Gott

Klostersprache verstehen von A – Z

 

A  B  C  E  H  I  K  L  M  N  O  P  R  S  V  Z

 

A

Abt / Äbtissin (lat. Abbas „Vater“) Von der Gemeinschaft eines selbständigen Klosters frei gewählt (auf Lebenszeit oder für ca. 12 Jahre) geistlicher Vater /geistliche Mutter. Abt und Äbtissin erhalten eine kirchliche Weihe.
Abtei Haus und Lebensbereich einer selbständigen Gemeinschaft von Mönchen oder Nonnen.
Askese (griechisch Askese „Übung“) Die Einübung in ein Leben, das ausgerichtet ist auf Gott und von diesem Ziel her den bewussten und gewollten Verzicht auf bestimmte Lebensvollzüge einschließt.

B

Benediktsregel Die Benediktsregel (Regula Benedicti) wurde um 529 vom heiligen Benedikt von Nursia als Lebensregel für Mönche und Nonnen verfasst. Ursprünglich galt die Regel für das von ihm gegründete Gemeinschaftskloster Monte Cassino in Mittelitalien. Seit dem Mittelalter ist die Benediktsregel die einheitliche Lebensgrundlage für alle Klöster des Ordens der Benediktiner (Ordo Sancti Benedicti, OSB).

Die Benediktsregel besteht aus einem Prolog und 73 Kapiteln:

  • Der Prolog und die Kapitel 1 bis 3 umfassen Grundlegendes zum Mönchsleben.
  • Die Kapitel 4 bis 7 befassen sich mit den monastischen Tugenden, vor allem Gehorsam, Schweigen und Demut.
  • Die Kapitel 8 bis 20 treffen Anordnungen für das opus Dei, den Gottesdienst, der im benediktinischen Leben einen großen Stellenwert einnimmt.
  • Die Kapitel 21 bis 30 klären Strafen für Verstöße gegen die Regel.
  • Die Kapitel 31 bis 57 geben Anweisung über die Verwaltung des Klosters, die Dienste der Mönche, die Versorgung der Mönche, die Aufnahme von Gästen und den Umgang mit den Handwerkern und Künstlern des Klosters.
  • Die Kapitel 58 bis 66 regeln die Aufnahme von Novizen, die Rangordnung in der Gemeinschaft, die Einsetzung von Prior und Abt und die Aufgaben des Pförtners. Gemäß Kapitel 58 umfasst das Ordensgelübde die Versprechen von Beständigkeit (Stabilitas loci, das heißt Bindung an ein bestimmtes Kloster, bzw. eine bestimmte Gemeinschaft), klösterlichem Lebenswandel und Gehorsam.
  • Die Kapitel 67 bis 72 gelten als Nachträge. Sie geben Weisungen für den Umgang der Brüder untereinander.
  • Kapitel 73 ist ein Epilog
Brevier (lat.: breviarium, von brevis „kurz“) Buch, in dem alle Psalmen und Gebete des Chorgebetes für die einzelnen Gebetszeiten enthalten sind.

 

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C

Cellerar / Cellerarin Ein Cellerar/eine Cellerarin ist der bzw. die Verantwortliche für die wirtschaftlichen Belange und die Verwaltung des Klosters. Die Aufgaben sind im Kapitel 31 der Benediktsregel beschrieben.
Chor / Chorgestühl Raum innerhalb einer Kirche, in dem das Chorgebet verrichtet wird.
Choral Einstimmige Gesänge für die römisch-lateinische Liturgie mit eigenen Tonarten (auch Kirchentonarten genannt). Als musikalische Ausformung des biblischen Textes ist der Choral Bestandteil der liturgischen Handlung. Die ältesten Choral-Handschriften stammen aus dem 8./9. Jhdt.
Chorgebet Das im Chor der Klosterkirche mehrmals täglich zu festen Zeiten gesungene oder rezitierte Chorgebet strukturiert den Tag einer Klostergemeinschaft, die damit ihren kirchlichen Auftrag zum Stundengebet erfüllt.

E

Einkleidung Einkleidung ist der feierliche Akt der Übergabe des Ordensgewandes an ein neues Ordensmitglied zur Aufnahme in das Noviziat. Das neue Ordensmitglied erhält mit der Einkleidung in der Regel auch einen neuen Ordensnamen.
Eucharistie /Heilige Messe Das Wort Eucharistie bedeutet Danksagung. Die Eucharistie – auch Abendmahl – ist eines der sieben Sakramente. Die Liturgie der Eucharistie ist die Vergegenwärtigung des letzten Mahles Jesu mit seinen Jüngern. In allen Kirchen sind Brot (in der Regel Hostien) und Wein die verwendeten Elemente, die gespendet und empfangen werden (Brot = Leib Christi, Wein = Blut Christi).
Exerzitien Exerzitien sind geistliche Übungen, die auf den heiligen Ignatius von Loyola zurückgehen; sie beinhalten Zeiten der inneren Einkehr, der Betrachtung der Heiligen Schrift, des Schweigens und des Gebets.

 

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H

Habit Habit ist die Ordenstracht einer Ordensgemeinschaft. Das Wort ist abgeleitet vom lat. Habitus „Haltung, Gestalt“. Der Habit soll als einheitliches Gewand die Verbundenheit der Ordensmitglieder betonen und ist das äußere Zeichen eines einfachen Lebensstils:

  • Benediktiner: schwarzes Gewand
  • Zisterzienser, Kartäuser: weißes Gewand
  • Franziskaner: braunes Gewand
  • Dominikaner: schwarz-weißes Gewand
Hore (lat. Hora: „Stunde“) Stundengebete der Klostergemeinschaft.

Siehe Stundengebet

Hostie (lat. hostia „Opfer, Opfergabe“) Hostie bezeichnet das zur Eucharistie verwendete Brot.

 

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I

Infirmerie Infirmerie ist die Krankenabteilung in einem Kloster.

