 72. Kapitel der Benediktsegel. Vom 14.-18. November hielt P. Daniel Hörnemann OSB/Gerleve, die Oblaten- exerzitien unter dem Thema „Die Psalmen – Hilfen mein Leben vor Gott zur Sprache zu bringen – eine Einführung in das Gebetbuch des Judentums und der Kirche“. Vom 14-17. Juni nahmen Sr. Lydia, Frau Heringklee und Herr Grüger an der Tagung der ARGE (Arbeitsgemeinschaft der Benediktineroblaten) in St. Ottilien teil. Das Thema lautete: „Unter der Führung des Evangeliums und nach der Weisung des Heiligen Benedikt: Führen und Leiten in Familie, Schule und Gesellschaft“. Höhepunkt der gemeinsamen Tage war die Begegnung mit Abtprimas Notker Wolf OSB, der eigens aus Rom anreiste, um einen Impulsvortrag zu halten.

Freundeskreis

Der Freundeskreis unserer Abtei lud auch in diesem Jahr zu vielen Veranstaltungen, zu Einkehrtagen, Vorträgen und Konzerten ein. Es gab viele Gelegenheiten, sich zu treffen und sich auszutauschen. Das 10-jährige Jubiläum seines Bestehens war uns im Herbst ein willkommener Anlass, um allen Mitgliedern, dem Vorstand und dem Beirat des Freundes- kreises ein besonderes Zeichen unseres Dankes zukommen zu lassen. Am 10. September luden wir die Freunde und ihre Familien zu einem Tag der Begegnung ein, und dieser Tag wird uns noch lange in froher Erinnerung bleiben. Wir begannen das Treffen, zu dem mehr als 140 Mitglieder des Freundeskreises gekommen waren, mit einem Festakt in der Kirche, den Mutter Clementia und der Vereinsvorsitzende, Georg Freiherr von Boeselager, nutzten, um ihren Dank für zehn Jahre gemeinsamen Weges auszusprechen. Da sich beide Ansprachen wunderbar ergänzten, möchten wir hier gerne einige längere Passagen zitieren und Sie teilhaben lassen an dem, was das gemeinsame Unterwegssein mit dem Freundeskreis für beide Seiten bedeutet:

Zunächst Mutter Clementia:

„In der Begegnung mit Ihnen, liebe Mitglieder des Freundeskreises, haben wir erfahren, dass das Miteinander unserer klösterlichen Gemeinschaft mit Menschen, die in der Welt leben, für Sie und für uns, eine große Bereicherung ist. Sie Ihrerseits haben die Möglichkeit, bei uns und in unseren Veranstaltungen immer wieder geistig und geistlich aufzutanken. Sie können bei uns für ihr christliches Leben eine geistige Heimat finden, die ihnen Kraft für das Leben gibt. Und eine solche Heimat – das weiß ich aus vielen Gesprächen – haben viele von Ihnen tatsächlich bei uns gefunden. Umgekehrt erhält unsere Gemeinschaft durch Sie immer wieder neue Anregungen. So entsteht ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Liebe Freunde, vor zehn Jahren habe ich gern das Symbol der Brücke genutzt, wenn ich von dem Vorhaben der Gründung eines Freundeskreises sprach. Die Brücke zwischen dem Freundeskreis und unserem Konvent hat sich bewährt. Sie ist nicht nur sehr schön, sondern auch stabil und tragfähig. Die Brücke verbindet getrennte Ufer, sie dient der Einheit und vermag das Entfernte anzunähern. Sie ist also ein Zeichen der Hoffnung und der Zukunft. Wir brauchen eine solche Brücke, die uns mit der modernen Welt verbindet, damit wir mit unseren schwachen Kräften und in dem Angefochtensein unserer Zeit unseren Weg in die Zukunft gehen können. Und Sie Ihrerseits mögen diese Brücke gern und regelmäßig nutzen, um sich in der Geschäftigkeit dieser Welt immer wieder an Gott zu erinnern.“

