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Weihnachtskrippen-Meditation

Menschen auf dem Weg nach Bethlehem –
„Vorbildgestalten“ im Glauben

In diesem Jahr wir unsere wunderschöne provencalische Krippe zum ersten Mal in der Kirche ihren Platz finden. Die Krippe stammt aus dem Benediktinerinnenkloster Ozon in der Provence – alle Figuren sind Unikate, d.h. wurden eigens für unsere Abtei hergestellt. Unser Konvent liebt diese Krippe sehr, nicht zuletzt deshalb, weil jede einzelne sich auf irgendeine Weise mit einer der Figuren identifizieren kann. Vielleicht wird es Ihnen ebenso gehen.

Machen wir uns also gemeinsam auf den Weg nach Bethlehem!

Krippenmeditation als PDF  

Die alte Bäuerin: 
Wer wartet und wacht, ist immer schon da

Die alte Bäuerin in unserer Krippe erinnert an die hochbetagte Prophetin Hanna, die – wie es im zweiten Kapitel des Lukasevangelium heißt – „gerade zu dieser Stunde kam, Gott pries und über das Kind mit allen redete, die auf die Rettung Jerusalems warteten“. Hanna war noch eine ganz und gar alttestamentliche Gestalt, die aus der erinnerten Vergangenheit des Exodus-Ereignisses lebte und daraus den Maßstab für die Erwartung der Zukunft gewann.

Auch unsere alte Bäuerin hat offenbar Zeit ihres Lebens auf den Erlöser gewartet, wohlwissend und unerschütterlich glaubend, daß sich ihre Erwartung eines Tages erfüllen würde. Sie ist eine einfache und wohl auch arme Frau, mit einem vom Wind gegerbten und vom Leben durchfurchten Gesicht. Sie gehört nicht zu den Gebildeten, wohl aber zu den Weisen.
Sie weiß um das Wesentliche, sie ist ganz wach: ihre gerunzelte Stirn, ihre klaren, hellwachen Augen und ihr heiteres, gütiges Lächeln verraten es. In Ruhe und Gelassenheit kommt sie herbei, kraftvoll zupackend, eine Gans in der linken Hand.
Sie bringt Gaben ihres alltäglichen Lebens zur Krippe – wertvolle Gaben, fast so wie die arme Witwe, die ihren ganzen Lebensunterhalt in den Opferkasten warf. Aber was noch wichtiger ist: die alte Bäuerin bringt sich selbst – mitten heraus aus ihrem einfachen alltäglichen Leben. Mit der ganzen Sehnsucht und Aufmerksamkeit ihres Herzens hat sie auf den Herrn gewartet. Und jetzt ist sie da. Sie hat den rechten Zeitpunkt erwischt, den Kairos, von dem im Alten Testament allein 196 mal die Rede ist. Jenen Augenblick, der vom Menschen begriffen und ergriffen werden will. So kann sie uns lehren, da zu sein, wenn der Augenblick kommt und beherzt zu antworten, wenn der Blick oder der Ruf Gottes uns treffen.

„Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm‘ ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.“
(Andreas Gryphius)

Der Flötenspieler:
Spielen zur Ehre Gottes

Ein wunderbarer Kontrast zu der alten Bäuerin ist der Hirtenjunge, der auf seiner Flöte spielt. Fast noch ein Kindergesicht hat er – mit Stupsnase und aufgeblasenen Backen. Die Schafe drängen sich dicht an ihn heran, suchen bei ihm Schutz und Halt und Wärme. Oder ist es vielleicht umgekehrt?
Die Augen des Jungen verraten seine Scheu und Unsicherheit. Was mag dort geschehen sein – im Stall von Bethlehem? Was bedeutet die Botschaft der Engel? Der Junge bleibt zurück bei den Tieren, den Schal fest um den Hals gebunden – zum Schutz gegen die Kälte und vielleicht auch gegen die eigene Angst. Aber er spielt. Er spielt die uralten Weisen der Hirten, Melodien, die Zeit und Ewigkeit ineinander verschmelzen lassen.
Hirten sind Menschen des Advent – sie haben Geduld und sie können warten. Sie sind zeitlos sozusagen, immer wachsam und bereit. Nicht umsonst tauchen Hirten in allen Religionen als Prototypen des Wärters auf. Warten, so sagt das Grimmsche Wörterbuch, bedeutet, seinen Blick unverwandt auf etwas richten. Der Hirtenjunge richtet seinen Blick nach vorn und nach innen zugleich. Er ist ganz dem Spiel hingegeben und gleichzeitig ganz dem, für den er spielt.

Dem Liebenden schlägt keine Stunde, heißt es. Dem Spielenden wohl ebenfalls nicht. Im Spiel der Flöte, in der Musik wird dem Neugeborenen ein Lied gesungen, ganz zweckfrei, einfach nur so.

Der Schäfer: 
Teilen macht froh

Freudig-bewegt schaut er drein, der Schäfer mit dem grauen, ein wenig abgegriffenen Schlapphut, der wohl auch schon bessere Tage gesehen hat. Sein fröhliches breites Lächeln um das unrasierte Kinn wirkt fast schon ein wenig kess. Er scheint glücklich zu sein und strahlt das auch aus. Die Freude über die Botschaft der Engel hat ihn zur Krippe getrieben – und als Zeichen seiner Liebe bringt er mit, was er hat: ein halbes Brot, sauber geschnitten, ohne Verpackung und ohne viele Umstände. Die Armen teilen leichter als die Reichen, und sie teilen nicht nur das wenige Materielle, das sie haben, sondern vor allem die Freude und das Glück, das ihnen zuteil geworden ist: „Ich verkünde euch eine große Freude – heute ist euch der Heiland geboren“. Und auch er wird eines Tages im Zeichen des geteilten Brotes unter uns sein. Teilen stiftet Gemeinschaft. Das gilt für das Brot, das wir zum Leben brauchen, das gilt aber auch für die Zeit, die wir einander schenken. Verschenkte Zeit kehrt wie durch ein Wunder stets zum Gebenden zurück. Drum lasst uns teilen wie der Schäfer – froh und ohne zu rechnen.

„Teilst du dein Brot ängstlich
ohne Vertrauen, ohne Wagemut, überstürzt,
wird es dir fehlen. Versuch es zu teilen,
ohne in die Zukunft zu denken, ohne zu rechnen,
als ein Sohn des Herrn über alle Ernten der Welt.
Dann wirst du wahre Freude erfahren.“
(Helder Camara)

Der junge Mönch:
O wie staunenswert sind die Wunder Gottes

Staunen gehört zu den Urerfahrungen des Menschen. Wer nicht mehr staunen kann, hat aufgehört zu leben. Er ist wahrhaft armselig, weil er die täglichen Wunder Gottes nicht mehr sieht.

Der junge Mönch an der Krippe kann noch staunen. Er erscheint fast wie ein leibhaftiges O – O sapientia, O Adonai, O radix Jesse, O clavis David, O oriens, O Rex gentium, O Emmanuel.

Weit geöffnet ist der Mund des Jungen – voller Bewunderung, voller Ehrfurcht. Ob er selbst versteht, was sein Mund schon ausdrückt?
Die unschuldigen, fast noch kindlichen Augen verraten leichtes Zögern, unsicheres Abwarten, aber auch naive Neugier. Mund und Herz haben scheinbar schneller erkannt als Geist und Verstand. Die Hände sind weit nach oben hin geöffnet zur Orante-Haltung.

Der junge Mönch ist bereit zu empfangen – er öffnet sich für das Wunder, das da im Stall von Bethlehem geschehen ist und immer wieder geschieht. Da, wo alle Worte versagen, öffnet sich sein Mund zum stummen O zur Anbetung des Kindes in der Krippe.

Der Kantor: 
Singet und lobet den Herrn

Wie die alte Bäuerin, so ist auch der Kantor über das lebenslange Warten auf den Herrn alt und grau und wohl auch ein wenig müde geworden. Ein seltsamer Ernst schaut aus seinen Augen. Nachdenklich wirkt er und auch ein wenig skeptisch. „Ist es der, auf den wir gewartet haben oder müssen wir auf einen anderen warten?“, scheint er sich mit Johannes dem Täufer zu fragen. Und doch. „Die Zeit – das ist die Spanne meines Lebens, in der wird, was werden soll“, hat Karl Rahner einmal gesagt. Und so weiß auch unser Kantor tief in seinem Inneren: Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade, jetzt ist er da, der Tag des Heils. Und so wird er wach und greift zum Buch. Wie oft mag er die Melodien in seinem Leben schon gesungen haben. Sie sind ihm inwendig vertraut; nun kann er sie auswendig singen. Wer singt, vergisst sich selbst und gibt sich ganz dem Größeren hin. Lobpreis und Dank, Ehre und Anbetung werden dem Kind in der Krippe zuteil. Heute ist uns der Retter geboren, Alleluja.

„Die Musik ist unsere Wahrheit. Wenn sie von Herzen kommt, ist die Schönheit, die wir aus ihr hervorbringen, vielleicht der einzige wirkliche Wegweiser, die einzige Quelle der Erneuerung. Wo andere hadern, können wir heiter sein. Wo andere Spiele betreiben, können wir Herzen bewegen. Wo die Habgierigen raffen, können wir schenken… Vielleicht ist es überhaupt nur die Musik, die das Mystische mit dem Rationalen versöhnen und darin fortfahren kann, die Allgegenwart Gottes der Menschheit vor Augen zu führen.“ (Leonard Bernstein)

Joseph:
„… und seine Treue währet ewiglich“

Was ist diesem Mann nicht alles abgefordert worden. Doch er hat sich bewährt – im Glauben und im Gehorsam, in der Treue und in der Liebe. Ein wenig in sich versunken steht Joseph da: aufrecht, kraftvoll und wachsam. Sein rauhes, gegerbtes Gesicht zeigt, daß das Leben nicht spurlos an ihm vorüber gegangen ist. Aber er hat standgehalten und stellt sich nun schützend an die Seite Mariens. Er ist der Lichtträger, der Hüter der Flamme, die die göttliche Herrlichkeit aufleuchten läßt, die Licht schenkt und Wärme. Liebevoll, auch ein wenig stolz und zufrieden schaut er auf Maria und das Kind. Behutsam hat er die rechte Hand erhoben, um das Licht und das Kind zu schützen. Ob er weiß, daß da das „Licht für die Völker“ in Windeln gewickelt in der Krippe liegt? Sein Sohn, der Gottes Sohn ist. Das Mysterium der Menschwerdung – wer kann es begreifen. Nur der, der täglich neu auf die Stimme Gottes hört, der dem Ruf folgt, der sich auf den Weg macht und seinen Weg in Treue bis zum Ende geht. „Die Treue“, so sagt Gabriel Marcel, „ist der Sieg über die Zeit.“ Nur die Treue verleiht der Zeit Dauer und Bestand. Sie schenkt einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit und lässt erahnen, was Gottes Liebe und Treue bedeuten.

