Klösterliches Leben

10 Gebote der Gelassenheit
Werkzeuge der geistlichen Kunst

 

 

 

Ort des Lebens – Ort des Segens 

10 Gebote der Gelassenheit – Werkzeuge der geistlichen Kunst

ein Weg durch unseren Alltag

eine Einladung
zum Verweilen im Eilen

 

„Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten: an jedem Tag, zu jeder Stunde, ohne Übertreibung, mit Geduld.“ ( hl. Papst Johannes XXIII.)


 

Leben 

 

„Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“

02

Herr,
schenke mir Augen, die weiter sehen
schenke mir Ohren, die tiefer lauschen
schenke mir Gedanken, die unaufhörlich nach dir fragen
schenke mir Menschen, die dich mit mir suchen
und wenn wir dich gefunden haben,
dann blüht unser Mauerwerk auf
im Atemwind deines Geistes
wachsen Trost und Segen,
weil du überall auf uns schaust

 

Werkzeug
Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut. RB 4,49

apertis oculis nostris

ad deificum lumen
adtonitis auribus audiamus
divina cottidie clamans
HODIE


 

Sorgfalt 

„Nur für heute werde ich mit größter Sorgfalt auf mein Auftreten achten. Ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. Nur mich selbst“

03

sed magis benedicere 

Herr Keuner ging in ein Lebensmittelgeschäft, das sich gleich um die Ecke seines Hauses befand. „Gott zum Gruße“, sagte er beim Eintritt, doch man schenkte ihm nur ein müdes Lächeln. Er habe die Perle im Acker gefunden und wolle ein kleines Fest geben, ob die Herrschaften nicht kommen wollen, fragte er, jeder sei willkommen. Doch man

runzelte nur die Stirn und tat zugleich so, als habe man seine Worte nicht gehört. Mönch zu werden, ja, darüber habe er schon häufiger nachgedacht, mehr theoretisch als praktisch, aber plötzlich habe es ihn dann ergriffen und es lasse ihn nicht mehr los; nein, besser: ER lasse ihn nicht mehr los. Ob jemand der Anwesenden auch so eine beglückende Erfahrung gemacht habe, wollte er wissen, doch man schrie ihn an, er möge endlich still sein. Totenstille trat ein – und Herr Keuner trat aus, um schließlich woanders schweigend einzutreten. Die Perle aber, die ließ er im Acker.

Werkzeug
Von der Liebe nicht lassen. Die uns verfluchen, nicht auch verfluchen, sondern – mehr noch – sie segnen. RB 4,26.32

einmalig
unersetzbar
ähnlich und doch verschieden
zum Verbinden und Ergänzen geschaffen
Geduld ist gefragt und Ausdauer
Sorgfalt
mit dir und mit mir
Puzzleteile im Acker unseres Lebens


 Glück 

„Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich geschaffen bin, glücklich zu sein, nicht nur für die andere, sondern auch schon für diese Welt.“

04

jubelnde Seele
streck deine Hände aus
grab nach der Quelle
hier ist der Garten
Ölberg und Eden
auch deines Lebens Rosen
wollen hier blühen
Dornwald und Wüste
Manna und Tränen
der Mächtige tut Grosses an uns
heute
hier
auch jetzt
und in der Stunde unseres Todes
stell dich in den Segen
lobpreise den Herrn

Werkzeug
Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben. RB 4,46f.

Realismus 

„Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an meine Wünsche anpassen.“

05

UM-WÖRTER 

In unserem Alltag benutzen wir viele
Wörter, die mit „um“ beginnen.
Manche dieser „Um-Wörter“ wollen eine
Veränderungen andeuten: Um-zug, Um-schwung, Um-wandlung.

Andere „Um-wörter“ verweisen auf
neue Wegstrecken (Um-wege) und längere Prozesse, die mitunter schmerzhaft verlaufen können: um-gehen, um-biegen, um-erziehen, um-pflanzen, um-leiten.

Aber es gibt auch „Um-wörter“, die selbst in scheinbar un-um-stößlichen Situationen neue Perspektiven eröffnen: Um-verteilung, Um-widmung.

Um-orientierung gelingt freilich nur, wenn aus der neuen Um-schreibung nicht sofort wieder ein neuer Um-stand wird, den man lieber gleich um-schiffen würde.

