Hildegard von Bingen

Kreuzfest und Hildegardisfest am 17. September

In diesem Jahr 2017 fallen das Kreuzfest der Diözese Limburg und das Hildegardisfest zusammen und werden in besonderer Weise gefeiert.

 

Hier das Programm der Festtage:

Sonntag, 10. September 2017

15.00 Uhr, Abteikirche St. Hildegard

 Jutta Hoppe: „Hildegard von Bingen – ein Lebensbild mit Musik“

Aus Anlass der Eröffnung des Hildegard-Fernwanderweges von Idar-Oberstein über den Disibodenberg und Bingen nach Eibingen

Eintritt frei – um eine Spende wird gebeten.

21.00 Uhr, Wallfahrtskirche St. Hildegard, Eibingen, Marienthaler Str. 2

Nacht der Lichter: Meditation mit Texten der heiligen Hildegard und Liedern von und mit Pf. Eugen Eckert, begleitet von Prof. Dr. Thomas Kolb

 

Samstag, 16. September 2017

16.00 Uhr, Kunstkeller der Abtei St. Hildegard: Musik zum Hildegardisfest von Sabine Lindner, Erfurt: Gesang, Harfe, Kantele

18.30 Uhr, Abteikirche St. Hildegard: Musik zum Hildegardisfest von Sabine Lindner, Erfurt: Gesang, Harfe, Kantele

20.00 Uhr, Platz vor der Wallfahrtskirche in Eibingen, Marienthaler Straße 3

Open-Air-Kino: „Vision aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ (Regie: Margarethe von Trotta)

Eintritt frei. Bei Regen findet die Vorführung in der Wallfahrtskirche statt.

 

Sonntag, 17. September 2017

8.30 Uhr: Choralhochamt in der Abteikirche St. Hildegard

10.00 Uhr: Abteikirche St. Hildegard: Musik zum Hildegardisfest von Sabine Lindner, Erfurt: Gesang, Harfe, Kantele

Begleitprogramm: Ausstellung „Hildegard von Bingen – Visionärin, Kirchenlehrerin, Heilkundige, Mahnerin“ in der Abteikirche; Ausstellung von Sr. Klara Antons OSB zum Thema „Wortbilder – Tiefe in Türkis“ im Kunstkeller der Abtei; Klosterladen, Vinothek und Klostercafé sind ganztags geöffnet

10.00 Uhr: Pontifikalamt mit Bischof Dr. Georg Bätzing, Limburg, auf dem Platz vor der Wallfahrtskirche in Eibingen

11.30 Uhr: Kreuz- und Reliquienverehrung in der Wallfahrtskirche

Dazu: umfangreiches Begleitprogramm, u.a.: Präsentation „Hildegard-Verehrung in Eibingen: gestern-heute-morgen“, Informationsstände, Segnung von Andachtsgegenständen, Beichtgelegenheit, Angebote für Kinder

15.00 Uhr: Reliquien- und Kreuzfeier: Festansprache Äbtissin Dorothea Flandera OSB, Abtei St. Hildegard

Kinderkatechese, Prozession mit Kreuzreliquie und Reliquienschrein durch Eibingen, Feierlicher Schlusssegen

15.00 Uhr, Kunstkeller der Abtei St. Hildegard: Musik zum Hildegardisfest von Sabine Lindner, Erfurt: Gesang, Harfe, Kantele

18.00 Uhr: Hildegardis-Vesper in der Abteikirche St. Hildegard

Rekonstruktion der Klosterkirche auf dem Rupertsberg

In jahrelanger mühevoller Arbeit hat der Binger Architekt Volkmar Berlin den genauen Standort und das Erscheinungsbild der Klosterkirche des ehemaligen Klosters Rupertsberg, das die heilige Hildegard 1150 gründete und das 1632 zerstört wurde, rekonstruiert. Wir freuen uns, Ihnen hier die Ergebnisse dieser Forschung präsentieren zu dürfen und danken Herrn Berlin für seine wertvolle Arbeit.