„So sollst du denn erkennen, dass Jahwe, dein Gott, der wahre Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Huld bis auf tausend Geschlechter denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten.“ (Dt 7, 9)

Maria: 
“ … mir geschehe nach deinem Wort“

Maria ist hier zunächst einmal die ganz und gar liebende und fürsorgende Mutter. Ihr Kind liegt auf ihrem Schoß, aus dem es geboren wurde. Heitere Ruhe strahlt sie aus, Sanftmut und seliges Glück. Ihr Gesicht leuchtet von innen; die zarten und feinen Gesichtszüge sind durchlässig für IHN, für das Licht. Fenster zu IHM, das will und das wird sie sein. Schon hier und heute wird das sichtbar. Ihre Augen sind gesenkt; sie schaut auf ihr Kind, hat gleichsam nur Augen für IHN. Die Liebe versteht auch ohne Worte; die Hände sprechen ihre eigene Sprache: bergend und haltend, schützend und freilassend zugleich. Sie kann ihren Sohn nicht festhalten – so wenig wie wir Gott festhalten oder festlegen können. Loslassen will eingeübt werden von Anfang an. Maria sitzt da wie eine Pietà. Später, viel später wird sie ihren gekreuzigten und gestorbenen Sohn genauso auf ihrem Schoß tragen. Ob sie darum heute schon weiß? Vielleicht ahnt sie es tief innen in ihrem Herzen. Dennoch lässt sie sich nicht beirren und ist ganz da in diesem ersten Augenblick. Eine gütige und sanfte, eine starke und mutige Frau, die ihr FIAT spricht zu allem, was Gott ihr zumutet. Das Leben ist die Spanne, in der wird, was werden soll. Im Vertrauen darauf geht Maria ihren Weg.

„Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort…
Selig, die geglaubt hat, dass sich an ihr erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1, 38.45)

Das Kind: 
Die Zeit ist erfüllt

Zuletzt und doch eigentlich als Erstes liegt da das Kind in seiner Mutter Schoß: kahlköpfig, fast noch einem Embryo gleichend – der Mensch in seiner Urform und Vollendung zugleich.

In IHM hat die Zeit sich erfüllt, hat eine neue Zeit begonnen, begegnen sich Zeit und Ewigkeit. Selbstbewußt schaut es aus, ganz in sich ruhend, ganz bei sich. Ob es seiner Sendung schon gewahr geworden ist?
Den Kopf hat es leicht nach oben gerichtet, hinauf zu seiner Mutter. Aber es blickt sie nicht an, sondern schaut über sie hinaus und durch sie hindurch: „Wußtet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Die rechte kleine Hand liegt auf dem Herzen, so als ob es einen Eid zu schwören gelte: „Ich bin in die Welt gekommen, Euch zu erlösen. Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist da.“

„Denn ein Kind ist uns geboren,
ein Sohn ist uns geschenkt;
die Herrschaft ruht auf seinen Schultern.
Man nennt ihn wunderbarer Ratgeber,
starker Gott, Fürst des Friedens.“
(Jes 9, 5)

Sr. Philippa Rath OSB

Unser Konvent

 

sr_agatha Sr. Agatha Huba, geb. 1963, Profess 1987, ist zur Zeit beurlaubt und lebt und arbeitet in Berlin.
IMG_1022_Sr_Agnes Sr. Agnes Hubig, geb. 1931, Profess 1979, war vor ihrem Klostereintritt lange Jahre Krankenschwester. Im Kloster war sie viele Jahre Küchenchefin und arbeitete später mit großem Engagement in der Bibliothek. Heute ist sie der gute Geist des Hauses und sorgt mit viel Liebe für den Blumenschmuck im Refektorium.
IMG_1137_Sr_Ancilla Sr. Ancilla Ferlings, geb. 1940, Profess 1975, war mehr als 20 Jahre Sekretärin der Äbtissin und bedient den Computer mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Sie erledigt mit flinken Fingern alle möglichen und unmöglichen Schreibarbeiten in der Abtei und ist auch für die Geschäftsstelle des Freundeskreises eine unersetzliche Hilfe.
IMG_0921_Sr_Andrea Sr. Andrea Stadermann, geb. 1964, Profess 1990, ist ein Kind des Rheingaus. Sie ist unsere Hausmeisterin und als solche für technische Defekte und Reparaturen aller Art in unserem großen Haus verantwortlich. Sie ist aktives Mitglied der Eibinger Feuerwehr, interessiert sich sehr für Fußball und die Musik von Johann Sebastian Bach.

 
   
sr_anna Sr. Anna Stillger, geb. 1937, Profess 1966, war viele Jahre lang unsere treue Hausmeisterin. Seit 2016 ist sie in den wohlverdienten „Ruhestand“ gegangen und sorgt sich nun rührend um unsere Altäbtissin Mutter Edeltraud.
IMG_1089_ Sr. Barbara Schneider, geb. 1974, Profess 2005, stammt aus dem Fränkischen und war vor ihrem Klostereintritt Altenpflegerin. Sie arbeitet mit viel Freude und großem Engagement in unserer Krankenstation. Darüberhinaus singt sie in der Schola und interessiert sich sehr für Literatur und für die heilige Hildegard.
IMG_1000_Sr.-Beatrix_ Sr. Beatrix Wischerath, geb. 1946, Profess 1970, ist unsere Gartenmeisterin und als solche verantwortlich für unser vier Hektar großes Außengelände, für die Blumen und für den Obstbau. Sie hat den Garten in den letzten Jahren z.T. neu gestaltet und in eine wahre Parklandschaft verwandelt. Zusätzlich widmet sich Sr. Beatrix auch den Bränden und Likören aus eigenem Obstanbau.
IMG_0413_Candida Sr. Candida Tooten, geb. 1924, Profess 1948, ist seit mehr als drei Jahrzehnten mit der Pflege unseres Friedhofs und des Kreuzgartens (eines der Innengärten unseres Klosteranlage) betraut. Die Gräber sind ihr ein Herzensanliegen, ebenso wie die Liturgie und das Stundengebet, bei dem sie trotz ihres hohen Alters niemals fehlt.
sr_christiane Sr. Christiane Rath, geb. 1951, Profess 1979, war bis 2004 in vielen Bereichen verantwortlich: als 1. Kantorin und 1. Organistin, als Novizenmeisterin und Infirmarin, als Geschäftsführerin des Freundeskreises und als Begleiterin vieler, vor allem junger Menschen. Seit 17 Jahren leidet sie unter einer fortschreitenden Demenzerkrankung und trägt ihre schwere Krankheit mit großer Würde und unendlicher Geduld und Tapferkeit.
srChris Sr. Christophora Janssen, geb. 1965, Profess 1988, ist unsere Subpriorin. Vor allem aber ist sie Künstlerin. In ihrer Keramikwerkstatt fertigt sie Großskulpturen und Reliefs zu religiösen Themen. Ihre Werke waren und sind in vielen Ausstellungen zu sehen. Nebenbei sorgt sie sich mit viel Liebe um unsere kranken Mitschwestern, „managt“ das Klostercafé und ist zusammen mit Sr. Philippa verantwortlich für unseren Kunstkeller. Last but not least ist sie die „Mutter“ unseres Klosterhundes „Levi“.
   
Sr_Dominica_NEU Sr. Dominica Wozny, geb. 1944, Profess 1970, stammt aus der Pfalz und ist ihrer Heimat sehr verbunden. Sie arbeitet seit vielen Jahren in der Klosterverwaltung und sorgt darüberhinaus als guter Geist für die alten und kranken Mitschwestern. Ein besonderes Herz hat sie für die Armen und für die Kinder.
IMG_0880_Sr_Dorothea Mutter Dorothea Flandera, geb. 1952, Profess 1982, wurde am 2. August 2016 zur neuen Äbtissin und damit zur 40. Nachfolgerin der heiligen Hildegard gewählt. Mutter Dorothea stand der am 2. Juli verstorbenen Äbtissin Clementia Killewald seit 2004 als Priorin und Stellvertreterin zur Seite. Sie trat 1979 in die Abtei St. Hildegard ein und legte dort 1985 ihre ewige Profess ab. Als gelernte Diplom-Mathematikerin leitet sie seit vielen Jahren die klostereigene Restaurierungswerkstatt für kirchliche Archivalien.
m_edeltraud Mutter Edeltraud Forster, geb. 1922, Profess 1951, war in der Zeit von 1978 bis 1998 Äbtissin unseres Klosters. In ihre Amtszeit fällt u.a. die Gründung unseres Priorates in Marienrode bei Hildesheim. Auch nach ihrer Amtsniederlegung war Mutter Edeltraud noch lange in der geistlichen Begleitung von Menschen aller Generationen tätig. Heute lebt sie im wohlverdienten Ruhestand.
Sr. Elisabeth Hubrich, geb. 1970, Profess 2002, lebt und arbeitet zur Zeit in Hildesheim.
Emmanuela2 Sr. Emmanuela Jörgensen, geb. 1938, Profess 1961, ist unsere „Frau für alle Fälle“. Über 30 Jahre lang hat sie die Buch- und Kunsthandlung geleitet und uns als Zeremoniärin die „sancta morum elegantia“ gelehrt. Heute ist sie unsere Bibliothekarin und geschätzte Gesprächspartnerin für viele Menschen aus Nah und Fern.
sr_fideles Sr. Fidelis Hoffmann, geb. 1938, Profess 1965, hat bis zu ihrer Pensionierung 2005 im Rüdesheimer Krankenhaus als Krankenseelsorgerin gearbeitet. Heute ist sie verantwortlich für unsere Innensakristei und pflegt die Paramente und das heilige Altargerät. Außerdem hält sie Besuchergruppen Vorträge über unser klösterliches Leben.
IMG_0973_Sr.-Fides_ Sr. Fides Brücklmayer, geb. 1942, Profess, 1969, ist schon seit ihrem 15. Lebensjahr mit unserer Abtei in Verbindung. Sie arbeitet in der Buchbinderei und im Gästebereich. Mit viel Freude und Kompetenz sammelt und sortiert sie Briefmarken und fertigt kunstvolle Scherenschnitte.
IMG_0402_ Sr. Francesca Redelberger, geb. 1960, Profess 1986, ist unsere 1. Kantorin und als solche verantwortlich für den Chorgesang und die Schola. Sie ist Chefin unseres Gastbereichs und engagiert sich sehr in der geistlichen Begleitung und in der Kursarbeit. Als „Zelatrix“ ist sie außerdem für die äußere Ordnung im Noviziat zuständig.
sr_gisela Sr. Gisela Happ, geb. 1951, Profess 1975, war viele Jahre Cellerarin unseres Klosters. Von 1998 bis 2000 leitete sie die Gemeinschaft als Priorin-Administratorin. Danach ging sie im Auftrag unseres Ordens als Generalsekretärin der AIM (Alliance Inter-Monastère) nach Paris, wo sie die internationale Hilfe für die benediktinischen Klöster in aller Welt koordinierte. Seit März 2017 lebt und arbeitet sie wieder in unserer Gemeinschaft und leitet das Klostercafé.
IMG_0275_ Sr. Hiltrud Gutjahr, geb. 1941, Profess 1971, war in vielen verschiedenen Bereichen unseres Klosters eingesetzt. Schon lange hat sie sich mit Leben und Werk der heiligen Hildegard beschäftigt. Seit 2001 ist sie für die Pilger und Wallfahrer verantwortlich, die zum Schrein der heiligen Hildegard in der Eibinger Pfarrkirche kommen, und hält dort Vorträge, Meditationen und Andachten.
sr_innocens Sr. Innocens Nolte, geb. 1940, Profess 1965, stammt aus dem Sauerland und war einige Jahre in unserer Neugründung in Marienrode. Ihre hauswirtschaftlichen Fähigkeiten hat sie jahrelang als Leiterin unserer Klosterküche eingesetzt. Heute ist sie verantwortlich für die Sakristei und für die Wäsche.
IMG_0621_Sr_Josepha Sr. Josepha Dreckmann, geb. 1930, Profess 1965, hat mehr als 30 Jahre lang mit nie erlahmender Begeisterung Pilger- und Besuchergruppen angesprochen. Sie war lange Innensakristanin und hat dieses Amt inzwischen aus Altersgründen an Sr. Fidelis weitergegeben. Als Hobby betreibt sie Seidenmalerei und fertigt kunstvolle Tücher und Schals.
sr_judith Sr. Judith Nessel, geb. 1945, Profess 1972, war früher OP-Krankenschwester und wechselte im Kloster vom OP-Besteck zum Goldschmiedewerkzeug. Sie ist diplomierte Meisterin ihres Fachs und fertigt sowohl sakrale Kunst als auch Schmuck. Ihre Arbeiten können in unserem Klosterladen bewundert, erworben oder in Auftrag gegeben werden.
IMG_0545_Jutta Sr. Jutta Lorenz, geb. 1963, Profess 1991, ist unsere zweite Rheingauerin und kann aus dem Fenster auf ihr Elternhaus schauen. Schon als 14-jährige nahm sie regelmäßig an unserer Komplet teil. Sie leitet unsere Waschküche, arbeitet in der Restaurierungswerkstatt und übernimmt viele Arztfahrten mit unseren alten und kranken Mitschwestern.
sr_katharina Sr. Katharina Drouvé, geb. 1961, Profess 1985, ist Priorin und als solche Stellvertreterin von Mutter Dorothea. Zudem ist sie als Novizenmeisterin für die Ausbildung und die Begleitung unseres Nachwuchses zuständig. Sie arbeitet außerdem im Gastbereich mit und ist dort Ansprechpartnerin für viele Menschen.
IMG_0463_ Sr. Klara Antons, geb. 1962, Profess 1985, ist unsere Archivarin und befasst sich intensiv mit unserer Hausgeschichte und mit dem Thema „Beuroner Kunst“. Sie ist außerdem Kantorin und begeistert sich immer neu für die Liturgie. Im Klosterladen ist sie verantwortlich für die Faktura und den Versand sowie für die Firma „Dinkel und Likör“.
IMG_1119_Sr_Lydia Sr. Lydia Stritzl, geb. 1959, Profess 1991, ist unsere erste Organistin. Sie arbeitet im Klosterladen mit und ist außerdem in verschiedenen Seelsorgebereichen tätig: sie ist verantwortlich für unsere Oblatengemeinschaft, arbeitet im Bereich der Militärseelsorge und begleitet viele Gäste in ihren Exerzitien. Zudem ist sie Vorsitzende des Ordensrats im Bistum Limburg.

