Wir stehen am Beginn der großen, der „Heiligen“ Woche. Wir gehen ab heute mit Jesus die letzte Wegstrecke seiner irdischen Wanderung in Richtung Jerusalem „durch Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung“, in das „himmlische Jerusalem“. Exemplarisch umschreibt das heutige Tagesgebet die Stationen des Weges Jesu: Gott wurde Mensch, er nahm Fleisch an und hat sich als Erlöser, als Heilbringer, als Salvator, dem Kreuz unterworfen. Darin gab er uns ein Beispiel der Demut, des Mutes anderen zu dienen. Auf diesen Weg der Nachfolge sind wir alle – durch Taufe und Firmung – berufen worden. Er führt durch Leiden zur Auferstehung. Allein schon dieses Tagesgebet gibt uns reiche Anregungen, über unseren eigenen Weg nachzudenken. Deswegen fragen wir uns am Palmsonntag auf:

Wie, in welcher Einstellung, mit welcher Erwartung gehe ich in diese Heilige Woche hinein?
Betrachte ich den Gang zum Kreuz nur als eine geschichtlich grausame Tatsache von damals, oder bemühe ich mich, nüchtern und ehrlich nach dem Ort des Kreuzes in meinem Leben Ausschau zu halten?
Welche Rolle spielt das Kreuz in meinem Leben? Wo begegne ich ihm? Wo begegnet es mir? Wo wird das theoretische Wissen um das Kreuz in meinem Leben greifbare Wirklichkeit? Wir sollten wissen: die Hoffnung auf das heilsvermittelnde Kreuz ist das, was uns als Christen von anderen unterscheidet. Das heißt aber keineswegs, dass wir lebensmüde sind, nur im Dunkel unseren Lebensweg durchschreiten. Im Gegenteil: Als Christen schreiten wir mit Christus in eine größere Freiheit hinein, in ein höheres Leben jenseits des Kreuzes. Das eigentliche Ziel, für das es sich lohnt zu leben und zu sterben, ist ein Angebot Gottes, das Angebot seiner Liebe. Würden wir dieses Liebesangebot verweigern, würden wir unseren Glauben verraten. Nichts wäre in unseren Tagen schlimmer als das.

Den Weg durch die Karwoche und in die Mitte unseres Glaubens möchte ich in fünf Schritte erwandern.

1. Schritt: sich rufen lassen

Am Dienstag wird der Bischof die Chrisam-Messe feiern und die heiligen Öle weihen für die Taufe, für die Firmung, für die Weihe von Bischöfen, Priestern, für die Salbung von Katechumenen und Kranken, für die Weihe von Kirchen und Altären. Schauen wir in die Hl. Schrift, so ist das Öl Symbol der Freude, der Gesundheit an Leib und Seele und eines vom Glück erfüllten Lebens. Der eigentlich Gesalbte ist Christus selbst. Werden wir in der Taufe, in der Firmung, in der Krankensalbung gesalbt, oder ein Priester am Tag seiner Weihe, so ruft uns Christus zu: „Mein Geist ruht auf dir. Ich gebe dir ein neues Herz und einen neuen Geist. Sei wie ich Zeuge meines Vaters im Himmel. Ich gebe dir Anteil an meiner Gotteskind-schaft.“ So zeigt uns diese erste Station, dass wir dem ewigen Ostern entgegengehen, wenn wir unsere Herzen öffnen für dieses Geschenk, wenn wir uns von Christus mit seinem Geist beschenken und immer neu in seinen Dienst nehmen lassen. Wie sich dieser Dienst konkretisiert, sagt uns das Evangelium zur Chrisam-Messe, in dem berichtet wird, wie Jesus in der Synagoge das Wort des Propheten Jesaja hört und darin seine Berufung erkennt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt , damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Jes 61,1) Wir alle sind gesandt, auf diese Weise Zeugen zu sein. Christsein heißt: glaubhafte Nachfolger Christi zu sein, sich von seiner Gnade beschenken lassen, seinen Weg mitgehen und sich von ihm in den Dienst nehmen lassen in guten und in schweren Tagen. Unser Altbischof Franz Kamphaus hat einmal in einem Brief an die Gemeinden zur österlichen Bußzeit jeden und jede von uns aufgerufen, „unserer Berufung getreu“ überzeugend zu leben und in diesem Sinn zu den Mitmenschen von heute aufzubrechen. Schon Paulus spricht seine Gemeinde in Korinth auf die Berufung an: „Jeder soll so leben, wie der Herr es ihm zugemessen, wie Gottes Ruf ihn getroffen hat. Das ist meine Weisung an alle Gemeinden.“ (1 Kor 7, 17)

2. Schritt: annehmen

Der Gründonnerstag ist einer der großen Tage im Kirchenjahr, der auf allen Ebenen Gottes Liebe zu uns in Jesus Christus verkündet. Im Hochgebet der Hl. Messe wird er in der lateinischen Urfassung dies traditionis, Tag der Tradition, der Überlieferung genannt. Tradition heißt wörtlich: Jemand gibt etwas weg, aus seiner Hand fort in eine andere. Alles übergibt er in dieser Weggabe einem neuen Besitzer. Gründonnerstag ist der Tag, an dem Gott sich in Christus uns Menschen übergibt. Wir sind beschenkt, wenn wir diese Gabe der Liebe Gottes annehmen. Wie sich die Liebe Gottes ausbuchstabiert, das erfahren wir in zwei Zeichen des Wirkens Jesu an seinen Jüngern, an jedem und jeder von uns. Das erste ist: Jesus nimmt uns auf in seine Mahlgemeinschaft, holt uns an den himmlischen Tisch, wo er mit dem Vater und dem Heiligen Geist in Mahl der Liebe verbunden ist. Der russische Ikonenmaler Rubljew hat dies in seiner weltweit bekannten Dreifaltigkeitsikone unnachahmlich dargestellt: Vater, Sohn und Heiliger Geist sitzen in Gestalt von drei Engeln zusammen an einem Tisch. Das ist der Tisch, die himmlische Heimat, die Christus täglich neu schenken will. Nehmen wir das Geschenk seiner Mahlgemeinschaft an, dann finden wir auch schon in dieser irdischen Welt Heimat in ihm.
Das zweite Geschenk des Gründonnerstags ist uns im Johannesevangelium überliefert: „Jesus stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen.“ In dieser Geste erweist sich Jesus ganz und gar als Diener, als einer, der sich mit den Geringen, den Armen und Armseligen, den Machtlosen solidarisiert. Und gerade darin offenbart sich seine Liebe. Gertrud von le Fort umschreibt diesen liebenden Christus in den Hymnen an die Kirche so: „Ich bin unverbittert Liebe, ich bin unerbittlich Liebe, ich bin bittende Liebe… Liebt mich wieder, liebt euch alle – und verstummt.“ Nehmen wir in diesen Tagen doch Gottes Liebe in Jesus Christus neu an. Stimmen wir mit ein in den Lobgesang der Liebe und setzten wir ihn um in unseren Alltag: Ubi caritas et amor, Deus ibi est – Wo die Güte und die Liebe, da ist Gott.