K

Kantor / Kantorin (lat. cantare „singen“, Kantor „Sänger“) Als Kantor/Kantorin wird der bzw. die Vorsänger/Vorsängerin oder Chorleiter/Chorleiterin im Gottesdienst bezeichnet.
Kapitel Raum, in dem man sich zu Beratungen (Kapitelsitzungen) und wichtigen klösterlichen Vollzügen (Abtswahl, Einkleidung usw.) versammelt.
Klausur (lat. claudere „schließen“) Geschützter Lebensbereich innerhalb eines Klosters, der den notwendigen Raum der Stille und Sammlung ermöglichen soll und von Außenstehenden nur in Ausnahmefällen betreten werden darf.
Klerus Als Klerus bezeichnet man die Gesamtheit aller katholischen Geistlichen.
Kloster (lat. claustrum „verschlossener Ort“) Ein Kloster ist ein Gebäude, in dem Ordensgemeinschaften leben. Die monastischen Klöster des Benediktiner- und Zisterzienserordens werden Abtei genannt. Die dort lebenden Gemeinschaften werden von einem Abt oder einer Äbtissin geleitet.
Kommunität /Konvent (lat. communitas „Gemeinwesen“) Kommunität bezeichnet ebenso wie der Begriff Konvent die Ordensgemeinschaft als Ganzes. Konvent wird bisweilen auch der Wohnbereich eines Klosters genannt.
Komplet Siehe Stundengebet
Kongregation Zusammenschluss mehrerer selbständiger Klöster und Abteien mit gemeinsamen Konstitutionen.
Konstitutionen (oder Deklarationen) Erläuterungen und Auslegungen zur Benediktsregel und für das gemeinsame Leben in den Klöstern..
Kontemplativ (lat. contemplari: „beschaulich, d.h. ganz auf Gott hin ausgerichtet leben,“) Kontemplation ist in philosophischen und religiösen Texten die Bezeichnung für ein konzentriertes Betrachten eines geistigen ungegenständlichen Objektes.
   
Kreuzgang Rechteckiger (offener oder überdachter), um einen Garten (Kreuzgarten) angelegter Gang, der die Gemeinschaftsräume eines Klosters miteinander verbindet und durch seine Anlage für Prozessionen wie auch für die persönliche Meditation genutzt werden kann.
Kukulle (lat. cucullus „Tüte“, in übertragener Bedeutung „Kapuze“) Vielfaltiger Mantel als Teil des Habits, der zum Chorgebet getragen wird.

 

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L

Laudes Siehe Stundengebet
Lectio divina Geistliche Schriftlesung, Betrachtung und Meditation der Heiligen Schrift.
Liturgie (aus dem lat. „Gottesdienst“) Liturgie bezeichnet die christlichen und jüdischen Rituale zur Verehrung Gottes und zur Vertiefung des Glaubens in der Gemeinde. Liturgie ist die prägende Lebensmitte jeder Klostergemeinschaft, die sich in der Feier der Eucharistie und des gemeinsamen Stundengebetes entfaltet.

M

Magister / Magistra (aus dem lat.“ LehrerIn / NovizenmeisterIn“): Geistlicher Begleiter/Geistliche Begleiterin der jungen Nonnen und Mönche, die sich in ihrer Berufung prüfen und auf die Profess vorbereiten (Postulanten, Novizen, in Frauenklöstern auch die zeitlichen Professen).
Meditation (lat. Meditatio „Betrachtung“)
Mittagshore Siehe Stundengebet
Mönch (lat. Monachus „Mönch“): Männliches Mitglied eines kontemplativen Ordens.
Monastisch Bezeichnung im Christentum für das Klosterleben; d.h., alles, was der Benediktsregel, den Konstitutionen und den jeweiligen Hausbräuchen eines Klosters entspricht. Aus dem verwandten lat. Wort monasterium leiten sich in anderen Sprachen die Bezeichnung für Kloster und für bestimmte Kirchengebäude ab; z.B.: monastery (englisch), monastère (französisch) oder auch auf Deutsch „Münster“

 

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N

Nonne Weibliches Mitglied eines kontemplativen Ordens.
Noviziat Das Noviziat ist die Probe- und Einführungszeit von Novizen / Novizinnen (neue Ordensmitglieder), um die Berufung für das Ordensleben zu prüfen (ein bis zwei Jahre).

O

Oberin Eine Oberin ist Leiterin einer Schwesternschaft und somit die Vorsteherin einer klösterlichen Gemeinschaft. Die Oberin einer selbständigen Abtei wird als Äbtissin bezeichnet.
Ora-et-labora (aus dem lat.„bete und arbeite“) ora-et-labora ist ein Grundsatz, der sich auf den Lebensrhythmus des Ordens der Benediktiner bezieht. Vollständig lautet der Grundsatz ora-et-labora-et-lege, Deus adest sine mora (bete und arbeite und lies, Gott ist da ohne Verzug). Obwohl der Grundsatz das Leben in den benediktinischen Klöstern bestimmt, ist er in dieser Form nicht in der Benediktsregel enthalten.
Orden Ein Orden ist eine Gemeinschaft (auch Ordensgemeinschaft) von Brüdern und Schwestern, Mönchen und Nonnen, die auf Basis einer bestimmten Ordensregel und durch Ablegen des Ordensgelübdes an ein geistliches Leben gebunden sind.

 

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P

Postulant / Postulantin Anwärter bzw. Anwärterin für das Klosterleben. Diese leben unverbindlich bis zur eventuellen Einkleidung und Aufnahme in das Noviziat in der Klostergemeinschaft.
Primas Oberster Repräsentant aller benediktinischen Ordensgemeinschaften auf der ganzen Welt mit Sitz in Rom.
Prior / Priorin Stellvertreter des Abtes bzw. Stellvertreterin der Äbtissin.
Profess (aus dem lat. „Bekenntnis“) Bindung an eine kontemplative Gemeinschaft durch die drei monastischen Gelübde der Beständigkeit (Stabilitas), des klösterlichen Lebenswandels (Conversatio morum) und des Gehorsams (Oboedientia). Nach dem Noviziat legt der Novize /die Novizin zunächst die Gelübde für drei Jahre (sogenannte zeitliche Profess) ab; anschließend bindet er /sie sich auf Lebenszeit an eine Gemeinschaft (feierliche Profess).

 

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R

Refektorium (lat. refectio „Wiederherstellung“, „Erfrischung“) Das Refektorium ist der Speisesaal des Klosters. In den Klöstern, die ein Gästehaus haben, gibt es außerdem ein den Gästen vorbehaltenes „Gästerefektorium“.