 
Sr-Maria_agnes Sr. Maria-Agnes Dollwet, geb. 1930, Profess 1959, ist zwar offiziell im Ruhestand. Da sie aber unsere fleißige Hausfrau par excellence ist, backt sie an Festtagen für uns weiter Brot, Torten und Kuchen. Ein besonderes Herz hat sie für unseren Mariengarten (der 2. Innengarten unseres Klosters), den sie immer noch mit grünem Daumen hegt und pflegt.
IMG_0906_Sr.-Maria-Hildegard Sr. Maria-Hildegard Heller, geb. 1926, Profess 1956, ist vielen Menschen durch ihre frühere Tätigkeit an der Klosterpforte und in der Sakristei bekannt. Mit ihrer freundlichen und zuvorkommenden Art leistet sie unseren hilfsbedürftigen Mitschwestern viele kleine Dienste, die ihnen das Leben erleichtern.
IMG_0670_Sr_M_Magtalena Sr. Maria-Magdalena Tikvic, geb. 1966, Profess 2002, stammt aus Kroatien, lebt aber schon sehr lange in Deutschland. Sie leitet als Schneidermeisterin unsere Hausschneiderei. Viele Besucher unserer Abtei sind ihr bereits an der Klosterpforte begegnet, an der sie mit viel Freude und großem Engagement mitarbeitet. Seit neuestem hilft sie auch mit in der Sakristei.
IMG_0567_Sr_Maria-Regina Sr. Maria-Regina Jaster, geb. 1960, Profess 1987, war vor ihrem Eintritt Postbeamtin. Sie arbeitet schon seit vielen Jahren in unserer Hausschneiderei und singt mit großem Eifer in der Schola. Zudem kümmert sie sich rührend um unsere alte Sr. Martina. Dank ihres akribisch geführten Hauskalenders können wir keinen Festtag bei uns und in Marienrode vergessen.
IMG_0508_Marion Sr. Marion Lange, geb. 1953, Profess 1977, ist die rechte Hand von Sr. Dorothea in der Restaurierungswerkstatt. Im Nebenberuf betreut sie unseren hauseigenen „Tante-Emma-Laden“ und begleitet verschiedene Menschen auf ihrem geistlichen Weg.
sr_martina Sr. Martina Spindler, geb. 1933, Profess 1961, stammt aus Eltville im Rheingau. In den vielen Jahren, in den sie unsere Hausschneiderei geleitet hat, gingen unzählige Gewänder, Schleier und Kukullen durch ihre Hände. Heute lebt sie in der Krankenstation und hilft noch ein wenig in der Schneiderei mit.
IMG_0307_ Sr. Maura Zátonyi, geb. 1974, Profess 2001, studierte Altphilologie in Budapest und promovierte 2011 zum Doktor der Philosophie an der Universität Mainz, anschließend absolvierte sie ein Theologiestudium in Sankt Georgen/Frankfurt am Main. Sie ist in der Hildegard-Forschung unserer Abtei tätig. 2011-2012 arbeitete sie an den theologischen Gutachten für das Verfahren der Heiligsprechung und der Erhebung Hildegards zur Kirchenlehrerin mit. Ihre Liebe gilt auch der Musik und der Orgel.
IMG_0636_ Sr. Michaela Loch, geb. 1955, Profess 1980, verbindet eine große Liebe mit ihrer Heimatstadt Essen und dem Ruhrgebiet. Seit nunmehr 20 Jahren gehört sie zum „lebenden Inventar“ unseres Klosterladens und ist mit ihrer immer freundlichen Art sehr beliebt bei Kunden und Besuchern. Ihre künstlerische Ader pflegt sie in der Beschriftung von Kerzen und in kalligraphischen Arbeiten.
  Sr. Mirjam Kämpf, geb. 1981, Profess 2011, hat in Göttingen und in Dijon Geschichte, Politikwissenschaft und Erwachsenenbildung studiert. Sie absolvierte in Wiesbaden an der „Wiesbaden Business School“ erfolgreich den Studiengang „Business & Law“, der die Bereiche Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsrecht und Steuerrecht kombiniert. Seither arbeitet sie in der Klosterverwaltung und in der Buchhaltung.
sr_mona Sr. Mona Grimm, geb.1969, stammt aus Thüringen und war vor ihrem Eintritt viele Jahre als Beamtin im öffentlichen Dienst tätig. Darüber hinaus ist sie auch Heilpraktikerin. Sie arbeitet mit in der Hausmeisterei und im Garten. In Ihrer Freizeit sammelt und trocknet sie gerne Kräuter, die dann im Noviziat als Tee zum Einsatz kommen.
IMG_1103_ Sr. Petra Knauer, geb. 1959, Profess 2016, war bis zu ihrem Austritt 1995 Kantorin und Zelatrix. Von 1995 bis 2011 arbeitete sie als Missionarin in Bolivien. Im Jahr 2012 trat sie wieder in unsere Gemeinschaft ein und ist seither im Klosterladen tätig. Zur Zeit betreut und begleitet sie auch die syrische Flüchtlingsfamilie, die in unserem Weinbergshaus „Emmaus“ lebt.
IMG_1174_Sr_Philippa Sr. Philippa Rath, geb. 1955, Profess 1992, betreut seit 12 Jahren unsere demenzkranke Sr. Christiane. Sie ist außerdem als Stiftungsvorstand verantwortlich für unsere „Klosterstiftung Sankt Hildegard“. Als Theologin und Logotherapeutin begleitet sie Menschen in Konflikt- und Krisensituationen und ist zudem verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und für unseren Freundeskreis. Seit kurzem ist sie zusammen mit Sr. Christophora auch Kuratorin unseres Kunstkellers.
IMG_1028_Sr.-Placida_ Sr. Placida Robertz, geb. 1981, Profess 2004, stammt vom Niederrhein.  Sie arbeitet hauptamtlich in unserer Restaurierungswerkstatt und spricht viele Besuchergruppen, vor allem Kinder und Jugendliche, an. Als Hobby pflegt sie die Acryl-Malerei und beschäftigt sich dabei in abstrakter Form mit religiös-geistlichen Themen.
IMG_0967_ Sr. Raphaela Brüggenthies, geb. 1980, Profess 2011, ist Dipl.-Theologin und stammt aus dem Erzbistum Paderborn. Sie arbeitet in unserem Klosterladen und ist dort für den „Non-book-Bereich“ verantwortlich. Außerdem gibt sie Kurse im Gästehaus und hält Besuchergruppen Vorträge über die heilige Hildegard und unser benediktinisches Leben.
IMG_1156_LYDIA Sr. Scholastica Steinle, geb. 1949, Profess 1976, ist seit 2006 Cellerarin und damit verantwortlich für die Wirtschaft, die Finanzen und die Verwaltung unseres Klosters. Ihre ganze Leidenschaft gilt dem Bauen, deshalb ist sie inzwischen auch Fachfrau für Immobilien. So ganz nebenbei verbindet sie eine große Liebe mit ihrer Heimatstadt Köln – und zum Fußball.
   
