Das Noviziat

„Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ (Psalm 34, 13; Benediktusregel, Prolog 15)

Wenn Sie das hören und erwidern: „Ich“, so sagen wir Ihnen heute mit Worten der Regel des hl. Benedikt:
„Kommt eine neu und will das klösterliche Leben beginnen, werde ihr der Eintritt nicht leicht gewährt, sondern man richte sich nach dem Wort des Apostels: „Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.“ (Regel des hl. Benedikt 58, 1.2)

Das heißt konkret: Ihnen und uns wird eine lange Zeit geschenkt, in der wir gemeinsam prüfen können, ob das Leben mit Gott in unserem Kloster wirklich Ihr Weg ist. Diese Zeit dauert wenigstens 5 ½ bis 6 Jahre. Zunächst sind Sie zu einigen ganz unverbindlichen Besuchen und Gesprächen eingeladen. Erleben Sie die Atmosphäre vor Ort, hören Sie auf die Stimme Gottes in Ihrem eigenen Herzen, öffnen Sie sich in Gesprächen mit der Noviziatsleiterin und fragen Sie sich: Könnte das der von Gott für mich ausersehene Lebensweg sein?

Nach einer angemessenen Zeit des Kennenlernens besteht die Möglichkeit eines Gastaufenthaltes in der Klausur, wenn Sie und wir einen solchen Aufenthalt für Ihre Situation als sinnvoll erachten, um das klösterliche Leben in Gebet und Arbeit näher kennenzulernen.
Entscheiden Sie sich nach einer Besinnungszeit für das benediktinische Ordensleben, wie es in unserer Gemeinschaft gelebt wird, können Sie offiziell die Äbtissin unseres Hauses um die Aufnahme bitten.

Wird Ihnen diese gewährt, beginnt für Sie das sogenannte Postulat von mindestens 6 Monaten, d.h. in dieser Frist leben sie in einer Art „Gastzustand“ den klösterlichen Alltag mit und werden schon ganz in die Noviziatsausbildung integriert. Das Postulat endet mit der Feier der Einkleidung. Von nun sind Sie auch äußerlich als unserer Gemeinschaft zugehörig erkennbar, denn Sie tragen unsere klösterliche Kleidung,. In diesem zweijährigen Noviziat können Sie intensiver für sich klären, ob dies wirklich Ihr Lebensweg ist. Am Ende des Noviziates bitten Sie vor der ganzen Gemeinschaft, in diesem Haus die benediktinischen Gelübde ablegen zu dürfen. Nach weiteren drei Jahren bekennen Sie sich auf Lebenszeit vor Gott und der ganzen Kirche zu ihrem Weg der Gottsuche in dieser Lebensform. Die gesamte Zeit bis zur Feierlichen Profeß ist für Sie und uns eine Probe- und Bewährungszeit, die zu einer tragfähigen Entscheidung führen soll.

Wie konkretisiert sich diese Gottsuche, werden Sie fragen. Benedikt benennt drei Kriterien, anhand derer Sie und wir als Gemeinschaft prüfen können, ob Sie den rechten Weg im Kloster gefunden haben.(Regel des hl. Benedikt 58, 7)