Ist in unserem Leben denn wirklich alles so vergebens und um-sonst?

Nein!

UM-KEHR – conversatio – ist nicht umsonst, aber dafür „gratis“ – eben voll der Gnade.

Jeden Tag neu!

Werkzeug
Nicht murren. RB 4,39

 Lesen 

„Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.“

06

 

Wie treffend, dass es von diesem „Gebot“ gleich zwei Varianten gibt: Lesen und Stille.

Beides liegt auch in unserem Kloster nah beieinander: Bibliothek und Oratorium.

Lectio und Oratio.

In das kleine Heftchen dürfen Empfehlungen geschrieben werden: Leseempfehlungen für das Leben der Seele.

Manchmal liest sie sich spannender als das Buch, das man sich gerade ausleihen möchte: die Leihkarte mit den Namen derer, die schon vor einem dieses Buch gelesen haben.

Leseempfehlungen der stillen Art.

Welcher Reichtum liegt hier verborgen.

Werkzeug
Heilige Lesungen gern hören. RB 4,55

Stille 

„Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit der Stille widmen und Gott zuhören. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist das Horchen auf Gott in der Stille notwendig für das Leben der Seele.“

07

Werkzeug
Sich oft zum Beten niederwerfen. RB 4,56

Vorübergang des Herrn
tritt einfach ein
bete
und lass die Welt
vorübergehen

simpliciter intret et oret 


Handeln

„Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.“

08

keine Schatten
sondern Licht wirfst du in unser Leben
malst bunte Farbe auf grauen Stein
verwandelst finstere Ecken
in helles Leuchten
zart
verspielt
für Achtsame
nur einen Augenblick
wie leises Säuseln
o Schöpfer der Welt
wie staunenswert
ist dein Blick
für uns
ist dein Atem
in uns
ist dein Antlitz
unter uns
Licht ist gesät
schon keimt es
seht ihr es nicht?
nur einen Augenblick
und das Angesicht der Erde
wird neu

Werkzeug
Arme bewirten.
Nackte bekleiden.
Kranke besuchen.
Tote begraben
Bedrängten zu Hilfe kommen.
Trauernde trösten. RB 4,14-19

Überwinden

„Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.“

09

Mittagshore 

erhitzte Gemüter
neigen das Haupt

die Stirn trägt Wunden
dein Wort lässt heilen
was Worte verletzten

zur Ruhe kommen
die Stille finden

Mitten am Tag
notwendig
Not wendend
heilend

die Stille gefunden
zur Ruhe gekommen

vergebende Worte
dein Wort, das vergibt
alle Schuld dieser Welt

als du dein Haupt neigtest
über erhitzte Gemüter

zur Mittagszeit

Werkzeug
Nicht stolz sein,
nicht trunksüchtig,
nicht gefräßig,
nicht schlafsüchtig,
nicht faul sein. RB 4,34-38

contentus sit monachus


Planen

„Nur für heute werde ich mir ein genaues Programm vornehmen. Auch wenn ich mich nicht genau daran halten werde – ich werde den Tag planen. Ich werde mich besonders vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.“

10

Danke,

Herr, dass du unser Wollen in ein anderes Licht stellst
und voller Sanftmut
einen zarten Strich
durch unsre Pläne machst.

11

 

 

in aller Gelassenheit und im Gehorsam

cum omni mansuetudine et oboedientia

 

 

Werkzeug
Gottes Weisungen täglich durch die Tat erfüllen. RB 4,63

 


Mut

„Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, und mich an allem freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.“

12

Werkzeug
Vor allem: Gott den Herrn, lieben
mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele
und mit ganzer Kraft.
Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst. RB 4,1f.

wie klopfte mir damals das Herz
bei den ersten Schritten
Einsamkeit und Gemeinschaft

„lass dich nicht sofort von Angst verwirren
fliehe nicht vom Weg des Heils
er kann am Anfang nicht anders sein als eng
folge mir nach“

Heimsuchung Gottes
Zeitenwende in seinem Zelt
Hände in Hände gelegt

welch unsagbares Glück:
hier brennt der Dornbusch

und das Herz schlägt mir noch heute


Vertrauen

„Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten – , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.“

13

 

GEMEINSCHAFT ausbuchstabiert (mit RB 72) 