Und nun der Freundeskreisvorsitzende, Georg Freiherr von Boeselager:

„Im Rückblick auf diese ersten 10 Jahre habe ich Grund zur Freude und darf Ihnen allen ganz herzlich danken. Denn wir haben die Abtei zum Einen materiell unterstützt. Zum Anderen haben wir durch unsere Freundschaft und jeder auf seine Weise durch persönliche Beziehungen zu einzelnen Schwestern auch unmittelbar gezeigt, wie wichtig uns die Abtei ist. Wenn ich gefragt würde, warum der Freundeskreis und vor allem die Abtei mir so wichtig sind, dann würde ich antworten, dass mir in Eibingen der Gegenentwurf zu meinem und wohl zu unser aller Leben vor Augen geführt und erlebbar wird. Lassen Sie mich das an ein paar Beispielen deutlich machen:

Mein Leben ist durch viele Reisen, durch Unruhe und viele Termine an verschiedenen Orten gekennzeichnet. Ich bin oft unterwegs und häufig bin ich abends nicht zuhause. Und auch das Zuhause hatte schon viele verschiedene Adressen. Ich sehne mich manchmal nach Ruhe und Sammlung… Die stabilitas loci hier im Kloster erdet im wahrsten Sinne des Wortes die Schwestern und ermöglicht ihnen so, sich auf die Mitte ihres Lebens, d.h. auf Gott, zu konzentrieren. Im täglichen Leben fällt es oft sehr schwer, feste Zeiten einzuhalten. Viele Familien kennen gemeinsame Mahlzeiten nicht mehr, weil die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten aus der Schule kommen und jeder seinen eigenen Plänen und Terminen nachgeht. Die Sehnsucht nach festen Zeiten und Kreisen ist schon da, aber vielfach gelingt es kaum noch, eine konstante Struktur in den Tag zu bringen…

Das klösterliche Leben ist ausgerichtet auf Gott; Gott hat seinen festen Platz im Kloster. Mein Leben verlangt mir viel Anstrengung und körperliche sowie geistige Kraft ab, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Die Ablenkungen sind zahlreich und daher muss ich mich täglich neu bemühen, Gott Zeit und Raum einzuräumen… Die klare klösterliche Ordnung wirkt auf uns Außenstehende sehr anziehend und gibt Orientierung und Halt für das eigene Leben…“

Die beiden Festansprachen wurden während der Feier umrahmt durch verschiedene Orgelimprovisationen von Sr. Lydia und am Ende noch durch einen Festvortrag von Pfarrer Dr. Robert Nandkisore zum Thema „Geistliche Freundschaft“ vertieft und weitergeführt. Nach dem Festakt beteten Konvent und Freundeskreis zusammen die Mittagshore und gingen dann zum gemeinsamen Mittagessen in die Kreuzgänge. Am Nachmittag gab es Führungen in Gruppen durch unsere Kunstwerkstätten und durch den Garten sowie verschiedene Film- und Informationsangebote. Um 16.00 Uhr dann erlebten wir in der Kirche eine beeindruckende Performance der Künstlerin Jutta Hoppe aus Hamburg zum Thema „Hildegard von Bingen“. Leben und Werk Hildegards machte sie dabei in Texten und Gesängen, mit Viola, Monocord, Gong und Klangschale lebendig. Am Ende dieses festlichen Tages sangen wir gemeinsam die Vesper und dankten Gott noch einmal für zehn Jahre erfahrener Weggemeinschaft.

Am Ende des Jahres gab es dann noch die Neuwahl der Vorstandsmitglieder. In ihren Ämtern bestätigt wurden der Vereinsvorsitzende, Georg Freiherr von Boeselager, der Bei- ratsvorsitzende Alois Fürst zu Löwenstein, und der Schatz- meister, Herr Helmut Colloseus. Dankbar in den „Ruhestand“ verabschiedet wurden Frau Brigitte Giesbert und Frau Anne- marie van Assendelft, die beide von Beginn an aktiv mitgear- beitet hatten. Auch von dieser Stelle aus möchten wir den beiden Damen ein herzliches Vergelt’s Gott sagen. An ihrer Stelle wurden nun Frau Barbara Lehnard aus Siegburg und Frau Bettina Gies aus Wiesbaden in den Vorstand gewählt.