S

Sakramente (lat. sacramentum „Zeichen des Heils“) Sichtbare Zeichen einer verborgenen Heilswirklichkeit. In den Sakramenten ist Jesus Christus selbst gegenwärtig und wirkt durch seine Kirche. Es gibt sieben Sakramente:

Taufe, Firmung, Eucharistie nehmen den Menschen in die Gemeinschaft der Gläubigen auf; Ehe und Weihe (Diakon- Priester- und Bischofsweihe) stärken die Empfänger für ihren Ehebund bzw. für ihren Dienst in der Kirche; Beichte und Krankensalbung sind die Sakramente der Heilung.

Sakristei Die Sakristei als Vorraum zur Kirche steht den Priestern zur Vorbereitung des Gottesdienstes zur Verfügung.
Scholastika (lat. scholastica „Die Lernende“) Die heilige Scholastika war die Schwester des heiligen Benedikt und gilt als Vorsteherin des ersten benediktinischen Frauenklosters. Scholastika ist ein, zumeist in Klöstern gebräuchlicher, weiblicher Vorname mit Namenstag am 10. Februar.
Silentium (aus dem lat. „Schweigen“) Festgelegte Zeiten des Stillschweigens, die dem einzelnen den Raum der lebendigen und persönlichen Begegnung mit Gott ermöglichen sollen.
Sr. Sr. ist die Abkürzung des lateinischen soror („Schwester, Ordensfrau“) und wird dem Namen der Nonne vorangestellt. Gesprochene Form: Schwester + Vorname.

Geschriebene Form: Sr. + Vorname.

Statio Teil des Kreuzganges; Ort der Sammlung und des Schweigens, an dem sich die Gemeinschaft zum Einzug in den Chor versammelt.
Stundengebet Das Stundengebet bezieht sich auf das Apostelwort „bete ohne Unterlass“ und auf das Psalmwort „Siebenmal am Tag singe ich Dein Lob und nachts stehe ich auf, um Dich zu preisen“. Das Stundengebet ist am Zyklus des Tageslaufs, dem Wechsel von Schlafen und Wachen, Licht und Dunkelheit sowie Arbeit und Ruhe orientiert.

Der heilige Benedikt teilt das tägliche Stundengebet in Horen (lat. hora „Stunde“) ein:

  • die erste Hore nennt man Vigilien, sie ist das ursprüngliche Nachtgebet der Mönche und findet heute in der Regel am Vorabend statt
  • die Laudes sind das Morgengebet zwischen 5:30 und 8:00
  • die kleinen Horen wurden ursprünglich im Abstand von drei Stunden ( 6:00, 9:00, 12:00 und 15:00) gebetet. Diese sind
    • Prim, die heute in der Regel in Einheit mit den Laudes gebetet wird
    • Terz, die entweder unmittelbar vor der Heiligen Messe oder in diese integriert gebetet wird
    • Sext
    • Non
    • Heute ist es üblich, die beiden kleinen Horen Sext und Non zu einer Mittagshore zusammen zu fassen
  • Die Vesper ist das zentrale Abendgebet der Kirche und wird vor dem Abendessen gebetet (zwischen 17:00 und 18:00)
  • Die Komplet ist die letzte Hore des Tages, die zwischen 19:30 und 21:00 gebetet wird. Danach setzt das nächtliche Schweigen ein, das nur durch die Vigilien unterbrochen wird.

 

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V

Vesper Siehe Stundengebet
Vigilien Siehe Stundengebet

Z

Zelle (lat. Cella „Raum“): Gebets- und Schlafraum der Nonnen bzw. der Mönche. Die Zelle ist bevorzugter Ort mönchischen Alleinseins; der Mönch liebt sie als Stätte, in der er unter den Augen Gottes bei sich selbst zu Hause sein kann.
Zisterzienser Die Zisterzienser sind ein Reformorden, der im 11. Jahrhundert aus den Benediktinern hervorgegangen ist. Die Namensgebung erfolgte aus dem Kloster Cîteaux (lat. cistercium).

 

Geänderte Gottesdienstzeiten an Ostern

In diesem Jahr möchten wir erstmals und zur Probe die Osternachtfeier in die frühen Morgenstunden verlegen. Bitte beachten Sie deshalb die geänderten Gottesdienstzeiten.

 

 

 

Gottesdienstzeiten für die Karwoche und Ostern

Palmsonntag

      8.15 Uhr Palmweihe

      8.30 Uhr Choral-Hochamt

Gründonnerstag

      18.00 Uhr Abendmahlsamt,

      anschließend Komplet (Vesper entfällt)

Karfreitag

      15.00 Uhr Karfreitagsgottesdienst

      19.20 Uhr Komplet (Vesper entfällt)

Karsamstag

      17.30 Uhr Vesper (Komplet entfällt)

Ostersonntag

        4.30 Uhr Osternachtfeier

        8.45 Uhr Laudes

      11.00 Uhr Choral-Hochamt

      17.00 Uhr Vesper

      19.00 Uhr Komplet

Ostermontag

        8.15 Uhr Terz/Hochamt

      17.30 Uhr Vesper

 

Weihnachtskrippen-Meditation

Menschen auf dem Weg nach Bethlehem –
„Vorbildgestalten“ im Glauben

In diesem Jahr wir unsere wunderschöne provencalische Krippe zum ersten Mal in der Kirche ihren Platz finden. Die Krippe stammt aus dem Benediktinerinnenkloster Ozon in der Provence – alle Figuren sind Unikate, d.h. wurden eigens für unsere Abtei hergestellt. Unser Konvent liebt diese Krippe sehr, nicht zuletzt deshalb, weil jede einzelne sich auf irgendeine Weise mit einer der Figuren identifizieren kann. Vielleicht wird es Ihnen ebenso gehen.

Machen wir uns also gemeinsam auf den Weg nach Bethlehem!

Krippenmeditation als PDF  

Die alte Bäuerin: 
Wer wartet und wacht, ist immer schon da

Die alte Bäuerin in unserer Krippe erinnert an die hochbetagte Prophetin Hanna, die – wie es im zweiten Kapitel des Lukasevangelium heißt – „gerade zu dieser Stunde kam, Gott pries und über das Kind mit allen redete, die auf die Rettung Jerusalems warteten“. Hanna war noch eine ganz und gar alttestamentliche Gestalt, die aus der erinnerten Vergangenheit des Exodus-Ereignisses lebte und daraus den Maßstab für die Erwartung der Zukunft gewann.

