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Gott als Grundlage und Ziel klösterlichen Lebens

Ohne Gott ist ein katholisches Kloster nicht denkbar. Deshalb verweist der erste Link auf ihn. Gott ist die Grundlage und das Ziel christlich geprägten klösterlichen Lebens. Der christliche Gott, in der Tradition des Abendlandes bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts noch weithin bekannt, ist heute nur noch wenigen geläufig oder gar vertraut.
Aus diesem Grunde möchten wir ihn hier kurz vorstellen. Kenntnis haben wir von ihm durch die Bibel, das bisher am häufigsten verlegte, übersetzte und verkaufte Buch der Welt. Die christliche Bibel gliedert sich in zwei Teile, das Alte und das Neue Testament.
Das Alte Testament verbindet die christliche Religion mit dem Judentum und dem Islam. Wesentliche Teile dieser Texte sind für alle drei Religionen gemeinsam grundlegend, vor allem die Aussage, daß es nur einen einzigen Gott gibt.
Das Neue Testament knüpft an die Existenz von Jesus von Nazareth an. Die sogenannten vier Evangelien, nach Matthäus, nach Markus, nach Lukas und nach Johannes, beschreiben dessen Lebensweg, wie er bis dahin erzählt worden ist. Allerdings handelt es sich in keinem Fall um eine Dokumentation im heutigen Sinne. Vielmehr wird deutlich, daß mit Jesus etwas Neues anbricht, ein neues Verhältnis Gottes zu den Menschen und der Menschen zu Gott. Das Alte Testament ist voll von Hinweisen darauf, daß diese Erneuerung notwendig ist, weil der Mensch seine Beziehung zu Gott aufgekündigt hat. So begründet sich die Erwartung des jüdischen Volkes auf den so genannten Gesalbten, den Christus, den Messias.
Diejenigen Juden, die der Auffassung sind, bei Jesus handele es sich um den erwarteten Messias, werden seither Christen genannt. So beschreibt es die Apostelgeschichte, der nächste Text im Neuen Testament. In ihm wird außerdem erzählt, daß nunmehr nicht ausschließlich die Juden das im Alten Testament so genannte Volk Gottes bilden, daß also nicht mehr die Abstammung ausschlaggebend für die Zugehörigkeit zum Volk Gottes ist, sondern die Einstellung zu Jesus von Nazareth. Wenn man ihn für den vom jüdischen Volk erwarteten Messias hält, zählt man zu den Christen. Die Gemeinschaft der Christen wird schon sehr früh „Kirche“ genannt.
Die Gemeinschaft der Christen, die Kirche, war es auch, die Ende des 4.Jahrhunderts verbindlich und abschließend festgelegt hat, welche der vielen Texte über Jesus Christus und die Gemeinschaft der Christen, die im ersten und zweiten Jahrhundert entstanden waren, zur Bibel gehören sollen. Seither gilt die Bibel als Grundlage für christliches Leben.
Gleichwohl handelt es sich beim Christentum nicht um eine Buchreligion, sondern gründet sich auf Personen, erstlich auf die persönliche Beziehung des einzelnen Christen zu Jesus Christus.

Von ihm wird in der Bibel erzählt, daß seine Anhänger nicht nur seinen Tod am Kreuz miterlebt haben, sondern schon kurze Zeit später, in den Texten ist vom „dritten Tag“ die Rede, zum Teil unabhängig voneinander bemerkt und erfahren haben, daß er nicht mehr tot war, sondern lebt. Die zentrale christliche Botschaft lautet denn auch: „Jesus Christus hat den Tod am Kreuz erlitten und ist begraben worden. Er ist auferstanden am dritten Tag und den Jüngern erschienen.“ Seither ist er bis in unsere Zeit wirksam in der Gemeinschaft der Christen, der Kirche.

Die Christen haben im Nachsinnen über Gott und Jesus Christus dessen Wesen als „Gott gleich“ beschrieben. So entstand nach und nach die Vorstellung vom dreipersonalen Gott, von dem einen Gott, der sich in drei Personen entfaltet: Gott, der Vater, Gott, der Sohn, und Gott der Heilige Geist, als Verbindung zwischen Vater und Sohn.
Gott, der Vater, wird dabei erstlich als der Schöpfer der Welt und des Lebens angesehen.
Von Gott, dem Sohn, also von Jesus Christus, wird gesagt, er habe die Schöpfung, die sich verselbständigt hat, durch seinen Tod und seine Auferstehung wieder in die ursprüngliche Heilssituation gebracht.
Der Heilige Geist, gleichfalls eigenständige Person, gilt als Verbindung zwischen Vater und Sohn. Die Verbindung zwischen den göttlichen Personen wird für so wichtig gehalten, daß sie ebenfalls als Person dargestellt wird. Die Verbindung vollzieht sich im Gespräch zwischen Vater und Sohn. Von daher kommt dem Wort im Christentum besondere Bedeutung zu. Schon im Johannesevangelium wird Jesus Christus selbst „Wort Gottes“ genannt, durch das Gott die Schöpfung, die Welt, ins Werk setzt.

Im gemeinsamen Nachdenken der Christen über die Bibeltexte hat sich ergeben, daß das Thema des innergöttlichen Gespräches die Welt und das Wohlergehen der Menschen ist.
Abzulesen ist das vor allem an der immer wiederkehrenden Aufforderung der Bibel an die Menschen, Frieden zu ermöglichen und zu bewahren und das menschliche Zusammenleben von der Liebe zueinander bestimmen zu lassen.
Das kann allerdings niemals durch die Verdrängung von Problemen und Konflikten geschehen, sondern durch das gemeinsame Bemühen, die Konflikte auszutragen und die Probleme zu lösen. Der „unerledigte Rest“, den jede Bewältigung von Schwierigkeiten nach sich zieht, ist durch Wahrhaftigkeit und Rücksichtnahme zu entschärfen.
Dieses Existenzmodell liegt nicht nur der christlichen Kirche sondern darüberhinaus der ganzen abendländischen Gesellschaft zugrunde und bestimmt auch mehr und mehr die Arbeit der Politiker, unabhängig davon, ob sie sich zu den Christen zählen oder nicht.

So wird der christliche Gott als ein menschenliebender Gott beschrieben, der in Jesus Christus den Menschen so nahe kommt, daß er, obwohl er Gott ist, selbst Mensch wird. Im Heiligen Geist hinterläßt er den Menschen Anteil am göttlichen Leben und versetzt sie grundsätzlich in die Lage, gut miteinander zu leben. Der Blick ins eigene Leben und der Blick auf die Kirchengeschichte erweisen allerdings, daß dieses Ziel noch längst nicht zuverlässig und auf Dauer erreicht ist.
Die christliche Kirche stellt aber eine Möglichkeit dar, sich ihm manchmal zu nähern.