Klosterstiftung

Die Klosterstiftung Sankt Hildegard hat sich auch im zweiten Jahr ihres Bestehens erfreulich entwickelt. Sr. Philippa gelang es, die Stifterinnen und Stifter weiter intensiv persönlich zu begleiten und sie konnte auch einige neue Zustiftungen gewinnen. Besonders schön ist es, dass sich auch einige Persönlichkeiten fanden, die ihre Vermächtnisse unserer Stiftung zukommen lassen möchten. Auf diese Weise wird sich, so Gott will, mittel- und langfristig das Stiftungs- vermögen kontinuierlich erhöhen, so dass die Klosterstiftung ihrem Ziel, das benediktinische Erbe hier an diesem Ort zu bewahren und das Gedenken der hl. Hildegard zu pflegen, Schritt für Schritt näher kommen kann. Wir danken allen, die unsere Stiftung in den ersten beiden Jahren ihres Bestehens unterstützt haben und sind jedem einzelnen Stifter im Gebet besonders verbunden.

Gaudium et Pax

Am Ende unserer Jahreschronik stehen wir nun am Anfang eines neuen Jahres. Wir möchten Ihnen für Ihre Verbun- denheit, für Ihr Wohlwollen und für Ihr begleitendes Gebet danken. Wir erwarten mit Ihnen voll Freude und Hoffnung das Kommen des Erlösers in diese unsere Welt und erbitten Ihnen für das neue Jahr 2012 Gottes reichen Segen.

In herzlicher Verbundenheit Äbtissin und Konvent der Abtei St. Hildegard

 

SCHWESTER LIOBA GISELA JUNKER

* 26.01.1929 + 28.03.2011

Gisela Junker entstammte einer tief im katholischen Glauben verwurzelten Familie im Saarland und wuchs mit ihren zwei Brüdern Otmar und Edgar in einer Atmosphäre der Glaubens- und der Sangesfreude auf. Sie erinnerte sich gerne an ihr Elternhaus, das geprägt war von der Frömmigkeit und stillen Pflichterfüllung des Vaters, der Geschäftsführer eines großen Versicherungsunternehmens war, und von der liebevollen Fürsorge der Mutter. Hier wurde ihr, wie Sr. Lioba in ihrem Lebenslauf schrieb, „die Liebe zu unserem Heiland und Erlöser ins Herz gelegt“. In ihrer Familie wurden Musik und Gesang besonders gepflegt. Gisela, die sehr musikalisch war, sang im Kirchenchor, wo sie bereits den Gregorianischen Choral lieben lernte. Später hat sie unsere Schola mit ihrer klangvollen, warmen und schönen Stimme bereichert.

Sr. Liobas Vater, der durch die Belastungen des Zweiten Weltkriegs gesundheitlich sehr geschwächt heimkehrte, starb schon im Jahr 1949. Gisela begann zu dieser Zeit eine Bürotätigkeit in einer Saarbrücker Textilfirma. Nebenbei half sie als Küsterin in der Kirche und führte eine Jugendgruppe, bei der sie sehr beliebt war. Der Gedanke ins Kloster zu gehen erwachte in ihr, als sie half, ihre schwerkranke Tante zu pflegen, die Benediktinerin in Frauenchiemsee war. Die Tante starb nach wenigen Wochen, aber der Klosterwunsch blieb in Gisela lebendig. 1955 besuchte sie zum ersten Mal unsere Abtei. Hier lernte sie Anna Dollwet kennen, die sich auch für das Klosterleben interessierte und heute noch als Sr. Maria- Agnes bei uns lebt. Zwischen den beiden jungen Frauen wuchs eine Freundschaft, die sie ihr ganzes Leben trug und die sich vor allem in den kleinen Dingen des Alltags konkretisierte.