Auch unsere alte Bäuerin hat offenbar Zeit ihres Lebens auf den Erlöser gewartet, wohlwissend und unerschütterlich glaubend, daß sich ihre Erwartung eines Tages erfüllen würde. Sie ist eine einfache und wohl auch arme Frau, mit einem vom Wind gegerbten und vom Leben durchfurchten Gesicht. Sie gehört nicht zu den Gebildeten, wohl aber zu den Weisen.
Sie weiß um das Wesentliche, sie ist ganz wach: ihre gerunzelte Stirn, ihre klaren, hellwachen Augen und ihr heiteres, gütiges Lächeln verraten es. In Ruhe und Gelassenheit kommt sie herbei, kraftvoll zupackend, eine Gans in der linken Hand.
Sie bringt Gaben ihres alltäglichen Lebens zur Krippe – wertvolle Gaben, fast so wie die arme Witwe, die ihren ganzen Lebensunterhalt in den Opferkasten warf. Aber was noch wichtiger ist: die alte Bäuerin bringt sich selbst – mitten heraus aus ihrem einfachen alltäglichen Leben. Mit der ganzen Sehnsucht und Aufmerksamkeit ihres Herzens hat sie auf den Herrn gewartet. Und jetzt ist sie da. Sie hat den rechten Zeitpunkt erwischt, den Kairos, von dem im Alten Testament allein 196 mal die Rede ist. Jenen Augenblick, der vom Menschen begriffen und ergriffen werden will. So kann sie uns lehren, da zu sein, wenn der Augenblick kommt und beherzt zu antworten, wenn der Blick oder der Ruf Gottes uns treffen.

„Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm‘ ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.“
(Andreas Gryphius)

Der Flötenspieler:
Spielen zur Ehre Gottes

Ein wunderbarer Kontrast zu der alten Bäuerin ist der Hirtenjunge, der auf seiner Flöte spielt. Fast noch ein Kindergesicht hat er – mit Stupsnase und aufgeblasenen Backen. Die Schafe drängen sich dicht an ihn heran, suchen bei ihm Schutz und Halt und Wärme. Oder ist es vielleicht umgekehrt?
Die Augen des Jungen verraten seine Scheu und Unsicherheit. Was mag dort geschehen sein – im Stall von Bethlehem? Was bedeutet die Botschaft der Engel? Der Junge bleibt zurück bei den Tieren, den Schal fest um den Hals gebunden – zum Schutz gegen die Kälte und vielleicht auch gegen die eigene Angst. Aber er spielt. Er spielt die uralten Weisen der Hirten, Melodien, die Zeit und Ewigkeit ineinander verschmelzen lassen.
Hirten sind Menschen des Advent – sie haben Geduld und sie können warten. Sie sind zeitlos sozusagen, immer wachsam und bereit. Nicht umsonst tauchen Hirten in allen Religionen als Prototypen des Wärters auf. Warten, so sagt das Grimmsche Wörterbuch, bedeutet, seinen Blick unverwandt auf etwas richten. Der Hirtenjunge richtet seinen Blick nach vorn und nach innen zugleich. Er ist ganz dem Spiel hingegeben und gleichzeitig ganz dem, für den er spielt.

Dem Liebenden schlägt keine Stunde, heißt es. Dem Spielenden wohl ebenfalls nicht. Im Spiel der Flöte, in der Musik wird dem Neugeborenen ein Lied gesungen, ganz zweckfrei, einfach nur so.

Der Schäfer: 
Teilen macht froh

Freudig-bewegt schaut er drein, der Schäfer mit dem grauen, ein wenig abgegriffenen Schlapphut, der wohl auch schon bessere Tage gesehen hat. Sein fröhliches breites Lächeln um das unrasierte Kinn wirkt fast schon ein wenig kess. Er scheint glücklich zu sein und strahlt das auch aus. Die Freude über die Botschaft der Engel hat ihn zur Krippe getrieben – und als Zeichen seiner Liebe bringt er mit, was er hat: ein halbes Brot, sauber geschnitten, ohne Verpackung und ohne viele Umstände. Die Armen teilen leichter als die Reichen, und sie teilen nicht nur das wenige Materielle, das sie haben, sondern vor allem die Freude und das Glück, das ihnen zuteil geworden ist: „Ich verkünde euch eine große Freude – heute ist euch der Heiland geboren“. Und auch er wird eines Tages im Zeichen des geteilten Brotes unter uns sein. Teilen stiftet Gemeinschaft. Das gilt für das Brot, das wir zum Leben brauchen, das gilt aber auch für die Zeit, die wir einander schenken. Verschenkte Zeit kehrt wie durch ein Wunder stets zum Gebenden zurück. Drum lasst uns teilen wie der Schäfer – froh und ohne zu rechnen.

„Teilst du dein Brot ängstlich
ohne Vertrauen, ohne Wagemut, überstürzt,
wird es dir fehlen. Versuch es zu teilen,
ohne in die Zukunft zu denken, ohne zu rechnen,
als ein Sohn des Herrn über alle Ernten der Welt.
Dann wirst du wahre Freude erfahren.“
(Helder Camara)

Der junge Mönch:
O wie staunenswert sind die Wunder Gottes

Staunen gehört zu den Urerfahrungen des Menschen. Wer nicht mehr staunen kann, hat aufgehört zu leben. Er ist wahrhaft armselig, weil er die täglichen Wunder Gottes nicht mehr sieht.

Der junge Mönch an der Krippe kann noch staunen. Er erscheint fast wie ein leibhaftiges O – O sapientia, O Adonai, O radix Jesse, O clavis David, O oriens, O Rex gentium, O Emmanuel.

Weit geöffnet ist der Mund des Jungen – voller Bewunderung, voller Ehrfurcht. Ob er selbst versteht, was sein Mund schon ausdrückt?
Die unschuldigen, fast noch kindlichen Augen verraten leichtes Zögern, unsicheres Abwarten, aber auch naive Neugier. Mund und Herz haben scheinbar schneller erkannt als Geist und Verstand. Die Hände sind weit nach oben hin geöffnet zur Orante-Haltung.

Der junge Mönch ist bereit zu empfangen – er öffnet sich für das Wunder, das da im Stall von Bethlehem geschehen ist und immer wieder geschieht. Da, wo alle Worte versagen, öffnet sich sein Mund zum stummen O zur Anbetung des Kindes in der Krippe.