IMG_1058_Sr_Thekla_ Sr. Thekla Baumgart, geb. 1965, Profess 1994, ist eine „waschechte“ Bremerin. Obwohl sie als Norddeutsche eigentlich Bier bevorzugt, hat sie im Kloster den Beruf der Winzerin erlernt. Sie leitet unser Klosterweingut und arbeitet auch in der Vinothek des Klosterladens mit. Als Zeremoniärin ist sie außerdem für die äußeren Abläufe in der Liturgie zuständig.
Sr.Ursulax_CREME Sr. Ursula Bonin, geb. 1963, Profess 1992, ist gebürtige Berlinerin. Sie ist Computer-Fachfrau und kann PCs nicht nur reparieren, sondern auch aufrüsten und selbst bauen. Seit kurzem beschäftigt sie sich zusammen mit Sr. Klara intensiv mit unserer Hausgeschichte.
IMG_0943_Sr_VERONICA Sr. Veronica Erichsen, geb. 1938, Profess 1961, ist aus Dänemark zu uns gekommen. Sie ist eine gesuchte Exerzitienmeisterin in unserem Gästehaus und „geistliche Mutter“ vieler Menschen, die zu uns kommen. Zudem spricht sie viele dänische Gruppen an, die unser Kloster auf den Spuren der heiligen Hildegard besuchen.
   

Die Geschichte unseres Klosters

Die Abtei St. Hildegard, von manchen irrtümlicherweise für ein romanisches Bauwerk gehalten, wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, näherhin in den Jahren 1900 bis 1904 erbaut. Wir verstehen uns dennoch als Gründung der hl. Hildegard, knüpft die Tradition unseres Hauses doch unmittelbar an deren altes Kloster Eibingen im Rheingau an.

Im Jahr 1150 hatte Hildegard von Bingen ihr erstes Kloster Rupertsberg an der Nahemündung erbaut. Als die Zahl der Ordensberufungen stetig zunahm und immer mehr junge Frauen sich um sie scharten, erwarb Hildegard im Jahr 1165 das ehemalige Augustiner-Doppelkloster Eibingen bei Rüdesheim. Sie übernahm auch die Leitung der Eibinger Neugründung und fuhr bis zu ihrem Tod zweimal wöchentlich über den Rhein, um ihr Tochterkloster zu besuchen. Nach dem Tode der hl. Hildegard am 17. September 1179 entwickelten sich die Klöster Rupertsberg und Eibingen ganz gemäß dem Gezeitenlauf der Geschichte: Blütezeiten klösterlichen Lebens wechselten sich mit Zeiten des Niedergangs ab.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kloster Rupertsberg 1632 durch die Schweden zerstört. Die Nonnen mussten fliehen, kehrten aber 1636 auf den Rupertsberg zurück. Die Klostergebäude waren jedoch in einem so schlechten Zustand, dass an einen Wiederaufbau nicht zu denken war. So sahen sich die Rupertsberger Nonnen gezwungen, im Kloster Eibingen Zuflucht zu suchen. 1642 legte die letzte Rupertsberger Äbtissin, Anna Lerch von Dürmstein, ihr Amt nieder. Die folgenden 150 Jahre waren von vielerlei Nöten geprägt. Hungersnot, Pest, Kriege und Verwüstungen suchten das Kloster Eibingen heim. Im Jahre 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben; sämtliche Besitzungen gingen verloren. Das klösterliche Leben in Eibingen war damit erloschen. Die Klosterkirche wurde von der Pfarrgemeinde übernommen. Noch heute werden deshalb die Reliquien der hl. Hildegard in der Pfarrkirche in Eibingen verehrt. Um die Pilger und Wallfahrerseelsorge in Eibingen kümmert sich seit dem Jahr 2002 eine Schwester der Abtei St.Hildegard. Auf diese Weise sind das alte und das neue Kloster Eibingen heute wieder ganz konkret miteinander verbunden.

Plan einer Neugründung

Der Plan zur Gründung eines neuen Klosters, welches das alte Kloster Eibingen wieder beleben und zugleich auf das im Jahr 1632 von den Schweden zerstörte Kloster Rupertsberg zurückgreifen sollte, ist Bischof Peter Josef Blum von Limburg (1842 – 1883) zu verdanken. Durch ihn und durch Ludwig Schneider, der von 1840 bis 1864 Pfarrer in Eibingen war, erhielt die Verehrung der hl. Hildegard im 19. Jahrhundert neue und entscheidende Impulse. Bischof Blum, der während des Kulturkampfes in den Jahren 1876 bis 1883 seines Bischofssitzes enthoben war, fand damals Aufnahme bei Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg auf Schloß Haid in Böhmen. Auch sein Nachfolger, Bischof Dr. Karl Klein, war der fürstlichen Familie eng verbunden und weihte sie von Anfang an in seine Pläne zur Wiederbelebung des alten Klosters Eibingen ein. Der Fürst griff den Gedanken begeistert auf, denn es lag ihm daran, das säkularisierte Kirchengut, das seiner Familie durch den Reichsdeputationshauptschluß im Jahr 1803 zugefallen war, auf diese Weise zurückzuerstatten. Seine älteste Tochter Benedicta, Nonne der Abtei St. Cécile in Solesmes/Frankreich, sollte die erste Äbtissin der wiederzugründenden Abtei werden. Als sie am 2. Juli 1896 im Alter von nur 36 Jahren unerwartet starb, blieb Fürst Löwenstein dennoch bei seinem Vorhaben und scheute für die Wiedererrichtung des Klosters keine finanziellen und persönlichen Opfer.

Die Abtei St. Hildegard sollte auf der Anhöhe über dem Dorf Eibingen neu entstehen. Das Baumaterial – ein von Quarzit durchsetzter Sandstein – wurde aus dem Felsen oberhalb des Bauplatzes gewonnen. Planung und Durchführung des Neubaus standen unter Leitung von P. Ludger Rincklage, einem Mönch der Abtei Maria Laach, der früher Architekt gewesen war. Am 2. Juli 1900 fand die Grundsteinlegung des neuen Klosters durch Erzabt Placidus Wolter aus Beuron statt, der in Vertretung des erkrankten Bischofs Dominikus Willi an den Rhein gekommen war.

Beginn des klösterlichen Lebens

Nach vier Jahren war der monumentale Bau im wesentlichen fertiggestellt. Am 17. September 1904 zogen 12 Benediktinerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag, dem ersten Frauenkloster der Beuroner Kongregation, in die Neugründung ein. Das Kloster wurde am selben Tag zu einer vollgültigen Abtei erhoben und mit allen Rechten und Privilegien des ehemaligen Klosters der hl. Hildegard ausgestattet. Als „exemte“ Abtei untersteht es nicht dem Ortsbischof, sondern unmittelbar dem Hl. Stuhl in Rom. Am 7. September 1908 war die Ausmalung der Kirche durch P. Paulus Krebs, Beuron, und seine Schüler so weit vorangeschritten, dass die Kirche durch den Limburger Bischof Dominikus Willi geweiht werden konnte. Am Tag nach der Kirchweihe, am 8. September 1908, wurde die bisherige Priorin des Kloster, Regintrudis Sauter, zur ersten Äbtissin der klösterlichen Gemeinschaft geweiht. Sie war damit die 36. Nachfolgerin der hl. Hildegard, unter deren besonderen Schutz Abtei und Kirche gestellt wurden.

In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Ordensfrauen stetig zu. Den Ersten Weltkrieg 1914 – 1918 und die Nachkriegszeit mit der Inflation überstand die Gemeinschaft mit Gottes Hilfe und dank der klugen Leitung des Hauses relativ gut. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg (1918 – 1939) wurde der bis dahin nur im Rohbau vorhandene Ostflügel der Abtei endlich fertiggestellt. Noviziatstrakt und Kapitelsaal konnten ihrer Bestimmung übergeben werden.

Die Abtei St. Hildegard im Zweiten Weltkrieg

Die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft und der Zweite Weltkrieg brachten für die klösterliche Gemeinschaft der Abtei St. Hildegard schwere Prüfungen mit sich. Schon im Mai 1941 hatte Äbtissin Regintrudis Sauter einen Teil der Abtei als Lazarett sowie 20 Mitschwestern zur Pflege der Verwundeten und für Verwaltungsarbeiten der Wehrmacht zur Verfügung gestellt – in der Hoffnung, so die Abtei vor der Auflösung retten zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Am 2. Juli 1941, dem 41. Jahrestag der Grundsteinlegung, erfolgte die Ausweisung der 115 Nonnen durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Unsere Mitschwestern mussten ihr Kloster verlassen, der Klosterbesitz wurde enteignet.

Der größte Teil der Gemeinschaft fand Aufnahme in caritativen Ordenseinrichtungen, vor allem bei den Kongregationen von Waldbreitbach und Dernbach sowie bei den Borromäerinnen in Bingen. In deren Krankenhäusern waren die Eibinger Schwestern während der verbleibenden Kriegsjahre auf Pflegestationen und in anderen Arbeitsbereichen tätig. Ein kleiner Teil unseres Konventes blieb in St. Hildegard, um als Rote-Kreuz-Helferinnen Verwundete zu pflegen bzw. um die hauswirtschaftlichen Arbeiten des Lazaretts mit seinen 100 – 130 Verwundeten zu besorgen. Im November 1944 wurde Rüdesheim durch einen Bombenangriff weitgehend zerstört, das Kloster blieb jedoch verschont. Da aber das Hauptlazarett und der Operationssaal in Eibingen ein Opfer der Bomben geworden waren, erhöhte sich die Bettenzahl im „Teillazarett Kloster Eibingen“ auf 325. Wenige Wochen vor Kriegsende, am 19. März 1945, wurde das Lazarett im Kloster Eibingen aufgelöst. Einige Tage später zogen amerikanische Truppen in Rüdesheim ein. Bald darauf erfolgte die Rückerstattung des Besitzes an die Abtei. In einem Teil des Klosters fanden ältere, durch die Bombardierung Rüdesheims obdachlos gewordene Bürger der Stadt sowie Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten für zehn Jahre Unterkunft.

Die Entwicklung der Abtei nach 1945

Bis zum 2. Juli 1945 – wiederum dem Jahrestag der Grundsteinlegung – waren die Gebäude der Abtei von vereinzelt bereits heimgekehrten Schwestern und vielen freiwilligen Helfern so weit instandgesetzt, dass auch die letzten der vertriebenen Schwestern heimkehren konnten. Am 2. Juli wurde das klösterliche Leben unter Leitung der inzwischen 80jährigen, aber immer noch tatkräftigen Äbtissin Regintrudis Sauter wieder aufgenommen. Manche junge Frau bat nun um Aufnahme in die Abtei, so dass durch den steten Zuwachs auch der innere Aufbau der Gemeinschaft neu beginnen konnte. Für die während des Krieges konfiszierten Glocken konnten am 1. Juli 1952 vier neue Glocken durch den Abt von Maria Laach, Basilius Ebel, gesegnet werden.

Am 4. August 1955 legte Äbtissin Regintrudis Sauter nach 47 Amtsjahren 90-jährig ihr Amt nieder. Zu ihrer Nachfolgerin wurde am 8. August Frau Fortunata Fischer gewählt. Sie erhielt am 17. September 1955 durch Weihbischof Walther Kampe, Limburg, die Weihe für ihr Amt. Die Amtszeit von Äbtissin Fortunata Fischer war durch einige wesentliche Neuerungen gekennzeichnet. Im Jahr 1967 wurden die bisherigen beiden Konvente der Chorfrauen und Laienschwestern zu einer Gemeinschaft vereinigt. Der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend wurden Altarraum und Nonnenchor der Kirche umgestaltet. Beides fand seinen Abschluss in der feierlichen Altarweihe am 7. September 1967. Im darauffolgenden Jahr konnte eine neue Orgel eingebaut werden. Die hohen schmiedeeisernen Gitter, die bis dahin die Klausurgrenze zwischen Chor und Kirche sowie in den Sprechzimmern markiert hatten, wurden entfernt.

