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Gründungsfeier der St. Hildegard-Akademie Eibingen e.V. am 10. Mai

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Mit einem feierlichen Festakt ist am Freitag, dem 10. Mai, die „ST. HILDEGARD-AKADEMIE EIBINGEN E.V. – ZENTRUM FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND EUROPÄISCHE SPIRITUALITÄT“ der Öffentlichkeit vorgestellt worden. An der Feier, die am siebten Jahrestag der offiziellen Heiligsprechung Hildegards von Bingen, stattfand, nahmen der Hessische Kultusminister Alexander Lorz, der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann, die Weihbischöfe Dr. Udo Bentz, Mainz, und Dr. Thomas Löhr, Limburg, sowie mehr als 200 weitere Gäste aus Wissenschaft und Kultur, Kirche und Gesellschaft teil.

Den theologischen und spirituellen Beitrag Hildegards für ein gemeinsames Europa fruchtbar machen

Angesichts der gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Herausforderungen in Europa ist es das erklärte Ziel der neu gegründeten Akademie, das Bewusstsein um die christlichen Grundlagen Europas zu stärken. Dabei stützt sich die St. Hildegard-Akademie auf die spirituellen und wissenschaftlichen Ressourcen unserer Abtei, die von der heiligen Hildegard im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Im Sinne der großen Heiligen, die gleichermaßen Theologin wie Politikerin war, verknüpft die Akademie die theologische Erforschung von Hildegards Werken mit der Übertragung wissenschaftlicher Ergebnisse in aktuelle gesellschaftliche Kontexte. Die neue Akademie will zu einer mutigen christlichen Gestaltung der europäischen Gegenwart und Zukunft inspirieren.

„Mit einer europapolitisch angewandten Theologie liegt die Akademie in der Tradition der heiligen Hildegard“, so Sr. Maura Zátonyi OSB, Vorsitzende der St. Hildegard-Akademie. Ziel der Akademie ist es, den theologischen und spirituellen Beitrag der Kirchenlehrerin Hildegard für ein gemeinsames Europa fruchtbar zu machen. Seit über hundert Jahren ist unsere Abtei in der Hildegard-Forschung aktiv. Aus dieser lebendigen Wissenschaftstradition kommend waren es nicht zuletzt unsere Mitschwestern, die maßgeblich zu den theologischen Vorbereitungen beitrugen, die zur offiziellen Heiligsprechung Hildegards durch Papst Benedikt XVI. am 10. Mai 2012 und zu ihrer Erhebung zur Kirchenlehrerin am 07. Oktober desselben Jahres geführt haben. Bereits damals reifte die Idee, eine Institution zur theologischen Erschließung der Werke Hildegards zu Gründung.

Drei wesentliche Aufgabenbereiche

Die entscheidende Initiative zur Gründung der St. Hildegard-Akademie ist nun Monsignore Michael H. Weninger, Mitglied des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog beim Heiligen Stuhl, zu verdanken. Die Akademie verbindet in einzigartiger Weise drei Aufgabenbereiche: Förderung der wissenschaftlichen Arbeit, Vermittlung von Bildungsaktivitäten und Entwicklung einer christlichen Gesellschaftslehre in europäischer Dimension.

Am 10. Mai 2019, dem siebten Jahrestag der offiziellen Heiligsprechung Hildegards von Bingen, stellt sich die St. Hildegard-Akademie in einer festlichen Gründungsfeier einer breiteren Öffentlichkeit vor und lädt Interessierte dazu ein, eines oder mehrere der Anliegen der Akademie als Mitglieder zu unterstützen.