3. Schritt: loslassen

Bevor wir am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu Christi gedenken, müssen wir noch auf die Nacht schauen, die seinem Tod vorausging. Er erkannte, dass er verraten und verleugnet würde, sogar von seinen Jüngern, von Menschen seines Vertrauens. In seiner Not zieht er sich auf dem Ölberg zurück, sucht eine Ruhestätte des Gebetes, um ins Gespräch mit Gott, seinem Vater, zu kommen. An diesem Ort lernt er, das „Vater unser“, das er seine Jünger gelehrt hatte, in seine eigene Existenz umzusetzen, sein Ja zum Kreuz zu finden mit den Worten. „Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ Wenn wir am Karfreitag des Kreuzestodes Jesu gedenken und uns in der Kreuzverehrung anbetend vor ihm verneigen, uns so solidarisch mit seiner Mutter und Johannes unter sein Kreuz stellen, gerade in der schweren Stunde zu ihm stehen, ihm die Treue bewahren, dann übergeben wir uns mit ihm in die Hände seines, unseres Vaters im Himmel. Zudem haben wir in den großen Fürbitten die Chance, alle Nöte und Sorgen der ganzen Menschheit in seine Hände zu übergeben. Damit lassen wir alles los, was unserem Willen entspricht und übergeben es wie Jesus Christus ganz in die Hände des Vaters. Nur im Loslassen können wir dann einstimmen in den Gesang während der Kreuzverehrung und aus dem Herzen beten: „Denn siehe, durch das Holz des Kreuzes kam Freude in alle Welt.“ Wie kann man denn sagen, das Kreuz sei Ursache der Freude? Wie kann ein Mensch überhaupt zum Kreuz, zu Leid, Schmerz, Krankheit, Armut und Verzweiflung Ja sagen und das noch als Ursache von Freude benennen? Es gibt keinen anderen Weg, als uns und unser Leid mit der Passion Jesu Christi zu verbinden. Zu welchem Heilsweg dieser Glaubenssprung führen kann, ist uns z.B. unvergesslich von Gläubigen überliefert, die in schwerer Not davon Zeugnis gegeben haben.

4. Schritt: sich übergeben

Der Karsamstag ist ein Tag des Schweigens. Zwar ist er noch von Klage und Trauer verdunkelt, dennoch strahlt in aller Dunkelheit schon ein zartes Hoffnungslicht auf. Eine verklärte Ruhe liegt über dem Tag, die uns eine Vorausschau dessen schenkt, was in einem Hymnus des Morgengebetes der Fastenzeit, mit dem wir uns ganz intensiv auf das Osterfest vorbereiteten, so ausgedrückt wird: „Der Tag kommt wieder, ja dein Tag, da alle Schöpfung neu erblüht; wir wollen uns seiner freuen, durch ihn zu deiner Gnade heimgeführt.“ Der Karsamstag ist ein Tag des Vorfrühlings. Schon zu seiner irdischen Lebenszeit hatte Jesus seinen Jüngern prophezeit: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein“ (Joh 12, 24), und ich füge hinzu: nur dann kann etwas aufblühen und reiche Frucht bringen. Als Christuszugehörige warten wir am Karsamstag mit ihm dem Tag, an dem alles neu erblüht, dem Auferstehungstag entgegen. Das heißt jedoch nicht, dass Trauer und Schmerz am Grab verdrängt werden dürfen. Im Stundengebet der Kirche, wie wir es in unserer Abtei St. Hildegard beten, hören wir deshalb in den Tenebrae, in der Stunde da wir der Dunkelheit, der Finsternis, der Trübnis dieses Tages gedenken, Teile aus den Klageliedern des Alten Testaments. Das Elend in Jerusalem und darüber hinaus aus der ganzen Kirche und Welt wird darin vor Gott getragen. Überraschenderweise werden darin auch Ströme von Tränen zu Quellen der Hoffnung. Leiderfüllte Beter nähern sich mehr und mehr dem Lobpreis der Barmherzigkeit Gottes. In der ersten Lesung hören wir: „Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft, sein Erbarmen ist nicht zu Ende. Neu und groß ist an jedem Morgen deine Treue. Mein Anteil ist der Herr, darum harre ich auf ihn. Gut ist der Herr zu dem, der auf ihn hofft, zur Seele, die ihn sucht. Gut ist es, schweigend zu harren auf die Hilfe des Herrn.“ (Klgl 3, 22 – 26) Karsamstag ist demnach der Tag, an dem wir uns neu – mit Worten des Apostels Paulus – dem Glauben als „Hoffnung gegen alle Hoffnung“ (Röm 4, 18) übergeben.

5. Schritt: aufstehen

Endlich wird der Tag kommen, der im Glauben von einer Posaune der Freude, vom Halleluja umjubelt, von Strahlen herrlichen Lichtes, vom Christuslicht verklärt ist. Flammt das Osterfeuer auf, wird die Osterkerze entzündet, erschallt endlich das Exsultet, das Osterlob: „Frohlocket…, preiset…, singet…, freut euch… O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet“, dann ist Christus, unsere Hoffnung, unser Licht, das alle Finsternis erleuchtet, wieder ganz in unserer Mitte. Und wir antworten ihm mit einer Dankeshymne an Gott, den Vater. Die Osternacht verkündet uns: Wir sind für die Freude geschaffen, Christ ist, wer froh und frei ist. Auch der graueste Alltag wird erhellt von einem Schimmer dieser Freude, die uns in Fülle verheißen ist.