Der Kantor: 
Singet und lobet den Herrn

Wie die alte Bäuerin, so ist auch der Kantor über das lebenslange Warten auf den Herrn alt und grau und wohl auch ein wenig müde geworden. Ein seltsamer Ernst schaut aus seinen Augen. Nachdenklich wirkt er und auch ein wenig skeptisch. „Ist es der, auf den wir gewartet haben oder müssen wir auf einen anderen warten?“, scheint er sich mit Johannes dem Täufer zu fragen. Und doch. „Die Zeit – das ist die Spanne meines Lebens, in der wird, was werden soll“, hat Karl Rahner einmal gesagt. Und so weiß auch unser Kantor tief in seinem Inneren: Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade, jetzt ist er da, der Tag des Heils. Und so wird er wach und greift zum Buch. Wie oft mag er die Melodien in seinem Leben schon gesungen haben. Sie sind ihm inwendig vertraut; nun kann er sie auswendig singen. Wer singt, vergisst sich selbst und gibt sich ganz dem Größeren hin. Lobpreis und Dank, Ehre und Anbetung werden dem Kind in der Krippe zuteil. Heute ist uns der Retter geboren, Alleluja.

„Die Musik ist unsere Wahrheit. Wenn sie von Herzen kommt, ist die Schönheit, die wir aus ihr hervorbringen, vielleicht der einzige wirkliche Wegweiser, die einzige Quelle der Erneuerung. Wo andere hadern, können wir heiter sein. Wo andere Spiele betreiben, können wir Herzen bewegen. Wo die Habgierigen raffen, können wir schenken… Vielleicht ist es überhaupt nur die Musik, die das Mystische mit dem Rationalen versöhnen und darin fortfahren kann, die Allgegenwart Gottes der Menschheit vor Augen zu führen.“ (Leonard Bernstein)

Joseph:
„… und seine Treue währet ewiglich“

Was ist diesem Mann nicht alles abgefordert worden. Doch er hat sich bewährt – im Glauben und im Gehorsam, in der Treue und in der Liebe. Ein wenig in sich versunken steht Joseph da: aufrecht, kraftvoll und wachsam. Sein rauhes, gegerbtes Gesicht zeigt, daß das Leben nicht spurlos an ihm vorüber gegangen ist. Aber er hat standgehalten und stellt sich nun schützend an die Seite Mariens. Er ist der Lichtträger, der Hüter der Flamme, die die göttliche Herrlichkeit aufleuchten läßt, die Licht schenkt und Wärme. Liebevoll, auch ein wenig stolz und zufrieden schaut er auf Maria und das Kind. Behutsam hat er die rechte Hand erhoben, um das Licht und das Kind zu schützen. Ob er weiß, daß da das „Licht für die Völker“ in Windeln gewickelt in der Krippe liegt? Sein Sohn, der Gottes Sohn ist. Das Mysterium der Menschwerdung – wer kann es begreifen. Nur der, der täglich neu auf die Stimme Gottes hört, der dem Ruf folgt, der sich auf den Weg macht und seinen Weg in Treue bis zum Ende geht. „Die Treue“, so sagt Gabriel Marcel, „ist der Sieg über die Zeit.“ Nur die Treue verleiht der Zeit Dauer und Bestand. Sie schenkt einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit und lässt erahnen, was Gottes Liebe und Treue bedeuten.

„So sollst du denn erkennen, dass Jahwe, dein Gott, der wahre Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Huld bis auf tausend Geschlechter denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten.“ (Dt 7, 9)

Maria: 
“ … mir geschehe nach deinem Wort“

Maria ist hier zunächst einmal die ganz und gar liebende und fürsorgende Mutter. Ihr Kind liegt auf ihrem Schoß, aus dem es geboren wurde. Heitere Ruhe strahlt sie aus, Sanftmut und seliges Glück. Ihr Gesicht leuchtet von innen; die zarten und feinen Gesichtszüge sind durchlässig für IHN, für das Licht. Fenster zu IHM, das will und das wird sie sein. Schon hier und heute wird das sichtbar. Ihre Augen sind gesenkt; sie schaut auf ihr Kind, hat gleichsam nur Augen für IHN. Die Liebe versteht auch ohne Worte; die Hände sprechen ihre eigene Sprache: bergend und haltend, schützend und freilassend zugleich. Sie kann ihren Sohn nicht festhalten – so wenig wie wir Gott festhalten oder festlegen können. Loslassen will eingeübt werden von Anfang an. Maria sitzt da wie eine Pietà. Später, viel später wird sie ihren gekreuzigten und gestorbenen Sohn genauso auf ihrem Schoß tragen. Ob sie darum heute schon weiß? Vielleicht ahnt sie es tief innen in ihrem Herzen. Dennoch lässt sie sich nicht beirren und ist ganz da in diesem ersten Augenblick. Eine gütige und sanfte, eine starke und mutige Frau, die ihr FIAT spricht zu allem, was Gott ihr zumutet. Das Leben ist die Spanne, in der wird, was werden soll. Im Vertrauen darauf geht Maria ihren Weg.

„Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort…
Selig, die geglaubt hat, dass sich an ihr erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1, 38.45)

Das Kind: 
Die Zeit ist erfüllt

Zuletzt und doch eigentlich als Erstes liegt da das Kind in seiner Mutter Schoß: kahlköpfig, fast noch einem Embryo gleichend – der Mensch in seiner Urform und Vollendung zugleich.

In IHM hat die Zeit sich erfüllt, hat eine neue Zeit begonnen, begegnen sich Zeit und Ewigkeit. Selbstbewußt schaut es aus, ganz in sich ruhend, ganz bei sich. Ob es seiner Sendung schon gewahr geworden ist?
Den Kopf hat es leicht nach oben gerichtet, hinauf zu seiner Mutter. Aber es blickt sie nicht an, sondern schaut über sie hinaus und durch sie hindurch: „Wußtet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Die rechte kleine Hand liegt auf dem Herzen, so als ob es einen Eid zu schwören gelte: „Ich bin in die Welt gekommen, Euch zu erlösen. Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist da.“

„Denn ein Kind ist uns geboren,
ein Sohn ist uns geschenkt;
die Herrschaft ruht auf seinen Schultern.
Man nennt ihn wunderbarer Ratgeber,
starker Gott, Fürst des Friedens.“
(Jes 9, 5)

Sr. Philippa Rath OSB

Besucher und Besuchergruppen

Besucher und Besuchergruppen sind in unserer Abtei herzlich willkommen. Wir laden Sie ein, zunächst einmal die herrliche Aussicht über das Mittelrheintal und den Rheingau zu genießen.

