III. Gottes Weg und unser Weg
Die Geheimnisse des menschgewordenen Gottes und des gottförmigen Menschen (Tafel 16 – 22)
Gott nähert sich auf vielen Wegen den Menschen, die er nicht nur als Mitarbeiter, sondern als Mitliebende erschaffen hat. Um eine liebende Begegnung möglich zu machen, hat Gott die Welt geschaffen. Den unmittelbarsten Weg zu den Menschen hat er in der Menschwerdung eingeschlagen.
Der Gehorsam, der zugegen gewesen war, als Gott sein „Fiat! – Es werde!“ gesagt hat und die Schöpfung aus diesem Wort entstand, war die Haltung der Jungfrau Maria, als sie zur Menschwerdung des Gottessohnes ihr „Fiat! – Es werde!“ sagte. So ist es verständlich, dass im Leben Christi, durch den die Welt geworden ist und der Mariens Sohn ist, der Gehorsam besonders zum Tragen kommt.
Die Demut und die Liebe bilden ebenso die Herzmitte des Christusmysteriums. Sie bewegen Gott dazu, Mensch zu werden. „Die Liebe umfängt den eingeborenen Sohn Gottes im Himmel im Schoße des Vaters. Doch ist sie es auch, die ihn hinabsandte auf die Erde in den Schoß der Mutter. […] Die Demut wirkte die Geburt des Gottessohnes aus der Jungfrau“ (Scivias I.2.33.). In seinem irdischen Leben macht Christus auch nichts anderes, als den Menschen diese Liebe und Demut Gottes immer wieder konkret aufzuweisen und sie einzuladen, Gehorsam, Liebe, Demut in ihrem menschlichen Sein umzusetzen.
Die menschliche Liebe nimmt die Haltungen der Gottesfurcht, des Glaubens und der Hoffnung ein. Der Gottesfürchtige ist in seinem ganzen Wesen eine liebende Aufmerksamkeit und strebt so zu sein, wie es dem Geliebten gefällt. Die liebende Person ist empfindlich gegen alles, was ein Hindernis sein könnte zwischen ihr und dem Geliebten. Deshalb ist die Sünde in den Augen der Gottesfurcht keine moralische Kategorie, sondern eine Verletzung der Liebe Gottes, wovor sie sich hüten will. Als Glaubender und Hoffender bekommt der Gottesfürchtige die Kraft, sich in vertrauender Hochgemutheit nach den göttlichen Dimensionen auszustrecken.

Sr. Maura Zátonyi OSB