 

 

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Hildegard-Wallfahrt 10. Mai – 7. Oktober 2017

Feierliche Eröffnung 10. Mai 2017
17.30 Uhr Hildegardis-Vesper in der Abteikirche
Anschließend Prozession durch die Weinberge zur Wallfahrtskirche
19.00 Uhr Pontifikalamt
Hauptzelebrant: Weihbischof Dr. Thomas Löhr, Limburg
Einzelsegen mit der Hildegard-Reliquie
Im Anschluss: Stehempfang mit Imbiss

Regelmäßiges Angebot im Wallfahrtsjahr 2017
Pilgermessen für Wallfahrer, Gäste und alle Gläubigen in der Wallfahrtskirche: Jeweils samstags um 11.00 Uhr.
Falls Sie die Messe mitgestalten möchten, melden Sie sich bitte an. Auf Wunsch kann ein Einzelsegen mit der Hildegard-Reliquie
erteilt werden.

Festlicher Abschluss 7. Oktober 2017
17.00 Uhr Pontifikalamt in der Wallfahrtskirche
Hauptzelebrant: Abt Winfried Schwab OSB, Stift Neuburg, Heidelberg
Anschließend: Abendliche Lichterprozession um das ehemalige Klostergelände in Eibingen; Komplet (Abendgebet), begleitet von der Schola der Abtei St. Hildegard

Die Wallfahrtskirche St. Hildegard in Eibingen ist ganzjährig täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
Sie sind herzlich zum Beten, zum Verweilen und zur Teilnahme an den Gottesdiensten eingeladen. Möchten Sie eine Andacht beten oder wünschen Sie eine Führung, melden Sie sich bitte im Pfarrbüro an. Wallfahrer in Begleitung eines Priesters können gerne nach Anmeldung die Eucharistie feiern.

 

Hildegardis-Festwoche im September

Sonntag, 10. September 2017
Jutta Hoppe: „SCIVIAS– Hildegard von Bingen: Ein Lebensbild mit Musik“
Aus Anlass der Eröffnung des großen Hildegard-Pilgerwanderwegs von Idar-Oberstein über den Disibodenberg und Bingen nach Eibingen
Ort: Abteikirche St. Hildegard
Uhrzeit: 15.00 Uhr
Eintritt frei; eine Spende wird erbeten.

Samstag, 16. September 2017
Open-Air-Aufführung des Films : „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“
Regie: Margarete von Trotta
Ort: Platz vor der Wallfahrtskirche (Bei Regen in der Kirche)
Uhrzeit: 20.00 Uhr
Eintritt frei; eine Spende wird erbeten

Sonntag, 17. September 2017

Hildegardisfest und Kreuzfest des Bistums Limburg

10.00 Uhr: Feierliches Pontifikalamt
Hauptzelebrant und Festpredigt: Bischof Dr. Georg Bätzing, Limburg
Ort: Platz vor der Wallfahrtskirche
Anschließend: Präsentationen auf dem Festgelände und in der Abtei St. Hildegard sowie vielfältige gastronomische Angebote
Beichtgelegenheit und Segnung der Andachtsgegenstände

15.00 Uhr
Reliquienfeier mit Reliquienprozession durch Eibingen
Festansprache: Äbtissin Dorothea Flandera OSB, Abtei St. Hildegard, Eibingen
Kinderkatechese: Kinder begegnen der heiligen Hildegard
Ort: Pfarrhaus, erster Stock

18.00 Uhr
Hildegardis-Vesper in der Abteikirche St. Hildegard

Hildegard und ihr Werk in 15 Schautafeln

Die folgenden 15 Schautafeln, die Sie in kleinerem Format auch in unserem Inforaum anschauen und nachlesen können, laden dazu ein, unsere Klosterpatronin, die heilige Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen, ihre Person und ihr Werk   näher kennen zu lernen. Sie präsentieren Textpassagen aus dem umfangreichen Werk der Heiligen und verzichten auf die Interpretation derselben. Sie vertrauen auf die Strahlkraft ihrer Botschaft über die Jahrhunderte hinweg. Statements von Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft ergänzen die Hildegard-Zitate.

Hier können Sie jede Tafel einzeln anklicken.