G ott fürchten

e inander selbstlos

m it glühender Liebe

E igenwillen aufgeben

i m gegenseitigen Gehorsam

n ichts vorziehen

s o gibt es den guten Eifer

c harakterliche Schwächen mit unerschöpflicher Geduld ertragen

H ilfe des Herrn erbitten

a uf die Weisung des Meisters hören

F ührung des Evangeliums

t äglich durch die Tat erfüllen

ecce quam bonum
Wurzel und Stamm
Grundstock für Generationen
im Vertrauen auf Gott
wachsen neue Triebe
getragen und gestützt
habitare in unum

 

Werkzeug
Seine Hoffnung Gott anvertrauen. RB 4,41

Von Sr. Raphaele Brüggenthies OSB

 

Professritus

Wortgottesdienst

 

Introitus / Eingangsgesang der Hl. Messe

Der Pontifex lädt die Profitentin ein:

Veni, filia, audi me, timorem Domini docebo te.

Komm, Tochter, höre mich, die Furcht des Herrn will ich dich lehren. (Ps 34,12)

Die Profitentin entzündet ihre Taufkerze und antwortet:

Et nunc sequor in toto corde : te timeo, et quaero faciem tuam videre. Domine ne confundas me : sed fac mihi juxta mansuetudinem tuam, et secundum multitudinem misericordiae tuae.

Nun folge ich dir aus ganzem Herzen. Ich fürchte dich und suche dein Antlitz zu schauen. Herr, verlass mich nicht, sondern handle an mir nach deiner Güte und nach deinem großen Erbarmen. (Dan 3,41f.)

Gloria

Erste Lesung

Graduale /Antwortgesang

Zweite Lesung

Alleluia

Evangelium

Homilie

 

Feierliche Profess und Monastische Weihe

Äbtissin:
Schwester N.N., durch die Taufe sind Sie der Sünde gestorben und dem Herrn geweiht. Wollen Sie sich durch die Monastische Profess noch enger an ihn binden und sich von ihm in seinen besonderen Dienst nehmen lassen?

Profitentin: Ja, ich will es.

Hymnus

hymnus

Komm, Heilger Geist, der Leben schafft: erfülle uns mit deiner Kraft;
dein Schöpferwort rief uns zum Sein: nun hauch uns Gottes Odem ein.
Qui Paráclitus díceris,
donum Dei altíssimi,
fons vivus, ignis, cáritas
et spiritális únctio.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Tu septifórmis múnere,
dextrae Dei tu dígitus,
Tu rite promíssum Patris
sermóne ditans gúttura.

Dich sendet Gottes Allmacht aus im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund.

Accénde lumen sénsibus,
infúnde amórem córdibus,
infírma nostri córporis
virtúte firmans pérpeti.

Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.

Hostem repéllas lóngius
pacémque dones prótinus:
ductóre sic te prævio
vitémus omne nóxium.

Die Macht des Bösen banne weit, schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn, dass Unheil uns nicht schaden kann.

Per te sciámus da, Patrem,
noscámus atque Fílium,
te utriúsque Spíritum
credámus omni témpore. Amen.

Lass gläubig uns den Vater sehn, sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt und uns das Leben Gottes bringt. Amen.

 

Äbtissin:
Schwester N.N., Sie stehen vor Gott und seinen Heiligen. In Gegenwart der hier versammelten Schwestern frage ich Sie: Wollen Sie in diesem Kloster der hl. Hildegard zu Eibingen beständig ausharren und unserer Gemeinschaft die Treue halten in guten und in bösen Tagen?

Profitentin: Ja, ich will es.

Äbtissin:
Wollen Sie unter der Führung des Evangeliums wahrhaft Gott suchen, sich um die tägliche Umkehr bemühen und ein Leben führen nach der Regel unseren hl. Vaters Benediktus?

Profitentin: Ja, ich will es.

Äbtissin:
Wollen Sie Christus nichts vorziehen und Gehorsam geloben?

Profitentin: Ja, ich will es.

Äbtissin:
Gott, der sein gutes Werk in Ihnen begonnen hat, möge es auch vollenden.

Alle: Amen.
Pontifex:
Liebe Schwestern und Brüder:
Gott hat diese unsere Schwester dazu berufen, im monastischen Leben Christus nachzufolgen. Lasst uns den allmächtigen Vater bitten, er möge seine Gnade über sie ausgießen und ihr helfen, das zu verwirklichen, was sie heute gelobt.

