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Betrachtung zum Karsamstag

„Novi diluculo multa est fides tua – jeden Morgen neu, Herr, ist deine Treue“. Wohl kaum ein Wort aus dem Stundengebet ist so charakteristisch für den Karsamstag wie dieser Vers aus den Klageliedern des Propheten Jeremia. Novi diluculo – das ist Hoffnung wider alle Hoffnung, verhalten aufschimmerndes Licht am Ende eines langen Tunnels. Der Karsamstag ist ein geheimnisvoller, scheinbar schwebender Tag, ein Tag des Übergangs, des „Zwischen“, ein Brückentag zwischen Tod und Leben, zwischen abgrundtiefer Dunkelheit und langsam aufstrahlendem neuen Licht.

Vor allem anderen aber ist der Karsamstag der Tag der totalen Gottesfinsternis, des „Todes“ Gottes. Es ist der Tag der Grabesruhe, des Schweigens, der Leere und des Nichts. Die Jünger haben alle ihre Hoffnungen mit Jesus begraben. Sie sind enttäuscht und verzweifelt. Nichts ist ihnen geblieben außer ihren Erinnerungen. Ihre Träume und Hoffnungen sind zerbrochen. Was ihnen Halt gab, ist nicht mehr. War es überhaupt Wirklichkeit oder war es nur ein Wunschtraum? Sie zweifeln, sie klagen und sie weinen. Sie ziehen sich resigniert zurück und wenden sich irgendwann wieder ihren Alltagsgeschäften zu.

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1. Hildegard-Wein-Walk 2017

Klöster sind Kult. Wein auch. Und Wandern sowieso. Den Dreiklang vereinen die Benediktinerinnen der Abtei St. Hildegard in Eibingen sowie der Rheingauer Kultur- und Weinbotschafter Wolfgang Blum auch 2017 in einer Trilogie. Die „Hildegard Wein-Walks“ führen nicht nur zu den Weinbergen des Herrn, sondern auch in das Kloster. Die Gäste erfahren, dass klösterliches Leben mehr bedeutet als kirchliche Tradition zu bewahren.

Zum Auftakt am Sonntag, 2. April (13.30 – 17.00 Uhr), sucht Wolfgang Blum beim Ausflug in den Landschaftspark des Grafen von Ostein auf dem Niederwald nach Parallelen zwischen der Romantik und modernem Klosterleben. Er lädt zu einer Zeitreise zu den Anfängen des Parks bis zur Einweihung des Niederwalddenkmals ein.

Die Rundwanderungen dauern jeweils dreieinhalb Stunden. Getränke für unterwegs muss jeder mitbringen. Die Teilnahme kostet 10 Euro p.P. (inkl. je ein 0,1l-Glas Secco und Wein), Kinder (bis 14 Jahre) wandern gratis mit. Vor dem Start wird im Vortragsraum der Abtei der Film „Nonnenpower für die Seele“ gezeigt (12.45 Uhr). Nach der Wanderung ist der Klosterladen exklusiv für die Teilnehmer der Touren geöffnet. Die Hildegard Wein-Walks finden bei jedem Wetter statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

 

Unser Klostercafé: inklusiv und exklusiv

 Mit einer feierlichen Schlüsselübergabe hat unser Klostercafé seine Türen wieder geöffnet – mit neuer Besatzung, mit neuer „hildegardischer“ Speisekarte und mit neuen, erweiterten Öffnungszeiten. Ab sofort bewirtschaften wir unser Klostercafé in Zusammenarbeit mit den Rheingau Werkstätten Rüdesheim des St. Vincenzstiftes/Aulhausen, einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung oder Lernbehinderung. Wir freuen uns auf das Miteinander und auf Ihren Besuch in unserem ebenso inklusiven wie exklusiven Klostercafé.
Unser Team:

Öffnungszeiten: täglich von 11:00 – 17:00 Uhr

(außer Karfreitag, Ostersonntag, Heiligabend, Erster Weihnachtstag und Silvester)

Anmeldung von Gruppen bitte unter: 06722 / 499-266 oder per E-Mail: klostercafe@abtei-st-hildegard.de

 

Geänderte Gottesdienstzeiten an Ostern

In diesem Jahr möchten wir erstmals und zur Probe die Osternachtfeier in die frühen Morgenstunden verlegen. Bitte beachten Sie deshalb die geänderten Gottesdienstzeiten.