Nach vorheriger Anmeldung können Besuchergruppen einen Vortrag über unser klösterliches Leben und/oder die heilige Hildegard buchen.

Anmeldung bitte Mo + Mi zwischen 14.00 und 16.00 und Di, Do, Fr zwischen 10.00 und 12.00 Uhr unter: 06722/499-266 oder per E-Mail: besuchergruppen@abtei-st-hildegard.de.

Bei Gruppen unter 20 Personen erbitten wir einen Pauschalbeitrag von 50,- €, bei größeren Gruppen einen Beitrag von 3,- € pro Person.

Das Innere des Klosters und die Werkstätten können leider nicht besichtigt werden. Wir machen Sie auch darauf aufmerksam, dass unsere Abteikirche leider nicht barrierefrei zugänglich ist; bitte lassen Sie uns bei Ihrer Anmeldung wissen, wenn Rollstuhlfahrer in der Gruppe sind.

Bitte beachten Sie: Der Schrein der heiligen Hildegard befindet sich in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard, Rüdesheim, Marienthaler Straße 3. Falls Sie dort Eucharistie feiern oder am Schrein einen Vortrag über Leben, Werk und die aktuelle Botschaft der heiligen Kirchenlehrerin Hildegard hören möchten, wenden Sie sich bitte an Sr. Hiltrud Gutjahr: sr.hiltrud@web.de oder Tel: 06722 / 910 589.
Download Wegweiser für Einzelbesucher und Gruppen 

Sie können sich aber auch gerne Ihr eigenes „individuelles Besuchspaket“ schnüren. Denn auf dem Klosterberg gibt es viel zu sehen und zu erleben:

Abteikirche:

Die Abteikirche steht tagsüber allen interessierten Besuchern offen. Im Klosterladen können Sie eine ausführliche Beschreibung der Kirche und der ganzen Klosteranlage erwerben. Online – Führung durch unsere Kirche  Auch können Sie per QR-Code eine Kirchenführung in deutscher, englischer und französischer Sprache auf Ihr Handy laden. Alle Gruppen sind herzlich eingeladen, an unseren Gebetszeiten, z.B. an der Mittagshore um 12.00 Uhr oder an der Vesper um 17.30 Uhr teilzunehmen.

Inforaum:

Im Inforaum können sie sich über das benediktinische Leben in der Abtei St. Hildegard und über Person und Werk der heiligen Hildegard informieren. Auch eine fotografische „Klosterführung“ können Sie dort anschauen. Eine Reihe von Filmen und Filmsequenzen sowie mehrere virtuelle Präsentationen – auch für Kinder und Jugendliche – sind für Sie abrufbereit.

Klosterladen/Vinothek:

In unserem Klosterladen bieten wir Ihnen Gehaltvolles für Leib, Seele und Geist und eine Oase zum Verweilen, zum Stöbern und Schmökern. Eine umfangreiche Buchauswahl, Kerzen und CDs, 50 verschiedene Dinkelprodukte, Goldschmiede- und Keramikarbeiten aus den eigenen Kunstwerkstätten, ein erstklassiges Weinsortiment aus dem eigenen Klosterweingut und klostereigene Liköre, Brände und Gelees warten auf Sie. In der Vinothek können Sie die Weine aus dem Klosterweingut gerne auch verkosten.

Kunstkeller:

Im Kunstkeller finden wechselnde Ausstellungen statt. Die ganze Bandbreite der Kunst und der künstlerischen Gestaltung spiegelt sich hier wieder. Der Kunstkeller ist Mi – So von 15.00-17.00 Uhr geöffnet. Vom 23.12. bis 28.2. bleibt der Kunstkeller geschlossen.

Klostercafé:

Im Klostercafé können Einzelgäste und Besuchergruppen zu einem einfachen Mittagessen oder zu Kaffee und Kuchen einkehren. Hier gibt es herzhafte und süße Köstlichkeiten aus der Klosterküche und der Klosterbäckerei.

Öffnungszeiten:  Bis 28. Februar: täglich von 11.00 – 16.00 Uhr (am Karfreitag, Ostersonntag, Heiligabend und 1. Weihnachtstag bleibt das Klostercafé geschlossen). Im Januar bleibt das Klostercafé gänzlich geschlossen; ab 1. Februar sind wir täglich außer Montags von 11.00 – 17.00 Uhr für Sie da.

Anmeldung von Gruppen bitte unter: 0049 (0)6722 / 499-266 oder per E-Mail: klostercafe@abtei-st-hildegard.de

 

 

 

 

„Liebt einander!“

Es gibt in unserem Klosterladen eine Postkarte, die besonders beliebt ist. Auf ihr ist der Spruch zu lesen: „Ein Freund ist jemand, der dich kennt und dich trotzdem lieb hat.“ Wer diese Karte betrachtet, der schmunzelt zustimmend. Wissend, wie wertvoll Freundschaften sind, aber wissend auch, dass Schwächen und Fehler zu schweren Zerwürfnissen führen und zum Ende einer Beziehung beitragen können. Ja, es steckt eine Tragik darin: wir alle leben vom Wohlwollen der anderen, von ihrer Güte und Nähe, ihrer Zuneigung – doch Sehnsucht und Enttäuschung liegen hier nah beieinander. Nichts ist so kostbar und zugleich so fragil, so zerbrechlich, wie die Liebe.
Das wusste bereits die Antike und stellte daher die Frage, was das denn eigentlich sei: eine „echte“ Freundschaft. Man kam zum dem Ergebnis, dass dies nicht ein Zweckbündnis sein könne, das bloß den Nutzen oder puren Spaß im Sinn hat, sondern gute Freunde haben einen Sinn für das Gute: für sich und füreinander. Sie sind nicht Konkurrenten, sondern Partner, die sich mitfreuen und mitleiden können: beglückende Seelenverwandtschaft, wechselseitiger Gedankenaustausch, geschenkte Zeit, Vertrauen. „Wohl dem, der einen solchen Freund gefunden hat“, so beschwören es die Weisheitsschriften des Alten Testaments.