· Das erste und wichtigste Kriterium ist, ob einer „Eifer hat für den Gottesdienst“. Ist mir das Gotteslob wirklich so wichtig, dass ich täglich zwischen 3 und 5 Stunden (letzteres an Hochfesten des Kirchenjahres) dafür investieren möchte? Bin ich bereit, meinen alltäglichen Lebensrhythmus vom gemeinsamen und persönlichen Gebet, vom Hören auf das Wort Gottes und vom Antwortgeben in Lob, Dank und Bitte, prägen zu lassen und stellvertretend für Kirche und Welt vor Gott zu stehen?
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· Das zweite Kriterium ist, ob ein Mensch hörbereit auf Gott und die Gemeinschaft hin ist. Bin ich bereit, die mir von Gott geschenkten Gaben, d. h. auch Begabungen, für den Aufbau des Reiches Gottes, wie es sich in der klösterlichen Gemeinschaft vor Ort zeigt, zu investieren? Lasse ich mich von der Gemeinschaft einfordern? Bin ich hilfsbereit, einsatzfreudig, integrationsbereit und dennoch phantasievoll, um das Ganze positiv und frohen Herzens mitzutragen?
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· Das dritte Kriterium wird mit der Frage umschrieben, ob ein Mensch bereit ist, auch belastende Situationen, die es auch auf dem Weg zu Gott gibt, auf sich zu nehmen. Ein Leben im Kloster ist noch kein himmlisches Leben in ewiger Harmonie. Wir alle sehnen uns danach, und dennoch bleibt überall dort, wo Menschen miteinander leben, „Hartes und Schweres“ (Regel des hl. Benedikt 58,8) nicht aus. Bin ich belastbar genug, um solche Phasen im gemeinsamen Miteinander durchzutragen, ohne sofort den Weg zu verlassen? Bin ich bereit, notwendige Verzichte anzunehmen, die mir niemals erspart bleiben, wenn ich mich für etwas entscheide? Denn Entscheidung bedeutet auch Trennung von Geliebtem und Wertvollem zugunsten anderer Werte. Dann wird uns aber auch, wie wir hoffen, geschenkt, was Benedikt am Ende des Prologs seiner Regel uns in Aussicht stellt:


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„Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes. … Wenn wir in Geduld an den Leiden Christi Anteil haben, dann dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.“ (Regel des hl. Benedikt Prolog 49 – 50) Hier verweist die Regel uns auf das, was Jesus Christus uns vorgelebt und gelehrt hat: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer es aber um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis könnte ein Mensch sein Leben zurückkaufen?“ (Mk 8, 34 – 37) In diesem Worten Jesu offenbart sich die Liebe Gottes, der wir glauben und uns wird zugesprochen, dass es Gott darum geht, uns „das Leben in Fülle“ ( Jo 10, 10) zu schenken. Das ist der benediktinische Weg zu Gott, „unter der Führung des Evangeliums“. (Regel des hl. Benedikt Prolog 21)

Der Alltag unserer Schwestern in der Zeit der Erprobung:

Die Neukommenden leben den Rhythmus des klösterlichen Lebens mit, d.h. sie nehmen an den gemeinsamen Gebetszeiten teil, sie beteiligen sich an den allgemeinen Diensten und werden in der Regel jeweils zwei Arbeitsbereichen zugeordnet. Die Nachmittage der Noviziatszeit sind frei für das Hineinwachsen in die benediktinische Spiritualtität und das Gemeinschaftsleben. Sie erhalten Unterricht und haben Zeit zum Lesen und Lernen. Inhaltlich sind folgende Themenbereiche vorgesehen:

  • Einführung in die Regel des Hl.Benedikt
  • Einführung in die Heilige Schrift unter besonderer Berücksichtigung der Psalmen
  • Einführung in die Liturgie und Liturgiegeschichte
  • Einführung in die Sakramente der Kirche und die Grundwerte unseres Glaubens
  • Einführung in die Kirchen – und Ordensgeschichte
  • Einführung in den Choralgesang in Theorie und Praxis
  • Einführung in das Grundverhalten gemeinschaftlichen Lebens
  • Erlernen oder Vertiefung der lateinischen Sprache entsprechend der Vorbildung

Jede Schwester erhält in diesen Jahren eine geistliche Begleitung und persönliche Orientierungshilfen.

„Wenn du also zum himmlischen Vaterland eilst, wer immer du bist, nimm diese einfache Regel als Anfang und erfülle sie mit der Hilfe Christi. Dann wirst du schließlich unter dem Schutz Gottes zu den erwähnten Höhen der Lehre und der Tugend gelangen. Amen.“ (Mit diesen Worten schließt die Regel des hl. Benedikt)

Sr. Christiane Rath OSB

 

P.S. Wer weitere Informationen sucht oder direkt mit uns Kontakt aufnehmen möchte, möge sich bitte an unsere Novizenmeisterin
wenden.Tel: 06722 / 499 – 0   Email: noviziat@abtei-st-hildegard.de