Sr. Scholastica Steinle OSB

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10 Gebote der Gelassenheit
Werkzeuge der geistlichen Kunst

Ort des Lebens – Ort des Segens 

10 Gebote der Gelassenheit – Werkzeuge der geistlichen Kunst
ein Weg durch unseren Alltag
eine Einladung zum Verweilen im Eilen

„Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten: an jedem Tag, zu jeder Stunde, ohne Übertreibung, mit Geduld.“ ( hl. Papst Johannes XXIII.)


 

Leben 

 

„Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“

02

Herr,
schenke mir Augen, die weiter sehen
schenke mir Ohren, die tiefer lauschen
schenke mir Gedanken, die unaufhörlich nach dir fragen
schenke mir Menschen, die dich mit mir suchen
und wenn wir dich gefunden haben,
dann blüht unser Mauerwerk auf
im Atemwind deines Geistes
wachsen Trost und Segen,
weil du überall auf uns schaust

 

Werkzeug
Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut. RB 4,49

apertis oculis nostris

ad deificum lumen
adtonitis auribus audiamus
divina cottidie clamans
HODIE


 

Sorgfalt 

„Nur für heute werde ich mit größter Sorgfalt auf mein Auftreten achten. Ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. Nur mich selbst“

03

sed magis benedicere 

Herr Keuner ging in ein Lebensmittelgeschäft, das sich gleich um die Ecke seines Hauses befand. „Gott zum Gruße“, sagte er beim Eintritt, doch man schenkte ihm nur ein müdes Lächeln. Er habe die Perle im Acker gefunden und wolle ein kleines Fest geben, ob die Herrschaften nicht kommen wollen, fragte er, jeder sei willkommen. Doch man

runzelte nur die Stirn und tat zugleich so, als habe man seine Worte nicht gehört. Mönch zu werden, ja, darüber habe er schon häufiger nachgedacht, mehr theoretisch als praktisch, aber plötzlich habe es ihn dann ergriffen und es lasse ihn nicht mehr los; nein, besser: ER lasse ihn nicht mehr los. Ob jemand der Anwesenden auch so eine beglückende Erfahrung gemacht habe, wollte er wissen, doch man schrie ihn an, er möge endlich still sein. Totenstille trat ein – und Herr Keuner trat aus, um schließlich woanders schweigend einzutreten. Die Perle aber, die ließ er im Acker.

Werkzeug
Von der Liebe nicht lassen. Die uns verfluchen, nicht auch verfluchen, sondern – mehr noch – sie segnen. RB 4,26.32

einmalig
unersetzbar
ähnlich und doch verschieden
zum Verbinden und Ergänzen geschaffen
Geduld ist gefragt und Ausdauer
Sorgfalt
mit dir und mit mir
Puzzleteile im Acker unseres Lebens


 Glück 

„Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich geschaffen bin, glücklich zu sein, nicht nur für die andere, sondern auch schon für diese Welt.“

04

jubelnde Seele
streck deine Hände aus
grab nach der Quelle
hier ist der Garten
Ölberg und Eden
auch deines Lebens Rosen
wollen hier blühen
Dornwald und Wüste
Manna und Tränen
der Mächtige tut Grosses an uns
heute
hier
auch jetzt
und in der Stunde unseres Todes
stell dich in den Segen
lobpreise den Herrn

Werkzeug
Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben. RB 4,46f.

Realismus 

„Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an meine Wünsche anpassen.“

05

UM-WÖRTER 

In unserem Alltag benutzen wir viele
Wörter, die mit „um“ beginnen.
Manche dieser „Um-Wörter“ wollen eine
Veränderungen andeuten: Um-zug, Um-schwung, Um-wandlung.

Andere „Um-wörter“ verweisen auf
neue Wegstrecken (Um-wege) und längere Prozesse, die mitunter schmerzhaft verlaufen können: um-gehen, um-biegen, um-erziehen, um-pflanzen, um-leiten.

Aber es gibt auch „Um-wörter“, die selbst in scheinbar un-um-stößlichen Situationen neue Perspektiven eröffnen: Um-verteilung, Um-widmung.

Um-orientierung gelingt freilich nur, wenn aus der neuen Um-schreibung nicht sofort wieder ein neuer Um-stand wird, den man lieber gleich um-schiffen würde.

Ist in unserem Leben denn wirklich alles so vergebens und um-sonst?

Nein!

UM-KEHR – conversatio – ist nicht umsonst, aber dafür „gratis“ – eben voll der Gnade.

Jeden Tag neu!

Werkzeug
Nicht murren. RB 4,39

 Lesen 

„Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.“

06

 

Wie treffend, dass es von diesem „Gebot“ gleich zwei Varianten gibt: Lesen und Stille.

Beides liegt auch in unserem Kloster nah beieinander: Bibliothek und Oratorium.

Lectio und Oratio.

In das kleine Heftchen dürfen Empfehlungen geschrieben werden: Leseempfehlungen für das Leben der Seele.

Manchmal liest sie sich spannender als das Buch, das man sich gerade ausleihen möchte: die Leihkarte mit den Namen derer, die schon vor einem dieses Buch gelesen haben.

Leseempfehlungen der stillen Art.

Welcher Reichtum liegt hier verborgen.

Werkzeug
Heilige Lesungen gern hören. RB 4,55

Stille 

„Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit der Stille widmen und Gott zuhören. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist das Horchen auf Gott in der Stille notwendig für das Leben der Seele.“

07

Werkzeug
Sich oft zum Beten niederwerfen. RB 4,56

Vorübergang des Herrn
tritt einfach ein
bete
und lass die Welt
vorübergehen

simpliciter intret et oret 


Handeln

„Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.“

08

keine Schatten
sondern Licht wirfst du in unser Leben
malst bunte Farbe auf grauen Stein
verwandelst finstere Ecken
in helles Leuchten
zart
verspielt
für Achtsame
nur einen Augenblick
wie leises Säuseln
o Schöpfer der Welt
wie staunenswert
ist dein Blick
für uns
ist dein Atem
in uns
ist dein Antlitz
unter uns
Licht ist gesät
schon keimt es
seht ihr es nicht?
nur einen Augenblick
und das Angesicht der Erde
wird neu

Werkzeug
Arme bewirten.
Nackte bekleiden.
Kranke besuchen.
Tote begraben
Bedrängten zu Hilfe kommen.
Trauernde trösten. RB 4,14-19

Überwinden

„Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.“

09

Mittagshore 

erhitzte Gemüter
neigen das Haupt

die Stirn trägt Wunden
dein Wort lässt heilen
was Worte verletzten

zur Ruhe kommen
die Stille finden

Mitten am Tag
notwendig
Not wendend
heilend

die Stille gefunden
zur Ruhe gekommen

vergebende Worte
dein Wort, das vergibt
alle Schuld dieser Welt

als du dein Haupt neigtest
über erhitzte Gemüter

zur Mittagszeit

Werkzeug
Nicht stolz sein,
nicht trunksüchtig,
nicht gefräßig,
nicht schlafsüchtig,
nicht faul sein. RB 4,34-38

contentus sit monachus


Planen

„Nur für heute werde ich mir ein genaues Programm vornehmen. Auch wenn ich mich nicht genau daran halten werde – ich werde den Tag planen. Ich werde mich besonders vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.“

10

Danke,

Herr, dass du unser Wollen in ein anderes Licht stellst
und voller Sanftmut
einen zarten Strich
durch unsre Pläne machst.

