Bildmeditation Kreuzweg
mit Abbildungen der Bronzereliefs
von Max Faller
Seit nunmehr zwölf Jahren hängt im Kreuzgang unserer Abtei ein von dem bekannten Würzburger Künstler Max Faller gestalteter Kreuzweg. Unsere Altäbtissin, M. Edeltraud Forster, hat diesen zu ihrem 70.Geburtstag 1991 von unserem Konvent geschenkt bekommen. Die vierzehn Kreuzwegstationen sind als Bronzereliefs gestaltet. Besonders am späten Nachmittag, wenn das Licht und die Sonne diesen Teil des Kreuzgangs erleuchten, spürt der Betrachter, wie ausdrucksstark die einzelnen Stationen gearbeitet sind. Die nachfolgende Meditation möchte dazu einladen, den Spuren Jesu zu folgen und sie im eigenen Leben wiederzuentdecken.
Einführung
Lies nicht mehr - schau. Schau nicht mehr - geh!
Ein Kreuzweg will schauend gegangen werden. Im Mitgehen erfährt der Betrachter Deutung seines eigenen Lebensweges. Leben wird immer und überall begelitet vom Tod in seinen vielfältigen Schattierungen. Tod zu begreifen als Weg durch Schmerz und Dunkelheit zur Fülle des Lebens, als Weg durch die Engen des Lebens zur Freiheit, zur Erlösung, ist Sinn des Mitgehens.
Deshalb sind auch diese Ausdeutungen von Maximilian Fallers Kreuzwegstationen notwendigerweise subjektiv - auf dem Hintergrund sher persönlicher Lebenserfahrungen entstanden. Vielleicht ist auch geschehen, was schickslashaft mit jeglichem Kunstwerk geschehen kann: Es kann anders verstanden werden, als es gemeint ist. Verständnis ist auch immer Mißverständnis. Aber vielleicht ist das nicht wichtig im Gedanken daran, daß wahre Kunst, zumal religiöse, bedrängt und zur Stellungnahme zwingt. Man muß sich ihr immer und immer wieder aussetzen, jedes Detail auf sich wirken lassen. Nie wird der Betrachter zu einer endgültigen Deutung kommen, auch weil er in jedem Augenblick ein anderer ist. Hinzu kommt, daß für Reliefs in besonderer Weise gilt, was alle darstellende Kunst betrifft: sie stellt sich in verschiedenen Lichtverhältnissen jeweils anders dar. Zu jeder Tageszeit, mit dem Stand der Sonne, legt sich eine neue Deutung nahe - fast schon ein Symbol unseres Lebensweges.
Diese Meditationen sind also nur Momentaufnahmen, die sich in jedem Augen-blick relativieren. Sie sind entstanden während eines dreijährigen Mitgehens des Weges - in hellen und dunklen Stunden. Sie bleiben Fragmente, weil die wirkliche Tiefe der Bilder nie ganz auszuschöpfen ist und maches, was entdeckt wurde, ungesagt bleiben muß. Aber vielleicht scheint etwas durch von der Last, von den Engen, vom Schmerz dieses Weges, aber auch von seinem Mut, seiner Hoffnung und seiner Weite.
Sr. Christiane Rath OSB
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