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Einführung in die Liturgie der Osternacht

OSTERNACHT

Feier der Passion und der Auferstehung Jesu Christi. Mit dem gestrigen Karfreitagsgottesdienst wurden die Tiefen der Passion berührt, – jetzt stehen wir vor der Osternacht, die uns hinübergeleitet in das Fest der Auferstehung. Jemand hat einmal gesagt: „Auferstehung ist das Geheimnis aus dem wir leben, aber es ist unsäglich schwer, es in Worte zu fassen. Worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen, es gibt allerdings auch Unaussprechliches, – es ist das Geheimnisvoll-Mystische . .“ Wir sind in diesen Tagen schon öfter darauf gestoßen. Das Geheimnis, so Guardini; ist ein Übermaß an Wahrheit, – eine Wahrheit, die meine Fassungskraft übersteigt. Und weil sich Worte hier so schwer tun, birgt die Osternacht eine Fülle von Bildern, die zum Sprechen kommen sollen. – Weiterlesen

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Lebensbild von Mutter Edeltraud Forster OSB

Am Nachmittag des 28. März ist unsere Altäbtissin Edeltraud Forster OSB nach einem langen und erfüllten Leben zu Gott heimgekehrt. Mutter Edeltraud war am 17. August 1978 vom Konvent zur Äbtissin gewählt worden und erhielt am 15. September 1978 vom damaligen Limburger Bischof Dr. Wilhelm Kempf die Äbtissinnenweihe.

Sie wurde am 09. November 1922 in Bottrop geboren. Nach dem Abitur und während des Krieges leistete sie Lazarettdienst als Krankenschwester. Ab 1946 studierte sie zunächst Religionspädagogik und später Theologie an der Universität Münster. Mit ihrem damaligen Lehrer und späteren Bischof von Mainz, Kardinal Hermann Volk, verband sie eine lebenslange Freundschaft.

1949 trat sie in unsere Abtei St. Hildegard ein und legte am 22. April 1954 ihre Ewige Profess ab. Viele Jahre war sie verantwortlich für die Betreuung der Gäste. Ab 1961 übernahm sie als Novizenmeisterin für 17 Jahre die Sorge für den klösterlichen Nachwuchs. Mehrere Generationen unseres Konventes wurden durch sie geprägt und geformt. Mutter Edeltraud war ein charismatischer, ganz und gar österlicher Mensch, der Lebensfreude und Hoffnung ausstrahlte. Zugleich war sie bodenständig, nüchtern und sehr lebenspraktisch und menschenfreundlich.

Ihren 20 Jahre währenden äbtlichen Dienst stellte sie unter das Leitwort „Inveniamur in Christo – Eins werden in Christus“. Die Gründung des Klosters Marienrode bei Hildesheim im Jahr 1988 und die Hildegard-Jubiläumsjahre 1979 und 1998 waren in ihrer Amtszeit von nachhaltiger Bedeutung. Am 20. September 1998 trat Mutter Edeltraud nach Erreichung des 75. Lebensjahres von ihrem Amt zurück.

Eine besondere Freude war es für sie, dass sie zusammen mit ihrer 2016 viel zu früh verstorbenen Nachfolgerin, Mutter Clementia Killewald, die Heiligsprechung und Kirchenlehrererhebung Hildegards von Bingen durch Papst Benedikt XVI. am 07. Oktober 2012 in Rom noch miterleben durfte.

Auch nach ihrer Emeritierung war Mutter Edeltraud noch eine vielgefragte Gesprächspartnerin. Ungezählte Menschen suchten bei ihr Rat und Hilfe. Ihr Charme und ihre besondere Ausstrahlung blieben bis ins hohe Alter unverändert: die Frucht ihrer unbändigen Lebensfreude und ihrer großen Glaubensstärke.

Ihre letzten Lebensjahre waren geprägt von den Mühen des Alters und den zusehends abnehmenden Kräften. Dennoch blieb sie immer ein froher und dankbarer Mensch.

Wir bitten alle, die sich unserem Kloster verbunden wissen, um ihr Gebet für unsere verstorbene Mutter Edeltraud.