 

Allerheiligenlitanei

Der Diakon singt: Beuget die Knie!

herrErbarme

V. Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heiliger dreifaltiger Gott

heiligeMutter

V. Heilige Jungfrau über allen Jungfrauen
Heiliger Michael
Heiliger Gabriel
Heiliger Raphael
Ihr heiligen Engel Gottes
Heiliger Abraham
Heiliger Mose
Heiliger Elija
Heiliger Johannes der Täufer
Heiliger Josef
Heiliger Petrus und heiliger Paulus
Heiliger Andreas
Heiliger Johannes
Heilige Maria Magdalena
Heiliger Stephanus
Heiliger Ignatius von Antiochien
Heiliger Laurentius
Heilige Perpetua und heilige Felizitas
Heilige Agnes
Heilige Katharina von Alexandrien
Heilige Margareta
Heilige Caecilia
Heiliger Gregor
Heiliger Ambrosius
Heiliger Augustinus
Heiliger Hieronymus
Heiliger Athanasius
Heiliger Basilius und heiliger Gregor
Heiliger Martin
Heiliger Liborius
Heiliger Vater Benediktus
Heiliger Bernhard
Heiliger Franziskus
Heiliger Dominikus
Heiliger Georg
Heiliger Franz Xaver
Heiliger Johannes vom Kreuz
Heilige Scholastica
Heilige Lioba
Heilige Hildegard
Heilige Gertrud
Heilige Theresia
Alle Heiligen Gottes

jesus_gnaedig

Von allem Bösen
Von aller Sünde
Vom ewigen Tode
Durch deine Menschwerdung und dein heiliges Leben
Durch dein Leiden und Sterben
Durch deine Auferstehung und Himmelfahrt
Durch die Sendung des Heiligen Geistes

suender

Erfülle unseren Papst Franziskus und alle Bischöfe mit der Kraft des
Heiligen Geistes
Erneuere deine Kirche im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe
Führe alle Menschen zur Fülle des christlichen Lebens
Stärke in allen Klöstern und Orden die Liebe zu Christus / und erhalte sie
in der Treue zum Geist ihrer Gründer
Schenke den Völkern der Erde Frieden und Freiheit
Erweise allen, die in Bedrängnis sind, dein Erbarmen
Stärke und erhalte uns alle in deinem Dienste
Segne die Eltern und Angehörigen unserer Schwester und schenke ihnen
deine Gaben in reicher Fülle
Lass unsere Schwester Christus immer ähnlicher werden
Schenke unserer Schwester die Kraft zur Treue in der Nachfolge deines
Sohnes
Segne, heilige und weihe unsere Schwester
Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes

christus_hoere

Oration:

Herr, unser Gott, erhöre das Gebet deines Volkes. Mache durch deine Gnade das Herz unserer Schwester bereit und öffne es für das Wirken des Hl. Geistes. Er reinige sie von aller Schuld und erfülle sie mit lebendiger Liebe. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Alle: Amen.

Der Diakon singt: Erhebet euch.
Die Profitentin liest die Professurkunde vor. Anschließend unterschreibt sie die Urkunde, zeigt sie der Äbtissin und dem Pontifex, legt sie auf den Altar und küsst diesen zum Ausdruck ihrer Hingabe an Christus.

Die Profitentin singt den monastischen Professgesang:
Suscipe me, Domine, secundum eloquium tuum, et vivam; et non confundas me ab exspectatione mea. (Nimm mich auf, o Herr, wie du verheißen hast, und ich werde leben. Lass mein Vertrauen nicht zuschanden werden Psalm 119,116)