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Die hl. Hildegard und der Wein

Die geschichtlichen Wurzeln des Klosterweinguts reichen bis ins 12. Jahrhundert, in die Zeit unserer Gründeräbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Schon damals betrieben die Schwestern der Klöster Rupertsberg und Eibingen erfolgreich Weinbau. Ihre Weingüter hatten beträchtliche Bedeutung in der Region. Diese Tradition setzt das heutige Klosterweingut fort. 

Die Abtei St. Hildegard kann auf eine mehr als 850-jährige Geschichte zurückblicken, und von den ersten Anfängen an war vermutlich der Weinbau mit ihr verbunden. Die Klostergründung läßt sich auf Hildegard selbst, die später den Beinamen „von Bingen“ erhielt, zurückführen. Geboren wurde Hildegard 1098 als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Gemahlin Mechtild, deren Stammsitz nahe bei Alzey lag, – „in einem weiten, von Reben und Korn umgebenen Tal“.

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Die Hauptwerke der heiligen Hildegard

Die heilige Hildegard war eine bedeutende Universalgelehrte, die ein umfangreiches und äußerst facettenreiches Werk hinterlassen hat. Sie war gleichermaßen Ordensfrau und Wissenschaftlerin, Theologin und Philosophin, Musikerin und Dichterin, Natur- und Heilkundige. Ihr gesamtes Werk zielt darauf ab, den Menschen mit Gott in Berührung zu bringen und ihn zu einem Leben aus dem Glauben zu ermutigen.

Die sieben wichtigsten Werke der heiligen Hildegard:

LIBER SCIVIAS – Wisse die Wege (1141–1151)

In Hildegards erstem theologischem Visionswerk, einem umfassenden Glaubensbuch, durch das sie schon zu Lebzeiten berühmt wurde, geht es einerseits um die Wege Gottes zu den Menschen in Schöpfung, Erlösung und im Verlauf der Geschichte und andererseits um die Wege des Menschen zu Gott.

LIBER VITAE MERITORUM – Das Buch der Lebensverdienste (1158–1163)

Das zweite Hauptwerk Hildegards entfaltet in Form von dramatischen Dialogen zwischen 35 Tugenden und Lastern den untrennbaren Zusammenhang zwischen Kosmos,Heilsgeschichte und sittlichem Handeln des Menschen. Dabei wird deutlich, dass die persönlichen Entscheidungen Teil der kosmischen Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse sind.

LIBER DIVINORUM OPERUM – Das Buch vom Wirken Gottes (1163–1170)

Das große Alterswerk der heiligen Hildegard befasst sich mit einer umfassenden Verhältnisbestimmung von Gott, Welt und Mensch. Hier werden noch einmal alle Grundthemen und Grundanliegen Hildegardsin einem großen und ausgereiften Wurf zusammengefasst.

CAUSAE ET CURAE – Ursprung und Behandlung der Krankheiten (1150–1158)

In diesem Werk beschreibt Hildegard einerseits eine Vielzahlvon Krankheitsbildern, deren Ursache und Symptomatik und gibt andererseits Anweisungen zur Behandlung dieser Krankheiten mit Heilmitteln aus der Natur. Einen besonderen Stellenwert haben dabei auch die Ratschläge zur Vorbeugungvon Krankheiten und zu einer gesunden und maßvollen Lebensführung.

PHYSICA – Heilsame Schöpfung – die natürliche Wirkkraft der Dinge (1150–1158)

In diesem Werk werden die Kräfte der Natur und ihre Wirkung auf den gesunden und den kranken Menschen in neun Kapiteln
beschrieben: Kräuter, Elemente, Bäume, Edelsteine, Fische,Vögel, Landtiere, Kriechtiere und Metalle. Dabei hebt Hildegard immer wieder den Verweischarakter der sichtbaren Dinge auf eine unsichtbare Wirklichkeit hervor.

SYMPHONIAE – Lieder (1151–1170)

Das Buch der Lieder enthält 77 Gesänge, die die heilige Hildegard komponiert und gedichtet hat. Dazu das geistliche Singspiel »Ordo Virtutum« (Reigen der Tugenden), das zur Einweihung der Klosterkirche auf dem Rupertsberg uraufgeführt wurde.