Geben wir von dieser Frohbotschaft in unserer Zeit noch glaubwürdig Zeugnis? Immer wieder hört man von Umfrageergebnissen, die vom Schwinden des Glaubens der Christen an die Auferstehung Jesu und der Toten sprechen. Wenn das so ist, dann sollten wir uns neu besinnen auf die Worte des Apostel Paulus, der im 1. Brief an die Korinther schreibt: „Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube sinnlos.“ (1 Kor 15) Wenn wir in die heilige Woche hineingehen, aber nicht mehr an die Auferstehung glauben, dann verraten wir unseren Glauben. So müsste sich jeder und jede von uns fragen: Wo stehe ich? Bin ich bereit, im Glauben mit Christus neu aufzustehen? Ist der Auferstehungsglaube in mir wirklich lebendig? Gebe ich im Alltag glaubwürdig Zeugnis für eine hoffnungsvolle Zukunft? Bin ich wirklich ein österlicher Mensch? Lasse ich das Licht der Osterkerze in mein Herz hineinleuchten? Gebe ich der Freude in mir Raum? Bin ich mir bewusst, dass ich in Familie und Beruf, in Gemeinschaft und in Gesellschaft verantwortlich bin für die Freude, verantwortlich vor Gott, der uns in Christus die Erlösung zugesagt hat? Glaube ich wirklich, dass mit Ostern für uns und unser Leben etwas Neues angebrochen ist? Lasse ich mich von der österlichen Aufbruchstimmung in den Verwandlungsprozess aufnehmen? Wir haben in der Osternacht die besondere Gelegenheit, die Bereitschaft zum neuen Aufbruch zu besiegeln. Das ist der Sinn der Tauferneuerung. Je offener, entschiedener, großherziger jeder und jede von uns diesen Schritt der Erneuerung geht, um so mehr wird die große Freude und Freiheit von Ostern in der Weltkirche wachsen.

Sagen wir gemeinsam Ja zum Gekreuzigten und Auferstandenen, seien wir ein lebendiges Alleluia, leben wir aus der österlichen Freude und geben wir so Zeugnis für den Christus der Herrlichkeit, rufen wir gemeinsam: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bist du kommst in Herrlichkeit.“ Dann wird ER gemeinsam mit uns das Angesicht der Erde erneuern!

Sr. Christiane Rath OSB

„Novi diluculo multa est fides tua – jeden Morgen neu, Herr, ist deine Treue“. Wohl kaum ein Wort aus dem Stundengebet ist so charakteristisch für den Karsamstag wie dieser Vers aus den Klageliedern des Propheten Jeremia. Novi diluculo – das ist Hoffnung wider alle Hoffnung, verhalten aufschimmerndes Licht am Ende eines langen Tunnels. Der Karsamstag ist ein geheimnisvoller, scheinbar schwebender Tag, ein Tag des Übergangs, des „Zwischen“, ein Brückentag zwischen Tod und Leben, zwischen abgrundtiefer Dunkelheit und langsam aufstrahlendem neuen Licht.

Vor allem anderen aber ist der Karsamstag der Tag der totalen Gottesfinsternis, des „Todes“ Gottes. Es ist der Tag der Grabesruhe, des Schweigens, der Leere und des Nichts. Die Jünger haben alle ihre Hoffnungen mit Jesus begraben. Sie sind enttäuscht und verzweifelt. Nichts ist ihnen geblieben außer ihren Erinnerungen. Ihre Träume und Hoffnungen sind zerbrochen. Was ihnen Halt gab, ist nicht mehr. War es überhaupt Wirklichkeit oder war es nur ein Wunschtraum? Sie zweifeln, sie klagen und sie weinen. Sie ziehen sich resigniert zurück und wenden sich irgendwann wieder ihren Alltagsgeschäften zu. Weiterlesen

Weihnachten – das Fest des Dankes für das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist, – das Fest der Sehnsucht nach Frieden – das Fest des Vertrauens in Gott, der seine Verheißungen erfüllt.

Wir wünschen Ihnen ein gnadenreiches und gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Die Verkündigung der Geburt Jesu am 24. Dezember nach dem “Martyrologium Romanum”

Milliarden Jahre waren vergangen, seit Gott im Anfang Himmel und Erde geschaffen;
Millionen Jahre, seit er den Menschen gebildet;
Jahrtausende seit der großen Flut.
Zweitausend Jahre waren vergangen seit der Berufung Abrahams;
1500 Jahre, seit Mose das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt;
1000 Jahre seit der Salbung Davids zum König. In der 65. Jahrwoche nach der Weissagung Daniels;
in der 194. Olympiade;
752 Jahre nach Gründung der Stadt Rom:
im 42. Regierungsjahr des Kaisers Octavianus Augustus,
als auf dem ganzen Erdkreis Friede war;
im sechsten Zeitalter der Welt;
vor zweitausend Jahren:
Da wollte Jesus Christus, ewiger Gott und Sohn des ewigen Vaters,
Gott von Gott und Licht vom Licht,
die Welt heiligen durch seine liebevolle Ankunft. Durch den Heiligen Geist empfangen
und nach neun Monaten von Maria der Jungfrau
zu Bethlehem in Juda geboren, wird er Mensch.
Er, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
Heute feiern wir den Tag seiner Geburt, das hochheilige Weihnachtsfest.
Heute singen wir mit allen, die glauben:
“Christus ist uns geboren: Kommt, wir beten ihn an.”

 

Weihnachtssegen

Der barmherzige Gott, der in dem Kind in der Krippe Mensch geworden ist, segne dich.
Er wende dir das liebevolle Antlitz des göttlichen Kindes zu und helfe dir, seine Liebe weiter zu tragen.
Er erfülle dein Herz mit Freude darüber, dass Gott auch in dir Mensch werden und die Welt verändern will.
Er schenke dir und allen Menschen dieser Erde den Frieden, den die Engel an Weihnachten verkündeten.
Er geleite und behüte dich auf deinem persönlichen Weg zum göttlichen Kind in der Krippe.
Er führe dich durch alle Höhen und Tiefen deines Lebens und sei dir nahe allezeit.
So segne dich Gott, der Vater, der treu ist und barmherzig,
so segne dich Christus, der menschgewordene Sohn des ewigen Vaters,
so segne dich der Heilige Geist, der die Liebe ist und der Leben schafft heute und in Ewigkeit.
Amen.

Liebe Gottesdienstbesucher,

Aufgrund der derzeitigen Corona-Situation haben wir unsere Gottesdienstzeiten geändert und werden die einzelnen Gottesdienste in angemessener Form gestalten.

Daher gilt für die Feiertage folgende Regelung:

Es besteht eine generelle Maskenpflicht in der Kirche. Wer an einem Gottesdienst oder einer der Gebetszeiten teilnehmen möchte, muss sich dazu vorher verbindlich anmelden. Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich, da in unserer Kirche nicht mehr als 38 Plätze zur Verfügung stehen. Darum gibt es entsprechend abgezählte „Eintritts-Karten“.