11

 

 

in aller Gelassenheit und im Gehorsam

cum omni mansuetudine et oboedientia

 

 

Werkzeug
Gottes Weisungen täglich durch die Tat erfüllen. RB 4,63

 


Mut

„Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, und mich an allem freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.“

12

Werkzeug
Vor allem: Gott den Herrn, lieben
mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele
und mit ganzer Kraft.
Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst. RB 4,1f.

wie klopfte mir damals das Herz
bei den ersten Schritten
Einsamkeit und Gemeinschaft

„lass dich nicht sofort von Angst verwirren
fliehe nicht vom Weg des Heils
er kann am Anfang nicht anders sein als eng
folge mir nach“

Heimsuchung Gottes
Zeitenwende in seinem Zelt
Hände in Hände gelegt

welch unsagbares Glück:
hier brennt der Dornbusch

und das Herz schlägt mir noch heute


Vertrauen

„Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten – , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.“

13

 

GEMEINSCHAFT ausbuchstabiert (mit RB 72) 

G ott fürchten

e inander selbstlos

m it glühender Liebe

E igenwillen aufgeben

i m gegenseitigen Gehorsam

n ichts vorziehen

s o gibt es den guten Eifer

c harakterliche Schwächen mit unerschöpflicher Geduld ertragen

H ilfe des Herrn erbitten

a uf die Weisung des Meisters hören

F ührung des Evangeliums

t äglich durch die Tat erfüllen

ecce quam bonum
Wurzel und Stamm
Grundstock für Generationen
im Vertrauen auf Gott
wachsen neue Triebe
getragen und gestützt
habitare in unum

 

Werkzeug
Seine Hoffnung Gott anvertrauen. RB 4,41

Von Sr. Raphaele Brüggenthies OSB

 

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Professritus

Wortgottesdienst

 

Introitus / Eingangsgesang der Hl. Messe

Der Pontifex lädt die Profitentin ein:

Veni, filia, audi me, timorem Domini docebo te.

Komm, Tochter, höre mich, die Furcht des Herrn will ich dich lehren. (Ps 34,12)

Die Profitentin entzündet ihre Taufkerze und antwortet:

Et nunc sequor in toto corde : te timeo, et quaero faciem tuam videre. Domine ne confundas me : sed fac mihi juxta mansuetudinem tuam, et secundum multitudinem misericordiae tuae.

Nun folge ich dir aus ganzem Herzen. Ich fürchte dich und suche dein Antlitz zu schauen. Herr, verlass mich nicht, sondern handle an mir nach deiner Güte und nach deinem großen Erbarmen. (Dan 3,41f.)

Gloria

Erste Lesung

Graduale /Antwortgesang

Zweite Lesung

Alleluia

Evangelium

Homilie

 

Feierliche Profess und Monastische Weihe

Äbtissin:
Schwester N.N., durch die Taufe sind Sie der Sünde gestorben und dem Herrn geweiht. Wollen Sie sich durch die Monastische Profess noch enger an ihn binden und sich von ihm in seinen besonderen Dienst nehmen lassen?

Profitentin: Ja, ich will es.

Hymnus

hymnus

Komm, Heilger Geist, der Leben schafft: erfülle uns mit deiner Kraft;
dein Schöpferwort rief uns zum Sein: nun hauch uns Gottes Odem ein.
Qui Paráclitus díceris,
donum Dei altíssimi,
fons vivus, ignis, cáritas
et spiritális únctio.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Tu septifórmis múnere,
dextrae Dei tu dígitus,
Tu rite promíssum Patris
sermóne ditans gúttura.

Dich sendet Gottes Allmacht aus im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund.

Accénde lumen sénsibus,
infúnde amórem córdibus,
infírma nostri córporis
virtúte firmans pérpeti.

Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.

Hostem repéllas lóngius
pacémque dones prótinus:
ductóre sic te prævio
vitémus omne nóxium.

Die Macht des Bösen banne weit, schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn, dass Unheil uns nicht schaden kann.

Per te sciámus da, Patrem,
noscámus atque Fílium,
te utriúsque Spíritum
credámus omni témpore. Amen.

Lass gläubig uns den Vater sehn, sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt und uns das Leben Gottes bringt. Amen.

 

Äbtissin:
Schwester N.N., Sie stehen vor Gott und seinen Heiligen. In Gegenwart der hier versammelten Schwestern frage ich Sie: Wollen Sie in diesem Kloster der hl. Hildegard zu Eibingen beständig ausharren und unserer Gemeinschaft die Treue halten in guten und in bösen Tagen?

Profitentin: Ja, ich will es.

Äbtissin:
Wollen Sie unter der Führung des Evangeliums wahrhaft Gott suchen, sich um die tägliche Umkehr bemühen und ein Leben führen nach der Regel unseren hl. Vaters Benediktus?

Profitentin: Ja, ich will es.

Äbtissin:
Wollen Sie Christus nichts vorziehen und Gehorsam geloben?

Profitentin: Ja, ich will es.

Äbtissin:
Gott, der sein gutes Werk in Ihnen begonnen hat, möge es auch vollenden.

Alle: Amen.
Pontifex:
Liebe Schwestern und Brüder:
Gott hat diese unsere Schwester dazu berufen, im monastischen Leben Christus nachzufolgen. Lasst uns den allmächtigen Vater bitten, er möge seine Gnade über sie ausgießen und ihr helfen, das zu verwirklichen, was sie heute gelobt.