EPISTOLAE – Briefe (1147–1179)

Die Briefsammlung umfasst 390 Briefe der heiligen Hildegard an bekannte und unbekannte Zeitgenossen. Die Briefe enthalten sowohl persönliche als auch allgemeingültige Botschaften. Hildegard erscheint in ihnen als wache Zeugin des Zeitgeschehens und mahnt kirchliche und weltliche Amtsträger mit wahrhaft prophetischem Sendungsbewusstsein.

Wirkungsstätten der heiligen
Hildegard im Überblick

Disibodenberg

Am 1. November 1112 beginnt für Hildegard das Leben auf dem Disibodenberg. Hildegard lebt dort in der Frauenklause ein klösterliches Leben nach der Regel des heiligen Benedikt. Durch ihre Lehrmeisterin Jutta von Sponheim erhält sie eine breit angelegte fundierte klösterliche Bildung: Sie lernt lesen, schreiben und singen, aber auch umfangreiche Kenntnisse der Heiligen Schrift, der Musik sowie der Natur- und Pflanzenkunde. Hier entsteht ihr Erstlingswerk „Scivias“. Papst Eugen III. hält sich 1147/48 in Trier auf und hört von Hildegard. Er lässt ihre Sehergabe durch eine Kommission prüfen und bestätigt sie. In einem Brief fordert er sie auf, ihre Schriften weiterzuführen. Für Hildegard ist dies Anerkennung, Ermutigung und Anspornzugleich. Für ihre Umgebung ist es der endgültige Beweis, dass die Meisterin vom Disibodenberg eine wirkliche »PosauneGottes« ist. Parallel zu diesen Ereignissen verfolgt Hildegard die Absicht, ein eigenes Kloster zu gründen.

Rupertsberg

Hildegard erwirbt Gelände auf dem Rupertsberg bei Bingen und erbaut dort mit den Schwestern ein Kloster nach ihren Vorstellungen. Zwischen1147 und 1151 erfolgt die Umsiedlung. Eine Urkunde des Mainzer Erzbischofs Heinrich vom 1. Mai 1152 dokumentiert die Weihe der Kirche. Mit dem Abt vom Disibodenberg gibt es Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit der Klostergründung und den Besitz. Hildegard nutzt ihre gutenVerbindungen und erhält Urkunden, die dem Kloster weitgehende Unabhängigkeit sichern. 1632 wird das Kloster im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Eibingen

Hildegards Berühmtheit sorgt für beständigen Zulauf auf dem Rupertsberg. Schon bald wird das Kloster zu klein. In Eibingen kauft sie ein verlassenes Kloster. 1165 erfolgt die Einweihung. Hildegard wird auch Äbtissin des zweiten Klosters und fährt regelmäßig über den Rhein, um die 30 Schwestern in Eibingen zu besuchen. Im Jahr 1802 wird das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben; sämtliche Besitzungen gehen verloren. 1831 wird die Klosterkirche zur Pfarrkirche von Eibingen.

Neugründung Abtei St. Hildegard

1904 beziehen nach vierjähriger Bauzeit 12 Schwestern aus der Abtei St. Gabriel in Prag das neu errichtete Kloster hoch über dem Rhein. Das Kloster wird zu einer vollgültigen Abtei erhoben und mit allen Rechten und Privilegien der ehemaligen Klöster der heiligen Hildegard ausgestattet. Es untersteht nicht dem Ortsbischof, sondern unmittelbar dem Heiligen Stuhl in Rom. Der Konvent der Abtei St. Hildegard betrachtet es als seine herausragende Aufgabe, das Erbe der heiligen Hildegard zu erforschen und zu pflegen und ihr Leben und Werk als zeitlos aktuelle Botschaft an die Menschen weiterzugeben.

Die mystische Dimension in der Schöpfungsspiritualität der Hildegard von Bingen

„O Mensch, schau den Menschen an!
Der Mensch hat nämlich Himmel und Erde in sich.
Er ist eine Gestalt, und doch ist in ihm alles verborgen.“ (Causa et curae S. 6)