 

Interview mit Sr. Philippa in “Frau und Mutter”

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transitZONEN: Die aktuelle Ausstellung im Kunstkeller

Künstlerische Betrachtungen am Rande der Komfortzone

Zum Thema Müll im Meer wurde schon viel geschrieben, gezeigt, gewarnt und düster die Zukunft
beschworen. Jeder weiß, dass wir unsere Wegwerfgesellschaft nicht länger ohne Konsequenzen ausleben
können. Aber außer einigen wenigen Versuchen etwas anders zu machen, geht es weiter wie bisher … Wir produzieren zuviel Müll, recyclen zu wenig und überhaupt fühlen wir uns nicht wirklich verantwortlich für das, was wir späteren Generationen auf dieser Welt hinterlassen.

Die Ausstellung „transitZONEN“ möchte weder einen weiteren Zeigefinger erheben, noch bietet
sie einfache Alternativen – sie will durch einen ästhetischen Blick auf die Spuren unserer Lebensweise
dazu einladen, unseren Konsum zu hinterfragen und darüber nachzudenken,
welche Rolle wir in der Natur spielen wollen.

Die Motivation der Künstler Johannes Höller und Claudia Raudszus ist der Versuch aufzuzeigen, dass zwischen Schwarz und Weiß immer ein Bereich liegt, der weder der einen noch der anderen Seite zuzuordnen ist – eine Transitzone. Nichts ist nur so oder so, von verschiedenen Blickwinkeln ergeben sich andere An- und Einsichten, die jeder für sich selbst als Schwarz oder Weiß festlegen muss.

So können wir den Müll am Strand mit Entsetzen betrachten, weil wir wissen, dass er zerrieben zu kleinsten Teilen über die Nahrungskette bald in unserem Körper landen wird … Oder wir konzentrieren uns auf die Schönheit, welche die Natur bei diesen Prozessen hervorbringt.

Intention der Künstler ist die Idee, dass wir mit unserer Kunst Menschen die Möglichkeit geben, sich einem Thema von einer anderen als der gewohnten Seite zu nähern, neue transitZONEN zu entdecken, die im Idealfall zu einer (positiven) Verschiebung der eigenen Wahrnehmung führen.

Die Ausstellung ist vom 2. März bis 2. Juni jeweils Mi – So von 15.00 -17.00 h zu sehen.

Die Künstler:

Johannes Höller ist freiberuflicher Fotograf und Künstler. Er studierte freie Kunst in Saarbrücken, ist Tutor, Dozent und Lehrbeauftragter, gibt Kunstworkshops für Kinder und Jugendliche und ist derzeit auch Vertretungslehrer für Kunst am Ludwig-Frank-Gymnasium in Mannheim.

Claudia Raudszus absolvierte ebenfalls ein Studium der freien Kunst in Saarbrücken. Heute Dozententätigkeit, u.a. bei der Betreuung und Partizipation an diversen Kunst am Bau-Gruppenprojekten und Ausstellungen.

“Ein neues Kleid für Maria” – Sr. Klara gewinnt Aachener Wettbewerb

Unsere Sr. Dr. Klara Antons hat einen der beiden zweiten Preise des Gestaltungswettbewerbs “Ein neues Kleid für Maria” gewonnen, den das Aachener Domkapitel im vergangenen Jahr ausgeschrieben hatte. Am 2. Februar wurden nun im Aachener Dom die Preise verliehen – Sr. Klaras Entwurf kam im Kirchenraum zur Ausführung. Ebenfalls mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurde die Künstlerin Heinke Haberland aus Düsseldorf. 

Kunstschaffende, Gestalterinnen und Gestalter, Designerinnen und Designer und Maßschneiderinnen und Maßschneider aus dem Inund Ausland waren eingeladen, ein neues Gewand für das Gnadenbild im Aachener Dom zu entwerfen. Das Gnadenbild ist eine alte Holzskulptur, die die stehende Maria
mit dem Jesuskind zeigt. Mutter und Kind werden seit vielen Jahrhunderten immer
wieder neu bekleidet und geschmückt. Der „Kleiderschrank“ umfasst 43 Gewandpaare
und rund 350 Schmuckstücke aller Art. Gewünscht wurde der Entwurf einer zeitgenössischen Gewandung für die Muttergottes, um die lange Tradition der Bekleidung von Mutter und Kind in die
Moderne zu führen. Anders als bei den bisherigen Kleidern sollte es kein festliches Gewand werden, sondern im weitesten Sinne „alltagstauglich“ sein.