 

Allerheiligenlitanei

Der Diakon singt: Beuget die Knie!

herrErbarme

V. Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heiliger dreifaltiger Gott

heiligeMutter

V. Heilige Jungfrau über allen Jungfrauen
Heiliger Michael
Heiliger Gabriel
Heiliger Raphael
Ihr heiligen Engel Gottes
Heiliger Abraham
Heiliger Mose
Heiliger Elija
Heiliger Johannes der Täufer
Heiliger Josef
Heiliger Petrus und heiliger Paulus
Heiliger Andreas
Heiliger Johannes
Heilige Maria Magdalena
Heiliger Stephanus
Heiliger Ignatius von Antiochien
Heiliger Laurentius
Heilige Perpetua und heilige Felizitas
Heilige Agnes
Heilige Katharina von Alexandrien
Heilige Margareta
Heilige Caecilia
Heiliger Gregor
Heiliger Ambrosius
Heiliger Augustinus
Heiliger Hieronymus
Heiliger Athanasius
Heiliger Basilius und heiliger Gregor
Heiliger Martin
Heiliger Liborius
Heiliger Vater Benediktus
Heiliger Bernhard
Heiliger Franziskus
Heiliger Dominikus
Heiliger Georg
Heiliger Franz Xaver
Heiliger Johannes vom Kreuz
Heilige Scholastica
Heilige Lioba
Heilige Hildegard
Heilige Gertrud
Heilige Theresia
Alle Heiligen Gottes

jesus_gnaedig

Von allem Bösen
Von aller Sünde
Vom ewigen Tode
Durch deine Menschwerdung und dein heiliges Leben
Durch dein Leiden und Sterben
Durch deine Auferstehung und Himmelfahrt
Durch die Sendung des Heiligen Geistes

suender

Erfülle unseren Papst Franziskus und alle Bischöfe mit der Kraft des
Heiligen Geistes
Erneuere deine Kirche im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe
Führe alle Menschen zur Fülle des christlichen Lebens
Stärke in allen Klöstern und Orden die Liebe zu Christus / und erhalte sie
in der Treue zum Geist ihrer Gründer
Schenke den Völkern der Erde Frieden und Freiheit
Erweise allen, die in Bedrängnis sind, dein Erbarmen
Stärke und erhalte uns alle in deinem Dienste
Segne die Eltern und Angehörigen unserer Schwester und schenke ihnen
deine Gaben in reicher Fülle
Lass unsere Schwester Christus immer ähnlicher werden
Schenke unserer Schwester die Kraft zur Treue in der Nachfolge deines
Sohnes
Segne, heilige und weihe unsere Schwester
Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes

christus_hoere

Oration:

Herr, unser Gott, erhöre das Gebet deines Volkes. Mache durch deine Gnade das Herz unserer Schwester bereit und öffne es für das Wirken des Hl. Geistes. Er reinige sie von aller Schuld und erfülle sie mit lebendiger Liebe. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Alle: Amen.

Der Diakon singt: Erhebet euch.
Die Profitentin liest die Professurkunde vor. Anschließend unterschreibt sie die Urkunde, zeigt sie der Äbtissin und dem Pontifex, legt sie auf den Altar und küsst diesen zum Ausdruck ihrer Hingabe an Christus.

Die Profitentin singt den monastischen Professgesang:
Suscipe me, Domine, secundum eloquium tuum, et vivam; et non confundas me ab exspectatione mea. (Nimm mich auf, o Herr, wie du verheißen hast, und ich werde leben. Lass mein Vertrauen nicht zuschanden werden Psalm 119,116)

Weihegebet

Pontifex:
Wir preisen dich, Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott.
In Christus Jesus hast du uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig leben vor dir und deine Söhne und Töchter werden in deinem geliebten Sohn, zum Lob deiner herrlichen Gnade. Zu jeder Zeit hast du Menschen berufen, dir zu dienen im Gehorsam des Glaubens und vollkommen zu sein wie du vollkommen bist. So hast du Abraham gerufen und ihm geboten, das Haus seines Vaters zu verlassen und in das Land zu ziehen, das du ihm zeigen wolltest. Du hast dich Mose geoffenbart und ihm aufgetragen, dein Volk durch die Wüste zu führen. Auf dem Berg Horeb hast du zum Propheten Elija gesprochen und ihn erfüllt mit brennendem Eifer für deinen heiligen Namen. Unter den von Frauen Geborenen hast du Johannes den Täufer auserwählt und ihn zum Zeugen deines Lichtes gemacht.
In der Fülle der Zeit aber hast du deinen eigenen Sohn gesandt, Jesus Christus, geboren von der Jungfrau Maria. Du hast ihn gesandt, damit er uns den Weg weise zu dir. Er bestimmte zwölf Apostel und rief Männer und Frauen in seine Nachfolge. Sie sollten mit ihm leben und Zeugen seines Todes und seiner Auferstehung sein.
Am Pfingsttag hast du in seinem Namen den Heiligen Geist über sie ausgegossen. Der jungen Gemeinde, die sich in Freude versammelte, hast du zahlreiche Gläubige hinzugefügt. Sie alle waren ein Herz und eine Seele in der Treue brüderlicher und schwesterlicher Gemeinschaft. Seitdem hörst du nicht auf, deine Kirche auf ihrem Weg mit vielfältigen Gnadengaben zu stärken. Als eine dieser Gnadengaben hast du zahllosen Söhnen und Töchtern die Berufung zum monastischen Leben geschenkt.
Herr, schau voll Güte auf unsere Schwester. Heilige sie, segne sie, bewahre sie immer. Gib ihr die Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbe-herrschung. Dein Geist bestimme ihr Leben, dein Geist lasse sie handeln, dein Geist bewahre sie in seiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Alle: Amen.
Bei der Übergabe der Kukulle:

Empfangen Sie das Gewand des heiligen Vaters Benediktus. Tragen Sie es in Treue zu Ihren Gelübden, damit Sie zur ewigen Gemeinschaft gelangen mit Gott und seinen Heiligen.

Neuprofesse: Amen.
Bei der Übergabe des Schleiers:

Tragen Sie den Schleier als Zeichen, dass Sie nicht mehr sich selbst gehören, sondern Christus, und mit ihm verborgen sind in Gott.

Neuprofesse: Amen.

 

Der Chor singt dazu die Antiphon:
Regnum mundi et omnem ornatum saeculi contempsi propter amorem Domini mei Jesu Christi, quem vidi, quem amavi, in quem credidi, quem dilexi. Eructavit cor meum verbum bonum, dico ego opera mea Regi.

Das Reich der Welt und all seine Pracht habe ich verlassen aus Liebe zu meinem Herrn Jesus Christus. Ihn habe ich gesehen, ihm bin ich verbunden, an ihn habe ich geglaubt und ihn allein geliebt. Mein Herz strömt über von guter Kunde, ich weihe mein Tun dem König.

 

Der Pontifex steckt der Neuprofesse den Ring an mit den Worten:

Tragen Sie den Ring, das Siegel des Heiligen Geistes, als Zeichen Ihrer Bindung an Christus. Bleiben Sie dem Herrn in Treue verbunden.

Neuprofesse: Amen.

 

Der Pontifex übergibt das Stundenbuch mit den Worten:

Empfangen Sie das Stundenbuch der Kirche. Ziehen Sie dem Gottesdienst nichts vor, und bringen Sie zusammen mit Ihren Schwestern Gott, dem Schöpfer, den Lobpreis dar. Was Sie mit dem Mund singen, sollen Sie im Herzen glauben, und was Sie im Herzen glauben, im Leben erfüllen.