Diese können per Mail: sr.thekla@abtei-st-hildegard.de angefordert werden.

Sollten sich mehr Gottesdienstteilnehmer/Interessenten anmelden als Plätze vorhanden sind, gilt: wer sich zuerst meldet, bekommt eine „Eintrittskarte“.

 

24.12.            15.00 Uhr      Weihnachtsvesper

                       17.00 Uhr      Vigilien von Weihnachten

                        21.00 Uhr      Christmette

 

25.12.            09.00 Uhr      Eucharistiefeier

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Weihnachtsvesper

 

26.12.            08.15 Uhr      Eucharistiefeier

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Vesper

 

31.12.             07.30 Uhr      Eucharistiefeier mit integrierter Laudes

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Vesper

1.1.2021        08.15 Uhr      Eucharistiefeier

                        12.00 Uhr      Mittagsgebet

                        17.30 Uhr      Vesper

 

Achten wir aufeinander und bleiben Sie wohl behütet!

Ihre Schwestern von St. Hildegard

 

Schauend von fern,

gewahr’ ich Gottes Macht, die kommt

Wolkendunkel bedeckt die ganze Erde –

Eilt ihm entgegen…

Diese vier kurzen Zeilen entstammen einem Adventslied aus den frühen Anfängen des Christentums. So alt es auch ist, so sehr kann es auch uns heute ganz tief aus dem Herzen sprechen.

„Schauend von fern“  – Sehnsucht und Verheißung liegt in diesen Worten. Kennen wir nicht auch Situationen, in denen wir lernen mussten und müssen, mit einer nur geahnten, letztlich aber unerfüllten Sehnsucht zu leben? Der Advent ist eine Zeit, in der uns unsere Sehnsucht nach erfülltem Leben, nach Licht, Wärme und Geborgenheit ganz besonders bewusst wird.

„…Gewahr’ ich Gottes Macht, die kommt“ – in diesem Vers leuchtet der Psalm 80 auf mit seinem Ruf: „Wecke auf deine Macht; komm und erlöse uns“. Es ist der immer neue Ruf der Menschen nach Erlösung, nach Rettung und nach Heil. Es ist aber noch mehr: es ist der Schrei eines gläubig Vertrauenden, eines Menschen, der im Tiefsten weiß, dass Gott da ist, und dass er die Macht hat, unser Schicksal zu wenden.

„Wolkendunkel bedeckt die ganze Erde“. Was mag der Dichter dieses Textes hier vor seinem inneren Auge gesehen haben? Welche Dunkelheiten mag er gemeint haben? Die in seinem eigenen Herzen oder die in der nahen und weiten Welt? Jedem mag hier ganz Persönliches in den Sinn kommen. Auch dies gehört zur Grundstimmung des adventlichen Menschen, der sich aus dunkler Schwere heraus in das Licht der Hoffnung und des neuen Anfangs erhebt. Ist uns dieser Vers nicht aus dem Herzen gesprochen, gerade in einer Zeit, in der das Dunkel Überhand zu nehmen scheint und wir manchmal nur gegen alle Hoffnung hoffen?

„Eilt ihm entgegen“ – wem? Der Ankunft Gottes mitten hinein in unsere Welt. Die Kerzen sind dabei zum Sinnbild für adventliches Warten und Ausschauhalten geworden, für die Wachsamkeit und Bereitschaft. Wir könnten uns fragen: Warten wir eigentlich noch? Sind wir eigentlich bereit für die Ankunft Gottes – auch im eigenen Herzen? Dies ist ja das unterscheidend Christliche: dass dieser Gott Mensch geworden und uns so nahe gekommen ist, dass wir ihm ganz persönlich begegnen können. Versuchen wir doch in diesen Tagen des Advent wieder neu, sein Kommen durch die Intensität unserer Liebe, durch die Stärke unseres Glaubens und durch das Licht unserer Hoffnung zu erfahren und weiter zu schenken.

Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Advent.

 

 

Jemand muß zuhause sein, Herr,
wenn du kommst.
Jemand muß dich erwarten
unten am Fluß
vor der Stadt.

Jemand muß dich erwarten
oberhalb Rüdesheims und Eibingens
zwischen den Weinbergen, so könnten wir es umdichten.

Zuhause sein

Die Abtei ist unser Zuhause. Wir sind dort zuhause, weil jede von uns sich von Gott hierhin gerufen weiß, in Gemeinschaft zu beten und zu arbeiten. Aber die Abtei soll nicht nur für uns Schwestern ein Zuhause sein. Deshalb ist es ein Glück für uns, wenn ich Gäste an der Pforte erlebe, die öfter zu einem Gastaufenthalt kommen und sagen: “Jetzt bin ich wieder zu Hause.” Oder bei der Verabschiedung: “Ich fühlte mich hier wirklich zuhause.” Es ist schön ein Zuhause zu haben- wie viele Menschen haben es nicht!- und es ist schön zu hören, daß sich Menschen bei uns angenommen fühlen. Weiterlesen

Die Tage vom 17.–23. Dezember sind durch die sieben O-Antiphonen in der Vesper besonders herausgehoben. In ihnen wird Jesus Christus unter Bildworten und Titeln angerufen, die im Alten Testament dem erwarteten Messias zugesprochen werden. Die O-Antiphonen haben alle denselben Aufbau. Sie beginnen mit dem „O“, dem bewundernden Ausruf des Staunens über Gottes Heilstaten, die sich in besonderer Weise in Christus, unserem Erlöser, offenbart haben. Dann schließt sich ein messianischer Hoheitstitel aus dem Alten Testament an, der jeweils auf Jesus Christus hin gedeutet wird. Auf diese Hoheitstitel folgt eine Aussage über das, was der Herr tut oder wie er seine Herrschaft ausübt. In dem eindringlichen Ruf »Veni« – Komm! – drückt sich die Heilssehnsucht des Gottesvolkes bis heute aus. Es sind wunderbare Bilder, zum Teil Erinnerungen an das Wirken Gottes an seinem Volk Israel. Text und Melodie sind zu einer Einheit verschmolzen. Wer sich von dieser innigen Einheit erfassen lässt, wird etwas erfahren von der Sehnsucht, mit der diese Tage zum Weihnachtsfest hindrängen. Es geht um das Hören, Singen und Beten dessen, was Ziel unserer Sehnsucht ist.