Am 8. August 1978 legte Frau Äbtissin Fortunata Fischer ihr Amt nieder. Als dritte Äbtissin von „Neu-St. Hildegard“ folgte ihr am 17. August 1978 durch Wahl der Gemeinschaft Sr. Edeltraud Forster, die damit die 38. Nachfolgerin der hl. Hildegard war. Die kirchliche Weihe für ihren Dienst empfing sie am 15. September 1978 durch Bischof Dr. Wilhelm Kempf, Limburg. Eines der wichtigsten Daten ihrer Amtszeit war der 5. Mai 1988. An diesem Tag besiedelten zehn Schwestern des Eibinger Konventes die ehemalige Zisterzienser-Abtei Marienrode bei Hildesheim und nahmen nach 180-jähriger Unterbrechung eine lange monastische Tradition in Niedersachsen wieder auf. 84 Jahre nach Wiederbegründung der Abtei St. Hildegard haben das benediktinische Leben und die Geistes- und Gedankenwelt der hl. Hildegard damit für unsere Zeit erneut Früchte getragen. Zehn Jahre später, am 5. Mai 1998, wurde das Tochterkloster Marienrode in die Selbständigkeit entlassen und Sr. Maria-Elisabeth Bücker von Äbtissin Edeltraud Forster für die Dauer von vier Jahren zur Priorin-Administratorin ernannt. Im selben Jahr, am 21. September 1998, nach Abschluss des großen, ereignis- und segensreichen Jubiläumsjahres zum 900. Geburtstag der hl. Hildegard, trat Äbtissin Edeltraud Forster aus Altersgründen von ihrem Amt zurück. Am 1. Oktober erfolgte daraufhin die Wahl von Sr.Gisela Happ zur Priorin-Administratorin.

Am 23.August 2000 wurde Sr. Clementia Killewald zur Äbtissin und damit zur 39. Nachfolgerin der hl. Hildegard gewählt. Ihre Weihe empfing sie am 3.Oktober 2000 durch Bischof Dr. Franz Kamphaus., Limburg. Ihr Wahlspruch lautet: „Dominus ipse faciet“ (Der Herr wird es fügen). Am 28. Mai 2002 wählte der Konvent im Tochterkloster Marienrode Sr. Maria-Elisabeth Bücker zur Konventualpriorin für 12 Jahre. Wir vertrauen, dass sich damit der Wahlspruch von Äbtissin Clementia für beide Klöster in der Tradition der hl. Hildegard schon ansatzweise erfüllt hat.

Sr. Philippa Rath OSB

Führung durch die Abtei

Unsere Klosteranlage wurde in den Jahren 1900 bis 1904 erbaut. Stifter des Klosters war Karl Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, eine bekannte Persönlichkeit des deutschen Katholizismus im 19.Jahrhundert. Das Baumaterial – ein von Quarzit durchsetzter Sandstein – wurde aus dem Felsen oberhalb des Bauplatzes gewonnen. Planung und Durchführung des Baus standen unter Leitung des Architekten P. Ludger Rincklake, einem Mönch der Abtei Maria Laach. Am 17.September 1904 zogen 14 Schwestern aus der Benediktinerinnenabtei St.Gabriel in Prag als Gründungsgruppe in das neue Kloster ein. 1908 wurde unser Kloster zur Abtei erhoben und mit allen Rechten der ehemaligen Klöster der hl. Hildegard ausgestattet.

Als sogenannte „exemte“ Abtei untersteht unser Kloster nicht dem Ortsbischof von Limburg, sondern unmittelbar der römischen Kongregation für die Ordensleute bzw. dem Abt-Präses der Beuroner Benediktinerkongregation, einem Zusammenschluß von zehn Frauen- und zehn Männerklöstern im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 1988 besiedelten wir das ehemalige Zisterzienserkloster Marienrode bei Hildesheim wieder neu. Zehn unserer Mitschwestern gingen damals in den Norden, um dort das klösterliche Leben wieder zu beginnen. 1998 wurde das Kloster Marienrode, ein von unserer Abtei unabhängiges, selbständiges Priorat.



Klosterpforte

Will man als Gast unser Kloster besuchen, so meldet man sich zunächst an unserer Klosterpforte bei einer unserer Gastschwestern. Die Gäste wohnen im Gastbereich außerhalb der Klausur und nehmen in der Kirche am Stundengebet teil. Eine Besichtigung der Klosteranlage ist im allgemeinen nicht möglich, um unserer Gemeinschaft ihren geschützten Lebensraum, den jede klösterliche Familie braucht, zu erhalten. Unsere Schwestern Francesca, Ancilla, Fides und Maria Magdalena sowie unsere Mitarbeiterin Frau Bettina André-Kunz sind für das Wohl der Gäste zuständig und tun nach ihren Möglichkeiten alles, um ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

 



Klausurtür

Das Innere des klösterlichen Lebensbereiches erreicht man durch die Klausurtür, die in der Regel geschlossen ist. Wer neu ins Kloster eintritt, gelangt durch diese Tür hinein.

Auch bei anderen besonderen Anlässen benutzt unser Konvent diese Tür, z.B. bei feierlichen Einzügen in die Kirche an Weihnachten und Ostern sowie am Fest der hl. Hildegard am 17. September.

 



Kreuzgang

Die Kreuzgänge eines Klosters sind Räume der Stille, der Sammlung und des Gebets. Die lichtdurchfluteten ( viermal 100 m langen) Kreuzgänge unseres Klosters lassen den weiten Atem Gottes spüren und laden dazu ein, in Ruhe zu verweilen und auf die Stille zu hören.

Im Kreuzgang vor der Türe zum Nonnenchor versammelt sich unsere Gemeinschaft jeden Tag vor dem Hochamt und vor der Vesper, um dann paarweise in den Chor einzuziehen.

 



Nonnenchor

Der Nonnenchor der Kirche ist wie auch alle regulären, d.h. allgemeinen Räume des Klosters direkt vom Kreuzgang aus zu begehen.
Hier versammelt sich die Gemeinschaft siebenmal am Tag, um gemeinsam das Stundengebet zu feiern.

 



Refektorium

Nach der Mittagshore und nach der Vesper zieht der Konvent gemeinsam ins Refektorium, um die Hauptmahlzeiten einzunehmen. Das Refektorium eines Klosters ist mehr als ein bloßer Speisesaal.
Hier wird die gemeinsame Feier des Abendmahls in den Alltag hinein fortgesetzt. Die Mahlzeiten werden schweigend eingenommen; eine Tischleserin trägt mittags neueste Nachrichten aus der Presse vor; abends wird fortlaufend aus einem Buch gelesen.

 



Kapitelsaal

Der Kapitelsaal des Kosters ist der Raum für offizielle Anlässe im Leben einer klösterlichen Gemeinschaft. Hier findet die Aufnahme der Postulantinnen in das Noviziat (Einkleidung) statt, hier legen die Novizinnen ihre erste Profeß für drei Jahre ab; hier finden Kapitelsitzungen zu wichtigen Fragen und Themen, die die ganze Gemeinschaft betreffen, statt, hier wird die Äbtissin gewählt – und schließlich werden hier die verstorbenen Schwestern vor der Beerdigung für drei Tage aufgebahrt. Der Kapitelsaal umfasst also das ganze klösterliche Leben einer Gemeinschaft und der Einzelnen – vom Beginn bis zum Tod.

 



Bibliothek

Die Bibliothek unserer Abtei ist wie die Kirche ganz im Stil der Beuroner Kunstschule ausgemalt und ist einer der wertvollsten Räume im ganzen Kloster. Unsere Bibliothek umfasst ca. 50.000 Bände, die aus Platzgründen z.T. in andere Räume ausgelagert sind. Prachtstück der Bibliothek ist der Rupertsberger „Scivias“-Kodex der hl.Hildegard von Bingen mit seinen 35 farbigen Miniaturen.

 



Konventzimmer

Im sogenannten Konventzimmer trifft sich unsere Gemeinschaft zu Zeiten der Rekreation und Erholung. Hier finden auch die Klosterfeste zu besonderen Anlässen und Festtagen im Jahr statt. Das Konventzimmer lädt ein zu ungezwungenem Beisammensein, wird aber auch genutzt zum gemeinsamen Musizieren oder für Vorträge und Gesprächsrunden.

 



Gästerefektorium

 



Klosterzelle

Gänzlich dem Privatbereich zugeordnet ist die Zelle (lat. cella: Raum) einer jeden Schwester. Sie ist der Wohn- und Gebetsraum jeder Einzelnen und darf von anderen nur im Ausnahmefall betreten werden. Die Zelle ist ein bevorzugter Ort des Alleinseins; wir lieben sie als Stätte, in der jede unter den Augen Gottes bei sich selbst zu Hause sein kann.

 



Gästezimmer

 



Klostergarten

Der etwa vier Hektar große private Klostergarten rund um die Abtei ist ein Naturparadies und Refugium für die Schwestern in einem. Er ist sehr vielgestaltig angelegt und beherbergt sowohl ein Stück Wald als auch verschiedene Obstfelder, Gemüseanlagen und viele viele Sträucher und Blumen.

 



Friedhof

Im Ostteil des Gartens befindet sich unser Klosterfriedhof. Hier haben inzwischen über 200 Schwestern ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ein Gang über den Friedhof erinnert uns immer wieder an die Vergänglichkeit und Vorläufigkeit des Lebens und lässt uns Ausschau halten nach der Ewigkeit bei Gott.
Er lässt uns aber auch dankbar allzeit derer gedenken, die uns die Tradition des benediktinischen Lebens hier in St.Hildegard durch inzwischen 100 Jahre weitergegeben haben und auf deren Schultern wir an der Zukunft weiterbauen.

 



Gründungssäule

Im Kreuzgarten, einem der Innengärten unserer Klosteranlage, befindet sich das Gründungskreuz unserer Abtei. Hier an dieser Stelle versammelt sich die Gemeinschaft alljährlich am 2. Juli, um den Gründungstag unseres Klosters im feierlichen Singen des „Magnifikat“ zu begehen und derer zu gedenken, die uns im klösterlichen Leben bereits zu Gott vorausgegangen sind. Im Jahr 2000 feierten wir den 100. Jahrestag der Grundsteinlegung unseres Klosters und danken Gott für seine Führungen und Fügungen durch fünf Generationen hindurch.