Die Frage nach der Schöpfung und wie der Mensch mit dieser ihm von Gott gegebenen Schöpfung umgeht, wird heute von vielen diskutiert. Hildegard von Bingen schaute als Benediktinerin, geprägt von der Meditation der Heiligen Schrift und der Regel des heiligen Benedikt, auf die Fragen und Probleme ihrer Zeit. Heute betrachtet man in einer säkularisierten Welt die Schöpfung hauptsächlich unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Im 12. Jahrhundert wird das wissenschaftliche Interesse erst langsam lebendig. Hildegard von Bingen hat Interesse an Wissenschaft und damit den Fortschritten ihres Zeitalters. Die Schöpfung jedoch ist für sie nicht vom wissenschaftlichen Aspekt her interessant, sondern als Werk Gottes. Die Schöpfung ist der erste Akt Gottes, der die Vorbereitung für den zweiten Akt ist: Die Inkarnation, die Menschwerdung Gottes. Gott, der Mensch wurde, um den Menschen zu retten – das ist für Hildegard von Bingen das zentrale Thema in ihren Werken.
Der Hauptgedanke Gottes in der Schöpfung ist der Gedanke der Beziehung. Er erschafft die Dinge, um den Menschen das Leben zu ermöglichen; er erschafft den Menschen, um mit ihm ins „Gespräch“ zu kommen.

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Prophetin durch die Zeiten

Hildegard von Bingen (1098-1179) gilt als eine der bedeutendsten Frauen des deutschen Mittelalters und ist heute weit über die Grenzen ihrer rheinischen Heimat hinaus bekannt. Ihre Zeitgenossen zog sie gleichermaßen in ihren Bann wie die Menschen, die heute nach Orientierung im Glauben, nach Ganzheit und Heil suchen. Am 7. Oktober 2012 wurde Hildegard von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben, eine Ehrung, die bisher in der Geschichte der Kirche nur 30 Männern und vier Frauen zu Teil wurde.

Hildegards theologisches, philosophisches, musikalisches und naturkundliches Werk und Selbstverständnis trägt stark visionäre und prophetische Züge. Göttlicher Ursprung dessen, was sie im „Lebendigen Licht“ geschaut und gehört hat, und Sendungsbewusstsein der Prophetin zeichnen es gleichermaßen aus. Die heilige Hildegard wollte die Menschen ihrer Zeit aufrütteln und der Gottvergessenheit entgegentreten. Dabei predigte sie keineswegs eine weltlose Innerlichkeit. Ihr ging es um die religiöse Deutung des gesamten Kosmos, um ein konsequent gelebtes christliches Leben. Alles, Himmel und Erde, Glaube und Naturkunde, das menschliche Dasein in all seinen Facetten und Möglichkeiten, war für sie ein Spiegel der göttlichen Liebe, war Geschenk und Aufgabe zugleich.

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Für Gott und die Welt

Wenn Johann Wolfgang von Goethe unmittelbar vor seinem Tod, sozusagen in einem letzten Aufschrei, verzweifelt die Worte „mehr Licht!“ in die Welt hinausrief, so wird dies wohl nicht zu Unrecht als Ausdruck schmerzlichster und tiefster Sehnsucht des Sterbenden nach dem Transzendenten bewertet. Bis zum letzten Augenblick seines Lebens hat J.W. von Goethe mit und um Gott gerungen. Am Ende dann der Ruf nach dem Licht, das alle Dunkelheit erhellt, das Hoffnung aufstrahlen läßt und den menschlichen Geist erleuchtet und zur Erkenntnis der Wahrheit führt.
Von jeher ist das Licht als Chiffre für Gott, als Bild dafür gebraucht worden, das unsagbare Geheimnis sagbar zu machen und die Frage nach dem Grund und Ziel allen Lebens zu beantworten. „Gott ist Licht“, sagt der Evangelist Johannes, und überall da, wo Gott sich in die Geschichte hinein offenbarte, erschien ein überhelles Licht. Licht aber erhellt nicht nur die Finsternis und ermöglicht das wahre Sehen, es spendet und erhält auch Leben, es schenkt Wärme und Heimat und wird damit zum Symbol der Gotteserkenntnis, des Lebens und der Liebe schlechthin.

Begegnung mit dem Licht
Auch das Leben Hildegards von Bingen (1098 – 1179) war bis zu ihrem Tod, bei dem der Legende nach ein strahlendes Licht am Himmel erschienen sein soll, gekennzeichnet vom Licht in all seinen Farben und Schattierungen.

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