Alle sieben Hoheitstitel umkreisen das Mysterium Gottes: O Weisheit, O Adonai, O Wurzel Jesse, O Schlüssel Davids, O Morgenstern, O König der Könige, O Emmanuel! Gott kann man keinen gültigen Namen geben, sondern Gott ist der Name über alle Namen (Phil 2,9). Wir können ihn nicht benennen, uns seiner nicht bemächtigen, son-dern ihn nur mit vielen Bildern umschreiben. Gott lässt sich nicht erkennen, sondern nur erahnen. Er ist das „mysterium tremendum“, das „mysterium fascinosum“ unseres Le-bens. Nur manchmal dürfen wir etwas von ihm erahnen. Gott ist nicht Statik, sondern unerhörte Dynamik. Er kommt in vielen Erscheinungsformen auf uns zu. Er ist immer der ganz andere. Wir können uns nur stammelnd und bewundernd diesem Mysterium nähern. Nur in dieser Haltung beginnen wir zu ahnen, was es heißen mag: Gott wird Mensch – et incarnatus est. Dieser Gott will mich, dieser Gott liebt mich – welch unbegreifliche Wahrheit.



osapientia117. Dezember: O Sapientia , o Weisheit, hervorgegangen aus dem Mund des Höchsten – die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: Komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.
Die Weisheit wird im Neuen Testament auf Christus übertragen. „Gott hat Christus für uns zur Weisheit gemacht, damit wir in ihm ihre Schätze finden“ (Kol 2,3). Von diesem Christus wird gesagt, er herrsche in Kraft und Milde. Ist das für uns nicht vielfach ein Gegensatz? Da ist einer, der sich durchsetzen kann, und da ist der andere in Milde. Bei Christus fällt beides zusammen. Er herrscht mit zarter Kraft und starker Milde. So ordnet er alles. Alles bekommt bei ihm Maß und Mitte. Maß heißt nicht Mittelmaß, sondern in der Mitte des Wesens ruhen. – „Komm!“, in diese Bitte mündet die Antiphon ein. Komm und offenbare Dich! Eine ganz große Bitte. Wo Gott sich offenbart, erkennen wir, wird uns Einsicht, Wissen des Herzens geschenkt.

O Sapientia (MP3-Datei anhören)



oadonai118.12.: O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel – im flammenden Dornbusch bist du Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: komm und befreie uns mit deinem starken Arm.
Adonai – der Gottesname war dem Volk Israel heilig: Gott war der Unaussprechliche. Gott, der ganz andere, zu dem vom Menschen her kein Zugang möglich ist, er hat sich uns offenbart als Herr des gesamten Kosmos, als Herr der Geschichte. Er führt uns durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Schmerzen und Verlassenheiten. Advent, Weihnach-ten, das bedeutet, dieser Gott, der die Herrschaft über Zeit und Geschichte hat, wird Mensch. O Adonai, Herr, mein Herr! Wo Gott erscheint, da brennt der Dornbusch, da ist Feuer und Brand. “Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; und was will ich anders, als dass es brenne.” Wo Gott kommt, da kann sich ein Leben mit einem Schlag verändern, da setzt er neue Maßstäbe. Er bietet uns seinen Bund an, sagt Ja zu uns. Und so dürfen wir auch Ja sagen zu ihm. Er ist uns treu, und nie ist es für uns zu spät, in die Bundestreue zurückzukehren. Wenn wir es nicht können, so ist es doch er, der uns mit starkem Arm in die Freiheit der ersten Liebe zurückführt.

O Adonai (MP3-Datei anhören)

 



oradixjesse119.12.: O Radix Jesse, o Spross aus der Wurzel Jesse, gesetzt zum Zeichen für die Völker – vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht Länger.
Christus, der Wurzelstock – die Wurzel ist Symbol des Urgrunds, aus dem alles Sein und Wachsen hervorkommt. Das heißt glauben: verwurzelt sein in Ihm; hier findet der Mensch seine Identität. In Christus, dem Wurzelstock aus dem Urgrund Gottes. Wurzeln schlagen, das ist ein Lebensprogramm. Christus ist uns gesetzt zum Zeichen, er ist das Signal, das uns aufrütteln will aus unserer Schläfrigkeit. Advent fordert Entscheidung, ob wir uns dem Signal stellen wollen. Nicht aus eigener Kraft können wir uns entscheiden; wir müssen Gott bitten, dass er es in uns wirkt. Wir dürfen ihn geradezu „unverschämt“ bedrängen, in viermaligem Ruf: „Komm, errette uns, erhebe dich, säume nicht länger.“ Die Sehnsucht nach ihm kennt keine Grenze. Gott will gebeten werden, Gott will mit unbändigem Glauben, mit einer unbändigen Hoffnung bedrängt werden. Mit solch unbändigem Vertrauen geben wir ihm die Ehre.

O Radix Jesse (MP3-Datei anhören)

 

 



Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.45.3420.12.: O Clavis David, o Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel – du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes!
Schlüssel, ein Zeichen der Verfügungsgewalt. Wer den Schlüssel besitzt, kann Eintritt gewähren oder verwehren. Wer den Schlüssel besitzt, der trägt die Verantwortung. Wem das Zepter verliehen wurde, dem ist alle Macht gegeben. „Komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes.“ – Dies ist die erschütterndste Adventsbitte. Es geht um die Existenzfrage unseres Lebens. Jeder kann sich in dieser Bitte wiederfinden. Auch wir sind im Kerker der Finsternis, in der Nacht unserer Seele. Für jeden Menschen gibt es Zeiten, in denen er durch das Dunkel wie durch einen Tunnel gehen muss. Wir kennen die Fragen, die kein Mensch uns beantworten kann, die Zweifel, die an unserem Herzen nagen, die innere Zerrissenheit, die Einsamkeit und die quälende Suche nach dem Willen Gottes für uns. Aus solcher Not erwächst der Schrei: Öffne, mein Gott, den Kerker meines Herzens und reiß mich aus der Finsternis! Du, Herr, kannst es, du kannst meine Verschlossenheit aufbrechen, meine Stummheit lösen, du kannst mir die Angst nehmen und meine Finsternis erhellen.