Führung durch die Kirche

Die Kirche der Abtei St.Hildegard wurde in den Jahren 1900-1908 im Auftrag des Fürsten Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1834-1921), einer der führenden Persönlichkeiten des deutschen Katholizismus im 19.Jahrhundert, errichtet.Fürst zu Löwenstein, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, an historischer Stätte die Tradition der Klöster der hl.Hildegard neu zu beleben, beauftragte P.Ludger Rincklake (1850-1927), Mönch der Abtei Maria Laach und von Beruf Architekt, mit Planung und Durchführung des Kirchenbaus. Die Grundsteinlegung erfolgte am 2.Juli 1900; eingeweiht wurde die Kirche am 7.September 1908. Die Innenausmalung nahm mehrere Jahre, 1907-1913, in Anspruch und stand unter der Leitung von P.Paulus Krebs (1849-1935), Beuron, eines Schülers des berühmten Malermönches P.Desiderius Lenz (1832-1928), des Begründers der Beuroner Kunstschule. Die Eibinger Klosterkirche gilt als sein Hauptwerk und als eine der gelungensten Gesamtkompositionen der Beuroner Kunstschule.

Die Abteikirche St. Hildegard ist nach dem Vorbild der alten Basiliken im romanischen Stil erbaut. An das Presbyterium der Kirche schließt sich nach Norden hin der Nonnenchor an, in dem die Benediktinerinnen siebenmal am Tag zum Chorgebet zusammenkommen. Der Chor wie auch die ihm gegenüberliegende südliche Chorwand wurden in den sechziger Jahren restauriert. Die Wandmalereien wurden in diesem Teil der Kirche übermalt, so daß die Gesamtkomposition der Kirchenausmalung in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr erhalten ist.
Den Besucher der Abtei werden zunächst die beiden mächtigen, 48 Meter hohen Türme der Kirche beeindrucken. Wie die gesamte Kloster- und Kirchenanlage sind sie aus Bruchstein erbaut, der aus dem Steinbruch innerhalb des Klostergartens gewonnen wurde.

Die Kreuzigungsgruppe

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An der Giebelwand zwischen den beiden Türmen erblickt man eine aus rotem Sandstein gehauene Kreuzigungsgruppe, die Christus am Kreuz und bei ihm Maria, seine Mutter, und den Lieblingsjünger Johannes zeigt. Oberhalb des Kreuzes, auf dem Giebel der kleinen Vorhalle und in dem Mosaik an der Vorderwand der Vorhalle ist jeweils das Benediktuskreuz zu sehen, welches die Kirche dem Besucher auf den ersten Blick als Klosterkirche des hl.Benedikt erkenntlich macht. Das gleiche Kreuz findet sich auch in den Füllungen des aus Bronze gefertigten Hauptportals der Kirche wieder. Die Buchstaben „CSPB“ stehen für: „Crux Sancti Patris Benedicti“ – Kreuz des hl.Vaters Benediktus.

Die Beuroner Kunstschule

KIRCHE

Betritt man den Kirchenraum, so umfängt den Besucher eine ganz eigene, zur Besinnung einladende Atmosphäre. Der hohe, gleichmäßig und in ruhigen Linien gestaltete Raum zieht den Betrachter in seinen Bann, ebenso aber auch die gedämpfte, stille, geheimnisvoll anmutende Farbigkeit der Wandgemälde. Wer diese eigenartige, friedliche Grundstimmung im Inneren verspürt, der hat damit bereits die entscheidenden Charakterzüge der Beuroner Kunstschule erfaßt.

Die Beuroner Kunst ist mystische, liturgische und damit zugleich auch monastisch-benediktinische Kunst. Sie dient ausschließlich der Bestimmung, Gott zu verherrlichen, und ist Ausdruck der Gesinnung der Künstler. Sie will einladen zum bloßen Schauen, zur Anbetung, zur Versenkung in Wesen und Geheimnis Gottes. Die Beuroner Kunst atmet Frieden und ist zugleich auf wunderbare Weise zeitlos. Darin kommt sie ihrem großen Vorbild, der alten ägyptischen Kunst, besonders nahe. Architektur und Malerei, die eng aufeinander bezogen sind, strahlen eine unwandelbare Ruhe und Majestät aus. Die Abstraktion von allem Bewegten ist bis ins Letzte folgerichtig ausgeführt: in der Architektur bestimmen die geraden Linien das Bild; in der Malerei herrscht das streng Stilistische und Stilisierte vor; die Farbgebung ist harmonisch und einheitlich.
Es gibt wohl kaum eine Kunstrichtung, die das Ruhen in Gott, jenen Grundzug mystischer Beschauung, klarer zum Ausdruck bringt als die Beuroner. Für viele moderne Menschen, die die Kunst nur um der Kunst willen schätzen, mag es heute schwierig sein, diese „l’art pour Dieu“ (Kunst um Gottes willen) zu erfassen. Einem Menschen jedoch, dem die Kunst Gedankeninhalt ist – abgründiger als ein Wort -, und der bereit ist, zu hören und zu schauen, sich anregen und in das Geheimnis führen zu lassen, dem werden sich diese Malereien aufschließen wie ein kostbarer Schatz. Er wird hinausgelenkt über sich selbst und hineingeführt in die unendlichen Weiten der Ewigkeit.

Die Gemälde der Apsis

Das Innere des Kirchenraumes wird von der monumentalen Christusfigur in der Apsis über dem Altar bestimmt. Das auf Goldgrund gearbeitete Gemälde erinnert den Betrachter an ein byzantinisches Mosaik – eine Assoziation, die von den Künstlern durchaus beabsichtigt war. Christus erscheint als Pantokrator; als erhabener König und Herrscher über das All, zugleich aber als Bruder, der die Menschen mit offenen Armen empfängt und aufnimmt. Die ausgebreiteten Arme deuten auf die tiefe Symbolik, die in dieser Christusgestalt liegt, hin: Wer eingeladen wird, kommt aus freiem Willen und nicht aus Zwang. Das Verhältnis zwischen Christus und den Menschen ist das Verhältnis der Freundschaft und Liebe. Jeder ist eingeladen, zu jeder Zeit und an jedem Ort, gleich wo er steht. So schaut auch die Christusfigur jeden Besucher an; an keiner Stelle kann sich der Betrachter ihrem Blick entziehen. Dieser Effekt ist der Wölbung der Apsiskuppel zu verdanken, die sich die Künstler in St. Hildegard zunutze gemacht haben.
An das Christusbild schließt sich nach unten ein Fries mit dreizehn Lämmern an, ein Motiv, das bereits in frühchristlicher Zeit in vielen Kirchen Verwendung gefunden hat. Die dreizehn Lämmer sind Sinnbild für Christus und die zwölf Apostel. In der Regel gilt diese Darstellung Christi als Hinweis auf die Eucharistie, in der das Opfer Christi gefeiert wird. Doch kann das Lamm hier diese Bedeutung nicht haben, da auch die Apostel unter demselben Bild dargestellt sind. Deshalb liegt die Verbindung zu Lk 10,3 nahe, wo es heißt: ,,Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.“ Die Apostel und damit jeder Christ sollen die Frohe Botschaft und das Himmelreich nicht mit menschlicher Macht und Stärke aufbauen, sondern im Ge-genteil: ,,Das Schwache hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen, und das Törichte, um die Weisen zuschanden zu machen“ (1. Kor 1,27). Der Maßstab der göttlichen Liebe entspricht nicht dem, was in der Welt Rang und Bedeutung hat, sondern Gott wirkt gerade im Unscheinbaren und Schwachen. Das ist die Botschaft, die diese dreizehn Lämmer dem Betrachter nahebringen wollen.
Dem Lämmerfries schließt sich nach unten hin ein zweiter Fries an, auf dem acht ganzfigurige Engelgestalten dargestellt sind. Die Engel, die streng frontal ausgerichtet dastehen, sind in eine weiße gegürtete Tunika (altrömisches Gewand, dem auch die Ordenstracht der Benediktinerinnen nachgestaltet ist) gekleidet. Uber ihren Flügeln sind die Buchstaben , ,SCTS“ = Sanctus (heilig) zum Zeichen für das immerwährende Gotteslob zu sehen.

kirche_titel3kleinTabernaculum Dei Cum Hominibus

Grundgedanke der Ausmalung des Hauptschiffs. Das Hauptschiff hat vier ausgemalte Flächen: die beiden Seitenwände, den Chorbogen mit dem Bogenfeld und die Rückwand.
Das Feld des Chorbogens wird beherrscht durch das Bild der Stadt Gottes, durch die Mauern des himmlischen Jerusalem, die an den Seiten von je zwei Türmen eingefaßt sind. Die in leuchtendem Ocker gehaltene Inschrift auf dem saphirblauen Untergrund deutet auf den Grundgedanken aller Darstellungen und damit auf das Thema der ganzen Kirchenausmalung hin: ,,Tabernaculum Dei Cum Hominibus“, ,,die Wohnung, das Zelt Gottes unter den Menschen“ (Offb. 21,3).
Der hier formulierte Gedanke des Wohnens Gottes unter den Menschen geht in seinem Ursprung auf das Alte Testament zurück. Der Ort, an dem sich das israelitische Gottesvolk versammelte – und damit der Ort der Gottesbegegnung schlechthin -, war zur Zeit der Wüstenwanderung das ,,Zelt der Begegnung“, später dann der jerusalemische Tempel. Dort, in ,,seiner Stadt“ und ,,seiner Wohnung“, feierten und erfuhren die lsraeliten die hilfreiche Gegenwart Gottes.

Auch für Jesus und die Urgemeinde des Neuen Testaments galt der Tempel folgerichtig als Heiligtum und als ,,Haus des Vaters“. Doch kam nun eine neue Dimension hinzu: Jesus selbst wurde durch seinen Tod und seine Auferstehung zur endgültigen und universalen Stätte der Gottesbegegnung und der Gottesgegenwart. So sprechen die Evangelien von seinem Leib als dem wahren Tempel, und in der paulinischen Weiterführung ist die Rede von dem geheimnisvollen Leib der Kirche, dessen Haupt Christus ist. So bilden also alle Gläubigen zusammen den ,,heiligen Tempel des lebendigen Gottes“.
Eigentlicher Ort seiner Gegenwart ist also die Kirche als Ursakrament Christi, als Gottesvolk des Neuen Bundes. Dieses versammelt sich zum Hören des Wortes Gottes, zum Gebet und zum Mahl und macht damit das Kirchengebäude seinerseits wieder neu zum Ort der Begegnung mit Gott. Hier schließt sich der Kreis. ,,Inhabitatio Dei cum hominibus“ (Einwohnen Gottes in den Menschen) wird also zum Sinnbild für die Geschichte Gottes mit dem Menschen schlechthin.

Beuronisches Kreuz

In der Mitte hinter dem Altar steht seit dem Fest Kreuzerhöhung am 14. September 2004 wieder das alte, in der Beuroner Kunstschule zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefertigte vergoldete und mit Edelsteinen besetzte Kreuz.

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Bis zur Liturgiereform in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts zierte es den Hochaltar unserer Kirche. Danach „verschwand“ es in der (nicht öffentlich zugänglichen) Krypta unterhalb des Presbyteriums. Rechtzeitig zum 100-jährigen Abteijubiläum entdeckten wir das wunderbare Kreuz neu.