Bei dem Gestaltungswettbewerb wurden rund 98 Wettbewerbsbeiträge aus sechs Ländern (Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Schweiz, Tschechische Republik) eingereicht.

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-aachen/video-wer-kleidet-die-marienfigur-im-dom-ein-100.html

Die Entwurfsbeschreibung von Sr. Klara:

Sehgewohnheiten

Maria bekommt ein neues Kleid. Ein Alltagskleid soll es sein. Am besten so wie das alte. Das war praktisch. Vor Ort zu haben. Es ist anschmiegsam und weich geworden im Lauf der Jahre. Oft gewaschen. Passt wie eine zweite Haut.

Eine ungeheure Kulturleistung. Um aus der Pflanze einen Faden zu spinnen braucht es viele Arbeitsschritte. Dann ist der Stoff noch nicht gewebt. Kunstvoll gewebt ohne Naht.

Das Kleid Mariens erinnert an das Gewand Jesu. An den ungeteilten Rock, Geborgenheit. Das Band, das Menschen zusammenhält.

Doch: Die Figur braucht nicht zuerst ein neues Kleid, sondern einen neuen Rahmen. Einen heutigen Rahmen, der dem uralten Raum mit starker Ausstrahlung angemessen ist.

Der Wettbewerbsbeitrag schlägt vor, vom kostbarsten und zugleich alltagstauglichsten Marienkleid auszugehen, das im Aachener Dom verwahrt wird. Als Folie, vor dem die Marienfigur neu sichtbar wird – als gekleidete und kleidende – kann eine leinene Kopie des Marienkleides, mit Gold beklopft oder gefärbt, angebracht werden. Damit der Blick auf „das Kleid“ der Heiltumsfahrt vorbehalten bleibt, genügt eine maßstabsgetreue, mit Leinen bezogene, vergoldete Tafel mit den Konturen der Tunika.

Davor steht die Figur auf einem kaum sichtbaren Ständer. Frei tritt sie dem Beter entgegen. In der Hand einen Schleier aus Leinen:

Ihr Kleid, das sie teilt.

Mit dem sie Tränen abwischt.

Das wärmt, wie ein Schal.

Ein Stück modisches Sommerkleid.

Mit dem das Kind spielt.

Geschenk der Kommunikation. Kommunion.

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Die großen O-Antiphonen in Wort, Ton und Bild

Die Tage vom 17.–23. Dezember sind durch die sieben O-Antiphonen in der Vesper besonders herausgehoben. In ihnen wird Jesus Christus unter Bildworten und Titeln angerufen, die im Alten Testament dem erwarteten Messias zugesprochen werden. Die O-Antiphonen haben alle denselben Aufbau. Sie beginnen mit dem „O“, dem bewundernden Ausruf des Staunens über Gottes Heilstaten, die sich in besonderer Weise in Christus, unserem Erlöser, offenbart haben. Dann schließt sich ein messianischer Hoheitstitel aus dem Alten Testament an, der jeweils auf Jesus Christus hin gedeutet wird. Auf diese Hoheitstitel folgt eine Aussage über das, was der Herr tut oder wie er seine Herrschaft ausübt. In dem eindringlichen Ruf »Veni« – Komm! – drückt sich die Heilssehnsucht des Gottesvolkes bis heute aus. Es sind wunderbare Bilder, zum Teil Erinnerungen an das Wirken Gottes an seinem Volk Israel. Text und Melodie sind zu einer Einheit verschmolzen. Wer sich von dieser innigen Einheit erfassen lässt, wird etwas erfahren von der Sehnsucht, mit der diese Tage zum Weihnachtsfest hindrängen. Es geht um das Hören, Singen und Beten dessen, was Ziel unserer Sehnsucht ist.