OclavisDavidnurAnt (MP3-Datei anhören)



Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.53.5821.12: O Oriens, o Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: Komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.
„Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finster-nis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Jes 9,1). Drei Bilder umschreiben das aufstrahlende Licht. Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, Sonne der Gerechtigkeit. Der Mor-genstern ist Symbol der Hoffnung: klar und funkelnd geht er auf, durchbricht das Dunkel der Nacht und kündet die aufgehende Sonne an, Weihnachten, den Morgen Christi. Von ihm geht Glanz aus, strahlendes Licht, Helligkeit, ganz rein, ohne jede Versehrtheit. Der Morgenstern wächst an zur strahlenden Sonne, immer heller leuchtet der Tag: Leben, Licht, Wärme, Freude, das ist Christus für die Welt des Glaubens. Er ist das Licht, das neue Verhältnisse schafft. Er allein kann uns retten aus den Schatten des Todes, aus Er-fahrungen der Grenze, des Scheiterns, des Älterwerdens, der Todesahnung, der Sorgen und Nöte. In diesen Erfahrungen der Dunkelheit fordert uns die Adventsbotschaft he-raus: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt!“ (Jes 60,1)

OOriensnurAnt (MP3-Datei anhören)



Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.53.3922.12.: O Rex Gentium, o König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der die Gegensätze eint: Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet hast!
Wir tun uns heute schwer mit der Vorstellung des Königtums Christi. Zu schnell verbin-den wir sie in einem Jahrhundert der Diktatoren mit Gewaltherrschaft, Macht und Ohnmacht. Für Israel verknüpft sich mit dem Bild des Königs anderes: Der König ist der Diener des Bundesgottes, der mit der Wahrung der Gottesordnung Beauftragte. Nicht Feldherrentalent oder staatsmännische Begabung, auch nicht innerpolitische Machtbe-fugnisse schaffen den König, sondern sein persönlicher Ausweis als der mit göttlicher Kraft Erfüllte. Christus ist der König, das heißt: er ist der von Gott eingesetzte Lenker der Völker, der Friedensfürst. Auf ihn setzen die Menschen ihre Hoffnung, auf ihn richtet sich ihre Sehnsucht durch die Jahrtausende. Er ist der Schlussstein, der den ganzen Bau zusammenhält. Aber er ist auch der Stein des Anstoßes. Die Begegnung mit Christus stellt in die Entscheidung. Es geht um nichts Geringeres als um Gewinn oder Verlust des Lebens. Darum schließt sich die flehentliche Bitte an: Komm, rette deine Geschöpfe, errette, was du selbst gemacht hast. Das heißt doch auch: Gott weiß sich für uns verantwortlich. Wir dürfen uns darauf berufen, seine Geschöpfe zu sein – in aller Hinfälligkeit. Er kann uns wieder heil machen. Heil sein bedeutet: Gott ganz zugewandt sein und zur gleichen Zeit in sich ruhend. Ganz Auge und Ohr auf Gott hin sein und zu-gleich in sich gesammelt. Unsere Identität besteht im Anschauen Gottes, dazu sind wir geschaffen, darin finden wir Erfüllung. Das ist Advent. Maranatha – komm! Amen, ja komm, Herr Jesus!

ORexGentiumnurAnt (MP3-Datei anhören)



Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.54.1323.12.: O Emmanuel, Gott mit uns, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: Komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!
Die letzte O-Antiphon fasst noch einmal zusammen, was in den vergangenen Tagen besungen wurde. Alles hat sich gesteigert und drängt hin auf den morgigen Tag: Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt, und morgen sollt ihr seine Herrlichkeit schauen. O Emmanuel – Du, der du mit uns bist, der du mit uns warst, der du kommst. Das ist ein Glaubensbekenntnis, nicht eine neutrale Aussage über Gott. Emmanuel, das ist ein Na-me ganz großen Vertrauens. Dieser Gott ist unsere einzige Hoffnung in allen Hoffnungs-losigkeiten unserer Tage. Er ist der Heiland, der uns Heilung bringt. Ihn dürfen wir an-rufen: Komm, schaffe uns Hilfe! Schaffe uns neu, schaffe die Welt neu. Schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der kein Leid mehr sein wird, kein Schmerz und keine Tränen.

OEmmanulenurAnt (MP3-Datei anhören)

 

 



Von Sr. Christiane Rath OSB

 

Menschen auf dem Weg nach Bethlehem –
“Vorbildgestalten” im Glauben

Die wunderschöne provencalische Krippe in unserer Kirche zieht viele Menschen in ihren Bann. Sie stammt aus dem Benediktinerinnenkloster Ozon in der Provence – alle Figuren sind Unikate, d.h. wurden eigens für unsere Abtei hergestellt. Unser Konvent liebt diese Krippe sehr, nicht zuletzt deshalb, weil jede einzelne sich auf irgendeine Weise mit einer der Figuren identifizieren kann. Vielleicht wird es Ihnen ebenso gehen.

Machen wir uns also gemeinsam auf den Weg nach Bethlehem!

Krippenmeditation als PDF  

Die alte Bäuerin: 
Wer wartet und wacht, ist immer schon da

Die alte Bäuerin in unserer Krippe erinnert an die hochbetagte Prophetin Hanna, die – wie es im zweiten Kapitel des Lukasevangelium heißt – “gerade zu dieser Stunde kam, Gott pries und über das Kind mit allen redete, die auf die Rettung Jerusalems warteten”. Hanna war noch eine ganz und gar alttestamentliche Gestalt, die aus der erinnerten Vergangenheit des Exodus-Ereignisses lebte und daraus den Maßstab für die Erwartung der Zukunft gewann.

Auch unsere alte Bäuerin hat offenbar Zeit ihres Lebens auf den Erlöser gewartet, wohlwissend und unerschütterlich glaubend, daß sich ihre Erwartung eines Tages erfüllen würde. Sie ist eine einfache und wohl auch arme Frau, mit einem vom Wind gegerbten und vom Leben durchfurchten Gesicht. Sie gehört nicht zu den Gebildeten, wohl aber zu den Weisen.
Sie weiß um das Wesentliche, sie ist ganz wach: ihre gerunzelte Stirn, ihre klaren, hellwachen Augen und ihr heiteres, gütiges Lächeln verraten es. In Ruhe und Gelassenheit kommt sie herbei, kraftvoll zupackend, eine Gans in der linken Hand.
Sie bringt Gaben ihres alltäglichen Lebens zur Krippe – wertvolle Gaben, fast so wie die arme Witwe, die ihren ganzen Lebensunterhalt in den Opferkasten warf. Aber was noch wichtiger ist: die alte Bäuerin bringt sich selbst – mitten heraus aus ihrem einfachen alltäglichen Leben. Mit der ganzen Sehnsucht und Aufmerksamkeit ihres Herzens hat sie auf den Herrn gewartet. Und jetzt ist sie da. Sie hat den rechten Zeitpunkt erwischt, den Kairos, von dem im Alten Testament allein 196 mal die Rede ist. Jenen Augenblick, der vom Menschen begriffen und ergriffen werden will. So kann sie uns lehren, da zu sein, wenn der Augenblick kommt und beherzt zu antworten, wenn der Blick oder der Ruf Gottes uns treffen.

“Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm’ ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.”
(Andreas Gryphius)

Der Flötenspieler:
Spielen zur Ehre Gottes

Ein wunderbarer Kontrast zu der alten Bäuerin ist der Hirtenjunge, der auf seiner Flöte spielt. Fast noch ein Kindergesicht hat er – mit Stupsnase und aufgeblasenen Backen. Die Schafe drängen sich dicht an ihn heran, suchen bei ihm Schutz und Halt und Wärme. Oder ist es vielleicht umgekehrt?
Die Augen des Jungen verraten seine Scheu und Unsicherheit. Was mag dort geschehen sein – im Stall von Bethlehem? Was bedeutet die Botschaft der Engel? Der Junge bleibt zurück bei den Tieren, den Schal fest um den Hals gebunden – zum Schutz gegen die Kälte und vielleicht auch gegen die eigene Angst. Aber er spielt. Er spielt die uralten Weisen der Hirten, Melodien, die Zeit und Ewigkeit ineinander verschmelzen lassen.
Hirten sind Menschen des Advent – sie haben Geduld und sie können warten. Sie sind zeitlos sozusagen, immer wachsam und bereit. Nicht umsonst tauchen Hirten in allen Religionen als Prototypen des Wärters auf. Warten, so sagt das Grimmsche Wörterbuch, bedeutet, seinen Blick unverwandt auf etwas richten. Der Hirtenjunge richtet seinen Blick nach vorn und nach innen zugleich. Er ist ganz dem Spiel hingegeben und gleichzeitig ganz dem, für den er spielt.

Dem Liebenden schlägt keine Stunde, heißt es. Dem Spielenden wohl ebenfalls nicht. Im Spiel der Flöte, in der Musik wird dem Neugeborenen ein Lied gesungen, ganz zweckfrei, einfach nur so.

Der Schäfer: 
Teilen macht froh

Freudig-bewegt schaut er drein, der Schäfer mit dem grauen, ein wenig abgegriffenen Schlapphut, der wohl auch schon bessere Tage gesehen hat. Sein fröhliches breites Lächeln um das unrasierte Kinn wirkt fast schon ein wenig kess. Er scheint glücklich zu sein und strahlt das auch aus. Die Freude über die Botschaft der Engel hat ihn zur Krippe getrieben – und als Zeichen seiner Liebe bringt er mit, was er hat: ein halbes Brot, sauber geschnitten, ohne Verpackung und ohne viele Umstände. Die Armen teilen leichter als die Reichen, und sie teilen nicht nur das wenige Materielle, das sie haben, sondern vor allem die Freude und das Glück, das ihnen zuteil geworden ist: “Ich verkünde euch eine große Freude – heute ist euch der Heiland geboren”. Und auch er wird eines Tages im Zeichen des geteilten Brotes unter uns sein. Teilen stiftet Gemeinschaft. Das gilt für das Brot, das wir zum Leben brauchen, das gilt aber auch für die Zeit, die wir einander schenken. Verschenkte Zeit kehrt wie durch ein Wunder stets zum Gebenden zurück. Drum lasst uns teilen wie der Schäfer – froh und ohne zu rechnen.

“Teilst du dein Brot ängstlich
ohne Vertrauen, ohne Wagemut, überstürzt,
wird es dir fehlen. Versuch es zu teilen,
ohne in die Zukunft zu denken, ohne zu rechnen,
als ein Sohn des Herrn über alle Ernten der Welt.
Dann wirst du wahre Freude erfahren.”
(Helder Camara)

Der junge Mönch:
O wie staunenswert sind die Wunder Gottes

Staunen gehört zu den Urerfahrungen des Menschen. Wer nicht mehr staunen kann, hat aufgehört zu leben. Er ist wahrhaft armselig, weil er die täglichen Wunder Gottes nicht mehr sieht.

Der junge Mönch an der Krippe kann noch staunen. Er erscheint fast wie ein leibhaftiges O – O sapientia, O Adonai, O radix Jesse, O clavis David, O oriens, O Rex gentium, O Emmanuel.

Weit geöffnet ist der Mund des Jungen – voller Bewunderung, voller Ehrfurcht. Ob er selbst versteht, was sein Mund schon ausdrückt?
Die unschuldigen, fast noch kindlichen Augen verraten leichtes Zögern, unsicheres Abwarten, aber auch naive Neugier. Mund und Herz haben scheinbar schneller erkannt als Geist und Verstand. Die Hände sind weit nach oben hin geöffnet zur Orante-Haltung.

Der junge Mönch ist bereit zu empfangen – er öffnet sich für das Wunder, das da im Stall von Bethlehem geschehen ist und immer wieder geschieht. Da, wo alle Worte versagen, öffnet sich sein Mund zum stummen O zur Anbetung des Kindes in der Krippe.

Der Kantor: 
Singet und lobet den Herrn

Wie die alte Bäuerin, so ist auch der Kantor über das lebenslange Warten auf den Herrn alt und grau und wohl auch ein wenig müde geworden. Ein seltsamer Ernst schaut aus seinen Augen. Nachdenklich wirkt er und auch ein wenig skeptisch. “Ist es der, auf den wir gewartet haben oder müssen wir auf einen anderen warten?”, scheint er sich mit Johannes dem Täufer zu fragen. Und doch. “Die Zeit – das ist die Spanne meines Lebens, in der wird, was werden soll”, hat Karl Rahner einmal gesagt. Und so weiß auch unser Kantor tief in seinem Inneren: Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade, jetzt ist er da, der Tag des Heils. Und so wird er wach und greift zum Buch. Wie oft mag er die Melodien in seinem Leben schon gesungen haben. Sie sind ihm inwendig vertraut; nun kann er sie auswendig singen. Wer singt, vergisst sich selbst und gibt sich ganz dem Größeren hin. Lobpreis und Dank, Ehre und Anbetung werden dem Kind in der Krippe zuteil. Heute ist uns der Retter geboren, Alleluja.