 

 

 

Gottesdienstzeiten für die Karwoche und Ostern

Palmsonntag

      8.15 Uhr Palmweihe

      8.30 Uhr Choral-Hochamt

Gründonnerstag

      18.00 Uhr Abendmahlsamt,

      anschließend Komplet (Vesper entfällt)

Karfreitag

      15.00 Uhr Karfreitagsgottesdienst

      19.20 Uhr Komplet (Vesper entfällt)

Karsamstag

      17.30 Uhr Vesper (Komplet entfällt)

Ostersonntag

        4.30 Uhr Osternachtfeier

        8.45 Uhr Laudes

      11.00 Uhr Choral-Hochamt

      17.00 Uhr Vesper

      19.00 Uhr Komplet

Ostermontag

        8.15 Uhr Terz/Hochamt

      17.30 Uhr Vesper

 

Sr. Mirjam beste Absolventin aller Zeiten an Wiesbaden Business School

Sr. Mirjam Kämpf (35) ist Nonne im Benediktinerinnenkloster St. Hildegard im Rheingau und hat dieses Wintersemester ihr Studium als beste Absolventin aller Zeiten am Fachbereich Wiesbaden Business School, mit der Note 1,0, abgeschlossen. Im Interview berichtet sie über ihr außergewöhnliches Leben zwischen Kloster und Vorlesungssaal.

Trauerseminar: Noch Plätze frei

Lichtblicke in Zeiten der Trauer

2. – 5. März

Tage für Trauernde, deren Verlusterfahrung mindestens drei Monate zurückliegt

Sie sind eingeladen, in klösterlicher Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen, dabei Gemeinschaft zu erfahren und eigene Ressourcen neu zu entdecken. Auch Einzelgespräche werden angeboten. Sie können an den Gebetszeiten und Gottesdiensten teilnehmen oder in die Stille gehen.

Leitung: Gisela Scharf (www.trauerbegleitung-scharf.de), Sr. Veronica Erichsen OSB und Sr. Francesca Redelberger OSB
Beginn: Donnerstag, 02.03. mit dem Abendessen um 18.00 Uhr
Ende: Sonntag, 05.03. nach dem Mittagessen
Kosten: Übernachtung im Einzelzimmer m. Dusche/WC, einschl. Verpflegung: 195 €
Kursgebühr: 120 €
Teilnehmerzahl: max. 10 Personen
Anmeldung bitte bis 13.02.2017

 

Ora-et-labora-Woche

Für Kurzentschlossene:
In unserer „Ora et Labora-Woche“ vom 27.03.-02.04.2017 sind noch drei Plätze frei. Wer kurzentschlossen zupacken und unser klösterliches Leben hautnah kennenlernen möchte, der kann sich melden bei: gaeste@abtei-st-hildegard.de oder vormittags ab 9.30 Uhr per Telefon: 06722/499-221  

„Das ist mein Platz“ – ein Film über Sr. Judith

Schwester Judith Nessel ist Goldschmiedin. Doch die Aufträge in ihrem Atelier werden weniger. Das hat einen bestimmten Grund.

Schwester Judith Nessel ist Benediktinerin im Kloster St. Hildegard bei Rüdesheim und gelernte Goldschmiedin. In früheren Jahren hatte sie viele Aufträge vor allem für Primizkelche für Neupriester oder liturgische Geräte. Heute konzentriert sie sich auf Schmuckarbeiten und private Goldschmiedeaufträge.