Alle sieben Hoheitstitel umkreisen das Mysterium Gottes: O Weisheit, O Adonai, O Wurzel Jesse, O Schlüssel Davids, O Morgenstern, O König der Könige, O Emmanuel! Gott kann man keinen gültigen Namen geben, sondern Gott ist der Name über alle Namen (Phil 2,9). Wir können ihn nicht benennen, uns seiner nicht bemächtigen, son-dern ihn nur mit vielen Bildern umschreiben. Gott lässt sich nicht erkennen, sondern nur erahnen. Er ist das „mysterium tremendum“, das „mysterium fascinosum“ unseres Le-bens. Nur manchmal dürfen wir etwas von ihm erahnen. Gott ist nicht Statik, sondern unerhörte Dynamik. Er kommt in vielen Erscheinungsformen auf uns zu. Er ist immer der ganz andere. Wir können uns nur stammelnd und bewundernd diesem Mysterium nähern. Nur in dieser Haltung beginnen wir zu ahnen, was es heißen mag: Gott wird Mensch – et incarnatus est. Dieser Gott will mich, dieser Gott liebt mich – welch unbegreifliche Wahrheit.



osapientia117. Dezember: O Sapientia , o Weisheit, hervorgegangen aus dem Mund des Höchsten – die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: Komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.
Die Weisheit wird im Neuen Testament auf Christus übertragen. „Gott hat Christus für uns zur Weisheit gemacht, damit wir in ihm ihre Schätze finden“ (Kol 2,3). Von diesem Christus wird gesagt, er herrsche in Kraft und Milde. Ist das für uns nicht vielfach ein Gegensatz? Da ist einer, der sich durchsetzen kann, und da ist der andere in Milde. Bei Christus fällt beides zusammen. Er herrscht mit zarter Kraft und starker Milde. So ordnet er alles. Alles bekommt bei ihm Maß und Mitte. Maß heißt nicht Mittelmaß, sondern in der Mitte des Wesens ruhen. – „Komm!“, in diese Bitte mündet die Antiphon ein. Komm und offenbare Dich! Eine ganz große Bitte. Wo Gott sich offenbart, erkennen wir, wird uns Einsicht, Wissen des Herzens geschenkt.

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oadonai118.12.: O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel – im flammenden Dornbusch bist du Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: komm und befreie uns mit deinem starken Arm.
Adonai – der Gottesname war dem Volk Israel heilig: Gott war der Unaussprechliche. Gott, der ganz andere, zu dem vom Menschen her kein Zugang möglich ist, er hat sich uns offenbart als Herr des gesamten Kosmos, als Herr der Geschichte. Er führt uns durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Schmerzen und Verlassenheiten. Advent, Weihnach-ten, das bedeutet, dieser Gott, der die Herrschaft über Zeit und Geschichte hat, wird Mensch. O Adonai, Herr, mein Herr! Wo Gott erscheint, da brennt der Dornbusch, da ist Feuer und Brand. “Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; und was will ich anders, als dass es brenne.” Wo Gott kommt, da kann sich ein Leben mit einem Schlag verändern, da setzt er neue Maßstäbe. Er bietet uns seinen Bund an, sagt Ja zu uns. Und so dürfen wir auch Ja sagen zu ihm. Er ist uns treu, und nie ist es für uns zu spät, in die Bundestreue zurückzukehren. Wenn wir es nicht können, so ist es doch er, der uns mit starkem Arm in die Freiheit der ersten Liebe zurückführt.