Doch wie steht es dann mit der Gottesfreundschaft? Mit der Freundschaft, die Jesus uns schenkt? Von einer Liebe auf Augenhöhe kann man hier wohl nicht sprechen, oder doch?
Unsere gegenwärtige Zeit ist da jedenfalls skeptisch. Wenn sie Gott überhaupt noch eine Existenz zugesteht, so „kennt“ sie ihn fast ausschließlich als fernen, fremden, apathischen Gott, der scheinbar teilnahmslos jeglichem Geschehen unter dem Himmel seinen Lauf lässt.
Aber auch die Antike war der Gottesfreundschaft gegenüber zurückhaltend: eine Freundschaftsbeziehung in radikaler Ungleichheit sei nicht möglich. Der Mensch steht der antiken Götterwelt unfrei gegenüber. Er muss ihr das Lebensnotwendige ewig neu abringen: das Feuer, die Freiheit, den Frieden. Gott und Mensch bleiben Konkurrenten – Freundschaft undenkbar!

Das Evangelium des heutigen Sonntags ist uns vermutlich schon zu vertraut, um noch den Paukenschlag zu vernehmen, das unvorstellbar Neue zu hören, das in den Worten Jesu steckt: „Ihr seid meine Freunde! Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“ Jesus ist Vorbild im Lieben, aber mehr noch: Seine Liebe begründet die Liebe der Jünger; und noch mehr als das: Seine Liebe bewirkt die Liebe der Jünger und kommt in ihr zum Ausdruck. Er schenkt wahre Freiheit: Gottes und Nächstenliebe gehören untrennbar – partnerschaftlich – zusammen. „Wer sagt er liebe Gott, aber seinen Bruder hasst, ist ein Lügner!“ Ja, Freundschaftsverweigerung und Gemeinschaftszersetzung gehören leider zu den beschämenden und erschreckenden Seiten kirchlicher Wirklichkeit.

Ein Freund ist jemand, der dich kennt und trotzdem lieb hat.
Gott ist jemand, der uns kennt, weil er uns liebt.

Am Abend des letzten Mahles – in diesem Kontext steht der Abschnitt aus dem Evangelium – schenkt Jesus der Welt das, was wir alle zum Leben brauchen: Liebe. Seine Liebe, die uns ruft und die uns als Geschenk, als Gabe und Aufgabe gegeben ist, um diese übergroße Liebe Gottes wiederum für andere erfahrbar und sichtbar werden zu lassen. Sie will und kann sich nicht verschließen, sondern muss sich ausbreiten. Sie ist nicht abstrakt, sondern zutiefst geerdet: „Wenn nun ich, der Herr, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen“, sagt Jesus wenige Augenblicke zuvor. „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Aber: wie liebt Jesus denn eigentlich? Heilend, aufrichtend, verzeihend. Er ruft und lehrt, erklärt, versteht, zieht sich zurück, dient, betet, betet für, dankt, schläft, schweigt, isst mit Sündern und Ausgegrenzten, gibt sein Leben hin für seine Freunde, erweist uns seine Liebe bis zur Vollendung. Gehen Sie doch einmal das Evangelium auf dieser Spur durch: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ – unbegrenzt, vorbehaltlos, in unerschöpflicher Geduld.

Es gibt in unserem Klosterladen noch eine Postkarte, die gerne genommen wird. Darauf steht geschrieben: „Das Schönste, was ein Vater seinen Kindern schenken kann, ist ihre Mutter zu lieben.“ Ich möchte diesen Spruch gerne etwas verändern und damit eine kleine Antwort auf das Evangelium des heutigen Sonntags geben und zugleich eine Ermutigung aussprechen, von der ich zutiefst überzeugt bin: „Das Schönste, was wir Gott schenken können, ist einander zu lieben.“

Von Sr. Raphaela Brüggenthies OSB

Wir wollen mit euch gehen

Aus dem Propheten Sacharja (8,23):
So spricht der Herr, der Heere: In jenen Tagen werden zehn Männer aus Völkern aller Sprachen einen Mann aus Juda an seinem Gewand fassen, ihn festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Gott ist mit euch.

Sacharja, Prophet im 6. Jahrhundert vor Christus, legt seinen Zeitgenossen den Plan Gottes dar zur Wiederherstellung des zerstörten Jerusalem und zur Neuordnung des begnadeten Gottesvolkes. Auf unsere Zeit übertragen würde das bedeuten: den Plan zur Wiederbelebung unserer leeren Kirchen und Klöster und zur inneren Neuordnung des Gemeinde- und Familienlebens.
In jenen Tagen werden zehn Frauen aus Völkern aller Sprachen eine Nonne aus Sankt Hildegard an ihrem Habit fassen, sie festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Gott ist mit euch.
Die Verheißung ist da. Gott ist da. Woran also mangelt es?
Lassen wir uns vielleicht nicht am Gewand anfassen? Bieten wir keine Nähe, die einlädt, mitzugehen? Oder würden die zehn Männer oder Frauen, die bei Sacharja noch zupacken, heute nicht das Gewand, sondern nur das Bild des Gewandes „virtuell“ berühren?

Lassen wir uns noch in Anspruch nehmen von Gottes Ruf. Uns anblicken, berühren von Gottes Blick? Und fragen dann zurück: Herr, was willst du, das ich tun soll?
Kurz nach der Fertigstellung dieses Christusbildes schreibt im August 1909 ein Mitbruder aus Emaus, Prag, und anerkannter Kunstkritiker, Odilo Wolff, seinen Dank an den Maler:
„Aber vor allem schwebt mir, wo ich gehe und stehe, der Christus der Abside vor Augen. Nie habe ich ähnliches gesehen. – Man mag mich darob belächeln, meinetwegen; aber ich kann nicht anders sagen, als wie ich dort an Ort und Stelle sagte: Ich habe Jesum gesehen.
Eine menschliche Schönheit, die alles Vollkommenste enthielt, eine objektive Schönheit, die nicht von der Subjektivität und Auffassung eines Meisters eingeschränkt ist – an der vielmehr jede Linie sagt: „So muss ich sein, ich kann nicht anders sein.“ Ein Ernst so groß und eine so sanfte Milde – ohne jede Süßlichkeit oder Mattheit – dass ich gebannt war. Aber das konnte noch menschlich sein, das Ideal des Menschen.
Dazu aber kommt nun die ganz übermenschliche Größe, die alles Maß durchbricht, in kein menschliches Maß sich fassen und einengen lässt – das ist einfach göttlich!
Und anders konnte und kann man das Göttliche in Christus nicht ausdrücken, als durch dieses Übermaß. Einzig überwältigend, wie dieser Gott auftaucht in dem goldenen Aether der Concha; sich herüberneigend über den Opferaltar, herabneigend zu uns Menschen Ich war die Stunde, die ich von 6-7 Uhr da saß, gebannt. Ich war das ganze Hochamt hindurch gebannt, mein Blick konnte sich nicht abwenden von dem Antlitz des Gottmenschen.
Jetzt verstand ich das Wort: „Als Jesus in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das?“ Ich schaute und verstand beim Hochamt, dass dieser da allein der Vermittler sein könnte zwischen Gott und Mensch, der vollkommene Fürbitter bei Gott, der allein Sich Ihm nahen konnte, weil Seine Größe die Größe Gottes ist.“
Die Malerei ist in dieser Kirche nicht Dekoration, sondern wie das Chorgebet Umkleidung, die Aureole, die das Opfer Christi umgibt, das in der Eucharistiefeier gegenwärtig gesetzt wird.
Der Raum und das Stundengebet laden ein, diesem Christus zu begegnen, ihn am Gewand zu fassen, damit ich heil werde.
Natürlich, es braucht nicht diesen Raum, um Gott zu begegnen. Es braucht nicht den Habit, um Mönch zu sein. Aber der Raum, die Einladung in die Gemeinschaft hilft, sich dem Geheimnis Gottes zu öffnen. Warum dann diese Einladung ausschlagen? Was wäre denn zu verpassen, wenn die Einladung Gottes angenommen wird?
Mit offenen Armen lädt er uns ein. Christus ist die Mitte. Nicht nur in der Darstellung dieser Kirche, sondern, ob wir es zugeben oder nicht, die Mitte unserer Seele. Kommt zu mir, und ruht ein wenig aus. Der Meister ist da, er ruft dich!