Am 14. April 1956 trat Gisela Junker bei uns ein. Der Mutter fiel der Schritt ihrer einzigen Tochter schwer, für Gisela aber war es der Weg zu ihrem ersehnten Ziel. Mit aller Energie, mit Eifer und Frohsinn warf sie sich ins klösterliche Leben und setzte sich ein, wo sie gebraucht wurde. Von ihrer Profess und Jungfrauenweihe 1961 ist eine kleine Anekdote überliefert: als Sr. Lioba sich zur Allerheiligenlitanei zu Boden warf, stellte ihr kleiner Neffe verwundert fest: „Jetzt haben sie Tante Gisela umgeschmeißt!“ Die Fixpunkte, um die sich Sr. Liobas monastischer Weg ordnete, waren das Chorgebet und die Arbeit im Weinberg. Mit großem Eifer bereitete sie sich zeitlebens auf das Offizium vor und war morgens früh die erste im Chor. Sie sang mit Hingabe, und wer sie in der Karwoche eine „Lamentation“ des Jeremia singen hörte, war ergriffen. Leider wurde Sr. Lioba im Alter ihre Schwerhörig- keit zu einem mächtigen Hindernis, das sie aber tapfer ertrug.

Im Weinberg, im Weinkeller und später in der Beratung der Kunden fand sie einen Arbeitsplatz, dem sie sich mit großer Freude widmete. Ihre Sorge und ihr warmes Interesse galten gleichermaßen den Trauben wie den Mitarbeitern im Weingut. In den siebziger Jahren erlitt ihre Mutter einen schweren Schlaganfall und Sr. Liobas Brüder baten um Hilfe bei der Pflege. Fünf Jahre war Sr. Lioba nun in Saarbrücken; nach dem Heimgang ihrer Mutter kehrte sie ganz selbstverständlich in ihren klösterlichen Alltag zurück. Im Alter von 70 Jahren gab Sr. Lioba die Verantwortung für das Klosterweingut in jüngere Hände ab. Sie half dann noch Jahre lang in der Gemüseküche und in der Waschküche und übernahm kleinere Dienste im Weinversand. Sie verfolgte das Geschehen rund um den Wein immer mit wachem Interesse; vor allem bei der Weinlese schaute sie jeden Tag nach dem Rechten.

„Vidi Dominum“, dieses österliche Wort hatte Sr. Lioba bei ihrer ewigen Profess als Motto über ihr Leben gesetzt. Es blieb bestimmend für ihr Leben und auch für ihr Sterben. „Sr. Lioba“, so Mutter Clementia in ihrem Nachruf, „ist für mich immer eine Wartende und Wachende gewesen“. Das lange Warten, das durch eine schwere Krankheit für Sr. Lioba auch zu einer Leidenszeit wurde, war dann am 28. März zu Ende. Ganz gelöst und in Frieden machte sie sich auf den Weg in das Haus des barmherzigen Vaters. Wir vertrauen darauf, dass er sie mit offenen Armen empfing. Sie möge leben in Frieden.

R.i.p.

SCHWESTER CHRISTINA CHRISTEL RITTINGHAUS OSB

* 13.01.1927 + 05.08.2011

Als unsere tiefste Glocke „St. Michael“ uns am 05. August den Heimgang einer Mitschwester verkündete, wusste vermutlich jede von uns, dass es Sr. Christina war, die ihr Ziel erreicht hatte; das Ziel eines langen und oft mühsamen Lebens, das aber auch schon etwas vom Licht der Verklärung ausstrahlte. Es war ein verborgenes Leben, das Sr. Christina in unserer Mitte führte; ein Leben, zu dessen innerem Geheimnis nur wenige Zutritt hatten. Aber diese Wenigen standen ihr treu zur Seite bis zuletzt. Den anderen wurde an Sr. Christinas Leben einmal mehr offenbar, dass es uns nicht zusteht, das Dasein unserer Mitschwestern ganz enträtseln zu wollen. Und so dürfen wir auch hier nur das Wenige, das wir zu erkennen glauben, in Ehrfurcht und in Dankbarkeit zusammentragen.