Weihegebet

Pontifex:
Wir preisen dich, Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott.
In Christus Jesus hast du uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig leben vor dir und deine Söhne und Töchter werden in deinem geliebten Sohn, zum Lob deiner herrlichen Gnade. Zu jeder Zeit hast du Menschen berufen, dir zu dienen im Gehorsam des Glaubens und vollkommen zu sein wie du vollkommen bist. So hast du Abraham gerufen und ihm geboten, das Haus seines Vaters zu verlassen und in das Land zu ziehen, das du ihm zeigen wolltest. Du hast dich Mose geoffenbart und ihm aufgetragen, dein Volk durch die Wüste zu führen. Auf dem Berg Horeb hast du zum Propheten Elija gesprochen und ihn erfüllt mit brennendem Eifer für deinen heiligen Namen. Unter den von Frauen Geborenen hast du Johannes den Täufer auserwählt und ihn zum Zeugen deines Lichtes gemacht.
In der Fülle der Zeit aber hast du deinen eigenen Sohn gesandt, Jesus Christus, geboren von der Jungfrau Maria. Du hast ihn gesandt, damit er uns den Weg weise zu dir. Er bestimmte zwölf Apostel und rief Männer und Frauen in seine Nachfolge. Sie sollten mit ihm leben und Zeugen seines Todes und seiner Auferstehung sein.
Am Pfingsttag hast du in seinem Namen den Heiligen Geist über sie ausgegossen. Der jungen Gemeinde, die sich in Freude versammelte, hast du zahlreiche Gläubige hinzugefügt. Sie alle waren ein Herz und eine Seele in der Treue brüderlicher und schwesterlicher Gemeinschaft. Seitdem hörst du nicht auf, deine Kirche auf ihrem Weg mit vielfältigen Gnadengaben zu stärken. Als eine dieser Gnadengaben hast du zahllosen Söhnen und Töchtern die Berufung zum monastischen Leben geschenkt.
Herr, schau voll Güte auf unsere Schwester. Heilige sie, segne sie, bewahre sie immer. Gib ihr die Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbe-herrschung. Dein Geist bestimme ihr Leben, dein Geist lasse sie handeln, dein Geist bewahre sie in seiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Alle: Amen.
Bei der Übergabe der Kukulle:

Empfangen Sie das Gewand des heiligen Vaters Benediktus. Tragen Sie es in Treue zu Ihren Gelübden, damit Sie zur ewigen Gemeinschaft gelangen mit Gott und seinen Heiligen.

Neuprofesse: Amen.
Bei der Übergabe des Schleiers:

Tragen Sie den Schleier als Zeichen, dass Sie nicht mehr sich selbst gehören, sondern Christus, und mit ihm verborgen sind in Gott.

Neuprofesse: Amen.

 

Der Chor singt dazu die Antiphon:
Regnum mundi et omnem ornatum saeculi contempsi propter amorem Domini mei Jesu Christi, quem vidi, quem amavi, in quem credidi, quem dilexi. Eructavit cor meum verbum bonum, dico ego opera mea Regi.

Das Reich der Welt und all seine Pracht habe ich verlassen aus Liebe zu meinem Herrn Jesus Christus. Ihn habe ich gesehen, ihm bin ich verbunden, an ihn habe ich geglaubt und ihn allein geliebt. Mein Herz strömt über von guter Kunde, ich weihe mein Tun dem König.

 

Der Pontifex steckt der Neuprofesse den Ring an mit den Worten:

Tragen Sie den Ring, das Siegel des Heiligen Geistes, als Zeichen Ihrer Bindung an Christus. Bleiben Sie dem Herrn in Treue verbunden.

Neuprofesse: Amen.

 

Der Pontifex übergibt das Stundenbuch mit den Worten:

Empfangen Sie das Stundenbuch der Kirche. Ziehen Sie dem Gottesdienst nichts vor, und bringen Sie zusammen mit Ihren Schwestern Gott, dem Schöpfer, den Lobpreis dar. Was Sie mit dem Mund singen, sollen Sie im Herzen glauben, und was Sie im Herzen glauben, im Leben erfüllen.

Neuprofesse: Amen.

 

Die Neuprofesse singt zum Abschluss der Professhandlung:

Ecce quod concupivi, jam video : quod speravi, jam teneo : illi sum juncta in caelis, quem in terris posita, tota devotione dilexi.

Seht, was ich begehrte, schon sehe ich es; was ich erhoffte, schon halte ich es: Ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebe.

Die Eucharistiefeier wird nun in der bekannten Reihenfolge fortgesetzt:

Credo /Glaubensbekenntnis

Offertorium (Gabenbereitung)

Sanctus

Agnus Dei

Communio (gesang zur Kommunion)

Schlusssegen

Gott, unser Vater, der dich zum monastischen Leben berufen hat, schenke dir seine Gnade und seinen Segen.
Alle: Amen.

Dein Beten und Arbeiten diene der heiligen Kirche. Dein Leben werde zu einem Zeichen der göttlichen Liebe.
Alle: Amen.