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oradixjesse119.12.: O Radix Jesse, o Spross aus der Wurzel Jesse, gesetzt zum Zeichen für die Völker – vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht Länger.
Christus, der Wurzelstock – die Wurzel ist Symbol des Urgrunds, aus dem alles Sein und Wachsen hervorkommt. Das heißt glauben: verwurzelt sein in Ihm; hier findet der Mensch seine Identität. In Christus, dem Wurzelstock aus dem Urgrund Gottes. Wurzeln schlagen, das ist ein Lebensprogramm. Christus ist uns gesetzt zum Zeichen, er ist das Signal, das uns aufrütteln will aus unserer Schläfrigkeit. Advent fordert Entscheidung, ob wir uns dem Signal stellen wollen. Nicht aus eigener Kraft können wir uns entscheiden; wir müssen Gott bitten, dass er es in uns wirkt. Wir dürfen ihn geradezu „unverschämt“ bedrängen, in viermaligem Ruf: „Komm, errette uns, erhebe dich, säume nicht länger.“ Die Sehnsucht nach ihm kennt keine Grenze. Gott will gebeten werden, Gott will mit unbändigem Glauben, mit einer unbändigen Hoffnung bedrängt werden. Mit solch unbändigem Vertrauen geben wir ihm die Ehre.

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Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.45.3420.12.: O Clavis David, o Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel – du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes!
Schlüssel, ein Zeichen der Verfügungsgewalt. Wer den Schlüssel besitzt, kann Eintritt gewähren oder verwehren. Wer den Schlüssel besitzt, der trägt die Verantwortung. Wem das Zepter verliehen wurde, dem ist alle Macht gegeben. „Komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes.“ – Dies ist die erschütterndste Adventsbitte. Es geht um die Existenzfrage unseres Lebens. Jeder kann sich in dieser Bitte wiederfinden. Auch wir sind im Kerker der Finsternis, in der Nacht unserer Seele. Für jeden Menschen gibt es Zeiten, in denen er durch das Dunkel wie durch einen Tunnel gehen muss. Wir kennen die Fragen, die kein Mensch uns beantworten kann, die Zweifel, die an unserem Herzen nagen, die innere Zerrissenheit, die Einsamkeit und die quälende Suche nach dem Willen Gottes für uns. Aus solcher Not erwächst der Schrei: Öffne, mein Gott, den Kerker meines Herzens und reiß mich aus der Finsternis! Du, Herr, kannst es, du kannst meine Verschlossenheit aufbrechen, meine Stummheit lösen, du kannst mir die Angst nehmen und meine Finsternis erhellen.

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Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.53.5821.12: O Oriens, o Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: Komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.
„Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finster-nis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Jes 9,1). Drei Bilder umschreiben das aufstrahlende Licht. Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, Sonne der Gerechtigkeit. Der Mor-genstern ist Symbol der Hoffnung: klar und funkelnd geht er auf, durchbricht das Dunkel der Nacht und kündet die aufgehende Sonne an, Weihnachten, den Morgen Christi. Von ihm geht Glanz aus, strahlendes Licht, Helligkeit, ganz rein, ohne jede Versehrtheit. Der Morgenstern wächst an zur strahlenden Sonne, immer heller leuchtet der Tag: Leben, Licht, Wärme, Freude, das ist Christus für die Welt des Glaubens. Er ist das Licht, das neue Verhältnisse schafft. Er allein kann uns retten aus den Schatten des Todes, aus Er-fahrungen der Grenze, des Scheiterns, des Älterwerdens, der Todesahnung, der Sorgen und Nöte. In diesen Erfahrungen der Dunkelheit fordert uns die Adventsbotschaft he-raus: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt!“ (Jes 60,1)

