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Kapitel 07:
62. Die zwölfte Stufe der Demut: Der Mönch sei nicht nur
im Herzen demütig, sondern seine ganze Körperhaltung werde
zum ständigen Ausdruck seiner Demut für alle, die ihn
sehen.
63. Das heißt: Beim Gottesdienst, im Oratorium, im Kloster,
im Garten, unterwegs, auf dem Feld, wo er auch sitzt, geht oder
steht, halte er sein Haupt immer geneigt und den Blick zu Boden
gesenkt.
64. Wegen seiner Sünden sieht er sich zu jeder Stunde angeklagt
und schon jetzt vor das schreckliche Gericht gestellt.
65. Immer wiederhole er im Herzen die Worte des Zöllners im
Evangelium, der die Augen zu Boden senkt und spricht: "Herr,
ich Sünder bin nicht würdig, meine Augen zum Himmel zu
erheben."
66. Und ebenso sagt er mit dem Propheten: "Gebeugt bin ich
und tief erniedrigt."
67. Wenn also der Mönch alle Stufen auf dem Wege der Demut
erstiegen hat, gelangt er alsbald zu jener vollendeten Gottesliebe,
die alle Furcht vertreibt.
68. Aus dieser Liebe wird er alles, was er bisher nicht ohne Angst
beobachtet hat, von nun an ganz mühelos, gleichsam natürlich
und aus Gewöhnung einhalten,
69. nicht mehr aus Furcht vor der Hölle, sondern aus Liebe
zu Christus, aus guter Gewohnheit und aus Freude an der Tugend.
70. Dies wird der Herr an seinem Arbeiter, der von Fehlern und
Sünden rein wird, schon jetzt gütig durch den Heiligen
Geist erweisen.
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