In den Kunstwerkstätten der Abtei Maria Laach wurde es unter Mitwirkung unserer Sr. Christophora restauriert und hat nun wieder seinen ihm zukommenden Ehrenplatz im Altarraum.

Beuronische Ewiglichtlampe

Nach Jahrzehnten „wiederentdeckt“ wurde auch die wunderschöne, kostbare Ewiglichtlampe, die ebenfalls ein Meisterstück der Beuroner Kunstschule ist.

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Zur Neugründung unserer Abtei im Jahr 1904 kam sie nach St. Hildegard – als Geschenk der berühmten westfälischen Adelsfamilie von Galen an unsere Gründeräbtissin, Mutter Regintrudis Sauter.

Die Ewiglichtlampe wurde ebenfalls in den Kunstwerkstätten der Abtei Maria Laach restauriert und anlässlich des 100. Jubiläums der Wiederbegründung unseres Klosters im Jahr 2004 wieder seiner ursprünglichen Bestimmung im Altarraum übergeben.

Orgel

Zum 100-jährigen Jubiläum unserer Abtei im Jahr 2004 erhielt unsere Kirche nach vielen Jahren der Provisorien endlich eine neue Orgel.

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Das herrliche Instrument, das zum Lob Gottes erklingt und die Feier der Liturgie und des Stundengebets begleitet, stammt aus der Werkstatt der renommierten Orgelbaufirma Seifert in Kevelaer.

Die Orgel, die dem Mainfränkischen Instrumententypus entspricht, hat 32 Register und ermöglicht unseren Musikern sowohl für die Choralbegleitung als auch für Konzerte eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten.

Die rechte (südliche) Seitenwand

Die Seitenwände – Heilsgeschichte des Alten und des Neuen Testaments. Die südliche (rechte) Seitenwand zeigt in den fünf Bogenfeldern Szenen aus dem Alten Testament. Von hinten nach vorn sind folgende Motive dargestellt:

Die Arche Noah die als Sinnbild für die Kirche gilt und bevorzugter Ort der göttlichen Verheißung war.

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Der Besuch Gottes bei Abraham und Sarah, bei dem Abraham verheißen wird, daß er Stammvater des Gottesvolkes werden solle.

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Der Traum Jakobs von der Himmelsleiter; die hier allerdings als Treppe zwischen Himmel und Erde dargestellt wird, und auf der Engel hinauf- und hinabsteigen.

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Der Zug der Priester mit der Bundeslade. Dieser stellt keinen bestimmten Prozessionszug dar; sondern vielmehr die alttestamentliche Tradition der Prozession mit der Lade überhaupt.

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Der Altar; der dem ,,ignoto deo“, dem unbekannten Gott, geweiht ist. Dieses Bild enthält den Gedanken des Wohnens Gottes auch unter den Heiden und bezieht sich auf die Rede des Apostels Paulus auf dem Athener Areopag gemäß Apg 17,22-31.

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Die linke (nördliche) Seitenwand

Die nördliche (linke) Seitenwand des Mittelschiffs enthält im mittleren Bogenfries ebenfalls fünf Bilder; die alle die Offenbarung Gottes unter den Menschen – diesmal vor allem aus neutestamentlicher Zeit – zur Darstellung bringen. Von hinten nach vorne sind dies: Adam und Eva im Paradies. Dieses Bild steht am Anfang der neutestamentlichen Bilder; weil das Erlösungswerk Christi direkt an das Paradies anknüpft und die untrennbare Einheit Gottes mit dem Menschen vor dem Sündenfall wiederherstellen will.

Adam und Eva im Paradies

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Die Menschwerdung Christi im Stall von Bethlehem. Auf einzigartige Weise nimmt Gottes Wort durch seinen Sohn Wohnung in den Menschen.

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Das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern am Gründonnerstag und die Einsetzung der Eucharistie.

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Die Ausgießung des heiligen Geistes an Pfingsten und die Aussendung der Jünger in die ganze Welt.
Pfingsten als Ausgangspunkt für die Entstehung der Kirche, symbolisiert durch Maria in der Mitte der Jünger Jesu.

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Die Lebensgemeinschaft zwischen Christus und seiner Kirche, dargestellt in den drei symbolischen Bildern: Braut und Bräutigam, Hirt und Herde, Weinstock und Rebe.

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Darstellungen aus dem Leben der hl. Hildegard

Die Malereien in den unteren Bogenfeldern der nördlichen (linken) Seitenwand des Hauptschiffes sind der Patronin der Abtei, der hI. Hildegard von Bingen (1098-1179), gewidmet. Da P.Paulus Krebs sich selbst als ,,Maler der hI. Hildegard“ betrachtete, sind sie mit besonderer Liebe und Hingabe ausgeführt. Der fünfteilige Bildzyklus zeigt wichtige Szenen aus dem Leben der Heiligen. Von hinten nach vorn gehend sind dies:
Wie St. Hildegard zur hI. Jutta auf den Disibodenberg geht. Im Alter von acht Jahren wurde Hildegard der Meisterin Jutta von Spanheim zur Erziehung übergeben. Mit ihr zusammen lebte sie fortan in einer Klause, die dem Mönchskloster Disibodenberg angeschlossen war. Erst im Laufe der Jahre entwickelte sich die Klause zu einem eigentlichen Kloster. Mit 15 Jahren legte Hildegard ihre Gelübde ab. Später; nach dem Tod Juttas, wurde sie zur geistlichen Mutter der Klostergemeinde gewählt.

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Wie St. Hildegard auf den Rupertsberg bei Bingen zieht Im Jahre 1150 siedelte Hildegard von Bingen vom Disibodenberg zum Rupertsberg über; wo sie ein größeres Kloster hatte erbauen lassen. Der Rupertsberg wurde ihr eigentliches Kloster – hier entstanden ihre großen Visionsschriften. Von hier aus gründete sie auch das Kloster Eibingen.

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Wie St. Hildegard in Ingelheim zu Kaiser Barbarossa spricht. Hildegard war nicht nur Abtissin und Prophetin, sondern auch Beraterin vieler ihrer Zeitgenossen. Sie führte eine ausgedehnte Korrespondenz mit bekannten und unbekannten Persönlichkeiten und unternahm auch verschiedene Reisen, um zu lehren und Rat zu erteilen. Rheinaufwärts in Ingelheim, auf dem linken Ufer; hatte Kaiser Friedrich Barbarossa sein Hof- und Heerlager. Er wünschte, die berühmte Abtissin kennenzulernen. Was im einzelnen zwischen den beiden verhandelt wurde, ist nicht bekannt. Fest steht nur; daß der Kaiser Hildegard und ihrem Kloster offenbar sehr gewogen war und ihr im Jahre 1163 einen Schutzbrief ausstellte.

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Wie St. Hildegard Eibingen gründet und in Rüdesheim einen blinden Knaben heilt. Der Ruhm der hl. Hildegard führte immer mehr junge Frauen in das Kloster Rupertsberg. Dieses aber war ursprünglich nur für 50 Nonnen gebaut worden. So wurde es bald zu klein, und Hildegard erwarb im Jahre 1165 ein ehemaliges Augustiner-Doppelkloster in Eibingen bei Rüdesheim, um es neu zu besiedeln. Hildegard blieb Abtissin des Rupertsbergs, fuhr aber zweimal wöchentlich mit dem Schiff hinüber nach Eibingen. Auf einer dieser Rheinfahrten soll sie einen blinden Knaben, dessen Augen sie mit Rheinwasser benetzte, wieder sehend gemacht haben.

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Wie beim Tode St. Hildegards am Himmel Zeichen geschehen. Am Morgen des 17. September 1179 starb die hl. Hildegard von Bingen. Der Uberlieferung nach erglühte nach ihrem Tod am Himmel ein wunderbares Licht, in dessen hellem Schein ein rotschimmerndes Kreuz zu sehen war.

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Sakristei – und Rückwand

Die Malereien des Seitenschiffs sind ebenfalls der hl. Hildegard, aber auch anderen bedeutenden weiblichen Heiligen des Benediktinerordens gewidmet. Auf der Ostwand über der Sakristeitür ist Hildegard selbst dargestellt, mit einem Federkiel in der rechten Hand.

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An der gegenüberliegenden Westwand sind fünf hl. Frauen zu sehen: Margareth von Rupertsberg, Hiltraud von Rupertsberg, Jutta von Spanheim, lda von Rupertsberg und Elisabeth von Schönau. Alle fünf Heiligen sind typisiert und haben die gleichen ebenmäßig geschnittenen Gesichter.

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An der Längswand zwischen den Fenstern finden sich ebenfalls Gemälde heiliger Benediktinerinnen. Auch sie sind nicht historisch-realistisch, sondern typisiert gemalt, zum Zeichen dafür; daß es den Künstlern nicht um religiöse Historienmalerei, sondern um den Sinnbildcharakter und dessen Glaubensaussage ging.

Beim Verlassen der Kirche erblickt man über dem Hauptportal eine Inschrift. Diese ist dem Gründer und Erbauer des Klosters und der Kirche, Fürst Karl zu Löwenstein, in Dankbarkeit gewidmet. Was er im Jahr 1900 grundgelegt hat, das trägt bis heute reiche Frucht.

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Die Abteikirche der hl. Hildegard ist alljährlich Ziel vieler Pilgergruppen und Besucher; die auf den Spuren der großen Heiligen den Weg nach Eibingen finden und mit den Schwestern der Abtei gemeinsam das Gotteslob feiern.