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Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.53.3922.12.: O Rex Gentium, o König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der die Gegensätze eint: Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet hast!
Wir tun uns heute schwer mit der Vorstellung des Königtums Christi. Zu schnell verbin-den wir sie in einem Jahrhundert der Diktatoren mit Gewaltherrschaft, Macht und Ohnmacht. Für Israel verknüpft sich mit dem Bild des Königs anderes: Der König ist der Diener des Bundesgottes, der mit der Wahrung der Gottesordnung Beauftragte. Nicht Feldherrentalent oder staatsmännische Begabung, auch nicht innerpolitische Machtbe-fugnisse schaffen den König, sondern sein persönlicher Ausweis als der mit göttlicher Kraft Erfüllte. Christus ist der König, das heißt: er ist der von Gott eingesetzte Lenker der Völker, der Friedensfürst. Auf ihn setzen die Menschen ihre Hoffnung, auf ihn richtet sich ihre Sehnsucht durch die Jahrtausende. Er ist der Schlussstein, der den ganzen Bau zusammenhält. Aber er ist auch der Stein des Anstoßes. Die Begegnung mit Christus stellt in die Entscheidung. Es geht um nichts Geringeres als um Gewinn oder Verlust des Lebens. Darum schließt sich die flehentliche Bitte an: Komm, rette deine Geschöpfe, errette, was du selbst gemacht hast. Das heißt doch auch: Gott weiß sich für uns verantwortlich. Wir dürfen uns darauf berufen, seine Geschöpfe zu sein – in aller Hinfälligkeit. Er kann uns wieder heil machen. Heil sein bedeutet: Gott ganz zugewandt sein und zur gleichen Zeit in sich ruhend. Ganz Auge und Ohr auf Gott hin sein und zu-gleich in sich gesammelt. Unsere Identität besteht im Anschauen Gottes, dazu sind wir geschaffen, darin finden wir Erfüllung. Das ist Advent. Maranatha – komm! Amen, ja komm, Herr Jesus!

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Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.54.1323.12.: O Emmanuel, Gott mit uns, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: Komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!
Die letzte O-Antiphon fasst noch einmal zusammen, was in den vergangenen Tagen besungen wurde. Alles hat sich gesteigert und drängt hin auf den morgigen Tag: Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt, und morgen sollt ihr seine Herrlichkeit schauen. O Emmanuel – Du, der du mit uns bist, der du mit uns warst, der du kommst. Das ist ein Glaubensbekenntnis, nicht eine neutrale Aussage über Gott. Emmanuel, das ist ein Na-me ganz großen Vertrauens. Dieser Gott ist unsere einzige Hoffnung in allen Hoffnungs-losigkeiten unserer Tage. Er ist der Heiland, der uns Heilung bringt. Ihn dürfen wir an-rufen: Komm, schaffe uns Hilfe! Schaffe uns neu, schaffe die Welt neu. Schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der kein Leid mehr sein wird, kein Schmerz und keine Tränen.

OEmmanulenurAnt (MP3-Datei anhören)

 

 



Von Sr. Christiane Rath OSB

 

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Maria: Mutter des Kommenden

Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel
Seitdem mir wie ein Traum verweht,
Und ein unnennbar süßer Himmel
Mit ewig im Gemüte steht.

Novalis

„Ich sehe dich in tausend Bildern, … doch keins von allen kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt“. So ähnlich ergeht es mir – und so ähnlich wird es vielleicht auch Ihnen ergehen. Weiterlesen

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Johannes der Täufer: Urgestalt des Advent

In der orthodoxen Kirche sind Johannes der Täufer und Maria die beiden größten Heiligen. Zwei Menschen der Stärke und der Demut zugleich, von Gott erwählt, Unerhörtes zu vollbringen: Gott zu gebären und IHN zu taufen. Beide hat Gott ganz und gar in seinen Dienst genommen, beiden auch hat er das Härteste abgefordert. Und: beiden war nichts anderes aufgetragen, als allmählich und immer mehr in den Hintergrund zu treten – abzunehmen, damit er wachsen könne. Das Wegbereiten des Täufers bleibt ein Mysterium – ebenso wie die Mutterschaft Mariens.

Ich möchte hier einerseits die Gestalt Johannes des Täufers selbst in seinen wichtigsten Äußerungen befragen, andererseits sollen die Evangelisten in ihrem Zeugnis über ihn zu Wort kommen. Hören wir auf das, was sie uns zu sagen haben – und fragen wir uns, wie wir mit unserem eigenen Leben Antwort geben können auf ihren Ruf. Weiterlesen