Neuprofesse: Amen.

 

Die Neuprofesse singt zum Abschluss der Professhandlung:

Ecce quod concupivi, jam video : quod speravi, jam teneo : illi sum juncta in caelis, quem in terris posita, tota devotione dilexi.

Seht, was ich begehrte, schon sehe ich es; was ich erhoffte, schon halte ich es: Ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebe.

Die Eucharistiefeier wird nun in der bekannten Reihenfolge fortgesetzt:

Credo /Glaubensbekenntnis

Offertorium (Gabenbereitung)

Sanctus

Agnus Dei

Communio (gesang zur Kommunion)

Schlusssegen

Gott, unser Vater, der dich zum monastischen Leben berufen hat, schenke dir seine Gnade und seinen Segen.
Alle: Amen.

Dein Beten und Arbeiten diene der heiligen Kirche. Dein Leben werde zu einem Zeichen der göttlichen Liebe.
Alle: Amen.

Und Christus, dem du auf Erden dein Leben geweiht hast, sei am Ende deine ewige Erfüllung.
Alle: Amen.

Und euch alle, die ihr zu dieser Feier versammelt sein, segne der dreieinige Gott: + der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Alle: Amen.

Schlusslied

Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen
stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh’: Heilig, heilig, heilig! zu.

Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen.
Rett’ aus Sünden, rett’ aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott.

Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen;

deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein; lass uns nicht verloren sein.

Prozession der Schwestern in den Kapitelsaal

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Die Gelübde

„Eins nur erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich:
im Hause des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens,
zu schauen die Freundlichkeit des Herrn
und nachzusinnen in seinem Tempel.“ (Ps 26/27)

Schon früh hat man zwischen der Taufe und der Profess auffallende Übereinstimmungen festgestellt. Die Profess wurde sogar oft als zweite Taufe dargestellt. Der Glaube, so sagte einst Tertullian, vollendet sich in der Taufe, dem „sacramentum fidei“. Durch die Taufe wird der Glaube in Worten und Gebärden gefeiert und erhält so seine Gestalt. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für das monastische Leben. Was die Taufe für den Glauben, das ist die Profess für dieses innere Ja-Wort. Auch im Ritus gibt es Übereinstimmungen. Die Taufhandlung ist begleitet von Tauffragen und Antworten. Auch die Profess kennt begleitende Fragen und Antworten, und man könnte vielleicht auch eine Parallele sehen zwischen dem Taufkleid und dem Mönchsgewand, der Kukulle, die bei der Profess überreicht wird. Weiterlesen

Grundpfeiler kontemplativen Lebens

Theodoret von Kyros, einer der bedeutendsten Theologen der griechischen Kirche des 5. Jahrhunderts und selber Mönch, gab seiner zwischen 444 und 449 entstandenen Schilderung des Mönchtums den bezeichnenden Titel: Geschichte der Gottesliebe. Er trifft damit genau jenen Punkt, der das Geheimnis, die Mitte und Seele des Mönchtums ausmacht. Nur eine leidenschaftliche Liebe zu Gott ist imstande, ein Phänomen wie das Mönchtum hervorzubringen, zu rechtfertigen und zu erklären. Davor verblassen alle anderen Motive, die es auch gegeben haben und geben mag. Das Mönchtum ist mehr und anderes als Protest, Weltflucht, Rückkehr zur Urkirche, Weltpessimismus oder individualistische Heilssorge; es ist in seinem Kern eine alles andere in den Schatten stellende Liebe zu Gott und Jesus Christus, Gottes- und Christusliebe im Ernstfall. Alles, was darunter liegt, reicht für ein Leben als Manch nicht aus. Es mag sein, daß diese Liebe stimmungs- und erfahrungsmäßig bald mehr als unstillbare Sehnsucht und Unruhe des Herzens, bald mehr als unwiderstehliche Anziehung und Begeisterung erlebt wird, das ändert nichts an ihrer Einmaligkeit und Ausschließlichkeit. Die Eigenart der für das Mönchtum typischen Gottesliebe wird sofort deutlich, wenn man auf ihren Zusammenhang achtet. Weiterlesen

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Das Noviziat

“Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?” (Psalm 34, 13; Benediktusregel, Prolog 15)

Wenn Sie das hören und erwidern: “Ich”, so sagen wir Ihnen heute mit Worten der Regel des hl. Benedikt:
“Kommt eine neu und will das klösterliche Leben beginnen, werde ihr der Eintritt nicht leicht gewährt, sondern man richte sich nach dem Wort des Apostels: “Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.” (Regel des hl. Benedikt 58, 1.2)

Das heißt konkret: Ihnen und uns wird eine lange Zeit geschenkt, in der wir gemeinsam prüfen können, ob das Leben mit Gott in unserem Kloster wirklich Ihr Weg ist. Diese Zeit dauert wenigstens 5 ½ bis 6 Jahre. Zunächst sind Sie zu einigen ganz unverbindlichen Besuchen und Gesprächen eingeladen. Erleben Sie die Atmosphäre vor Ort, hören Sie auf die Stimme Gottes in Ihrem eigenen Herzen, öffnen Sie sich in Gesprächen mit der Noviziatsleiterin und fragen Sie sich: Könnte das der von Gott für mich ausersehene Lebensweg sein? Weiterlesen

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Die geistliche Schriftlesung: Lectio divina

Die geistliche Schriftlesung (Lectio divina) gehört für Benediktinerinnen und Benediktiner zum täglichen geistlichen Brot – sie kann aber auch für jeden Christen zu einem wichtigen Bestandteil seines Lebens werden. deshalb möchten wir Ihnen zum Jahr der Bibel die Grundzüge und Grundvollzüge der Lectio divina nahe bringen.

Denke ich an die Regel des hl.Benedikt, so zeigt sich in der Fülle der darin zitierten Schriftworte, wie sich der Umgang mit der Hl. Schrift im Alltag des Lebens des hl.Benedikt konkretisierte. Welch hohen Stellenwert die Lectio für Benedikt hatte, können wir uns schon durch die Wortkonkordanz verdeutlichen: Lectio (39x); legere (26x) lector (2x) / meditatio (nur 1x) meditari (nur 2x) / oratio (21x) / orare (10x) / oratorium (23 x).