Beim Klick auf das Bild geht zum Film.

srJudith

Die großen O-Antiphonen in Wort, Ton und Bild

Die Tage vom 17.–23. Dezember sind durch die sieben O-Antiphonen in der Vesper besonders herausgehoben. In ihnen wird Jesus Christus unter Bildworten und Titeln angerufen, die im Alten Testament dem erwarteten Messias zugesprochen werden. Die O-Antiphonen haben alle denselben Aufbau. Sie beginnen mit dem „O“, dem bewundernden Ausruf des Staunens über Gottes Heilstaten, die sich in besonderer Weise in Christus, unserem Erlöser, offenbart haben. Dann schließt sich ein messianischer Hoheitstitel aus dem Alten Testament an, der jeweils auf Jesus Christus hin gedeutet wird. Auf diese Hoheitstitel folgt eine Aussage über das, was der Herr tut oder wie er seine Herrschaft ausübt. In dem eindringlichen Ruf »Veni« – Komm! – drückt sich die Heilssehnsucht des Gottesvolkes bis heute aus. Es sind wunderbare Bilder, zum Teil Erinnerungen an das Wirken Gottes an seinem Volk Israel. Text und Melodie sind zu einer Einheit verschmolzen. Wer sich von dieser innigen Einheit erfassen lässt, wird etwas erfahren von der Sehnsucht, mit der diese Tage zum Weihnachtsfest hindrängen. Es geht um das Hören, Singen und Beten dessen, was Ziel unserer Sehnsucht ist.

Alle sieben Hoheitstitel umkreisen das Mysterium Gottes: O Weisheit, O Adonai, O Wurzel Jesse, O Schlüssel Davids, O Morgenstern, O König der Könige, O Emmanuel! Gott kann man keinen gültigen Namen geben, sondern Gott ist der Name über alle Namen (Phil 2,9). Wir können ihn nicht benennen, uns seiner nicht bemächtigen, son-dern ihn nur mit vielen Bildern umschreiben. Gott lässt sich nicht erkennen, sondern nur erahnen. Er ist das „mysterium tremendum“, das „mysterium fascinosum“ unseres Le-bens. Nur manchmal dürfen wir etwas von ihm erahnen. Gott ist nicht Statik, sondern unerhörte Dynamik. Er kommt in vielen Erscheinungsformen auf uns zu. Er ist immer der ganz andere. Wir können uns nur stammelnd und bewundernd diesem Mysterium nähern. Nur in dieser Haltung beginnen wir zu ahnen, was es heißen mag: Gott wird Mensch – et incarnatus est. Dieser Gott will mich, dieser Gott liebt mich – welch unbegreifliche Wahrheit.



osapientia117. Dezember: O Sapientia , o Weisheit, hervorgegangen aus dem Mund des Höchsten – die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: Komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.
Die Weisheit wird im Neuen Testament auf Christus übertragen. „Gott hat Christus für uns zur Weisheit gemacht, damit wir in ihm ihre Schätze finden“ (Kol 2,3). Von diesem Christus wird gesagt, er herrsche in Kraft und Milde. Ist das für uns nicht vielfach ein Gegensatz? Da ist einer, der sich durchsetzen kann, und da ist der andere in Milde. Bei Christus fällt beides zusammen. Er herrscht mit zarter Kraft und starker Milde. So ordnet er alles. Alles bekommt bei ihm Maß und Mitte. Maß heißt nicht Mittelmaß, sondern in der Mitte des Wesens ruhen. – „Komm!“, in diese Bitte mündet die Antiphon ein. Komm und offenbare Dich! Eine ganz große Bitte. Wo Gott sich offenbart, erkennen wir, wird uns Einsicht, Wissen des Herzens geschenkt.

O Sapientia (MP3-Datei anhören)



oadonai118.12.: O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel – im flammenden Dornbusch bist du Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: komm und befreie uns mit deinem starken Arm.
Adonai – der Gottesname war dem Volk Israel heilig: Gott war der Unaussprechliche. Gott, der ganz andere, zu dem vom Menschen her kein Zugang möglich ist, er hat sich uns offenbart als Herr des gesamten Kosmos, als Herr der Geschichte. Er führt uns durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Schmerzen und Verlassenheiten. Advent, Weihnach-ten, das bedeutet, dieser Gott, der die Herrschaft über Zeit und Geschichte hat, wird Mensch. O Adonai, Herr, mein Herr! Wo Gott erscheint, da brennt der Dornbusch, da ist Feuer und Brand. „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; und was will ich anders, als dass es brenne.“ Wo Gott kommt, da kann sich ein Leben mit einem Schlag verändern, da setzt er neue Maßstäbe. Er bietet uns seinen Bund an, sagt Ja zu uns. Und so dürfen wir auch Ja sagen zu ihm. Er ist uns treu, und nie ist es für uns zu spät, in die Bundestreue zurückzukehren. Wenn wir es nicht können, so ist es doch er, der uns mit starkem Arm in die Freiheit der ersten Liebe zurückführt.