Von Sr. Klara Antons OSB

Hildegardis-Fest 2014

HILDEGARDISFEST 2014

DIENSTAG, 16. SEPTEMBER 2014

19.30 Uhr Hildegard von Bingen: Ordo Virtutum
Tanz, Lied und Lesung durch die Spielgemeinschaft Schola gUg
Regie: Bettina Gies
MITTWOCH, 17. SEPTEMBER 2014

PFARR- UND WALLFAHRTSKIRCHE ST. HILDEGARD, EIBINGEN

10.00 Uhr Pontifikalamt vor der Wallfahrtskirche in Eibingen, Marienthaler Str. 3
mit Bischof Ambrogio Spreafico, Bistum Frosinone-Veroli-Ferentino, Italien

12.00 Uhr – Gemeinsamer Mittagstisch; Kaffee und Kuchen
– Gelegenheit zu Beichte und Beichtgespräch

15.00 Uhr Reliquienfeier
• Festansprache: Bezirksdekan Georg Franz, Priesterlicher Leiter des Pastoralen Raumes Rüdesheim/Lorch/Geisenheim

• Kinderkatechese: „Wir Kinder begegnen der heiligen Hildegard“

• Prozession mit dem Reliquienschrein durch Rüdesheim/Eibingen

Der Reliquienschrein ist nach dem Pontifikalamt und nach der Reliquienfeier zur Verehrung geöffnet.

 

ABTEI ST. HILDEGARD

07.30 Uhr Lateinisches Choralhochamt in der Abteikirche

13.15 Uhr Vortrag über das benediktinische Leben heute

17.30 Uhr Hildegardis-Vesper in der Abteikirche

Der Klosterladen ist ganztags durchgehend geöffnet; Weinausschank des Klosterweinguts.

Hildegardisfest 2014

DIENSTAG, 16. SEPTEMBER 2014

19.30 Uhr in der Wallfahrtskirche St. Hildegard, Eibingen, Marienthaler Str. 3:

Hildegard von Bingen: Ordo Virtutum – Tanz, Gesang und Lesung durch die Spielgemeinschaft Schola gUg

Regie: Bettina Gies

 

MITTWOCH, 17. SEPTEMBER 2014

Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard, Eibingen, Marienthaler Str. 3

10.00  Uhr Pontifikalamt mit Bischof Ambrogio Spreafico, Italien

12.00 Uhr gemeinsamer Mittagstisch; Kaffee und Kuchen

Gelegenheit zu Beichte und Beichtgespräch

15.00 Uhr Reliquienfeier

– Festansprache: Bezirksdekan Georg Franz

– Kinderkatechese: „Wir begegnen der heiligen Hildegard“

– Prozession mit dem Reliquienschrein

Der Reliquienschrein ist nach dem Pontifikalamt und nach der Reliquienfeier zur Verehrung geöffnet.

Abtei St. Hildegard

07.30 Uhr Lateinisches Choralamt

13.15 Uhr Vortrag über das benediktinische Leben heute

17.30 Uhr Hildegardisvesper in der Abteikirche

Zu Gast im Kloster 2014


Montag, 29.12.2014 bis Freitag, 2.1.2015

Tage über Silvester und Neujahr
„Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen“ ( Ps. 91,11)

Der Trubel um die Jahreswende lenkt unsere Aufmerksamkeit häufig an die Oberfläche und macht uns atemlos und leer. So wollen wir den Jahresabschluss in ganz besonderer Weise gestalten, indem wir in die Stille einkehren, Rückschau halten, um Altes hinter uns lassend mit neuem Vertrauen auf Gott das neue Jahr beginnen. Einzel- und Gruppengespräche, sakrale Tänze, Gebetsgebärden und Körpergebete unterstützen uns dabei.

Leitung: Frau Gertraud Graßl (Heilpraktikerin) /
Sr. Francesca Redelberger OSB
Beginn: Montag, 29.12. mit dem Abendessen um 18.00
Uhr (Anreise 14.30-16.30Uhr)
Ende: Freitag, 2.1. mit dem Mittagessen
Kosten: Übernachtung mit Vollpension 240 €,
Kursgebühr: 200 €
Teilnehmerzahl: max. 15 Personen
Anmeldung bitte bis 14.11.2014

Zu den Kursangeboten 2015

Reliquienfeier zum Hildegardisfest 2012 (Eibingen)

FINIS CAUSAE HILDEGARDIS

DER ABSCHLUSS DES HEILIGSPRECHUNGSVERFAHRENS

Manuskript für die Ansprache zur Reliquienfeier, Hildegardisfest 2012
Pfarrer Holger Daniel

2012-09-17 Reliquienfeier – Pfr. Daniel

Reliquienfeier zum Hildegardisfest 2012 (Eibingen)

Predigt von WB Dr. Hegge

Predigt von WB Dr_ Hegge anl_ der Reliquienfeier zum Hildegardisfest