Auch bezeugen uns die Regeltexte selbst schon, wie sehr Benedikt die Lesung schätzte. Seine Belesenheit in der Väterliteratur ist erstaunlich. Würde man sich nur auf die Zitate der Benediktsregel beschränken, käme schon eine ganze Väterbibliothek zustande: Cyprian, Hilarius, Ambrosius, Augustinus, Hieronymus, Leo d. Gr. Palladius, Kassian, Cassiodor, Sulplicius Severus, Vitae Patrum, und selbstverständlich alle im Abendland damals bekannten Mönchsregeln: 1. Und 2. Regula Patrum, Regel des Pachomius, des Basilius, des Caesarius, die Magisterregel, sodann Martyrerakten und Konzilsakten. Klassisch Gebildete behaupten zudem, daß z. B. auch Anklänge an Vergil hörbar sind. Man darf wohl davon ausgehen, daß Benedikt die angeführten Quellen auch per ordinem ex integro gelesen hat. Lectio divina – heilige, göttliche Lesung gehört für ihn zum christlichen, monastischen Leben im Sinn des hl. Hieronymus, der einst schrieb: “Qui nescit scripturas, nescit Dei virtutem eiusque sapientiam; ignorantio scripturarum ignorantio Christi est.” – Wer die Schrift nicht kennt, kennt nicht die Tugend und Weisheit Gottes; Unkenntnis der Schriften ist Unkenntnis Christi.”

Seit einigen Jahren mehrt sich aber auch bei vielen Menschen unserer Zeit wieder neu das Interesse an der Hl. Schrift, um die “Tugend und Weisheit Gottes” neu zu erfahren. Immer wird berichtet von Vorträgen, Arbeitsgruppen und Seminaren innerhalb von Pfarrgemeinden über verschiedene Themen der Hl. Schrift. Nicht umsonst ermahnte unser Limburger Bischof Kamphaus 1999 in seinem Fastenhirtenbrief alle mit folgenden Worten:

“In meiner münsterländischen Heimat trinken die meisten Menschen Bier. Deswegen sind mir die ersten Weinproben im Rheingau in besonderer Erinnerung geblieben. Ich mußte lernen, daß man Wein nicht wie Bier trinkt. Man schluckt ihn nicht schnell herunter, sondern läßt ihn langsam über die Zunge laufen. Kenner (und Könner) schlürfen den Wein und durchmengen ihn dabei mit Luft. Aufmerksam registrieren sie seine Geschmacksentfaltung beim Schlucken. Wein braucht Zeit, um sein ganzes Aroma zu entfalten. Der Blick aufs Etikett löscht nicht den Durst. Ähnlich ist es mit der Bibel. Ein junger Mann sucht zum ersten Mal einen Rabbi auf. Der fragt ihn, was er denn bisher getan habe. Seine Antwort: “Ich bin dreimal durch den ganzen Talmud gegangen.” “Gut”, sagt der Rabbi. “Aber wieviel vom Talmud ist durch dich gegangen?” Das ist die Frage. Wer die Bibel nur liest wie ein Buch oder ein Etikett, der erhält einige Informationen, aber er verfehlt den unmittelbaren Kontakt. Ihre Wahrheit kann sich nur im eigenen Leben entfalten, in Verbindung zur eigenen Existenz. “Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von Innen her.” (Ignatius von Loyola) Es braucht Zeit, es braucht Übung und eine erfahrene Anleitung, um die Bibel als Buch des Lebens zu erleben.” (Bischof Franz Kamphaus, Limburger Sonntag Nr. 12, 21. März 1999)

Wenn wir uns im begonnenen Kirchenjahr nochmals intensiver mit der Lectio, im Spezifischen der Lectio divina befassen, dann gehen wir von der Voraussetzung aus, dass das Buch, das Lesen uns neu zum eigenen Denken, zum eigenen Urteilen, d. h. zur Freiheit und Verantwortung helfen kann. Ein Buch – und ganz sicher das geschriebene Wort Gottes – kann uns neu auf diesen Weg führen, will uns Orientierung geben, kann uns zum “Lehrer des Lebens” (Bischof Lettmann) werden. Nicht die vielen Worte belehren uns. Nur in einziges Wort kann zum Wort des Lebens werden, wenn es uns in die Dimension des Glaubens hineinführt, wenn Gott durch es spricht, wenn es uns Heil und Heilung vermittelt.

Bevor wir in diese Dimensionen tiefer einsteigen, sollten wir uns noch mal neu vergegenwärtigen, was eigentlich geschieht, wenn wir lesen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Lesen sei doch eine Selbstverständlichkeit. Zu Beginn möchte ich aber darauf aufmerksam gemacht, dass es grundsätzlich mehrere Leseformen gibt. Ein fachwissenschaftliches Buch lesen wir anders als einen Roman, eine Zeitung, einen Brief oder den Beipackzettel eines Medikaments. Was alle diese verschiedenen Leseformen gemein haben: Lesen hat werkzeugartigen Charakter. Zunächst erkennen wir Schriftzeichen, die wir in einem bestimmten Zusammenhang aufnehmen. Allein daran erkennt man schon, wie vielschichtig der Lesevorgang ist, denn es ist wohl nicht einfach selbstverständlich, dass wir das Gelesene im gleichen Kontext aufnehmen. Das lesende Subjekt ist am Inhalt nicht unbeteiligt. Gleichzeitig begegnet das lesende Subjekt im Text einem schreibenden Subjekt. Beide: Autor und Leser stehen jeweils in einem seelischen, sozialen oder eben auch religiösen Umfeld. Lesen ist eine Form der Kommunikation, der Begegnung. Diese Begegnung zwischen Schreiber und Leser steht zudem noch in einem speziellen Umfeld, nämlich im unmittelbaren Umfeld des Lesens. Daraus entsteht noch weiterer Kontakt, Beziehung, eine Komplexität von Querverbindungen. Wichtig ist , sich immer bewusst zumachen, dass an jedem Lesevorgang immer drei Dimensionen beteiligt sind: Autor, Text und Leser.

Befassen wir uns also jetzt mit Lectio divina, so müssen wir uns als ersten Schritt vergegenwärtigen, dass auch daran mehrere Dimensionen beteiligt sind: der Autor, bzw. die Autoren im Kontext ihrer Zeit, der überlieferte Text und wir als Menschen des begonnenen 2. Jahrtausends. Ich möchte Sie jetzt noch an einen Weg eines Mönches aus dem ersten christlichen Jahrhundert erinnern, wie er uns vom Karthäuser Guigo II. (+ ca. 1188) in der “Scala claustralium” systematisiert überliefert wurde.
Die Mönche aller Zeiten kannten die Methode der Lectio divina, der geistlichen / göttlichen Lesung, die in unseren Tagen wieder neu auch außerhalb des Mönchtums entdeckt wird. (vgl. Enzo Bianchi, Dich finden in deinem Wort). Sie ist ein probates Mittel, sich dem Kern des Wortes Gottes zu nähern. Ich meine, dass das auch ein Weg sein kann, sich die Psalmen und andere Texte des Stundengebetes neu zu erobern. Dieser Weg kann uns für das Offizium, die Lectio und Oratio (Gebet) wieder neue Türen öffnen, wenn wir alles im Sinn der Lectio divina lesen und ins Herz aufnehmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, wie gut es mir gelegentlich tut, das Stundengebet, z.B. auf Reisen, allein zu beten. Beide Formen: der gemeinsame und der einsame Vollzug hat seine Licht- und seine Schattenseiten. In vier Schritten vollzieht sich ein solcher Prozess, vier Stufen, die uns hinführen sollen zu Gott, zur Gotteserfahrung, letztlich zur Anschauung Gottes:

1. Lectio

In der Antike und um Mittelalter wurde noch eine Lesetechnik praktiziert, die ganz im Kontrast zu unserer heutigen steht: Man las in der Stille der Klosterzelle in einem ganz anderen praktischen Kontext, nicht wie heute hauptsächlich mit den Augen, sondern mit den Lippen, in dem man das, was man sah, vor sich hinsagte, halblaut sprach, und mit den Ohren dem gesprochenen Wort zuhörte. Man pflegte also das akustische Lesen. ‘legere’, lesen, bedeutete gleichzeitig ‘audire’, hören. Da fallen dann Formulierungen wie: “in lectione audio”. Durch die akustische Lektüre werden im Menschen alle Sinne geweckt. Augen, Mund und Gehör werden in Aktion gesetzt. Lesen wird dann wie z.B. auch das Singen eine Aktion des ganzen Leibes, der den Geist ergreift und in Anspruch nimmt. Diese Technik entspricht dem Ursprung und dem Wesen des Wortes: Es wird von einer Person entsendet, an eine andere gerichtet und von ihr im Hören aufgenommen. Durch das akustische Lesen wird das geschriebene Wort lebendig und wieder neu zu einer Art dialogischen Geschehens. Hören ist ja in sich ein dialogisches Geschehen. Das gesprochene oder geschriebene Wort wird entsendet, entbindet dann unser Hören, macht uns zu Hörern des Wortes. Im Wort der Hl. Schrift spricht Gott selbst zu uns und macht uns dadurch zu Gott- zu – Gehörigen. Gott sandte sein Wort und sendet es heute noch jeweils in eine ganz konkrete geschichtliche Situation. Die Hl. Schrift ist der bevorzugte Ort der Begegnung mit Gott. Dem liegt eine tiefe Glaubensüberzeugung zugrunde, auf die hin auch wir uns prüfen müssten.

Die Entbindung durch das Wort setzt aber nicht voraus, dass wir als Hörende das Wort automatisch verstehen. Der Hörende muss Ohr und Herz für das Wort öffnen. Deshalb ist die Lesung mit einem eifrigen Studium verbunden, erfordert von uns gespannte Aufmerksamkeit und Wachsamkeit der Seele. Wir müssen langsam und genau lesen. Wir dürfen uns nicht von Neugier treiben lassen und die Worte oberflächlich überfliegen. Sondern wir müssen mit Sorgfalt den Buchstaben beachten, den Text, wie er in seiner sprachlichen Gestalt vorliegt, von der Grammatik und vom Textsinn her zu erfassen suchen. Das feste Geländer des Textes bewahrt uns vor Träumereien und Schwärmereien, vor leerem Sentimentalismus, der keine Grundlage in der biblischen Botschaft hat. Wir lassen uns nicht leiten von eigenen Gedanken und eigener Phantasie, sondern von der objektiven Offenbarung, die in Schrift und Tradition festgelegt ist.

2. Meditatio

Der Lectio folgt als zweite Stufe die Meditatio. (Beatus vir, qui in lege eius meditatur die ac nocte “Ps 1, 2). Meditatio ist die innere Fortsetzung der Lectio. Was heißt “meditari” ? Im Wörterbuch kann man sehr hilfreich nachlesen: “für etwas sorgen, eifriges, sorgfältiges Betreiben einer Sache, die durch Übung einer Sache herbeigeführte Gewöhnung an etwas.” Konkretisierend heißt das: Meditation vertieft und verarbeitet den Text. ‘Meditari’ heißt, einen Text lesen und lernen, mit Leib, Verstand und Seele erfassen, ihn im Gedächtnis behalten und mit ganzem Willen in die Tat umsetzen. In der Meditatio kommt also auch die Tätigkeit des eigenen Willens und des Intellekts in Gang. In der Literatur kommen Worte wie considerare (erinnern), cogitare (erkennen), inquirere (suchen) und meditari (meditieren) im Zusammenklang vor. Das Wort der Schrift muss reflektierend durchdrungen werden. Was dann entdeckt werden kann, ist zunächst die natürliche Gotteserkenntnis. Die innere Erfahrung des persönlichen Gottes selbst ist ein Geschenk von oben, für das wir uns nur bereiten können. Eine Art der Übung ist in diesem Zusammenhang noch ganz wichtig: die ‘ruminatio’ – das ständige, halblaute Vor-Sich-Hersagen, das Murmeln von Versen und Texten der Hl. Schrift. ‘Ruminatio’ heißt: das Wiederkäuen. Das Wort Gottes ist die tägliche Nahrung, die immer wieder ‘durchgekaut’ werden musste, um Geschmack daran zu finden. Auch schwer verdauliche Kost kann auf diese Weise stärkende Nahrung werden, die den Hunger nach Gott zu stillen vermag. Dies, so meine ich, ist besonders für uns alle auch eine wichtige Realität unseres täglich gesungenen Stundengebetes. Sinn und Zweck dieser Übung ist, auf diesem Weg diese Texte auswendig zu lernen und sich einzuprägen. Hier ist entscheidend das Gedächtnis gefordert. In der frühen Kirche wusste man noch um die Notwendigkeit und den Nutzwert des Auswendiglernens. Das war nicht bloß eine Sache der Kostenersparnis – ein Buch kostete in damaliger Zeit oft mehreren tausend Schafen das Leben. Vielmesste man: was man auswendig kennt, kennt man auch inwendig. Die englische und französische Sprache hat das bis heute bewahrt – learning by heart – par coeur. Das äußere Sich-erobern bewirkt, dass irgendwann das Herz mitschwingt. Das können wir sicher von uns allen nach langen Jahren gelebten Stundengebetes auch aus Erfahrung sagen… Im Tun, im täglichen Sich-üben, wird das Herz näher zum Herrn geführt. Dann werden immer mehr Psalmen persönliche Worte des Glaubens, eigene Worte der Liebe, der Hinwendung zu Christus und zum Vater – in allen Nöten und Wechselfällen des Lebens, in Höhen und Tiefen, in Licht und Schatten. Wenn man sich ein Text so tief eingeprägt hat, entwickelt sich daraus das ganz wichtige Phänomen der Wiedererinnerung. Die Ruminatio bewirkt, dass wir uns spontan und ohne jede Anstrengung an Zitate und Anspielungen erinnern, einzig durch die Ähnlichkeit der Worte. Jedes Wort ist gleichsam ein Haken für eine Fülle von Textverknüpfungen. Ein Text führt uns in ein ganzes Gewebe von Texten und Assoziationen unter der Führung des gelesenen Textes. D.h.: sich erinnern, inne werden. Solches Meditieren setzt selbstverständlich eine theologische Grundhaltung der Kirchenväter und monastischen Tradition voraus: die Einheit der ganzen Schrift. AT und NT bilden eine Einheit, deren Mitte Christus ist. Man versuchte, die Schrift durch die Schrift selbst zu interpretieren. Jedes Wort der Schrift lässt sich nur im Licht der ganzen Schrift erkennen. Deswegen lohnt es sich auch immer wieder, im Stundengebet die Überschrift jedes einzelnen Psalms – ein Zitat des NT und eine Interpretation eines Kirchenvaters mit ins Herz zu nehmen.
Noch ein letzter, nicht unwesentlicher Aspekt des ‘meditari’ las ich einmal in einem sehr interessanten Buch von Peter Müller, Verstehst du auch, was du liest? Meditari meint ganz wesentlich: sich einüben, trainieren wie im Sport. Z.B. taucht es im Sprachschatz des antiken Militärs auf: die Einübung der Rekruten im Umgang mit den Waffen, ferner in der Rhetorik, in der Musik und in der Poesie. Hier meint ‘meditari’ das Einstudieren einer Rede, eines Musikstückes oder eines Gedichtes. Die Meditation fordert von uns demnach Mühe, Einsatz der Willenskraft und Ausdauer. Erst dieser Prozess weckt in uns die Sehnsucht nach Gott, das Verlangen, ihn tiefer zu erkennen und zu erfahren. Je mehr die Meditation geübt wird, um so mehr wächst die Sehnsucht, um so stärker dürsten wir nach Gott. Die Sehnsucht wird auf dieser Stufe des Aufstiegs zu Gott aber noch nicht gestillt, sie weist über sich hinaus zur ‘Oratio’, zum eigentlichen Gebet.