O Adonai (MP3-Datei anhören)

 



oradixjesse119.12.: O Radix Jesse, o Spross aus der Wurzel Jesse, gesetzt zum Zeichen für die Völker – vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht Länger.
Christus, der Wurzelstock – die Wurzel ist Symbol des Urgrunds, aus dem alles Sein und Wachsen hervorkommt. Das heißt glauben: verwurzelt sein in Ihm; hier findet der Mensch seine Identität. In Christus, dem Wurzelstock aus dem Urgrund Gottes. Wurzeln schlagen, das ist ein Lebensprogramm. Christus ist uns gesetzt zum Zeichen, er ist das Signal, das uns aufrütteln will aus unserer Schläfrigkeit. Advent fordert Entscheidung, ob wir uns dem Signal stellen wollen. Nicht aus eigener Kraft können wir uns entscheiden; wir müssen Gott bitten, dass er es in uns wirkt. Wir dürfen ihn geradezu „unverschämt“ bedrängen, in viermaligem Ruf: „Komm, errette uns, erhebe dich, säume nicht länger.“ Die Sehnsucht nach ihm kennt keine Grenze. Gott will gebeten werden, Gott will mit unbändigem Glauben, mit einer unbändigen Hoffnung bedrängt werden. Mit solch unbändigem Vertrauen geben wir ihm die Ehre.

O Radix Jesse (MP3-Datei anhören)

 

 



Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.45.3420.12.: O Clavis David, o Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel – du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes!
Schlüssel, ein Zeichen der Verfügungsgewalt. Wer den Schlüssel besitzt, kann Eintritt gewähren oder verwehren. Wer den Schlüssel besitzt, der trägt die Verantwortung. Wem das Zepter verliehen wurde, dem ist alle Macht gegeben. „Komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes.“ – Dies ist die erschütterndste Adventsbitte. Es geht um die Existenzfrage unseres Lebens. Jeder kann sich in dieser Bitte wiederfinden. Auch wir sind im Kerker der Finsternis, in der Nacht unserer Seele. Für jeden Menschen gibt es Zeiten, in denen er durch das Dunkel wie durch einen Tunnel gehen muss. Wir kennen die Fragen, die kein Mensch uns beantworten kann, die Zweifel, die an unserem Herzen nagen, die innere Zerrissenheit, die Einsamkeit und die quälende Suche nach dem Willen Gottes für uns. Aus solcher Not erwächst der Schrei: Öffne, mein Gott, den Kerker meines Herzens und reiß mich aus der Finsternis! Du, Herr, kannst es, du kannst meine Verschlossenheit aufbrechen, meine Stummheit lösen, du kannst mir die Angst nehmen und meine Finsternis erhellen.

OclavisDavidnurAnt (MP3-Datei anhören)



Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.53.5821.12: O Oriens, o Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: Komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.
„Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finster-nis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Jes 9,1). Drei Bilder umschreiben das aufstrahlende Licht. Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, Sonne der Gerechtigkeit. Der Mor-genstern ist Symbol der Hoffnung: klar und funkelnd geht er auf, durchbricht das Dunkel der Nacht und kündet die aufgehende Sonne an, Weihnachten, den Morgen Christi. Von ihm geht Glanz aus, strahlendes Licht, Helligkeit, ganz rein, ohne jede Versehrtheit. Der Morgenstern wächst an zur strahlenden Sonne, immer heller leuchtet der Tag: Leben, Licht, Wärme, Freude, das ist Christus für die Welt des Glaubens. Er ist das Licht, das neue Verhältnisse schafft. Er allein kann uns retten aus den Schatten des Todes, aus Er-fahrungen der Grenze, des Scheiterns, des Älterwerdens, der Todesahnung, der Sorgen und Nöte. In diesen Erfahrungen der Dunkelheit fordert uns die Adventsbotschaft he-raus: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt!“ (Jes 60,1)

OOriensnurAnt (MP3-Datei anhören)



Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.53.3922.12.: O Rex Gentium, o König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der die Gegensätze eint: Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet hast!
Wir tun uns heute schwer mit der Vorstellung des Königtums Christi. Zu schnell verbin-den wir sie in einem Jahrhundert der Diktatoren mit Gewaltherrschaft, Macht und Ohnmacht. Für Israel verknüpft sich mit dem Bild des Königs anderes: Der König ist der Diener des Bundesgottes, der mit der Wahrung der Gottesordnung Beauftragte. Nicht Feldherrentalent oder staatsmännische Begabung, auch nicht innerpolitische Machtbe-fugnisse schaffen den König, sondern sein persönlicher Ausweis als der mit göttlicher Kraft Erfüllte. Christus ist der König, das heißt: er ist der von Gott eingesetzte Lenker der Völker, der Friedensfürst. Auf ihn setzen die Menschen ihre Hoffnung, auf ihn richtet sich ihre Sehnsucht durch die Jahrtausende. Er ist der Schlussstein, der den ganzen Bau zusammenhält. Aber er ist auch der Stein des Anstoßes. Die Begegnung mit Christus stellt in die Entscheidung. Es geht um nichts Geringeres als um Gewinn oder Verlust des Lebens. Darum schließt sich die flehentliche Bitte an: Komm, rette deine Geschöpfe, errette, was du selbst gemacht hast. Das heißt doch auch: Gott weiß sich für uns verantwortlich. Wir dürfen uns darauf berufen, seine Geschöpfe zu sein – in aller Hinfälligkeit. Er kann uns wieder heil machen. Heil sein bedeutet: Gott ganz zugewandt sein und zur gleichen Zeit in sich ruhend. Ganz Auge und Ohr auf Gott hin sein und zu-gleich in sich gesammelt. Unsere Identität besteht im Anschauen Gottes, dazu sind wir geschaffen, darin finden wir Erfüllung. Das ist Advent. Maranatha – komm! Amen, ja komm, Herr Jesus!

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Bildschirmfoto 2012-12-19 um 15.54.1323.12.: O Emmanuel, Gott mit uns, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: Komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!
Die letzte O-Antiphon fasst noch einmal zusammen, was in den vergangenen Tagen besungen wurde. Alles hat sich gesteigert und drängt hin auf den morgigen Tag: Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt, und morgen sollt ihr seine Herrlichkeit schauen. O Emmanuel – Du, der du mit uns bist, der du mit uns warst, der du kommst. Das ist ein Glaubensbekenntnis, nicht eine neutrale Aussage über Gott. Emmanuel, das ist ein Na-me ganz großen Vertrauens. Dieser Gott ist unsere einzige Hoffnung in allen Hoffnungs-losigkeiten unserer Tage. Er ist der Heiland, der uns Heilung bringt. Ihn dürfen wir an-rufen: Komm, schaffe uns Hilfe! Schaffe uns neu, schaffe die Welt neu. Schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der kein Leid mehr sein wird, kein Schmerz und keine Tränen.

OEmmanulenurAnt (MP3-Datei anhören)

 

 



Von Sr. Christiane Rath OSB

 

Johannes der Täufer: Urgestalt des Advent

In der orthodoxen Kirche sind Johannes der Täufer und Maria die beiden größten Heiligen. Zwei Menschen der Stärke und der Demut zugleich, von Gott erwählt, Unerhörtes zu vollbringen: Gott zu gebären und IHN zu taufen. Beide hat Gott ganz und gar in seinen Dienst genommen, beiden auch hat er das Härteste abgefordert. Und: beiden war nichts anderes aufgetragen, als allmählich und immer mehr in den Hintergrund zu treten – abzunehmen, damit er wachsen könne. Das Wegbereiten des Täufers bleibt ein Mysterium – ebenso wie die Mutterschaft Mariens.

Ich möchte hier einerseits die Gestalt Johannes des Täufers selbst in seinen wichtigsten Äußerungen befragen, andererseits sollen die Evangelisten in ihrem Zeugnis über ihn zu Wort kommen. Hören wir auf das, was sie uns zu sagen haben – und fragen wir uns, wie wir mit unserem eigenen Leben Antwort geben können auf ihren Ruf.

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