“Die Musik ist unsere Wahrheit. Wenn sie von Herzen kommt, ist die Schönheit, die wir aus ihr hervorbringen, vielleicht der einzige wirkliche Wegweiser, die einzige Quelle der Erneuerung. Wo andere hadern, können wir heiter sein. Wo andere Spiele betreiben, können wir Herzen bewegen. Wo die Habgierigen raffen, können wir schenken… Vielleicht ist es überhaupt nur die Musik, die das Mystische mit dem Rationalen versöhnen und darin fortfahren kann, die Allgegenwart Gottes der Menschheit vor Augen zu führen.” (Leonard Bernstein)

Joseph:
“… und seine Treue währet ewiglich”

Was ist diesem Mann nicht alles abgefordert worden. Doch er hat sich bewährt – im Glauben und im Gehorsam, in der Treue und in der Liebe. Ein wenig in sich versunken steht Joseph da: aufrecht, kraftvoll und wachsam. Sein rauhes, gegerbtes Gesicht zeigt, daß das Leben nicht spurlos an ihm vorüber gegangen ist. Aber er hat standgehalten und stellt sich nun schützend an die Seite Mariens. Er ist der Lichtträger, der Hüter der Flamme, die die göttliche Herrlichkeit aufleuchten läßt, die Licht schenkt und Wärme. Liebevoll, auch ein wenig stolz und zufrieden schaut er auf Maria und das Kind. Behutsam hat er die rechte Hand erhoben, um das Licht und das Kind zu schützen. Ob er weiß, daß da das “Licht für die Völker” in Windeln gewickelt in der Krippe liegt? Sein Sohn, der Gottes Sohn ist. Das Mysterium der Menschwerdung – wer kann es begreifen. Nur der, der täglich neu auf die Stimme Gottes hört, der dem Ruf folgt, der sich auf den Weg macht und seinen Weg in Treue bis zum Ende geht. “Die Treue”, so sagt Gabriel Marcel, “ist der Sieg über die Zeit.” Nur die Treue verleiht der Zeit Dauer und Bestand. Sie schenkt einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit und lässt erahnen, was Gottes Liebe und Treue bedeuten.

“So sollst du denn erkennen, dass Jahwe, dein Gott, der wahre Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Huld bis auf tausend Geschlechter denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten.” (Dt 7, 9)

Maria: 
” … mir geschehe nach deinem Wort”

Maria ist hier zunächst einmal die ganz und gar liebende und fürsorgende Mutter. Ihr Kind liegt auf ihrem Schoß, aus dem es geboren wurde. Heitere Ruhe strahlt sie aus, Sanftmut und seliges Glück. Ihr Gesicht leuchtet von innen; die zarten und feinen Gesichtszüge sind durchlässig für IHN, für das Licht. Fenster zu IHM, das will und das wird sie sein. Schon hier und heute wird das sichtbar. Ihre Augen sind gesenkt; sie schaut auf ihr Kind, hat gleichsam nur Augen für IHN. Die Liebe versteht auch ohne Worte; die Hände sprechen ihre eigene Sprache: bergend und haltend, schützend und freilassend zugleich. Sie kann ihren Sohn nicht festhalten – so wenig wie wir Gott festhalten oder festlegen können. Loslassen will eingeübt werden von Anfang an. Maria sitzt da wie eine Pietà. Später, viel später wird sie ihren gekreuzigten und gestorbenen Sohn genauso auf ihrem Schoß tragen. Ob sie darum heute schon weiß? Vielleicht ahnt sie es tief innen in ihrem Herzen. Dennoch lässt sie sich nicht beirren und ist ganz da in diesem ersten Augenblick. Eine gütige und sanfte, eine starke und mutige Frau, die ihr FIAT spricht zu allem, was Gott ihr zumutet. Das Leben ist die Spanne, in der wird, was werden soll. Im Vertrauen darauf geht Maria ihren Weg.

“Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort…
Selig, die geglaubt hat, dass sich an ihr erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.” (Lk 1, 38.45)

Das Kind: 
Die Zeit ist erfüllt

Zuletzt und doch eigentlich als Erstes liegt da das Kind in seiner Mutter Schoß: kahlköpfig, fast noch einem Embryo gleichend – der Mensch in seiner Urform und Vollendung zugleich.

In IHM hat die Zeit sich erfüllt, hat eine neue Zeit begonnen, begegnen sich Zeit und Ewigkeit. Selbstbewußt schaut es aus, ganz in sich ruhend, ganz bei sich. Ob es seiner Sendung schon gewahr geworden ist?
Den Kopf hat es leicht nach oben gerichtet, hinauf zu seiner Mutter. Aber es blickt sie nicht an, sondern schaut über sie hinaus und durch sie hindurch: “Wußtet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?” Die rechte kleine Hand liegt auf dem Herzen, so als ob es einen Eid zu schwören gelte: “Ich bin in die Welt gekommen, Euch zu erlösen. Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist da.”

“Denn ein Kind ist uns geboren,
ein Sohn ist uns geschenkt;
die Herrschaft ruht auf seinen Schultern.
Man nennt ihn wunderbarer Ratgeber,
starker Gott, Fürst des Friedens.”
(Jes 9, 5)

Sr. Philippa Rath OSB

Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel
Seitdem mir wie ein Traum verweht,
Und ein unnennbar süßer Himmel
Mit ewig im Gemüte steht.

Novalis

„Ich sehe dich in tausend Bildern, … doch keins von allen kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt“. So ähnlich ergeht es mir – und so ähnlich wird es vielleicht auch Ihnen ergehen. Weiterlesen

In der orthodoxen Kirche sind Johannes der Täufer und Maria die beiden größten Heiligen. Zwei Menschen der Stärke und der Demut zugleich, von Gott erwählt, Unerhörtes zu vollbringen: Gott zu gebären und IHN zu taufen. Beide hat Gott ganz und gar in seinen Dienst genommen, beiden auch hat er das Härteste abgefordert. Und: beiden war nichts anderes aufgetragen, als allmählich und immer mehr in den Hintergrund zu treten – abzunehmen, damit er wachsen könne. Das Wegbereiten des Täufers bleibt ein Mysterium – ebenso wie die Mutterschaft Mariens.

Ich möchte hier einerseits die Gestalt Johannes des Täufers selbst in seinen wichtigsten Äußerungen befragen, andererseits sollen die Evangelisten in ihrem Zeugnis über ihn zu Wort kommen. Hören wir auf das, was sie uns zu sagen haben – und fragen wir uns, wie wir mit unserem eigenen Leben Antwort geben können auf ihren Ruf. Weiterlesen