3. Oratio

Oratio ist nun der Augenblick, wo wir unser Verlangen nach spürbarer und erfahrbarer Begegnung mit Gott vor Gott aus dem Herzen heraus ins Wort bringt. Es geht von daher um eine bestimmte Weise des Bittgebetes. ‘Oratio’ steht im Zusammenhang mit ‘postulatio’. Inhalt der Bitte ist die Sehnsucht nach Gott, das ‘desiderium’ . Jede von uns, die betet, die auf der Stufe der Oratio angelangt ist, ist als ganze Person von der Sehnsucht nach Gott ergriffen. Gebet ist dann nicht mehr Tätigsein, sondern ganz Verlangen-Sein, erfüllt sein von Sehnsucht. Wir möchten das Gelesene und Erkannte selbst erfahren und bitten Gott darum. Erst an diesem Punkt wächst die Lesung langsam zu einer persönlichen Begegnung mit Gott hin. Die ‘Schau Gottes’ – danach richten wir uns aus. Wir können sie aber nicht selbst ins Werk setzen. Sie kann nur von Gott geschenkt werden. Allerdings wird die Begegnung mit Gott auch nicht an der Freiheit jedes Menschen vorbeigehen. Gott und Mensch wirken zusammen. Wir zeigen Offenheit und Bereitschaft, die Gnade zu empfangen, wenn wir Gott im Bittgebet anrufen. Ja, eigentlich ist die Oratio Antwort auf die Anrede Gottes. In der Tradition der Väter und des Mönchtums wird diese Antwort mit Worten Gottes gegeben. All dieses Tun zielt hin auf den letzten Schritt: contemplatio.

4. Contemplatio

Wir erfahren nun, dass der Herr unser Bittgebet erhört und uns entgegeneilt. Gott gewährt uns als freies Geschenk, dass seine Nähe spürbar, erlebbar wird. Im Gebet können wir uns nur auf den Empfang dieser Gnade vorbereiten. Unser Einsatz und unsere Anstrengung sind gefragt. Wir müssen tun, was in unseren Kräften steht. Aber das Ergriffenwerden vom ‘effectus contemplationis’, einer starken Gemütsbewegung, ist nicht machbar. Es ‘überfällt’ uns. Urplötzlich wissen wir uns von der Gegenwart des Herrn ergriffen und in uns wird ein tiefes Verlangen nach der Anschauung Gottes geweckt. All das entzieht sich einer rationalen Darlegung. Über Kontemplation kann der Mensch nur in Bildern und Vergleichen sprechen (z.B. dulcedo, Süßigkeit – als Ausdruck der Liebe Gottes, seiner Güte, Milde und Freundlichkeit “Kostet und seht, wie gut der Herr ist. (Ps 33, 9); oder: sobria ebrietas – nüchterne Trunkenheit; oder: biblische Bilder – Braut und Bräutigam, Contemplatio als Taborerlebnis; oder: Jakobskampf) Contemplatio ist letztlich ein Vorgeschmack des Himmels, steht also in einem eschatologischen Kontext. Der volle Genuss steht immer noch aus. In diesem Leben ist nur das kurze Verweilen auf der Stufe der contemplatio gegeben

Zusammenfassend sei gesagt: Gehen wir in der Lectio divina täglich neu auf den Herrn zu, so werden wir erfahren: Jedes Wort ist uns “ein Anruf Gottes um unseres Heiles willen” (J.Leclercq, Wissenschaft und Gottverlangen), führt uns näher zur Mitte des Glaubens hin, zu Christus, dann sind wir ganz persönlich angesprochen und gefordert, mit Leib und Seele, mit Gedächtnis, Verstand und Willen.

Praktische Schritte zur Lectio divina:

1. Lesen wir den Text laut und langsam.
2. Schreiben wir den Text einmal ab, vielleicht auch mit einer graphischen Gestaltung.
3. Wiederholen wir den Text mehrmals im Sinn der “Ruminatio”, leise in sich hinein “murmelnd”.
4. Hören wir uns selbst beim Sprechen zu.
5. Folgen wir genau dem Wortlaut des Textes.
6. Achten wir auf Wortwiederholungen, inhaltliche Wiederholungen und auf “Brüche” im Text.
7. Versuchen wir den Text in seiner Struktur zu verstehen.
8. Wie können wir den Textsinn zusammenfassen?
9. Assoziieren wir den Wortlaut mit anderen biblischen oder auch außerbiblischen Texten.
10. Verbinden wir den Text mit Zeitereignissen und eigenen Erfahrungen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten.
11. Gibt es Fragen, die uns der Text stellt?
12. Bringen wir unsere Gedanken, unsere Fragen, unsere Bitten vor Gott!
13. Versuchen wir, Gott Antwort zu geben.
14. Vergessen wir nicht, Gott für sein Wort zu danken.

Sr. Christiane Rath OSB