Und Christus, dem du auf Erden dein Leben geweiht hast, sei am Ende deine ewige Erfüllung.
Alle: Amen.

Und euch alle, die ihr zu dieser Feier versammelt sein, segne der dreieinige Gott: + der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Alle: Amen.

Schlusslied

Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen
stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh’: Heilig, heilig, heilig! zu.

Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen.
Rett’ aus Sünden, rett’ aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott.

Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen;

deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein; lass uns nicht verloren sein.

Prozession der Schwestern in den Kapitelsaal

Die Gelübde

„Eins nur erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich:
im Hause des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens,
zu schauen die Freundlichkeit des Herrn
und nachzusinnen in seinem Tempel.“ (Ps 26/27)

Schon früh hat man zwischen der Taufe und der Profess auffallende Übereinstimmungen festgestellt. Die Profess wurde sogar oft als zweite Taufe dargestellt. Der Glaube, so sagte einst Tertullian, vollendet sich in der Taufe, dem „sacramentum fidei“. Durch die Taufe wird der Glaube in Worten und Gebärden gefeiert und erhält so seine Gestalt. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für das monastische Leben. Was die Taufe für den Glauben, das ist die Profess für dieses innere Ja-Wort. Auch im Ritus gibt es Übereinstimmungen. Die Taufhandlung ist begleitet von Tauffragen und Antworten. Auch die Profess kennt begleitende Fragen und Antworten, und man könnte vielleicht auch eine Parallele sehen zwischen dem Taufkleid und dem Mönchsgewand, der Kukulle, die bei der Profess überreicht wird.

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Grundpfeiler kontemplativen Lebens

Theodoret von Kyros, einer der bedeutendsten Theologen der griechischen Kirche des 5. Jahrhunderts und selber Mönch, gab seiner zwischen 444 und 449 entstandenen Schilderung des Mönchtums den bezeichnenden Titel: Geschichte der Gottesliebe. Er trifft damit genau jenen Punkt, der das Geheimnis, die Mitte und Seele des Mönchtums ausmacht. Nur eine leidenschaftliche Liebe zu Gott ist imstande, ein Phänomen wie das Mönchtum hervorzubringen, zu rechtfertigen und zu erklären. Davor verblassen alle anderen Motive, die es auch gegeben haben und geben mag. Das Mönchtum ist mehr und anderes als Protest, Weltflucht, Rückkehr zur Urkirche, Weltpessimismus oder individualistische Heilssorge; es ist in seinem Kern eine alles andere in den Schatten stellende Liebe zu Gott und Jesus Christus, Gottes- und Christusliebe im Ernstfall. Alles, was darunter liegt, reicht für ein Leben als Manch nicht aus. Es mag sein, daß diese Liebe stimmungs- und erfahrungsmäßig bald mehr als unstillbare Sehnsucht und Unruhe des Herzens, bald mehr als unwiderstehliche Anziehung und Begeisterung erlebt wird, das ändert nichts an ihrer Einmaligkeit und Ausschließlichkeit. Die Eigenart der für das Mönchtum typischen Gottesliebe wird sofort deutlich, wenn man auf ihren Zusammenhang achtet.

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Das Noviziat

„Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ (Psalm 34, 13; Benediktusregel, Prolog 15)

Wenn Sie das hören und erwidern: „Ich“, so sagen wir Ihnen heute mit Worten der Regel des hl. Benedikt:
„Kommt eine neu und will das klösterliche Leben beginnen, werde ihr der Eintritt nicht leicht gewährt, sondern man richte sich nach dem Wort des Apostels: „Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.“ (Regel des hl. Benedikt 58, 1.2)

Das heißt konkret: Ihnen und uns wird eine lange Zeit geschenkt, in der wir gemeinsam prüfen können, ob das Leben mit Gott in unserem Kloster wirklich Ihr Weg ist. Diese Zeit dauert wenigstens 5 ½ bis 6 Jahre. Zunächst sind Sie zu einigen ganz unverbindlichen Besuchen und Gesprächen eingeladen. Erleben Sie die Atmosphäre vor Ort, hören Sie auf die Stimme Gottes in Ihrem eigenen Herzen, öffnen Sie sich in Gesprächen mit der Noviziatsleiterin und fragen Sie sich: Könnte das der von Gott für mich ausersehene Lebensweg sein?

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