 

Ausstellung zur Beuroner Kunst

Die Beuroner Kunstschule
Die Beuroner Kunst ist mystische, liturgische und damit zugleich auch monastisch-benediktinische Kunst. Sie dient ausschließlich der Bestimmung, Gott zu verherrlichen, und ist Ausdruck der Gesinnung der Künstler. Sie will einladen zum bloßen Schauen, zur Anbetung, zur Versenkung in Wesen und Geheimnis Gottes. Die Beuroner Kunst atmet Frieden und ist zugleich auf wunderbare Weise zeitlos. Darin kommt sie ihrem großen Vorbild, der alten ägyptischen Kunst, besonders nahe. Architektur und Malerei, die eng aufeinander bezogen sind, strahlen eine unwandelbare Ruhe und Majestät aus. Die Abstraktion von allem Bewegten ist bis ins Letzte folgerichtig ausgeführt: in der Architektur bestimmen die geraden Linien das Bild; in der Malerei herrscht das streng Stilistische und Stilisierte vor; die Farbgebung ist harmonisch und einheitlich. Es gibt wohl kaum eine Kunstrichtung, die das Ruhen in Gott, jenen Grundzug mystischer Beschauung, klarer zum Ausdruck bringt als die Beuroner. Für viele moderne Menschen, die die Kunst nur um der Kunst willen schätzen, mag es heute schwierig sein, diese „l’art pour Dieu“ (Kunst um Gottes willen) zu erfassen. Einem Menschen jedoch, dem die Kunst Gedankeninhalt ist – abgründiger als ein Wort -, und der bereit ist, zu hören und zu schauen, sich anregen und in das Geheimnis führen zu lassen, dem werden sich diese Malereien aufschließen wie ein kostbarer Schatz. Er wird hinausgelenkt über sich selbst und hineingeführt in die unendlichen Weiten der Ewigkeit.
Ausstellung zur Beuroner Kunst und zur Ausmalung der Abteikirche
Aus Anlass des 100-jährigen Kirchweihjubiläums am 7. September 2008 haben wir im Seitenschiff unserer Kirche ein halbes Jahr lang eine Ausstellung präsentiert, die sich mit der Beuroner Kunst, der Ausmalung unserer Abteikirche sowie mit der Baugeschichte der Kirche beschäftigte. Die Ausstellung erfreute sich außerordentlicher Beliebtheit und wurde mit so großem Interesse aufgenommen, dass wir uns entschlossen haben, diese nun jedem Interessierten auf unserer Homepage zugänglich zu machen. Wie bereits in der Chronik berichtet, hatten Sr. Teresa, Sr. Emmanuela, Sr. Philippa und Sr. Benedicta, maßgeblich unterstützt durch Herrn Hans-Georg Kunz, bereits 2007 mit der Planung und Vorbereitung der Ausstellung begonnen. Die Ausmalungen unserer Abteikirche gelten als eines der wenigen noch erhaltenen Hauptwerke der Beuroner Kunstschule. Diese lange Zeit fast vergessene und heute wieder sehr beachtete Kunstrichtung entstand im letzten Drittel des 19. Jh. und war bis Mitte der zwanziger Jahre weit verbreitet. Die Künstler übernahmen Formen und Motive aus ägyptischer und byzantinischer Zeit, sowie aus dem sich gerade entwickelnden Jugendstil. Die Malereien wirken durch ihre Stilisierung fast zeitlos modern. Leider wurden wesentliche Teile der Kirche in den sechziger Jahren übermalt. Die Ausstellung zeigt nun, wie es einmal ausgesehen hat. Zu sehen sind hauptsächlich Reproduktionen der originalen Entwürfe, die bisher nicht veröffentlicht wurden. Diese erlauben auch einen spannenden Einblick in die Entwicklung der Ausmalungen, in die die verschiedenen Entwürfe und die einzelnen Phasen der Ausmalung. Neuere Funde in den Archiven der Erzabtei Beuron und unseres Hauses ermöglichten es uns außerdem, eine getreue Rekonstruktion in Form von 3D-Fotosimulationen vorzunehmen. Für die 3D-Fotosimulation wurden auf Basis alter Pläne der Nonnenchor und das Presbyterium samt Apsis im Computer nachgebildet. Die Wände, Böden und Decken wurden anhand der Vorlagen aus der Beuroner Malschule maßstabsgerecht rekonstruiert. Die virtuelle Ausführung erfolgte dann anhand der Original-Farbvorlagen, Konturzeichnungen und alter Schwarz-Weiß-Fotos, die in digitaler Form vorlagen. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim „Rundgang“ durch die Ausstellung!
Ihre Schwestern der Abtei St. Hildegard
Beuronische Kunst
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab die Erzabtei Beuron einer eigenen Richtung in der kirchlichen Kunst ihren Namen: Beuroner Kunst. Mit ihr wollten die Beuroner Benediktiner die christliche Kunst aus der Naturimmitation und Gefühlsgebundenheit lösen und sie zu einer dem christlichen Glauben und der Liturgie würdigen Form hinführen. Diese Gelegenheit ergab sich 1868, als der Architekt und Bildhauer Peter Lenz in Beuron war. Er hatte von Fürstin Katharina von Hohenzollern den Auftrag zum Bau und zur Ausstattung der Kapelle zu Ehren des hl. Abtes Maurus erhalten. Peter Lenz hatte seine eigene Kunsttheorie geschaffen. Er glaubte, mit Hilfe der „ästhetischen Geometrie“, den „heiligen Maßen“, einem eigenen „Kanon“ und den Zahlenproportionen der Ägypter eine „Heilige Kunst“ konstruieren zu können. Seine Gedanken sind in dem 1898 erschienenen Buch „Zur Ästhetik der Beuroner Schule”
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Bildnachweis: Erzabtei St.Martin, Beuron
Zur Ausstattung der Mauruskapelle hatte Lenz seinen Malerfreund aus der Akademiezeit, Jakob Wüger, und dessen Schüler Fridolin Steiner hinzugezogen. Alle drei traten ins Kloster ein und bildeten eine Arbeitsgemeinschaft. Als größere Aufträge an diese Gruppe herantraten, besonders in Monte Cassino und in Prag, wurden alle künstlerischen Talente aus der Klostergemeinschaft herangezogen und unter die Leitung von Pater Desiderius (Peter) Lenz gestellt. Daraus entstand später die Beuroner Kunstschule. Für die Kirchenausmalung in St. Hildegard zeichnete Pater Paulus Krebs, ein Schüler von Pater Desiderius Lenz, verantwortlich.
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Bildnachweis: Abtei St. Hildegard
Die künstlerischen Arbeiten verloren allerdings durch den Schulbetrieb und durch Fremdeinflüsse zunehmend an Qualität. Die Strenge wurde nach und nach zur Volkstümlichkeit gemildert; das Maß erstarrte immer mehr zum Schema. Man übernahm Formen und Motive aus frühchristlicher, byzantinischer und präraffaelitischer Kunst und aus dem Jugendstil. Auf dem Gebiet des kirchlichen Gerätes vermochte die ästhetische Geometrie zu reinigen und Form und Aufbau zu klären und zu vereinfachen. Werke der Beuroner Goldschmiedekunst bilden auch heute noch den Grundstock der Ausstattung von Kirche und Sakristei in Beuron. Einfluss auf die Zukunft hatten jedoch nur die ersten strengen Arbeiten von Pater Desiderius Lenz und besonders seine Kunsttheorie.
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Quelle: Internetseite der Erzabtei Beuron: www. erzabtei-beuron .de
Die Erzabtei Beuron ist das Mutterkloster der Beuroner Kongregation, zu der auch die Abtei St. Hildegard gehört, und liegt im Donautal zwischen Tuttlingen und Sigmaringen. Bildnachweis: Abtei St. Hildegard, Rüdesheim
Eibingen als Vision eines beuronischen Gesamtkunstwerks (1898-1900) 
Pater Desiderius Lenz (1832-1928), Protagonist und Lehrmeister der Beuroner Kunstschule, strebte nach dauerhaft gültigen, verbindlichen Gestaltungsprinzipien kirchlicher Kunst. Dazu gehörten ein programmatischer Bezug auf die Malerei des Alten Ägypten – für ihn die Urform aller Künste -, Stilisierung, Typisierung und Symmetrie sowie eigene Kanonstudien. Seit 1866/67 entwickelte Lenz in aufwendigen, immer wieder variierten Planungen seine Vision einer Idealkirche. Eine Möglichkeit, das ersehnte Gesamtkunstwerk des Glaubens im kleineren Maßstab zu realisieren, ergab sich 1898-1900 durch das Eibinger Klosterprojekt. Lenz’ Eibingen-Entwürfe waren phantasievoll und prächtig, aber auch sehr kostenintensiv und durch die offensichtlichen Ägyptizismen ikonographisch anstößig. Sie wurden daher nie realisiert.
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Bildnachweis: Erzabtei St.Martin, Beuron n Lenz’ Entwürfen finden sich wesentliche Bauelemente der später realisierten Abteikirche, etwa der rechtwinklig ansetzende Nonnenchor. Darüber hinaus plante er eine weitläufige, dreischiffige, gewölbte Unterkirche, die offenbar zur Verehrung der Hildegard-Reliquien bestimmt war. Eingestimmt durch einen gemalten Prozessionszug auf den Außenwänden, hätte man diese Unterkirche direkt vom Klosterweg aus betreten. Auch entwarf Lenz einen kreisrunden Campanile mit Kapelle, der brückenartig mit der Kirche verbunden sein sollte.
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Bildnachweis: Erzabtei St.Martin, Beuron Als Botschaft an die Welt gedacht, komponierte Lenz einen barmherzigen Christus auf die südliche Schmalseite der Kirchenfassade. An der Kirchenfassade selbst sollten knapp neun Meter hohe, streng stilisierte Engelsskulpturen aufragen. Die Mittelachse der Fassade diente der Verherrlichung Mariens. In der Eingangshalle erwartete die Gläubigen eine monumentale Sitzfigur der Maria mit Kind. Das Kircheninnere hätte eine festliche Folge gemalter Prozessionszüge, anbetend niederkniender und stehender Heiliger bestimmt – nach Beuroner Verständnis war dies „Liturgie im Bilde“. Am Ostende des Abteikomplexes, sollte sich eine kolossale ägyptisierende Sitzstatue befinden; ihre Bedeutung ist noch ungeklärt.
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Bildnachweis: Erzabtei St.Martin, Beuron
Im März 1899 wurde Lenz vom Erzabt und von Maler-Mönchen in Beuron wegen seiner nicht-christlichen, womöglich Ärgernisse erzeugenden Darstellungen ermahnt. Daher tilgte P. Desiderius im Frühsommer 1899 die augenfälligsten Ägyptizismen aus seinen Eibingen-Plänen. Auch entwarf er nun eine schlichtere, basilikale Querschnittsfassade. Vollständig mit beuronischer Malerei überzogen, sollte diese der Verherrlichung Mariens als Jungfrau, Gottesmutter und Himmelskönigin dienen. Ikonographisch passend, war in der Apsiskalotte eine großformatige Darstellung der Marienkrönung geplant. An der Jahreswende 1899/1900 skizzierte Lenz ein letztes, erheblich schlichteres Abteiprojekt: Wie im Mutterkloster St. Gabriel in Prag, war die Eibinger Kirche nun einschiffig und mit seitlichem Kapellenannex projektiert.
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Bildnachweis: Erzabtei St.Martin, Beuron
Erster Entwurf  St. Hildegard, erster Entwurf Mai 1907 Einer der ersten farbigen Entwürfe für die Nordwand des Kirchenschiffs. Die oberen beiden Friese stellen einen Prozessionszug von Heiligen dar sowie zentrale Szenen aus der Heiligen Schrift. Im unteren Teil sind hier noch Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt zu sehen. Diese Entwürfe wurden zu Gunsten eines Hildegardzyklus wieder aufgegeben. Wie bei den Beuroner Vorschlägen üblich, sind in einer Skizze verschiedene Variationen von Wandfassungen gleichzeitig zu sehen. Dies ist am unteren Teil der Wand (z.B. Kassettenausmalung) sichtbar.
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Bildnachweis: Erzabtei St.Martin, Beuron
St. Hildegard zu Eibingen – Erster Entwurf Mai 1907
Erster kompletter Entwurf des Kirchenschiffs in Bleistift. Dieser kam in leicht reduzierter Form zur Ausführung, lediglich die Christusdarstellung in der Apsis wurde verändert.
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Bildnachweis: Erzabtei St.Martin, Beuron