Christel Rittinghaus wurde am 13. Januar 1927 in Wuppertal- Elberfeld geboren. Ihr evangelisches Elternhaus eröffnete ihr großzügig manche Freiräume. Besonders gut und vertrauensvoll war die Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem 16 Jahre jüngeren Bruder Jürgen. Nach der Mittleren Reife und einem Pflichtjahr im Haushalt einer Lehrerin begann Christel eine kaufmännische Lehre bei einer großen Textilfirma in Oberbarmen. Die Arbeit befriedigte sie jedoch nicht, sodass sie sich 1950 zu einer Krankenpflegeausbildung entschloss. Nach einem sehr guten Examen arbeitete sie in zwei Kliniken, bis sie ihr eigentliches Ziel, das Leben als Ordensschwester, klar und deutlich erkannte. Schon im Alter von 19 Jahren hatte Christel Kontakt zur katholischen Kirche gesucht; am 11. Dezember 1948 wurde sie aufgenommen. Es war eine schwere Zeit für sie, denn ihre Eltern konnten sich mit dem Gedanken an einen Ordenseintritt ihrer Tochter nicht anfreunden. Einzig ihr Bruder hat den Schritt seiner Schwester von Anfang an akzeptiert und stand ihr bis zu ihrem Tod treu zur Seite.

Am 05. Januar 1956, vor der ersten Vesper des Epiphaniefestes, trat Christel in unsere Abtei ein. Von Anfang an hatte sie ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Novizenmeisterin, damals Sr. Soteris. Die Verbundenheit zwischen den beiden blieb bis zum Tod. Bei ihrer Einkleidung bekam Christel ihren Taufnamen in gewandelter Form neu geschenkt und lebte seither als Sr. Christina unter uns. Am 06. August 1959, dem Fest der Verklärung Christi, legte sie ihre Feierliche Profess ab. Ihre Christusliebe war in diesem Fest gleichsam eingefasst und wurde immer wieder genährt durch die lebenslange Beschäftigung mit den Schriften des hl. Johannes vom Kreuz.

In ihren ersten Klosterjahren war Sr. Christina in verschiedenen Bereichen tätig: in der Küche, in der Infirmerie und in der Celleratur. Ab 1975 arbeitete sie als Buchhalterin in unserer Buch- und Kunsthandlung und war viele Jahre lang Zeremoniärin und verantwortlich für die Messintentionen. Da Sr. Christina ihr Leben lang schlecht schlafen konnte, las sie viel, auch nachts. So konnte sie die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt – besonders die Kinderbücher liebte sie sehr – ausführlich in Augenschein nehmen und Sr. Emmanuela beraten, welche sich besonders für unseren Laden eigneten.

Vom Jahr 2000 an war Sr. Christina im Ruhestand; ab 2004 lebte sie in der Infirmerie. Sie ertrug ihre zunehmende Schwäche tapfer und geduldig und manchmal mit Humor und Selbstironie. Mehr und mehr lebte sie in ihrer eigenen Welt, zu der nur wenige Zutritt hatten. Man konnte sie noch mit Blumen aus dem Garten erfreuen; auch sang sie gern, doch in den letzten Jahren war sie nur schwer zu erreichen. Wir erlebten ihr langsames Dahinscheiden wie das Verlöschen einer Kerze.

Wie ihr Leben, so war auch das Sterben unserer Sr. Christina ein verborgenes, das sich unseren Blicken entzog. Es war wie ein leises Hinübergehen, ein Eingehülltwerden in die lichte Wolke, die sie hinweg führte vor Gottes Angesicht. Es erfüllte uns mit Freude und Dankbarkeit, dass Gott Sr. Christinas Sehnsucht am Vorabend des Verklärungsfestes erfüllte. Möge unsere Mitschwester ruhen in Seinem Frieden

R.i.p.