1 = Kreuzigungsgruppe2 = Die Beuroner Kunstschule3 = Die Gemälde der Apsis4 = Beuronisches Kreuz5 = Beuronische Ewiglichtlampe6 = Orgel7 = Die rechte (südliche) Seitenwand8 = Die linke (nördliche) Seitenwand9 = Darstellungen aus dem Leben der hl. Hildegard10 = Sakristei - und Rückwand
 

Die Beuroner Kunstschule

Betritt man den Kirchenraum, so umfängt den Besucher eine ganz eigene, zur Besinnung einladende Atmosphäre. Der hohe, gleichmäßig und in ruhigen Linien gestaltete Raum zieht den Betrachter in seinen Bann, ebenso aber auch die gedämpfte, stille, geheimnisvoll anmutende Farbigkeit der Wandgemälde. Wer diese eigenartige, friedliche Grundstimmung im Inneren verspürt, der hat damit bereits die entscheidenden Charakterzüge der Beuroner Kunstschule erfaßt.
Die Beuroner Kunst ist mystische, liturgische und damit zugleich auch monastisch-benediktinische Kunst. Sie dient ausschließlich der Bestimmung, Gott zu verherrlichen, und ist Ausdruck der Gesinnung der Künstler. Sie will einladen zum bloßen Schauen, zur Anbetung, zur Versenkung in Wesen und Geheimnis Gottes. Die Beuroner Kunst atmet Frieden und ist zugleich auf wunderbare Weise zeitlos. Darin kommt sie ihrem großen Vorbild, der alten ägyptischen Kunst, besonders nahe. Architektur und Malerei, die eng aufeinander bezogen sind, strahlen eine unwandelbare Ruhe und Majestät aus. Die Abstraktion von allem Bewegten ist bis ins Letzte folgerichtig ausgeführt: in der Architektur bestimmen die geraden Linien das Bild; in der Malerei herrscht das streng Stilistische und Stilisierte vor; die Farbgebung ist harmonisch und einheitlich.
Es gibt wohl kaum eine Kunstrichtung, die das Ruhen in Gott, jenen Grundzug mystischer Beschauung, klarer zum Ausdruck bringt als die Beuroner. Für viele moderne Menschen, die die Kunst nur um der Kunst willen schätzen, mag es heute schwierig sein, diese „l'art pour Dieu“ (Kunst um Gottes willen) zu erfassen. Einem Menschen jedoch, dem die Kunst Gedankeninhalt ist - abgründiger als ein Wort -, und der bereit ist, zu hören und zu schauen, sich anregen und in das Geheimnis führen zu lassen, dem werden sich diese Malereien aufschließen wie ein kostbarer Schatz. Er wird hinausgelenkt über sich selbst und hineingeführt in die unendlichen Weiten der Ewigkeit.

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